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Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Ganz einfach am Meer lang

BlogbannerEigentlich sollte es nur ein Spaziergang am Samstagnachmittag werden. Mit dem Bus von Palma nach Banyalbufar. Danach zu Fuß zwei Stunden zu dem kleinen Fischerhafen Port des Canonge und wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Weil aber „hin und zurück“ so gar nicht unser Ding ist, bogen wir nach der Rast in Port des Canonge einfach in den Alten Fischerweg ein. Schließlich landeten wir in Esporles. Von dort aus brachte uns der Bus wieder zurück nach Palma. Macht zusammen um die 15 Kilometer zu Fuß. Das reicht für einen gemütlichen Samstagnachmittag.

Und wieder einmal drängte sich die Frage auf: Was hat diese Insel eigentlich noch alles an geballter Schönheit zu bieten?

Durch schattenspendenden Kiefernwald geht es vorbei an bizarren Felsformationen. Schließlich dann in der Tiefe ein Höhepunkt der Wanderung: Die weitgeschwungene Bucht von Port des Canonge mit ihren Kiesstränden bis hin zu einem idyllischen Hafen. Von dort aus lassen noch immer die Fischer ihre Boote ins Meer.

Der Anstieg von Port des Canonge in Richtung Esporles ist steil und wirft schon mal die Frage auf: Warum haben wir eigentlich nicht doch die bequemere Wanderung zurück nach Banyalbufar gewählt, statt das Landesinnere anzupeilen?

Ein paar Kilometer weit teilen wir uns die Landstraße mit Porsches, Motorrollern und pubertierenden Teenagern, die auf Motorrädern bei Tempo 120 atemlos eine doch so atemberaubend schöne Landschaft an sich vorbeifliegen lassen.

Irgendwann dann der gemäßigte Abstieg in Richtung Esporles. Ein letzter Blick über fruchtbare Täler, in denen Weintrauben, Aprikosen, Orangen, Feigen und Zitronen um die Wette wuchern. Das Ganze wieder einmal vor einer zauberhaften Bergkulisse.

Wer Mallorca kennenlernen will und einigermaßen gut zu Fuß ist, sollte sich diese Wanderung nicht entgehen lassen. (Danke für den Tipp, Wolli. Mehr davon!)

Noch mehr Meer gibt’s hier:

Auf dem Postweg ans Meer

Manche Erlebnisse sind so schön, man muss sie einfach zweimal posten. Die Wanderung von Esporles nach Banyalbufar hatten wir bereits vor einem Jahr gemacht. Warum ohne Not Texte neu erfinden, Bilder neu einstellen, wenn sich doch seither nichts verändert hat? Selbst das Wetter war gestern wieder wie vor einem Jahr: Blauer Himmel, sommerliche Temperaturen. Mallorca at its best eben. Deshalb auf ein Neues: „Auf dem Postweg ans Meer“

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bildbannerFit müssen sie gewesen sein, die Kerle, die vor vielen Jahren den Camí des Correu von Esporles über die Berge nach Banyalbufar zurückgelegt haben, um den Bewohnern der Fincas die Post zu bringen.

Um über die steinigen Trassen ans türkisfarbene Meer zu kommen, muss zuerst die bewaldete Passhöhe Coll des Píans überquert werden. Wir benötigten heute bei sommerlichen Temperaturen knapp fünf Stunden für diese atemberaubend schöne Strecke.

Der Postillion von damals dürfte den Weg in der Hälfte der Zeit geschafft haben. Schließlich hatte er einen Esel, der ihm die Trägerlast abnahm. Außerdem musste er nicht ständig die Kamera zücken.

Über sanfte Olivenhaine geht es zunächst an Sa Granja vorbei, einem Landgut aus dem 13. Jahrhundert. Durch Kiefer- und Steineichenwälder führt der felsige Pfad weiter in Richtung Banyalbufar.

Hier wird’s dann richtig romantisch: Das Dorf, das die Mauren vor gut 1000 Jahren auf 2000 Terrassen errichtet haben sollen, erinnert auf erfrischende…

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Nach der Buße kommt das Wachs

bannEs quietscht und pfeift und rauscht und summt. Jeder Schritt auf den gepflasterten Gassen der Altstadt von Palma hinterlässt eine Tonspur, jede Kurve ein Geräusch. Schuld sind Tausende und Abertausende von Wachskerzen, die während der Büßerprozessionen auf die Straße tropfen.

Dabei könnte es viel schlimmer sein: Jede Bruderschaft setzt während der Prozessionen „Kerzenkinder“ ein, die mit Holzstäbchen das heiße Wachs der Kerzen abzufangen versuchen.

IMG_3782Die Palmesanos kennen das schon: Während der „Semana Santa“, der Karwoche, wächst der Lärmpegel mit jedem Tag um ein paar Dezibel. Wo am Abend noch in friedlicher Eintracht Hunderte von Büßern durch die Stadt prozessieren – viele in Kapuzen, manche barfuß und mit Ketten im Schlepptau – ist am Morgen danach ein Pfeif- und Schleifkonzert zu hören. Ein fahrendes Auto hört sich übrigens um ein Vielfaches dramatischer an.

Den Höhepunkt erreicht das Quietschen dann an Ostern. Bis dahin haben sich mehrere Schichten von Wachsspuren gebildet, die sich vor allem dann lautstark melden, wenn sie vom Reifengummi der Autos traktiert werden.

Wahrend der Lärm zwar lästig sein kann, stellt das Wachs offensichtlich auch eine Gefahr für Leib, Leben und Karosserie dar. Nach Angaben der Stadtverwaltung von Palma kommt es jedes Jahr während der Karwoche zu vermehrten Unfällen, bei denen rutschende Autos beteiligt sind.

Auch bei Fußgängern, die auf dem Wachs ausrutschen, soll es zu Verletzungen kommen. IMG_3783So gefährlich sei die „Semana Santa“, behaupten einige Stadträte, dass sich Versicherungen geweigert hätten, die Stadt für die Folgeschäden der Wachsspuren zu versichern.

Schon war von einem Prozessionsverbot die Rede. Die Stadtverwaltung hatte von den Bruderschaften gefordert, in diesem Jahr eine Haftpflichtversicherung nicht nur für die Dauer der Prozessionen, sondern auch für die darauffolgenden drei Wochen abzuschließen.

Ob das Ganze doch nur ein Sturm im Wasserglas ist? Am frühen Ostermontag-Morgen rückten zumindest in der zentralen Einkaufsstraße Calle San Miguel die Reinigungstrupps der Stadt mit ihren Heißwasserkompressoren an. Ganz verschwunden ist das Quietschen zwar nicht, aber es hält sich in Grenzen.

Jetzt hilft nur noch beten.

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Wandern in den Wolken

galerieEs hätte so schön sein können. „Genießen Sie eine der spektakulärsten Aussichten auf ganz Mallorca“, hatte es im Wanderführer geheißen. Übrig geblieben ist das, was Sie auf dem Foto oben sehen: Eine Milchsuppe aus Wolken, vermischt mit Schneeregen.

Irgendwie klappt das nicht mehr so richtig mit Petrus und uns. Erst schickt er uns bei strömendem Regen über glitschige Felswege von Santa-Maria nach Orient, wo doch der Wetterbericht weitgehend blauen Himmel mit Wattewölkchen angekündigt hatte.

Zwei Tage später dann die Steigerung: Obwohl heute der sonnigste Tag der Woche sein sollte, steckten wir auf dem Weg von Valdemossa nach Deià stundenlang in den Wolken.

Dabei hätte der Blick vom 950 Meter hohen Puig des Caragolí bei klarer Sicht einen beeindruckenden Panoramablick ermöglicht: Im Süden Palma mit seiner Bucht. Im Südwesten der Puig de Galatzo. Im Nordwesten Port de Sóller und bei ganz guter Sicht sogar der Puig Major und der Gebirgszug Serra de Son Torrella bis hin zum Puig de Massanella.

Das alles durften wir uns heute denken. Das heißt: Einen Teil des Panoramas hatten wir bereits bei einer früheren Wanderung auf dem Höhenweg gesehen, den der Erzherzog Ludwig Salvador anlegen ließ. Damals stürmte es.

Lehre Nummer eins: Traue keinem Wetterbericht. Auch nicht dem von aemet.es, der mir von einer gut meinenden Mallorca-Kennerin als der zuverlässigste überhaupt empfohlen worden war. (Der blaue Himmel beim Abstieg nach Deià hat uns dann doch noch versöhnt).

Zweite Lehre: Traue niemals Wanderbegegnungen, die du nicht kennst. Erst recht nicht einer sehr quirligen, sehr blonden jungen Frau, die mit hübschen Turnschühchen im Gebirge unterwegs ist. Die hatte es tatsächlich geschafft, uns mit ihrem GPS so zu beeindrucken, dass wir ihr ein stückweit gegen unseren eigenen Orientierungssinn gefolgt waren.

Irgendwann mussten wir umkehren. Der Exkurs endete an einer Klippe.

Regenwanderung nach Orient

bannSo hatten wir nicht gewettet: Ein sonniger Mallorca-Tag war angesagt, laue 17 Grad, allenfalls ein paar Wattewölkchen. Und dann? Weltuntergangshimmel. Strömender Regen. Glitschige Steinpfade. Und genau deshalb werden wir die heutige Wanderung von Santa-Maria nach Orient nicht mehr so schnell vergessen. Für uns war es die erste Regenwanderung überhaupt.

 „Die Tour ist nicht schwierig”, hatte der Wanderführer schon in der ersten Zeile beschwichtigt. “Wunderschön”, schwärmte der Kellner im Frühstückscafé in Santa-Maria, “aber manchmal so – und manchmal so”. Beim ersten “so” machte seine Hand eine atemberaubende Steigung, beim zweiten eine gefährliche Rutschbahn nach unten.

 Der Kellner hatte recht. Die Wanderung wurde zur Achterbahn.

Dass wir für die Tour fast sechs Stunden benötigten, lag zum einen an der unerwarteten Steigung, zum anderen am Wetter. Stundenlang ging es über serpentinenartige Felswege, die wegen des einsetzenden Regens höchste Konzentration erforderten. Ein Blick in die gewaltige Schlucht zur Linken genügte, um uns daran zu erinnern: Diese Wanderung ist für Erwachsene. Jeder Tritt musste sitzen. Einen Ausrutscher hätten weder Wetter noch Wegbeschaffenheit verziehen.

Der Blick vom Gipfel war dann … absolut der Gipfel. Plötzlich lag es vor uns, das Panorama des Tramuntana-Gebirges, das unter dem wolkenverhangenen Mallorca-Himmel ein bisschen den Eindruck machte, als hätte Petrus sich der Majestätsbeleidigung schuldig gemacht.

Die Höhle, in die uns der Wanderführer nahe der „Son Pou“-Schlucht lotsen wollte, schenkten wir uns. Der Regen hatte den Zugang glitschig und beschwerlich gemacht.

Stattdessen spazierten, nein: stürmten wir ins Tal. Zwei Wanderer mit Regenschirm in der Zielgerade. Orient, ein verträumter Höhenort, begrüßte uns freundlich im Regen. Orangenkuchen, Cortado, Wein – Herz, was darf es denn sonst noch sein?

Von Orient wieder den Anschluss an den Rest der Welt zu finden, ist gar nicht so einfach, wenn man nicht im Auto, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Ausgangort Palma zurück möchte. Der Bus nach Bunyola musste am Vortag telefonisch reserviert werden. Dass es ein Kleinbus war, der auf uns wartete, machte Sinn: Die atemberaubenden Serpentinen, die Orient mit Bunyola verbinden, wären mit einem ausgewachsenen Brummer nie und nimmer zu navigieren.

Kurzer Barbesuch in Bunyola, dann Umsteigen in den Überlandbus nach Palma. Als hätte uns die Natur heute nicht schon genug verwöhnt, gab es kurz vor dem Ziel noch ein weiteres Spektakel vor dem Busfenster: Petrus, der alte Schmeichler, schmiss sich mit einem ausgewachsenen Regenbogen an die nassen Wanderer heran.

 Gut gemacht, alter Zauberer.