„Mitleid ist ein scharfes Schwert“

Mitleid – und ein bisschen Humor: Kanadagänse heißen von jetzt an „Donald Ducks“

Sorry, ich muss noch einmal zum Thema T. ausholen. Es gab viele Kommentare zum gestrigen Blog. Die meisten AutorInnen wollen sich gar nicht oder nur anonymisiert veröffentlicht sehen. Einer der Kommentare ist mir wichtig genug, um ihn hier in voller Länge wiederzugeben. Er stammt von einem langjährigen Freund und Kollegen aus dem Rheinland.

Dieser Freund spielt in meinem Leben eine ganz besondere Rolle. Für die BLOGHAUSGESCHICHTEN war er nicht nur eine Art Namensgeber, sondern leistete auch so etwas wie die Initialzündung. Als die meisten von uns Blogs noch mit „ck“ schrieben, wusste er bereits um die Kraft dieses Tools.

Hier ist sein Kommentar:

Lieber Herbert,

ich habe den Eindruck, dass die kritischen und teils abfälligen Bemerkungen und Beschreibungen über den US-Präsidenten am Ende nur die Hilflosigkeit verdeutlichen, die man angesichts seiner Amtszeit empfindet. Ich stelle mir vor, wie das wäre, wenn ER deinen Blog lesen würde. Worüber würde er sich wirklich aufregen? Ich glaube nicht darüber, KissMyAss oder Wüterich genannt zu werden oder Präsidenten-Darsteller etc.

Ich glaube, was ihn wirklich kränken würde, wäre, wenn man die allerbilligsten Provokationen einfach nicht zur Kenntnis nimmt und auf alles andere mit Mitleid reagiert. Mitleid mit einem alten Mann, der mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr so kann, wie er gern möchte, der genau weiß, dass in seinem Umfeld die Diadochenkämpfe laufen, der genau merkt, dass ihm das Leben allmählich weggelaufen ist. Mit Verständnis und Mitleid für einen überforderten Greis.

Wieder ein Monat ohne Spaß im Leben – da muss man halt etwas umbenennen, um emotional wieder klarzukommen. Meinetwegen kann er die Erde in „Planet America“ umbenennen – manch andere halten sie für eine Scheibe. Mich juckt das nicht. Ich glaube, Mitleid wäre die bitterste Medizin, die man dem potenziellen Blog-Leser im Oval Office einschenken kann.

Ich kann das natürlich aus einer etwas größeren Distanz heraus locker einwerfen. Aber es soll ja nur eine Anregung an meinen Lieblingsblogger sein. Mitleid ist ein scharfes Schwert gegen Narzissten und Wichtigtuer.

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Weil Freunde auch unterschiedlicher Meinung sein dürfen, bin ich selbstverständlich auf den Kommentar eingegangen. Und zwar so:

Lieber Freund,

ich weiß, dass du recht hast, und zwar mit jeder Zeile. Aber diese kritischen T-Blogs von mir kannst du ja mittlerweile an einer Hand abzählen. Wenn ich dann mal loslege, mache ich einen auf Stammtisch. Ich schreibe mir das von der Seele und glaube, dass die meisten Kanadier das genauso schreiben würden, wenn sie einen Blog als Tool zur Verfügung hätten.

Für mich ist das – und da hast du mit dem Begriff Hilflosigkeit recht – eine Art Selbsttherapie, der ich mich ab und zu unterziehen muss. Wir sitzen hier ein paar Kilometer von der Grenze entfernt und bekommen hautnah mit, wie dieses Thema alle Freunde, die wir kennen, beschäftigt, und zwar von morgens bis abends.

Noch mal: Recht hast du. Aber da ich mir keinen Therapeuten leisten möchte, verwende ich meinen Blog. Und ich muss sagen, es funktioniert gar nicht schlecht.

Was mich wundert, ist, dass ich an Tagen wie heute eine ungefähr zehnmal höhere Zahl an Klicks aus den USA habe. Das ginge ja noch, aber etwas beunruhigt sehe ich zu, wie ich an so einem Tag mehr als 100 Klicks allein aus China habe. Ich weiß nicht, ob das Bots oder echte Menschen sind. Aber auch das soll mich im Moment nicht davon abhalten, meine Meinung zu sagen.

Danke für deinen Input und liebe Grüße!

Herbert


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