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Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Keine Schadenfreude, bitte!

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„Sex sells“ und „Wetter geht immer“. Zwei Ansagen, die mir aus der Anfangszeit meiner Journalistenausbildung in Erinnerung geblieben sind. Den Sex denken wir uns jetzt mal. Reden wir also über das Wetter. Das geht in Kanada so: Vor dem Winter ist nach dem Winter.

Vor knapp einer Stunde, am 13. Oktober 2018 um 10:30 Uhr, wurden wir wieder einmal daran erinnert, wo wir eigentlich leben. Wir leben in einem Land, in dem nur Eishockey eine noch größere Rolle spielt als das Wetter. Es hat Schnee geregnet. Man nennt es Schneeregen.

Den geneigten Leserinnen und Lesern meines kleinen Blogs wird nicht entgangen sein, dass mein Verhältnis zum Schnee vergleichbar ist mit dem zu einem Irren in Washington. Ich hasse ihn. Und  den Anderen erst recht.

Weil auch Journalisten im Ruhestand noch so etwas wie eine Chronistenpflicht haben, stelle ich heute drei Fotos anheim: Das obere ist heute früh entstanden. Die beiden unteren vor sieben, bzw. siebzehn Jahren. Alle drei zeigen jeweils den ersten „Wintertag“. Wobei: Winter ist ein großes Wort für ein bisschen Schnee.

Einige meiner Blog-Leserinnen und –Leser im deutschen Sprachraum können sich vermutlich an Tagen wie diesen eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen. Ich weiss, bei Euch ist der Himmel heute blau und es hat 27 Grad. Aber auch das wird sich ändern. Denn der nächste Winter … naja, lassen wir das.

Schönes Wochenende allerseits!

Trauerspiel mit Trump und Moore

Mit Michael Moore ist es ein bisschen wie mit McDonald’s. Man weiss, was einen erwartet und es schmeckt eigentlich nichts so richtig. Wenn man dann alles hinter sich gebracht hat, ist man zwar satt, aber nicht immer zufrieden.

So jedenfalls ging es mir, als ich eben Michael Moores neuesten Film „Fahrenheit 11/9“ gesehen habe. Die Doku rund um die Politik von Donald Trump zeigt Moores Ankündigung zufolge, „wie der Wahnsinn anfing und wie man ihn beendet“.

Fahrenheit 11/9 ist nicht zu verwechseln mit Fahrenheit 9/11. Der Titel bezieht sich auf den 9. November 2016, das Datum, an dem Trumps Wahlsieg verkündet wurde. Damals, auch schon wieder 14 Jahre her, hatte Moore die Politik der Bush-Regierung nach dem Anschlag auf das World Trade Center thematisiert. Dass man sich eines Tages glatt nach George W. Bush als Präsident zurück sehnen möchte, ist Teil der hoffnungslos verqueren amerikanischen Politszene.

So richtig viel Neues bietet „Fahrenheit 11/9“ nicht. Die meisten der dümmlichen, sexistischen und rassistischen Trump-Clips kennt man bereits aus dem Fernsehen. Viele der O-Töne, die Moore unter anderem in Schulklassen einfängt, gehen zwar unter die Haut. Aber wie so oft predigt der Filmemacher zu den Bekehrten.

Egal wie hoch Michael Moore den Arschlochfaktor von Donald Trump ansetzt, die Wirklichkeit ist leider immer noch schlimmer. Das verleiht dem Film eine dramaturgische Hilflosigkeit, die er nicht verdient hat.

Die Aufreger-Momente Fahrenheit 11/9 sind entweder schon bekannt, oder aber vorhersehbar. Was zurück bleibt, ist die abgestumpfte Fassungslosigkeit über einen Präsidenten-Darsteller, der nicht ins Weiße Haus gehört sondern ins Irrenhaus.

Viele der Szenen im Film spielen in Moores Heimatstadt Flint/Michigan: Bleiverseuchtes Trinkwasser und ein selbstverliebter Halbkrimineller als Gouverneur. Die Not unter der Bevölkerung ist groß. Sie hat zwar keine Jobs, dafür aber ständig Angst, krank zu werden. Das Unheil hatte übrigens begonnen, noch ehe Trump Präsident geworden war.

Als dann ein Erlöser namens Obama aus der Air Force One tritt, hofft der Kinobesucher endlich auf einen Lichtblick in diesem Depri-Drama. Bestimmt würde der damalige Präsident dem Spuk in Flint/Michigan ein Ende bereiten. Weit gefehlt.

Moores ernüchternde Erlärung lässt einen noch tiefer in den Kino-Sessel sinken. Also doch: Auch Obama war nicht der Heilsbringer, für den ihn bis heute so viele halten. Zum Beweis dafür, dass sich die Menschen von Flint/Michigan nicht so aufspielen sollen und das dortige Trinkwasser völlig in Ordnung sei, nippt er an einem Glas. Surprise, surprise: Er überlebt!

Wieder ein Traum vom guten Amerika geplatzt.

„Fahrenheit 11/9″  hatte kürzlich beim Torontoer Filmfestival Weltpremiere. In Deutschland ist der Film noch nicht angelaufen. Ein Termin steht nicht fest.

Hörbücher: Meine Art zu lesen

Desktop13Wer schlecht sieht, versucht seine Sinne anderweitig zu kompensieren. Gar nicht so einfach, wenn Lesen zum Tagesablauf gehört wie Essen, Trinken und Schlafen. Die Lösung: Hörbücher.

Zu vielen Büchern, die heute auf den Markt kommen, gibt es auch eine Hörbuch-Version. Die ist zwar manchmal teurer als das gedruckte Buch. Aber dafür gibt’s auch was Anständiges auf die Ohren.

Gedruckte Bücher habe ich seit Jahren nicht mehr gelesen. Als jetzt die Vorab-Druckversion eines neuen Buchtitels einer mir bekannten Autorin im Briefkasten lag, habe ich mich natürlich gefreut. Lesen werde ich das Buch wohl kaum, zumindest nicht in gedruckter Form. Für alle, die auf das Papierrauschen beim Umblättern nicht verzichten möchten – hier geht’s zu: „ACHT STUNDEN MEHR GLÜCK“

Als langjähriger Hörbuch-Konsument weiss ich: Auch wenn das Buch noch so spannend ist und der Text noch so gelungen, muss die Stimme des Sprechers stimmen.

Aktuell höre ich den wunderbaren Americhina-Roman „The Wangs vs. The World“. Die Audio-Version nimmt 14 Stunden in Anspruch. Die Story selbst ist großartig. Würde sie aber von einer Sprecherin vorgetragen werden, die langatmig oder in einer Stimmlage liest, die mein persönliches Hörempfinden stört, hätte ich das Buch nicht gekauft.

Aber da beim Hörbuchkauf ein Audio-Sample möglich ist – so wie beim eBook-Angebot „Der Blick ins Buch“ -, weiss der Käufer, worauf er sich einlässt. Glück gehabt: Nancy Vu ist die perfekte Sprecherin für so ein Action geladenes, spannendes und dabei unglaublich witziges Buch.

Aber es geht auch anders. In meiner Audio-Sammlung gibt es Bücher, bei denen ich nach fünf Minuten den Stöpsel ziehen musste. Die Stimmen der Sprecher bereiteten mir körperliches Unbehagen.

Vielleicht ist man als Radiomensch besonders kritisch, wenn es um Vorlese-Stimmen geht. Aber am eigenen Empfinden lässt sich nun mal wenig ändern.

Besonders vorsichtig bin ich bei Audio-Büchern, die von den Autoren selbst gelesen werden. Nicht jeder gute Schreiber ist ein guter Sprecher. Bei Hape Kerkeling funktioniert das wunderbar, bei einigen anderen gar nicht.

Umgekehrt passiert es schon mal, dass ich einen genialen Sprecher wie Gert Heidenreich runterlade, auch wenn mir das Buch inhaltlich nicht viel gibt. Heidenreich zuzuhören ist ein Gedicht. Er dürfte von mir aus auch aus dem Kölner Telefonbuch vorlesen. (Gibt’s sowas überhaupt noch?)

Generell finde ich deutschsprachige Hörfunk-Versionen stimmlich ansprechender als amerikanische. Mehr als einmal habe ich ein englischsprachiges Audiobook zur Seite gelegt, weil mich die amerikanische Sprechstimme abtörnte. Buch-stäblich.

Was mir am Hörbuch gefällt? Es ist schnell am Ohr, wenn man es braucht. Man ist mobil und kann es auch offline hören. Es wiegt nichts, schont die Augen und lässt einen akustisch in Welten eintauchen, was selbst das beste gedruckte Buch nicht schafft.

Wer einmal mit dem Knopf im Ohr eingeschlafen ist, weiss, was ich meine.