Leben ohne digitales Störfeuer

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Ich bin dann mal wieder weg. Habe Facebook und Instagram wieder einmal adieu gesagt und lebe seit zwei Tagen enthaltsam, ohne digitales Störfeuer.

Ich habe nichts gegen Facebook und auch nicht gegen Instagram. Dass es sich bei beiden um Datenkraken handelt, ist bekannt. Aber das Internet ist keine Einbahnstraße, es ist ein Geben und Nehmen. Dafür, dass mir das WorldWideWeb mit all seinen faszinierenden Facetten so unglaublich viel gibt, bin ich, mit Abstrichen, auch bereit, ein bisschen von mir preiszugeben. Wer sich entschlossen hat, öffentlich zu leben, darf sich nicht wundern, wenn seine Daten später nichtöffentlich abgegriffen werden.

Nur: Ich hatte mehr und mehr das Gefühl, dass nicht ich derjenige bin, der die Sozialen Medien kontrolliert. Sie kontrollieren mich. Viel zu viele Sommerabende habe ich am Rechner und am Handy mit Posten und Liken von Beiträgen verbracht. Oft war es schade um die schöne Zeit. Deshalb habe ich mich jetzt von Facebook & Co verabschiedet. Zumindest vorübergehend.

Eigentlich mag ich ja Facebook. Der Austausch mit Menschen, mit denen man zwar keine Brieffreundschaft unterhalten würde, die einen aber trotzdem irgendwo interessieren – das alles gefällt mir. Instagram mag ich fast noch lieber. Es ist ein „Seh“-Medium, hier werden aussagestarke, oft wunderschöne Fotos gepostet. Von Reisen und Rezepten (“foodporn“). Und, ja, auch von Katzen.

Die „Insta-Stories“, die man dort dramaturgisch geschickt aneinanderreihen kann, haben mich nie sonderlich interessiert. Aber allein die Technik, die dafür verwendet wird, fasziniert mich. Dieser Teil der digitalen Wundertüte wird mir fehlen. Aber dafür gibt es Technik-Blogs und andere Quellen.

Warum ich bei all der Begeisterung dann trotzdem abgesprungen bin? Weil es mir unheimlich geworden ist, wie zeitintensiv die Pflege von „Freundschaften“ bei den Sozialen Medien ist. Mein angeborener Voyeurismus verbietet es mir, bei von Freunden veröffentlichten Posts einfach weiterzuscrollen. Ich habe jede Zeile von ihnen gelesen, jedes Foto angeschaut, jeden Link angeklickt und die Geschichte, die sich dahinter aufbaut – meistens – gelesen. Und das bei mehr als 300 „Friends“.

Nur mit „Memes“ konnte ich nie viel anfangen. Das sind diese Grafiken mit einer Bildunterschrift, die oft aus einem Zitat bestehen, das Menschen zugeschrieben wird, die das womöglich gar nicht so gesagt haben. Mit anderen Worten: Fake News.

Witzig fand ich bei Instagram all die kuriosen Hashtags. Das sind jene mit einem Kreuzchen versehenen Stichworte, die sich dann, wie bei einem Link, anklicken lassen. Hinter diesem Hashtag findet man dann gebündelt Meinungen, Bilder, Videos oder auch echte Links zum jeweiligen Thema.

Wie lange meine Abstinenz von Facebook und Instagram dauern wird, oder ob sie diesmal wirklich endgültig ist, kann ich nicht sagen. Im Moment schaue ich mir noch gebannt bei der Entwöhnungsphase zu. So ungefähr muss es einem Alkoholiker auf Entzug gehen.

Übrigens: Ich mag meine Facebook-Freunde noch immer, auch wenn ich sie künftig nicht mehr liken werde.

Hitzewelle im coolen Kanada

Es gab Zeiten, da habe ich mindestens zweimal pro Jahr im ARD-Hörfunk über Kältewellen in Kanada berichtet. Zum Beispiel darüber, wie man sich bei minus 40 Grad am besten kleidet und auch, was Inuit-Mütter tun, um ihre Kinder vor dem Erfrieren zu bewahren. Von einer Hitzewelle, wie sie schon sei Tagen in Montreal herrscht, konnte ich nie berichten. Bietet sich also an, es hier zu tun.

Fangen wir mit der Frage an: Wie heiß ist es eigentlich? Antwort: Sehr heiß. Nein: Brütend heiß. Brüllend heiß sogar. Konkret: In diesem Moment steht das Thermometer auf 36 Grad. Macht eine gefühlte Temperatur von 42 Grad. Ganz schön glühend heiß, oder?

Aber wie verhält man sich nun, wenn die Stadt zum Brutkasten wird? Meinen Kumpel Julian zum Beispiel zieht es an so einem Tag wie heute in die Bibliothek. „Dort haben sie wenigstens Air Condition“, textet er eben. Seine Frau Meriem geht, obwohl heute in Kanada Feiertag ist, freiwillig zur Arbeit. Im Institut haben sie Klimaanlage.

Mein Freund Mike, damals noch BBC-Korrespondent in Montreal, hatte eine andere Methode auf Lager. Nennen wir sie, ganz Mike, „die britische Methode“. In seiner Wohnung standen an mehreren Stellen 6-Liter-Behälter mit gefrorenem Wasser. Die hausgemachte Klimaanlage verfehlte ihre Wirkung nicht. Ich kann das nach mehreren Besuchen in seiner damaligen Bleibe im „Plateau Montréal“ bezeugen.

Und sonst so? Wunder bewirkt auch ein eisgekühltes Handtuch um den Hals. Oder, warum nicht?, ein T-Shirt direkt aus dem Gefrierschrank. Eisbeutel im Baseballkäppi? Eher nicht.

Die schönste Erlösung bringt die Natur selbst. So wie in diesem Moment, da ein satter Regenguss auf Mensch und Natur herabprasselt.

So viel Kühlwasser auf einmal! Umweltfreundlich. Kostenlos. Wirksam. Und total entspannend.

Vielleicht haben Sie ja noch andere Tipps auf Lager.

 


Hier sind einige Tipps aus dem Mallorca Forum, wo über das Thema „Affenhitze“ diskutiert wird.

Paradiesvogel: Hier auf Mallorca ist das bei Hitze ja recht einfach: ins Meer hüpfen und Gott einen guten Mann sein lassen. In Montreal fehlt euch natürlich das Mittelmeer. Da bleiben wohl nur Pool und Klimaanlage.

Philbehr: Morgens durchlüften und die Fenster schließen, wenn die Außentemperatur höher ist, als die gewünschte (/aktuelle) Innentemperatur. Bei hoher Außentempertur nur kurz lüften (niemals gekippte Fenster). Bewegte Luft bei geöffnetem Fenster gibt einem nur das Gefühl der Abkühlung – in Wirklichkeit erhöht sie die Raumtemperatur. Für Außenbeschattung sorgen, also die direkte Sonnenbestrahlung nicht durch die Scheiben lassen (Innenjalousien sind nur eine Notlösung).

Herbstzeit: Markisen ausfahren, exponierte Fenster mit Isoliervorhängen schützen, nachts die Schlagläden zu und Fenster auf, morgens Fenster zu, Klima im Schlafzimmer 1 Std. vorm zu Bett gehen einschalten….., lauwarm – kühl duschen, Kopf unter den Wasserhahn halten….., kühle, ungezuckerte Drinks oder Tees, bzw. Wasser trinken, Wassermelone würfeln und in den Kühlschrank stellen…… und möglichst nicht viel tun.

Str-Omi: Tunlichst vermeiden sollte man bei solchen Temperaturen, viel bergauf und durch schattenlose Weinberge zu wandern, wie wir kürzlich bei ähnlichen Temperaturen. Das ist keine grenzenlose Freude und nicht sonderlich bekömmlich. – In Waschbecken, Schüssel o.dgl. kaltes (nicht zu kalt, eher in Richtung lau, sonst muss der Körper wieder Wärme produzieren um das auszugleichen oder gibt gar einen Schock) Wasser einlaufen lassen und dann die gesamten Unterarme mit Puls und Armbeuge für eine Weile eintauchen. Kann man von Zeit zu Zeit wiederholen. Die Schnellmethode davon wäre: über Puls und Armbeuge Wasser laufen lassen. Danach nicht abtrocknen = ergibt Verdunstungskälte.

chico: Versuche im Auto wenig die Klimaanlage einzuschalten, damit man nicht zu große Temperaturunterschiede hat. Meine Freundin, Kräuterhexe, empfiehlt Salbeitee, Zimmertemperatur. Leiche Baumwoll- oder Leinenkleidung. Viel Trinken, nur leichte Speisen.

 

 

30.000 Fotos sind nicht genug

Screen Shot 2018-06-21 at 20.47.12.pngIch weiß nicht, wie es auf ihrem Rechner, ihrem Tablet oder Smartphone aussieht. Ich weiß nur: So langsam ertrinke ich in einer Flut von Bildern. Genau 30.000 sind es in diesem Moment. Dazu ein paar Dutzend Videos – macht zusammen ein Bildermeer, das kaum mehr zu navigieren ist.

Früher … nein, Opa erzählt jetzt nicht vom Krieg. Aber früher war das wirklich eine klare Sache. Fotografiert wurde an Weihnachten, beim Ostereiersuchen, an der Erstkommunion und am 1. Schultag. In den Wochen und Monaten dazwischen durfte sich die Kamera in Vaters Schreibtisch ausruhen, oberste Schublade links. Papierfotos waren teuer und deshalb rar. Außerdem gab es, mal unter uns, in Ummendorf nicht so wahnsinnig viel, das unbedingt im Bild festgehalten werden musste.

Auch später, während der Journalistenausbildung, wurde nur im überschaubaren Rahmen fotografiert. Die Polaroid-Kamera lag immer im Dienstwagen, um notfalls kurzerhand ein Sofortbild schießen zu können. So auch, als mir völlig aus dem Nichts eine damals

Mein erstes Selfie (1973)

ziemlich bekannte Showgröße namens Gus Backus in einer Kneipe begegnete. Also kurz die Polairoid gezückt und draufgehalten. „Blitzen könn’se“, sagte der Deutsch-Amerikanische Schlagerstar, „aber donnern nicht“. Fragen Sie mich nicht, warum ich mir diesen dämlichen Satz gemerkt habe. Jedenfalls ist er genau so gefallen. Das muss anno 1968 gewesen sein.

Die richtig guten Fotos schossen in der Zeitungsredaktion ohnehin nicht die schreibenden Journalisten. Dafür hatten wir Fotoreporter wie den später überaus erfolgreichen Gründer der Reportagen-Agentur Zeitenspiegel, Uli Reinhardt. Mit ihm, der noch heute weltweit unterwegs ist, verbindet mich auch 50 Jahre später noch ein freundschaftliches Verhältnis.

Als Hörfunkjournalist hatte die Kamera dann ihren Reiz etwas verloren. Jetzt waren Töne angesagt. Also konzentrierten sich meine überschaubaren technischen Kenntnisse auf Mikrofone, Aufnahmegeräte und Schnittprogramme.

Dann kam das Internet. 2001 schickte mich der WDR von Montreal nach New York, um für die Onlineredaktion über die Terroranschläge vom 11. September zu berichten. Ich hatte vieles – nur keine geeignete Kamera. Also besorgte ich mir das Einstiegsmodell einer Luminex-Digicam. Die Bedienungsanleitung dazu studierte ich im Zug auf dem Weg nach New York. Gleichzeitig machte ich mich mit meinem ersten richtigen Laptop vertraut, den ich ebenfalls kurz vor New York im „Future Shop“ besorgt hatte.

Bei der Ankunft im Manhattan hatte ich beides im Griff. Meine erste Fotoreportage fürs Internet war auch gleichzeitig die erschütterndste meiner langen Journalistenlaufbahn. New York war eine verwundete Stadt. Und ich musste darüber berichten.

So tragisch der Anlass für meine erste Bildstory war, so sehr war ich jetzt von der Technik der Digitalfotografie angefixt. Es gab nichts mehr, das ich nicht auf meine SD-Karte speicherte, um die Bilder danach im Rechner hochzuladen. Blumenwiesen und Meeresrauschen. Menschen mit und ohne Geschichten. Stadt und Land, Himmel und Erde. Und natürlich jede Menge Katzenfotos.

Mit dem ersten iPhone wurde die Sammlung immer größer. Als der Rechner schließlich überquoll, musste eine externe Festplatte her. Als auch diese angesichts der Datenflut schlapp machte, wurde eine Cloud angemietet. Jetzt bin ich bei 30.000 Fotos – und kein Ende in Sicht.

Die größte Herausforderung beim Fotografieren ist inzwischen nicht mehr die Aufnahme selbst, sondern die Frage: Welche Fotos lösche ich, wie viele behalte ich. Und vor allem: Wer soll die eigentlich alle anschauen?

Weil ich den Bilderschwall weder Freunden noch Verwandten zumuten möchte, bin ich selbst zum größten Fan meiner Fotosammlung geworden. Kein Tag, an dem ich nicht im Datenarchiv krame, um mir Urlaubsfotos und Kinderbilder zu Gemüte führe.

Und natürlich auch das eine oder andere Katzenfoto.

Fanclub für Musik und Umwelt

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MENSCHEN MIT WÜNSCHEN: Der Liedermacher Matt Holubowski (2. v. l), der Kandidat der „Grünen“, Chad Walcott (4. v. l) der Blogger vom Dienst (3. v. l.) und andere Leute, denen zwei Dinge am Herzen liegen: Eine gesunde Umwelt und gute Musik.             Foto © Marie Balaguy

Ein Abend voller Überraschungen: Erst meldete sich Cassian zusammen mit seinem Uraltfreund Matt zum Schnitzel-Essen an. Und während aus den Desserttellern noch Lores hausgemachte Clafoutis lachte, fiel die Entscheidung: Matt geht mit mir ins „Brutopia“ zu einer Veranstaltung der „Green Party“.

Chad, ein anderer Freund aus Cassians Kindheit, hatte sich in dem Montrealer Pub mit Freunden versammelt, um die Strategie für den Wahlkampf zu besprechen. Am 1. Oktober wird in der Provinz Quebec ein neuer Landtag gewählt. Chad kandidiert für die „Parti Vert“ in Notre-Dame-de-Grâce (NDG).

Chad Walcott passt wunderbar in diesen Multikulti-Wahlkreis: Der Vater stammt aus Barbados, die Mutter aus Slowenien. Ein Bruder spielt professionell Eishockey, der andere ist Schauspieler. Und mittendrin Chad, dessen bisheriges Leben um Dinge wie „Fundraising für caritative Zwecke“ und „Gutes tun“ kreiste.

Das größte Entrée des Abends hatte jedoch unser gemeinsamer Freund Matt Holubowski, ein veritabler Star in Quebec, der gerade von einer Europatournee zurückgekommen war, bei der er sein Publikum unter anderem in der vollbesetzten Elbphilharmonie in Hamburg begeisterte.

Entsprechend euphorisch war der Empfang gestern Abend in der Bierkneipe an der Rue Crescent. Als Matt an meiner Seite das „Brutopia“ betrat, fing ein Tisch voller weiblicher Fans an zu kreischen. Mich erinnerte die Szene ein bisschen an Matts Auftritt im Corona-Theatre vor zwei Jahren. Dort hielt ein Teenager ein Plakat hoch mit der Aufschrift: „I want your baby, Matt!“.

Im „Brutiopia“ gestern Abend wurden zwar auch Plakate hochgehalten. Aber es waren keine Fanposters sondern Wahlplakate der Grünen. Die Partei hat sich vorgenommen, meinen Freund Chad Walcott am 1. Oktober ins Parlament nach Quebec-City zu schicken.

Meine Unterstützung hat er. Bald geht’s ans Plakate kleben. Auch Matt Holubowksi, der mit seiner genialen Musik seit einiger Zeit nicht nur kanadische Teenager in Ekstase bringt, will seinem und Cassians Kindheitskumpel unter die Arme greifen, so gut es geht.

Witzig, wie sich der Kreis wieder schließt: Bei einigen Bieren und Gin Tonics verriet mir Matt, dass ausgerechnet ich es gewesen sei, der ihm die ersten Griffe auf der Gitarre beigebracht hatte. Bei „The House of the Rising Sun“ hatten wir die A-Moll, C-Dur und F-Dur-Akkorde bis zur Schmerzgrenze geübt. Daran konnte ich mich noch erinnern.

Was ich bis gestern Abend nicht wusste: Während eines mehrwöchigen Aufenthalts in unserem Haus in Hudson hatte Matt seinen ersten eigenen Song geschrieben. Er heißt „Bopp-Room Number 3“.

Wer Matt live erleben möchte, sollte nächste Woche nach Paris und London reisen. Dort hat er mehrere Auftritte.

Wer Chads politische Karriere verfolgen will, muss einfach ab und zu in den BLOGHAUSGESCHICHTEN stöbern. Ich halte Sie auf dem Laufenden. Versprochen.

Montréal: Kunst am Bauarbeiter

Oft kommt es nicht vor, dass ich mich in eine Kunstgalerie verirre. Gestern konnte ich einfach nicht anders. Die „GALERIE STATION 16“ am Montrealer Boulevard St. Laurent stellt zurzeit Bilder aus, die nicht nur ausgesprochen schräg sind, sondern gleichzeitig so realitätsnah.

The Orange Cone Festival“, nennt sich die Show eines belgischen Künstlers namens „Jaune“ (Gelb).

„Orange cones“ werden die orange-weiß gestreiften Plastikkegel genannt, die zur Absperrung von Baustellen verwendet werden – und davon gibt es in Montréal jede Menge.

Was sich „Jaune“ alles einfallen ließ, um die Montrealer Baustellenszene künstlerisch zu karikieren, sehen Sie  >> HIER <<

Hier geht’s zur Homepage der GALERIE STATION 16