Der Indian Summer ziert sich noch

IMG_8215.jpgHerbststrauß gefällig? Bitteschön. Eben kommen wir von einem 10 Kilometer langen Spaziergang rund um den Lac Dufresne zurück.

Noch ziert sich der Indian Summer. Die meisten der Laubbäume stehen noch nicht in voller Blüte. In sieben bis zehn Tagen dürfte es dann wieder soweit sein, dass der Wald knallbunt dasteht.

Weil wir bis dahin nicht warten können, gibt’s eben heute schon eine kleine Bilderauswahl.

Spektakulärere Herbstbilder gab’s in früheren Blogposts. Einfach „Indianersommer“ in das Suchfenster eingeben – und schon steht der Wald in Flammen. Zum Beispiel  >HIER <

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PSSST … KANADA-GÄNSE. BITTE TON AN! Hier gibt’s was auf die Ohren:

 

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Der tote Gangster Joe und ich

IMG_8089Eine der ersten Begegnungen, die ich nach meiner Ankunft in Montreal vor 37 Jahren hatte, war die mit einem Gangster. Es war ein Mafioso namens Joe. Aber als ich Joe sah, war er schon tot. Jemand hatte ihn vom 23. Stock des „Aldred Building“ in Alt-Montreal geschubst.

Joe starb in dem Film „Es war einmal in Amerika“ von Sergio Leone. Ich stieß zu den Dreharbeiten, als sie Joe gerade zum xten Mal vom Hochhaus gestoßen hatten – als lebensgroße Puppe. Ich erinnere mich noch genau, wie eine Maskenbildnerin nach jedem Wurf mit roter Farbe nachhalf. „Once Upon A Time In America“ sollte ein blutiger Gangsterfilm werden.

Ich war tief beeindruckt von dem, was ich sah. Bis dahin war ich noch nie bei Dreharbeiten eines Films dabei gewesen. Und dann gleich ein Hollywoodfilm mit Robert de Niro in der Hauptrolle!

Heute, an einem wunderschönen Herbsttag in Montreal, habe ich mir den Tatort zum erstenmal genauer angesehen.

Das „Aldred Building“ am „Place des Armes“, unmittelbar neben der Notre-Dame-Basilika, ist eines der schönsten Art-Deco-Gebäude in Montreal.

Mit seinen 23 Stockwerken war das Sandstein-Konstrukt das erste Hochhaus in Montreal überhaupt. Damit der amerikanische Architekt Ernst Isbell Barott 1927 den Kasten in der von ihm vorgesehenen Höhe von 96 Meter bauen durfte, mussten eigens dafür die Bauvorschriften von Montreal neu geschrieben werden. Bis dahin waren nur 61 Meter erlaubt.

Die Stadtverwaltung wollte das Projekt auf keinen Fall verlieren, denn der Architekt Ernst Isbell Barott war ein Großer seines Fachs. Zeitgleich mit dem Montrealer Turm baute er das Empire State Building in Manhattan. Das hat 102 Stockwerke.

So ist es zu erklären, dass das Alred Building ein Spiegelbild der obersten 23 Stockwerke des Empire State Buildings geworden ist.

Dass ich heute ganz spontan beschloss, „L’Alred“, wie die Montrealer den imposanten Bau nennen, mal von innen zu besichtigen, hat keinen speziellen Grund. Vielleicht den, dass ich allen meinen Besuchern irgendwann das eindrucksvolle Gebäude in Alt-Montreal zeige und dabei immer die Episode vom toten Gangster Joe erzähle. Und Besucher hatten wir im Laufe dieses Sommer mal wieder jede Menge.

Alles ist aus Marmor, Messing, erlesenen Hölzern und handgeschliffenem Glas. Die imposante Eingangshalle, der Aufzug, die langen Flure, von denen es in die verschiedenen Büros geht: Anwaltskanzleien, Notare, Schiffsreeder, Banker und Immobilienbroker. Auch eine Agentur  für Filmschauspieler habe ich gesehen.

Irgendwelche Mafiosi sind mir allerdings nicht über den Weg gelaufen. Zumindest nicht solche, die ich aus dem Kino kenne.

TRAILER ZU „ES WAR EINMAL IN AMERIKA“:

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Blick vom 23. Stock auf Downtown Montreal.

Mein Freund gibt mir Rätsel auf

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Besuch beim Freund in Sherbrooke: Dr. Peter Bernath (rechts)

Es gibt Freunde, die einem auch nach 35 Jahren noch Rätsel aufgeben. Der Freund: Peter. Das Rätsel: Wie kann ein fast Achtzigjähriger noch diese mentale und körperliche Fitness aufbringen?

Ich vermute mal, die Lösung des Rätsels – oder zumindest ein wesentlicher Teil davon – besteht aus acht Buchstaben: L*A*U*R*E*T*T*E. So heißt die Frau an Peters Seite.

Dass sie selbst die 80 schon überschritten hat und dabei ein Beispiel für geistige und körperliche Gelenkigkeit ist, soll hier lediglich im Flüsterton der Überzeugung weitergegeben werden. Laurette hat es nämlich nicht so mit dem Scheinwerferlicht.

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Des Rätsels Lösung heißt Laurette

Peter dagegen schon. Er, der schon als junger Kerl im heimischen Berlin auf der Theaterbühne und vor der Filmkamera stand, ließ es sich nicht nehmen, mir bei meinem jetzigen Besuch in Sherbrooke wieder einmal eine Kostprobe seines Showtalents zu geben.

Quasi zum Nachtisch ließ er Wagners Wotan singend und mit dramatischen Worten Abschied nehmen von seiner Lieblingstochter:

„Wer meines Speeres Spitze fürchtet, durchschreite das Feuer nie!“

Allein diese Solo-Darbietung war es schon wert gewesen, die zweistündige Autofahrt von Montreal nach Sherbrooke zurück zu legen. Dort, in der lieblichen Hügellandschaft der „Eastern Townships“, haben es sich Peter und Laurette nett gemacht.

Vorbei ist die Zeit, da Peter sich mit einer Dissertation über Kleist zwei Buchstaben vor

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Spätzle, Wagner und Rouladen: Warum Blaukraut in Berlin Rotkohl heißt, ist ein weiteres Rätsel.

den Namen erschreiben musste. Vorbei auch die Phase, da Dr. Peter Bernath an einer angesehenen kanadischen Universität lehrte.

Und erst recht passé sind die Jahre, da Peter als Sprecher und Produzent beim angesehenen Sender Radio Canada International aktiv war. Damals lernten wir uns kennen. Das war in den 80er-Jahren.

Wer jedoch glaubt, ein Peter Bernath würde nur noch Rouladen mit Spätzle und Blaukraut („Rotkohl“, heißt es in Berlin) für den hungrigen Schwabokanadier zubereiten, der jetzt besuchsweise bei ihm aufgetaucht ist, irrt.

Einen Großteil seiner Zeit verbrachte der Mann aus Berlin in den letzten Wochen und Monaten damit, Hunderte von Vinyl-Opern-Schallplatten zu digitalisieren.

Das geschieht in Echtzeit. Takt für Takt. Rille für Rille. Arie für Arie.

Was für viele ein Gräuel wäre, ist für meinen Freund Peter ein Geschenk an sich selbst. So kann er all die Wagners, Puccinis und Bellinis noch einmal hochleben lassen.

Das tut er übrigens wirklich. Peter ist der einzige Mensch, den ich kenne, der sich ein Dirigentenpult gebaut hat, um gelegentlich mit dem Taktstock Arien und Opern mit zu dirigieren. Das Dirigieren, sagt er, sei für ihn nervenberuhigend und schmeichle, da ist der Peter ganz ehrlich, auch seinem Ego.

Wie sonst könne einer für fünf Minuten Karajan und Furtwängler in Personalunion sein?

Dass er selber Musik nur im angeheiterten Zustand produziere, sagt Peter, „und dazu noch mit zwölftonigen Varianten“, lasse sich an diesem wunderbaren Walküre-Ausschnitt abhören, der als Video am Ende dieses Beitrags zu finden ist. Peters innigster Wunsch ist es, dass dieses Video hoffentlich nicht der Nachwelt erhalten bleibt.

Pech für Peter: Das Internet schläft nie. Vor allem aber: Es vergisst nichts.

Mit Dingen wie diesen beschäftigt sich also mein Freund, wenn er nicht gerade kocht, Weine kostet, neue Käsesorten ausprobiert oder Computerprogramme testet.

Auch dafür bleibt ihm freilich nur die Zeit, in der er nicht gerade auf Reisen nach Bora Bora, Peru oder Ägypten unterwegs ist. Oder Vorträge hält über das Berlin von damals und heute oder einen deutschen Spion, der aus der kanadischen Kälte kam.

Wie es Peter Bernath eher nebenher geschafft hat, den 16 Stunden dauernden Ring des Nibelungen mit unglaublichem Aufwand zu editieren, bzw. zu kürzen, könnte irgendwann das Thema eines eigenen Blogposts werden. Für eine Doktorarbeit darüber dürfte die Zeit knapp werden.

Ach, übrigens: Peters Transfer-Job von Vinyl auf Mp3 ist kein gänzlich selbstloser Akt. Mein Freund möchte nämlich seine komplette Sammlung mit vielen auserlesenen Sammler-Stücken verkaufen.

Und jetzt kommt das größte aller Rätsel: Wie stellt man so etwas am besten an?

Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. Mail an den Blogmaster genügt auch.

Treue Blogleser kennen meinen Freund schon. Vor genau drei Jahren gab es hier schon einmal eine Geschichte über Peter Bernath. Und zwar  >> H I E R  <<

PETER SINGT WAGNER:

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Boyband mit grauen Haaren

IMG_7921Was tun, wenn die „Rolling Stones“ Besseres zu tun haben, als an einem verregneten Samstagabend nach Montreal zu kommen? Man geht mit einem Kumpel in den „Wheel Club“ und wippt die nicht mehr ganz taufrischen Hüften zum Sound der „B#Bandits“. Auch die sind nicht mehr ganz taufrisch. Aber gerade deshalb sind wir ja hier.

Graues Haar so weit das Auge reicht. An der Kasse. An der Bar. Am Billiardtisch. Auf der Tanzfläche. Und natürlich auf der Bühne.

Auch der Kellereingang zum „Wheel Club“ im Stadtteil Notre-Dame-de-Grâce im Westend von Montreal ist schon in die Jahre gekommen.

Und natürlich machen mein Begleiter Jean und ich da keine Ausnahme. Hilfe, wir sind alt!

Willkommen zum „Rolling Stones-Tribute“, wie Reginald Howatson und seine Boys den Abend getauft haben.

Ich hatte „Reggie“ erst vor kurzem über einen traurigen Anlass kennengelernt. Er war es, der mir nach meiner Rückkehr vom Camino im Mai die Nachricht vom Tod meines Freundes Steve Petitpas überbracht hatte.

Steve, als Straßenmusiker in Montreal eine Institution, war mit nur 56 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben.

Die „B#Bandits“ sind eine Boyband, die aus älteren Herren besteht. Ausser Reggie kenne ich keinen davon und weiss auch nicht, was der Hashtag im Namen bedeutet. Muss ich alles noch recherchieren.

Aber es geht hier nicht um Hashtags und auch nicht darum, dass der „Wheel Club“ im vorigen Winter nach 53 Jahren um ein Haar schließen musste, weil der in die Jahre gekommene Besitzer keinen Bock mehr auf Rock hatte. Als älterer Herr Abend für Abend ältere Herren ankündigen zu müssen, hat etwas Zermürbendes.

Aber dann hat sich ein jüngerer Mann gefunden, dem es nichts ausmacht, ältere Männer ankündigen zu müssen. Der Laden brummt.

Dass es in der Stadt meines Herzens noch immer Ecken und Events gibt, von denen ich auch 37 Jahre nach meiner Ankunft nie etwas gehört hatte, wundert mich zwar. Aber ich freue mich auch, eine neue Bar gefunden zu haben. Ich glaube, wir werden Freunde.

Man muss Alt-Herren-Abende nicht mögen. Aber Reggie und seine Boys sind auch so etwas wie Hoffnungsträger für eine Generation von Grauhaarigen, die ihre müden Glieder am Samstagabend lieber zu den Riffs der Stones bewegen als bei der Tagesschau einzuschlafen.

In diesem Sinne: More Power to Grey Power!

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Gestern Abend im Wheel Club: „I CAN’T GET NO SATISFACTION“ (Kurzes Video)

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Schlemmen unterm Stadion

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Da laden dich deine Freunde an einem ganz normalen Freitagabend „unters Olympiastadion“ ein. Und was findest du da vor? Eine wahre Schlemmer-Orgie mit Dutzenden von Foodtrucks und Tausenden von Menschen, die vor ihnen Schlange stehen.

Wenn es gerade nichts zu feiern gibt, wird in Montreal eben das Essen zelebriert. Jeweils am ersten Freitag im Monat verlassen die etwa 50 Food Trucks ihre Standplätze in der Innenstadt und treffen sich vor dem Olympiastadion.

Dann nimmt die Schlemmerei ihren Lauf.

Ob Spanferkel, Sushi, Pad Thai, Singapore Noodles oder Lobster. Ob Nougat, Gelato oder Deep Fried Bananas – auch der noch so anspruchsvolle Gaumen kommt hier auf seine Kosten.

Zu moderaten Preisen werden Speisen und Getränke aus Ländern serviert, die viele von uns nicht einmal mit dem Finger auf der Landkarte (oder der App) finden würden.

Immer beliebt ist vor allem bei den überwiegend jungen Quebeckern die Nationalspeise „Poutine“.

Muss man nicht mögen, sollte man aber einmal versucht haben. Oder, wie ich, zweimal. Nämlich zum ersten und zum letzten Mal.

Einen Blogpost dazu gibt’s >> hier <<

Bon appétit!

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