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Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Ein schreckliches, schönes Jahr

Heute vor einem Jahr sind wir in Malaga gelandet. Unser zweiter Camino sollte uns 1000 Kilometer zu Fuß von Sevilla nach Santiago de Compostela führen. Doch es kam alles ganz anders.

Eben erst, beim Chatten mit einem Freund, ist mir wieder aufgefallen, was seither alles passiert ist. Vieles ist nicht so toll, manches schrecklich. Einiges aber auch wunderschön.

Zum Geburtstag eine kurze Bilanz:

  • Unsere zweite Langstrecken-Wanderung auf der Via de la Plata mussten wir nach weniger als zwei Wochen abbrechen
  • Danach Corona-Lockdown auf Mallorca. Fiebrige Suche nach Flügen, die uns zurück nach Kanada bringen sollten
  • Drei Tage Zwangsaufenthalt im Frankfurter Flughafen
  • Kurz nach der Ankunft in Montreal: Schon wieder Lockdown
  • Vandalismus in der Tiefgarage: Und weit und breit kein neues Autofenster
  • Großartiger Freundschaftsdienst von Doug bei dringend notwendigen Bauarbeiten an der Cottage
  • Zwei Augen-Operationen
  • Danach monatelanger Verlust des Sehvermögens
  • Umzug von St. Henri nach Pointe-St. Charles
  • Cassians erfolgreicher Sprung in die Selbständigkeit
  • Ein böser Sturz auf dem Eis
  • Start meines neuen Podcasts. Motto: Wer nicht sehen kann, muss plappern.
  • Todesfälle im Freundeskreis
  • Mehrere Corona-Erkrankungen im nahen Umfeld
  • Peter feiert den Achtzigsten
  • Maggy feiert den Achtzigsten
  • Jede Menge Videochats mit Freunden in aller Welt

Und sonst so?

Freuen wir uns, dass wir uns haben, dass es uns auch nach vier Covid-Tests noch gut geht und wir bisher unbeschadet durch die Pandemie gekommen sind. Und hoffen auf das Wunder einer baldigen Impfung.

Und natürlich gibt es für die Zeit danach schon viele neue Pläne.

Ferdi, das Stehaufmännchen

DER NEUE PODCAST IST DA: Vom obdachlosen Alkoholiker zum gefeierten Unternehmer – Ferdi aus der Steiermark hat nichts ausgelassen in seinem Leben. In der 4. Episode von „Deine Story – Meine Stimme“ geht es um die Höhen und Tiefen eines Menschen, der ein Leben geführt hat wie eine Achterbahn auf Steroid. Krebs. Knast, gesellschaftlicher Absturz und geschäftliche Triumphe – Ferdis Vita hört sich an wie das Dschungelbuch für Erwachsene.

4. Episode: Ferdi, das Stehaufmännchen aus der Steiermark:

9. Februar 2021

Die Seite zum Podcast „DEINE STORY – MEINE STIMME“

Horror: Der „fiese Riese“ ist da!

Jetzt ist er also da, der „fiese Riese“. „Der Wind peitscht, der Schnee türmt sich auf: Der Wintersturm fegt über Teile Deutschlands“, schreibt BILD. Und dann: „Räumfahrzeuge stecken fest. Der Verkehr ist fast völlig zum Erliegen gekommen“. Das Schlimmste: „Die Russenpeitsche kommt“ und bringt „extreme Kälte in den nächsten Tage“. Und der Verkehrsminister warnt: „Am Montag lieber zu Hause bleiben!“

Was war passiert? Eigentlich nur das, was bei uns gestern, vorgestern und vorvorgestern auch der Fall war: Es hat ordentlich geschneit und es war kalt.

Schon klar: Montreal ist nicht Mannheim. Und außerdem: Kanada kann Schnee.

Eigentlich ist der „fiese Riese“ ja ganz nett. Man setzt sich ans Fenster, schaut den Schneeflocken nach und freut sich, dass man es so schön warm hat auf dem Sofa.

Hier in Montreal schneit es viel und oft. Und weil der Niederschlag in Zentimetern vielen Kanadiern nicht viel sagt, veröffentlichen die großen Tageszeitungen statt metrischen Angaben oft lieber Dollarsummen.

Ein durchschnittlicher Schneefall – und mehr als „Durchschnitt“ wäre der heutige deutsche Schneetag in Kanada nicht – kostet in Montreal 20 Millionen Dollar für Räumarbeiten. Sowas bezahlt die Oberbürgermeisterin doch eisglatt aus der Knöllchenkasse, in die Verkehrssünder ihre Taler einwerfen müssen, die Räumfahrzeuge behindern.

Aber ich will nicht freveln. Eis und Schnee und massenweise Auffahrunfälle sind alles andere als lustig. Vor allem, wenn man nicht das richtige Equipment dafür hat. Daran mangelt es hier nicht.

Kleine Fräsen für die Gehwege, etwas breitere für die Nebenstraßen. Monstertrucks für die Stadtautobahn und Hunderte von Lastwagen, die neben den Fräsen und Schneepflügen herfahren und den Schnee zu Sammeldepots bringen. Vorbei sind die Zeiten, da Tausende Tonnen Schnee in den Sankt-Lorenz-Strom gekippt werden – Streusalz inklusive.

Schneeräumen geht hier also ganz geschmeidig. Wer lange genug in Kanada lebt, weiss: Vorfahrt hat immer der Schneepflug. Für ihn steht die Ampel stets auf Grün.

Aber auch in Deutschland sehen nicht alle die russische Invasion des fiesen Riesen ganz so bitterernst wie BILD.

Ein Blogger-Kollege („ByBasti“) schreibt eben: „Man könnte meinen, dass die Welt untergeht. Meine Warnapp hat mich in den letzten 3 Tagen so oft informiert wie im ganzen letzten Jahr zusammen“.

Noch spitzer – und dazuhin perfekt gender-korrekt – kommentiert ein Freund aus dem Rheinland den heutigen Horror:

„Ich mir mache mir selbst schlimme Rassismusvorwürfe: ich sehe ausschließlich weiße Schneeflock:innen!“

Ein paar Takte in eigener Sache

ACHTUNG, LANGWEILIG: Wenn Sie diesen Blog über das Eingabefeld „Blog abonnieren“ bestellt haben, ist alles gut und Sie können sich das Weiterlesen sparen. Alles funktioniert wie gehabt. Sollten sie aber zu den LeserInnen gehören, die ihre BLOGHAUSGESCHICHTEN über einen sogenannten „RSS-Feedreader“ erhalten, könnten Sie ein Problem haben. Dann müssten Sie bitte die Blogadresse ändern.

Bisher galt die URL: https://canada365.wordpress.com

Jetzt heißt es nur noch kurz und bündig: https://blog.herbertbopp.com

Sie können sich aber auch das ganze https-Gedöns ersparen und nur blog.herbertbopp.com ins Adressenfeld eingeben. Dann kommen Sie auch auf meine Seiten.

Normalerweise müssten Sie automatisch von der bisherigen auf die neue Adresse umgeleitet werden. Sollte dies nicht der Fall sein, würde ich Sie bitten, dies in ihrem Feedreader manuell zu tun.

Es gibt sie also noch, die achtsamen Leserinnen und Leser. Eine davon sitzt in Würzburg und hat mich heute auf dieses Problem aufmerksam gemacht. Sie, eine „stille Leserin“, wie sie schreibt, bekomme die jeweils aktuellsten Blogposts nicht mehr über ihren Feedreader.

Das dürfte ab sofort wieder klappen.

Wie gesagt: Die allermeisten von Ihnen müssen überhaupt nichts verändern und kommen weiterhin ganz entspannt hierher.

Herzlichen Dank für den Hinweis und auch weiterhin viel Spaß beim Stöbern durch die BLOGHAUSGESCHICHTEN.

Die Wut der Urlaubs-Rückkehrer

GEHT GAR NICHT: Strandurlaub (hier in Kuba) mitten in der Pandemie.

Endlich werden hier mal Nägel mit Köpfen gemacht. Urlauber, die glaubten, während der Pandemie in den warmen Süden reisen zu müssen, werden in Kanada demnächst zur Kasse gebeten. Sie müssen unmittelbar nach der Rückkehr einige Tage in ein streng bewachtes Hotel zur Quarantäne.

Für die Kosten – inklusive Covid-Test, Übernachtung und Mahlzeiten 2000 Dollar pro Person – müssen die Winterfrischler selbst aufkommen. Deren Wut über die bevorstehende Zwangs-Quarantäne ist groß.

Echt jetzt? Wer mitten in der Pandemie glaubt, ohne Not verreisen zu müssen, hat es nicht anders verdient. Schließlich ist es in höchstem Maße unsozial denen gegenüber, die treu und brav daheim geblieben sind, um dort die Coronakrise auszusitzen.

Schon seit Monaten predigen uns die Politiker: Bleibt um Himmelswillen zuhause! Gefährdet durch eure Unvernunft nicht die kleinen Erfolge, die wir, die Daheimgebliebenen, durch strikte Befolgung der Corona-Maßnahmen erzielen!

Zigtausende haben sich in Kanada über diesen Appell hinweggesetzt und sind trotzdem verreist: nach Kuba, in die Dominikanische Republik, nach Mexiko. Vor allem aber nach Florida. Dort verbringen vor allem viele Quebecer Snowbirds einen Teil der kalten Jahreszeit.

Ausgerechnet in Florida, wo bis vor kurzem noch rund um die Uhr gefeiert wurde und wo Masken als Makel betrachtet wurden und nicht als Hilfsmittel, um der Pandemie Herr zu werden.

Jetzt plötzlich, wo es ums Geld geht, kommen sie noch angeschlichen, die reuigen Sünder. Klammheimlich sind sie gerade noch rechtzeitig aus dem Süden zurück ins winterliche Kanada gekommen. Schon in wenigen Tagen soll die Zwangs-Quarantäne für die Rückkehrer beginnen.

Gleich nach der Ankunft werden die Rückreisenden dann vom Flughafen aus in eines der Vertragshotels geshuttelt, die der kanadische Staat zu Quarantäne-Zwecken anmietet. Nach ein paar Tagen dürfen sie zur Selbst-Isolation nach Hause – ebenfalls streng überwacht.

Warum wir die Snowbirds nicht bedauern sollten, betitelte die Montreal Gazette neulich einen Beitrag zum Thema Zwangs-Quarantäne. Darin erinnert die Autorin an die erste große Covid-Welle im vorigen Jahr. Mit der Rückkehr der Snowbirds, vor allem aus Florida, hatte die Katastrophe in Kanada ihren Lauf genommen.

Am Tag nach Erscheinen des Artikels schwappte die Inbox der Gazette-Autorin über. Sie wurde beschimpft, bedroht, beleidigt, verhöhnt und des Futterneids bezichtigt.

Dabei hatte die Kollegin nur das ausgesprochen, was eigentlich jeder vernünftige und sozial verantwortliche Mensch auch denken sollte: Wenn WIR zuhause bleiben können, dann könnt IHR es gefälligst auch.