„Seit 70 Jahren auf der Piste …“

IMG_1863Siebzig werden ist ganz einfach. Man lässt sich von Eltern aufziehen, die es gut mit einem meinen. Ergreift einen Beruf, von dem man immer schon geträumt hat. Umgibt sich mit positiv denkenden Menschen. Tut das, wozu man Lust hat und reist dorthin, wo es einen hinzieht, nämlich immer der Nase lang.

Wenn man dann noch das Glück hatte, seine eigene kleine Familie gründen zu können, kann man den Siebzigsten entspannt feiern und freut sich auf die nächsten 70 Jahre. Oder so ähnlich.

Zum runden Geburtstag, den ich vor ein paar Tagen in Begleitung der wichtigsten Person in meinem Leben in Kuba begehen durfte, gab es jede Menge Glückwünsche. Gefreut habe ich mich über jeden einzelnen von ihnen. Ein paar davon finde ich so schön, dass ich daraus zitieren möchte:

“Du kommst nun langsam in meine Jahre und musst dem Ernst des Lebens in die verweinten Augen schauen, wobei dir dein schwäbisches Gemüt gute Dienste leisten wird, abgesehen von der Dreifaltigkeit deiner Familie, die dir, wenn notwendig, ein schützendes Bein stellt.” (Peter)

“Happy Birthday dem Geschichtenerzähler, Zauberer, Blogger, Gelegenheitsschauspieler, Buchautor, Gitarrero, Reisenden, stimmgewaltigen Radiomoderator, ewig Neugierigen und großen Menschenfreund wünschen wir zum 70. alles, alles Gute! Und vor allem bleib gesund, lieber Herbert. Damit Du weiterhin eine Art Vorbild sein kannst dafür, wie man in Würde und mit Stil älter wird und nicht alt, dabei immer offen bleibt für Neues, dazu tolerant und empathisch.” (Michael)

„70. Nur mit äusserster Anstrengung kann ich diese Zahl tippen. Unglaublich! Umso schöner, wenn man weiss, wieviel Du aus diesen Jahren gemacht hast und was Du noch vor hast.“ (Frank)

„Wir wünschen Dir noch viele schöne und gesunde Jahre, uns allen miteinander. Auf dass unsere Freundschaft bestehen bleibt, egal was das Schicksal uns beschert“. (Christa und Günter)

“Alles Liebe und Gute für die nächsten 70. Lass es richtig krachen, denn …. das Leben ist zu kurz für Knäckebrot!.” (Sandra & Nico)

„Wir senden Dir die fröhlichsten, empathischsten, nachhaltigsten und knuddeligsten Geburtstags- und Zukunftswünsche, die Du Dir vorstellen kannst!“ (Dorothee & Charly)

Heisse Dich herzlich willkommen in meinem ganz neu gegründeten Club der 70-er. Nachdem ich bisher das einzige Mitglied war, freue ich mich schon sehr über den Zuwachs! Und dann auch noch Du!” (Uli)

„Du hast eine tolle Familie, gute Freunde und ein Leben, das reich an Erinnerungen und gleichzeitig immer noch spannend und abwechslungsreich ist. Solange dir dein Interesse an den Menschen und deren Geschichten erhalten bleibt, mache ich mir auch keine Sorgen, dass sich das ändern wird! In diesem Sinne, auf ins nächste Jahrzehnt“ (Ralf)

“Klar fällt es anfangs etwas schwer, sich mit dem Siebener anzufreunden, aber daran gewöhnt man sich. Du gehörst jetzt zu einem elitären Club, dem nicht jeder beitreten kann!” (Wolfgang)

“The earth has spun around the sun 70 times since the day you were born – I love to think of birthdays in those terms! And your time on this planet has been spent experiencing, appreciating, and documenting so much of what the world has to offer… So that you can offer it up on a silver platter (in the form of an article, a blogpost, a radio segment, or a lively story around the dinner table) for those around you to savour and enjoy. What a simultaneously enriching and generous way to live one’s life!” (Kaia)

„Happy 70th to someone who knows how to squeeze every drop out of life.“ (Marjolaine)

Und dann war da noch einmal der eingangs zitierte Peter, der Poet unter meinen Freunden. Er beruft sich in seinem Gedicht auf Eugen Roth und zeichnet sein Œuvre entsprechend:

 

                DER OLDTIMER

EIN MENSCH, der grade siebzig wird,

Ist mitunter leicht verwirrt:

Soll ich auf die Pauke hauen

Oder in die Ferne schauen?

 

Wie wär’s mit einer kleinen Reise?

Wir feiern auf bescheid’ne Weise.

Kuba wär‘ ein guter Kauf,

Die Oldies fallen dort nicht auf.

 

Palmenstrände ohne Ende

Die Musik, die ist Legende,

Der Rum kommt aus der Wasserleitung,

(Nur Spätzle finden kaum Verbreitung).

 

Die Autos bunt, wie manche Damen,

(Die Preise halten sich im Rahmen!)

An beiden wird viel retuschiert

Dass der Verkehr auch gut floriert.

 

Das Internet ist etwas schwächlich,

Kommunikation ist nebensächlich:

Die Gratulanten, via Bell,

Schicken Küsse, virtuell.

 

Sei mir gegrüßt, du alte Kiste,

Seit 70 Jahren auf der Piste;

Die Bremse funktioniert noch gut,

(Da ist die Lore auf der Hut!)

 

Und wenn der Body nicht pariert,

Dann wird er einfach neu lackiert.

Vorm nächsten TÜV ist dir nicht bange,

Die Marke hält bestimmt noch lange.

 

Du hast’s geschafft: du wirst bewundert,

Das gibt sich dann – vielleicht – mit hundert.

Dich kriegt so schnell wohl keiner tot:

Das wünscht dir herzlich EUGEN ROTH.“

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Allen, die an mich gedacht haben, auf diesem Wege herzlichen Dank! 

 

 

Havanna: Mehr Kontrast geht nicht

Wer unbedingt den Finger in die verwundete Seele eines lange geschundenen Volkes legen will, muss nach Havanna reisen. Dort, in der Hauptstadt Kubas, bietet sich dem Besucher ein bizarres Kontrastprogramm: Einstige Prachtvillen, abgemagert zu Skeletten, posieren zum Fotoshooting neben Luxushotels und Edelboutiquen von GUCCI und Louis-Vuitton.

Treppenhäuser, aus denen der faule Mundgeruch der Armut strömt, führen ins Nirgendwo. Oder auf Dachterrassen, zu denen der Tagestourist keinen Zutritt hat: Ein wirrer Mikrokosmos aus Operettenbühnen, Boxring, Spielhöllen, Kampfhahn-Arenen und Hurentreffs – Restbestände eines vorrevolutionären Hedonismus, wie ihn die Karibik bis dahin nicht kannte.

Jetzt ist er also auch hier angekommen, der Massentourismus, inklusive Kreuzfahrtschiffen. Dabei hatte es bei unseren früheren Besuchen, zuletzt vor elf Jahren, noch ausgesehen, als könnte sich die „Perle der Karibik“ noch einmal davonschleichen vor den Piraten im Tilleyhut.

Havanna wäre nicht Havanna ohne Hemingway. Touristen strömen in die unscheinbare „Bar Floridita“, wo der große Meister Daquiri-Runden schmiss, und ins Hotel „Ambos Mundos“, wo der Starautor domizilierte, wenn er nicht gerade auf Großwildjagd war oder Alte Männer und das Meer beschrieb.

In der Februarhitze suchen Hemingway-Fans dort nicht nur Schutz vor der karibischen Wintersonne. Gedanklich dürfen sie sich auch im Windschatten einer amerikanischen Edelfeder fühlen – und sei es nur auf einen minzgrün gestampften Mojito.

Verlässt der Tagesreisende diesen faszinierenden Moloch aus Mensch und Moder dann im Bus wieder Richtung Strandhotel, wird er noch einmal Zeuge einer verkehrten Welt, deren Ungerechtigkeit in den karibischen Himmel schreit:

Hunderte von Einheimischen warten an den staubigen Ausfallstraßen in der flimmernden Hitze auf kostenlose Mitfahrgelegenheiten. Hoffen auf gute Seelen, die arme Seelen wie sie auflesen, in ihren Rostmühlen verschlucken und nach ein paar Kilometern in den umliegenden Dörfern wieder ausspucken. Dort, wo ihre Familien auf den Monatslohn von bestenfalls 25 Dollar warten. Oder auf Tauschwaren, die im Hinterzimmer einer Bauruine ergattert wurden. Glühbirne gegen Mopedvergaser. Rohrzange gegen Strumpfhosen für die Mädchen. Oder Kopfwehtabletten für alle.

Dabei war den Seelen, den guten und den armen gleichermaßen, im real existierenden Sozialismus doch eine wunderschöne Welt versprochen worden, in der Jeder alles und Keiner nichts hat.

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Passend zum Kontrastprogramm, das die kubanische Hauptstadt seinen Besuchern bietet, zickte bei unserem gestrigen Besuch auch das Wetter.

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Nachdem sich die bleiernen Regenwolken vom Morgen verzogen hatten, gab der Himmel dann doch noch die karibische Sonne frei. Die spiegelte sich in voller Pracht auf den Kühlerhauben der Oldtimer, die glänzend damit kokettierten, als gebe es wieder einmal kein Morgen.

Aber es ist eigentlich egal: Ob heute, gestern oder morgen – den staunenden Zaungast lässt diese abgedrehte Szenerie ohnehin ratlos zurück.

Mehr Kuba. Mehr Strand. Mehr Meer.

Spaziergänge in Kuba enden fast immer irgendwo am Meer. So auch gestern wieder. Nach einem langen Marsch über den wunderbar feinen Sand der Strände von Varadero gab es noch ein paar Impressionen in dem kleinen Badeort, eineinhalb Autostunden von Havanna entfernt.

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Stadthaus in Varadero

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Zimmer zu vermieten

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Mojito mit frischer Minze

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Der Blogger am Strand

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Farbenpracht am Bau

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Bougainvillea

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Postamt von Varadero

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Hinterhof

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Restaurant mit Huhn und Katzen

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Der liebe Gott fährt mit

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Bungalow: Es leben die Fifties

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Die Revolution ist nie ganz vorbei

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Alte Prachtvilla

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Fidel lebt!

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Und immer wieder Meer …

Ein bisschen Cuba Libre

Wo fängt man an, wenn man über Kuba schreiben möchte? Bei den traumhaft schönen Stränden, die das fast unwirklich farbenintensive karibische Meer einfangen? Bei den vielen Oldtimern, die manches Museum der Welt mit Stolz erfüllen würden? Oder bei den tropisch heißen Wintern, die Eis und Schnee geplagte Snowbirds einfach nur in Verzückung geraten lassen?

Fangen wir bei den Menschen an. Der Kubaner an sich ist: meistens schön, selten missmutig und scheint mit sich und der Welt entweder wirklich im Reinen zu sein, oder er ist ein verdammt guter Schauspieler.

Die folgenden Beobachtungen stützen sich freilich weitgehend auf das Servicepersonal unseres Hotels und hier und da noch auf ein paar Smalltalks mit Kubanern auf der Straße. Zu mehr Kontakten reicht es in einer Touristen-Enklave wie Varadero leider nicht.

Es gibt diese natürlichen Berührungsängste zwischen uns, den einigermaßen verwöhnten Erstweltländlern, und Kubanern, die im Schnitt um die 20 $ im Monat verdienen. Ein paar Gastgeschenke wie Strumpfhosen, Kosmetika und auch ganz viel Trinkgeld wirken angesichts der Armut vieler Menschen hier geradezu lächerlich. Aber die Gesten sind willkommen und wirken, so mein Eindruck, alles andere als gönnerhaft.

Vieles hat sich seit unserem ersten Kuba-Besuch vor 33 Jahren verändert. War es Kubanern damals offiziell noch versagt, mit Touristen überhaupt Kontakt aufzunehmen, wirken die meist jungen Menschen, die mir hier begegnet sind, aufgeschlossen, offen und voller Stolz auf das, was sie bisher erreicht haben. Und das ist viel.

Dass sie es als sozialistisches Land zu einer führenden Tourismusnation in der Karibik gebracht haben, verdient Respekt.

An den schönen Stränden allein kann es nicht liegen. Schon eher am beeindruckenden Selbstbewusstsein einer oft geknechteten Gesellschaft, die sich, fallen gelassen von Moskau und anderen Verbündeten, nie an Amerikas Rockzipfel gehängt hat. Ohne Amis geht’s auch – eine Devise, die Weltverschlechterern wie Trump zum Nachdenken bringen müsste. Schade nur, dass Trumps Stärke nicht im Denken liegt. (Wo eigentlich?)

Die kubanische Psyche zu ergründen, ist eine Herausforderung, der ich mich in einem kurz mal ins iPhone getippten Blogpost nicht stellen möchte. Deshalb seien mir lediglich ein paar Beobachtungen gestattet:

Es gibt pflegeleichtere Tourismus-Destinationen als Kuba. Die schwierige Versorgungslage verlangt in erster Linie natürlich von den Kubanern selbst, aber auch vom Devisen bringenden Besucher einiges ab. Kompromisse sind deshalb unerlässlich. Die zaubern zwar auch keinen Kaffee aufs Zimmer oder einen Duschschlauch ins Bad. Vom zickigen Internet und nicht existenten Fernsehsignal ganz zu schweigen.

Fehlt uns deshalb etwas? Nicht wirklich. Erst recht nicht, wenn dich das Hotelpersonal mit dem entwaffnenden Charme des Karibik-Insulaners von sich aus auf die Missstände hinweist.

Das Essen, viel geschmäht unter Kuba-Touristen, ist besser geworden seit unserem ersten Besuch. Gab es damals noch die Wahl zwischen frittierten Bananen, verkochten Bohnen und halbgarem Reis, wird heute meist ordentliche Hausmannskost serviert.

Ein bisschen herrscht auch schon freie Marktwirtschaft. Cuba Libre auf Sparflamme. In dem Badeort Varadero sind jetzt vereinzelt Privatzimmer zu vermieten, es gibt Bars, Cafés und sogar einen Beatles Club“ – noch vor wenigen Jahren undenkbar.

Überhaupt Varadero: Was vor Jahren noch ein verschlafenes Kaff am Meer war, wird heute von Touristen überschwemmt. Die meisten von ihnen kommen aus Kanada, was nicht nur aus logistischen Gründen naheliegt. Auch ideologisch hat das Land bei den meisten Kubanern mächtig Eindruck gemacht. Kanada gehörte zu den ersten Ländern, die Kuba nach der Revolution helfend unter die Arme gegriffen haben. Das haben selbst junge Kubaner nicht vergessen

„Canada – best country in the world “ sagt der junge Dosensammler am staubigen Straßenrand. „Trump no good!“ Und natürlich sei er ein Fan von Justin Trudeau.

Wer kommt überhaupt nach Kuba, wo doch die Welt voll ist von wunderbaren Plätzen? Für Sozialromantiker hat Kuba als Urlaubsziel jedenfalls ausgedient.

Wer auf den Geist von Fidel Castro hofft, der Zigarren rauchend mit Ché Guevera diskutiert und von einem Daquiri trinkenden Hemingway unterbrochen  wird, darf weiter träumen.

Wer den morbiden Charme einer einst blühenden Karibikperle bestaunen möchte, hätte früher aufstehen müssen.

Wer Luxus pur sucht, ist in Kuba ebenso fehl am Platz wie der Tourist, dem es immer nur ums gute Essen geht.

Fakt ist: Kuba ist inzwischen im Massentourismus angekommen – ohne sich dabei gänzlich untreu geworden zu sein. Doch es gibt zwei Währungen im Land: Eine für die Kubaner, eine andere für Touristen. Real existierender Sozialismus sieht anders aus.

Alles in allem also eine Mischung, die es in dieser Art wohl nur noch selten in der Welt gibt.

Allein schon deshalb ist Kuba immer wieder einen Besuch wert.

Oldtimer-Paradies: Cars of Cuba

Wohl kaum etwas fasziniert Besucher in Kuba so sehr wie die legendären Oldtimer. Es sind Relikte aus vorrevolutionären Zeiten. Zwar waren Autos auch nach der Revolution noch gestattet. Aber nur, wenn sie vor 1959 gebaut wurden. Deshalb gehören Oldtimer auch heute noch zum Stadtbild der Zuckerinsel in der Karibik. Anbei eine kleine Auswahl von Fotos, die heute in Varadero entstanden sind.