Und alle singen Leonard Cohen

Ein bisschen viel Leonard Cohen in letzter Zeit im Blog? Schon möglich. Aber es ist nun halt mein Blog. Und Sie sind halt mal beim Cohen-Fan-Hauptquartier in Montreal gelandet. Da müssen Sie jetzt durch. Heute Abend: Singalong mit Leonard Cohen.

Einer dieser Montreal-Momente:

Aus der U-Bahn-Station „Place des Arts„, direkt unter der Konzerthalle, erklingen „Hallellujah“ und „Bird on the Wire“ und noch ein Dutzend andere Cohen-Songs. Nicht aus der Konserve, sondern live. Gesungen von Männern und Frauen, die sich trauen, zwischen fünfzig, sechzig Leuten ein Mikro in die Hand zu nehmen und zu den Klängen einer ziemlich guten Amateurband Leonard-Cohen-Lieder zu singen.

Und schon stimmen alle in die Songs ein. Karaoke mitten im Feierabend-Verkehr.

Ein Typ, der sich als Belgier vorstellt, ein Kerl mit Baskenmütze und leicht britischem Akzent, eine junge Frau, die ein Hallelujah mit Gänsehaut-Effekt hinlegt. Und eine nicht mehr ganz so junge Frau, die hüftschonend mit den Schultern wippt und vorsichtshalber eine Familienpackung Papiertaschentücher mitgebracht hat.

Eine andere junge Frau verteilt die Playlist, die an diesem Spätnachmittag angesagt ist. Zwei, drei Fernsehteams sind auch gleich zur Stelle. Und plötzlich steigt die coolste Cohen-Party, die sich mein Held nur wünschen könnte.

Vor genau einem Jahr ist er gestorben. Und weil auch in einer Metropole wie Montreal die weltbekannten Künstler nicht an den Bäumen wachsen, wird Leonard Cohen in diesen trüben Novembertagen immer und immer bemüht. Und sei es nur zum Karaoke in der U-Bahn-Haltestelle.

Gut gemacht, Montreal. So long, Lenny!

IMG_0429.JPG

Ein Abend mit meinem Mann

Leonard Cohen hat viele Songs geschrieben, die mir ans Herz gegangen sind. „I’m your Man“ war einer von ihnen. Ohne ihn wäre mein Leben ärmer. Ohne Cohen und ohne den Song. Gestern Abend wurde ich reichlich beschenkt: Mit einem Konzert zu Ehren des vor einem Jahr verstorbenen Sängers. Mit einem Staraufgebot, wie man es nur selten erlebt.

Von Sting bis Elvis Costello, von k.d. lang über Feist bis zu dem Hollywood-Comedian Seth Rogen. Von Courtney Love, der Witwe von Curt Cobain, bis zu Céline Dion, die per Video-Botschaft einen Cohen-Song in die Menge hauchte, der selbst jenen den Atem verschlug, die sonst mit der Diva nur wenig anfangen können.

Ein Cohen-Fan war ich gefühlt schon immer und werde – echt jetzt – auch immer einer bleiben. Auch wenn „my man“ längst in anderen Sphären „Closing Time“ singt, kann ich noch immer nicht genug von ihm hören, sehen, lesen. So muss es wohl auch 15.000 anderen ergangen sein, die zum „Leonard Cohen Memorial Concert“ ins Montrealer “Bell Centre“ gekommen waren, um ihrem Helden noch einmal die Reverenz zu erweisen.

Als Leonard Cohen vor einem Jahr starb, bin ich zu seinem Haus am „Place du Portugal“ gepilgert, habe eine Kerze gezündet und so lange „So long Marianne“ mitgesungen, bis mir das Wasser in den Augen stand.

Adam Cohen war vom Vater kurz vor dessen Tod per Erb-Dekret auferlegt worden, das gestrige Memorial-Konzert zu organisieren. Der Sohn, selbst ein arrivierter Künstler, hat Großes geleistet. Ein mehr als dreistündiges Event zu gestalten, ohne auch nur eine Sekunde Langeweile aufkommen zu lassen, ist eine Meisterleistung.

Großartig auch, dass die Stars des Abends ohne Gage auftraten. Der Reinerlös floss in eine Stiftung für kanadische Nachwuchstalente.

Um an Tickets für dieses denkwürdige Event zu kommen, war Multitasking gefragt. Als an einem Samstag im vorigen Sommer die Karten im Internet verkauft wurden, fieberte ich mit Laptop, Handy und Kreditkarte dem Moment entgegen, der mir die Plätze im Bell Centre garantierte. Innerhalb weniger Minuten waren die Tickets ausverkauft. Viele von ihnen – nicht unsere – für tausend Dollar und mehr.

Als hätte der gestrige Abend nicht ohnehin schon genügend Highlights geboten, gab es irgendwann noch Besuch von Justin Trudeau und seiner Frau Sophie. Dabei plauderte der kanadische Premierminister ein wenig aus dem Nähkästchen.

Den ersten Tanz als Ehepaar tanzten Justin und Sophie bei ihrer Hochzeit zu einem Cohen-Lied: „I’m your Man“ – was sonst?

Das komplette Konzert wird ist am 3. Januar bei CBC-Fernsehen zu sehen. Ein Film von dem Memorial ist für Januar 2018 geplant.

Die Konzertkritik der Montreal Gazette gibt’s  >> HIER <<

Wandbemalung im Viertel „Plateau-Mont-Royal“. Als wäre er Everybody’s Man. Fotos: Bopp

 

Die Frau Oberbürgermeisterin

Manchmal gehen Wünsche ja doch in Erfüllung, wenn man brav ist: Meine Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl in Montreal hat gewonnen. Valérie Plante wird das erste weibliche Stadtoberhaupt in der Geschichte meiner Wahlheimat. Mit ihrer Charmeoffensive hat sie es geschafft, den bisherigen OB Denis Coderre aus dem Rennen zu werfen.

Dabei war Monsieur Coderre kein schlechter Oberbürgermeister. Er hat der Stadt einen Stempel aufgedrückt, den so schnell keiner mehr abwaschen kann. Manchen war dieser Stempel dann auch zu kostspielig und, sagen wir es ganz offen, zu großkotzig.

Warum eine Stadt wie Montreal mitten in einer riesigen Grünfläche noch dreieinhalb Millionen Dollar teure Baumstümpfe aus Marmor braucht, bleibt das Geheimnis der bisherigen Stadtverwaltung.

À propos Geheimnis: Davon hatte Denis Coderre wohl einige. So wollte er bis wenige Tage vor der Wahl partout nicht mit der Sprache herausrücken, wie viele bezahlte Tickets im vorigen Sommer für das erste Formel-Eins-Rennen für Elektroautos eigentlich verkauft wurden: Gerade mal 5.000. Verschenkt wurden dagegen mehr als 20.000. Es war ein blamables Zuschussgeschäft.

Das kam nicht gut an bei den Hunderttausenden Montrealern, die auf ihrem Weg zur Arbeit Tag für Tag ihre eigene Rennstrecke zu bewältigen haben. Die orangefarbenen Baustellenkegel sind zu einem Symbol für schlampige Koordination geworden – ein Thema, das den gesamten Wahlkampf beherrschte.

Titelseite der Montreal Gazette – Illustration © Aislin

Natürlich wird Valérie Plante alles anders, besser, preisgünstiger machen. Sagt sie. So ist eine neue U-Bahnstrecke vom Norden in den Südwesten der Stadt geplant. Dass die neue Métrolinie „Pink Line“ heißen soll, mag den Machos unter den Montrealern zwar nicht so richtig einleuchten. Aber nun denn, wenn sie in Rosa schneller in die Innenstadt kommen als in ihren Pickup-Trucks, dann soll’s auch recht sein.

Valérie Plante ist mit ihren 43 Jahren eine politische Newcomerin. Bislang war sie ausschließlich im sozialen Bereich tätig. Als Nachrückerin sitzt sie seit gerade mal elf Monaten im Stadtrat.

Aber schon bald gelang es ihr, die Menschen zu begeistern: Mit Tierschutz-Themen, mit Vorschlägen für mehr sozialen Wohnungsbau, mit Versprechungen, Wege für Fußgänger und Radfahrer sicherer zu machen. Und nicht zuletzt mit ihrem ansteckenden Lachen, das auch gestern wieder im Corona-Theatre bei mir um die Ecke zu hören war, wo sie mit ihrem Team „Projet Montréal“ ihren Erdrutschsieg feierte.

So ganz sicher war ich mir bis zum Schluss nicht, ob mir die Kombi aus Leistung, Anspruch und Lächeln genügt, mein Kreuzchen hinter ihren Namen zu machen. Noch vor wenigen Tagen konnte ich einem Videoreporter der Montreal Gazette keine klare Antwort auf die Frage geben, wem ich nun eigentlich meine Stimme geben würde.

Aber vor dem Hintergrund einer meist männlichen Politiker-Verdrossenheit geht man auch gerne mal ein Risiko ein. Deshalb also ist Valérie Plante „meine Oberbürgermeisterin“.

Ich hoffe, sie enttäuscht mich nicht.

Freitagabend in Hochelaga: Zu Gast bei Julian, Meriem und Bob Marley

Der Barbier von Hochelaga. © Alle Fotos: Bopp

Wer einen Freitagabend im Montrealer Stadtteil Hochelaga verbringt, braucht schon einen Grund. Preise für geglückte Städteplanung wird das „Quartier“ tief im Osten der Stadt wohl genau so wenig einheimsen wie Sterne für kulinarische Höchstleistungen der Restaurants. Von ihnen scheint es in Hochelaga noch weniger zu geben als Papierkörbe. Und das will etwas heißen.

Warum dann die zehn U-Bahn-Stationen von St. Henri nach Hochelaga auf sich nehmen? Zum Beispiel, weil dort Julian und Meriem wohnen. Zwei Zugezogene die noch dabei sind, in Montreal richtig Fuß zu fassen.

Meriem stammt aus Tunis und forscht als Wissenschaftlerin an der Früherkennung von Gehirntumoren. Julian kommt aus Saarbrücken. Als freier Journalist beliefert er deutschsprachige Medien mit Korrespondenten-Beiträgen.

Beide sind um die 30. Montreal haben sie sich ausgesucht, weil es sich hier gut forschen, leben und arbeiten lässt. In den Stadtteil Hochelaga hat es sie eher zufällig verschlagen. Vielleicht haben auch die vergleichsweise niedrigen Mietpreise eine Rolle gespielt.

Wer in Hochelaga lebt, spielt zwar nicht in der Porsche-Liga. Doch die Gegend hat auch ihren Reiz. Die Mischung aus geerdeten Quebecern und  hippen Zugezogenen verleiht Hochelaga eine urbane Coolness. Vor allem unter der U40-Generation ist Hochelaga wegen der Nähe zur Innenstadt eine gefragte Location. Nicht ohne Folgen: Die demografische Zusammensetzung schafft, wie in einigen anderen Montrealer Stadtteilen auch, Konflikte. Der Begriff „Gentrification“ ist zum Reizwort für alles geworden, was man sich gerne leisten würde, aber nicht kann.

Wenn man erst einmal die Eingeweide der Stadt hinter sich gelassen hat, um die Metro-Station Frontenac mit der Rolltreppe zu verlassen, sieht man als erstes „einen Polen“. Ich meine das nicht despektierlich, aber ich weiss nicht, wie ich es sonst formulieren könnte. Es ist kein Restaurant und auch keine Backstube. Für einen Feinkostladen fehlt ihm der Schliff. Die Perogies, die „der Pole“ an der Ecke anbietet, sind lecker. Ich kenne sie von früheren Besuchen.

Überhaupt ist mir Hochelaga ziemlich vertraut. Als unsere Freundin Marjolaine im Herbst 2011 Wahlkampf für die links-soziale NDP machte, klebten wir nächtelang Plakate für sie. Ihr Wahlbezirk ist Hochelaga. Nicht nur hat sie damals den Einzug ins Bundesparlament geschafft. Sie ist vier Jahre später auch mit Glanz und Gloria wiedergewählt worden. Bodenständigkeit und Fleiß werden in Hochelaga belohnt.

Hat man „den Polen“ beim U-Bahnhof erst einmal hinter sich gelassen, geht es zu Fuß in Richtung Westen. Während in der Montrealer Innenstadt um diese Zeit der Bär tanzt, scheint er in Hochelaga in einen verfrühten Winterschlaf verfallen zu sein. Tote Hose so weit das Auge reicht.

Doch dann plärrt dir plötzlich Reggaemusik entgegen. Klar, dass dich in diesem Augenblick nichts brennender interessiert als die Frage: Wo steckt Bob Marley?

Er steckt nicht, er hängt. Und zwar ziemlich genau eine Kopflänge über dem Schädel, den ein Kerl im Reggaelook gerade barbiert als gelte es Udo Walz Konkurrenz zu machen.

„Darf ich reinkommen“? Man will ja nicht stören. „Have a seat, man“, sagt der Kerl.

Aber ich will nicht sitzen und ohnehin eignet sich mein Haupthaar nicht für Dreadlocks. „Darf ich fotografieren“?, frage ich den Reggaeman. „Shoot!“, sagt der. Und richtet die linke Hand in Pistolenposition auf mich, während die Rechte weiterhin Udo Walz spielt. Ich zücke mein Handy und schieße zurück.

Was macht man, wenn man eine halbe Stunde zu früh für die Essenseinladung vor dem Haus der Gastgeber steht? Man geht einfach weiter. Durch Wohnstraßen, in denen die Fenster verbarrikadiert sind, vorbei an zugenagelten Geschäftsräumen, in denen das „à louer“-Schild an bessere Zeiten erinnert. Gute Nacht, Hochelaga.

„Bistro sur la Rivière“ – auch ohne Bach ein hübscher Platz.

Und dann, als es schon fast Zeit für den Dinnerbesuch ist, baut sich vor dir ein herrlich verträumtes Bistro auf, mit dem wunderschönen Namen „Bistro sur la Rivière“. Wen stört’s, dass es an dieser Ecke weit und breit keinen Bach gibt, der den Namensgeber inspiriert haben könnte.

Die Speisekarte liest sich lecker. Jetzt meldet sich auch schon der 19-Uhr-Hunger. Gleich wird Julian eine herrliche Gemüsesuppe servieren, deren Namen ich vergessen habe. Und Meriem, die Vegetarierin, kredenzt ein Couscous ähnliches tunesisches Pasta-Gericht mit Gemüse, dazu selbst gebackenes Brot und Hühnchenbrust für die beiden Fleischesser am Tisch.

Nwasser: Lecker – ob mit oder ohne Fleisch.

Man isst und redet, trinkt Kombucha und Wein, isst weiter und hätte an diesem Abend vermutlich sämtliche Probleme der Welt durch reden aus der Welt geschaffen, wäre da nicht die letzte U-Bahn, die einen zurück nach St. Henri bringt.

Übrigens wurde Hochelaga von den Irokesen gegründet. Als der Entdecker Kanadas, der Franzose Jacques Cartier, 1535 dort anlegte, um den Indianern als erster Europäer einen Besuch abzustatten, schüttelte er die Hände der Ureinwohner. Das fanden sie lustig und nannten sich künftig Hochelaga.

Es bedeutet „Menschen, die Hände schütteln“.

Alter Hase oder junger Hüpfer?

© MONTREAL GAZETTE

Montreal wählt am 5. November einen neuen Oberbürgermeister. Es könnte aber auch eine Oberbürgermeisterin werden. Neben dem mit allen Wassern gewaschenen Amtsinhaber Denis Coderre kandidiert auch eine junge Frau namens Valérie Plante. Was nun: Mann oder Frau? Alter Hase oder junger Hüpfer? Leider brachte auch die gestrige Debatte der beiden Kandidaten nicht die erhoffte Eingebung.

Ich werde das Gefühl nicht los, als wolle das Jahr 2017 meine Entscheidungsfähigkeit testen. Schon bei der Bundestagswahl im September kam ich bei der Ausübung meines (Brief-)Wahlprivilegs an meine Grenzen. Und jetzt, kurz vor der OB-Wahl in eineinhalb Wochen, übermannt mich erneut dieses Gefühl einer demokratischen Ohnmacht.

Mag das Rampenlicht: Denis Coderre.

Denis Coderre ist ein sympathischer Typ. Ein kompakt geratener Mann, der mit seinen 54 Jahren mit allen politischen Wassern gewaschen ist. Er gilt als unermüdlicher Macher und fleißiger Networker. Als einer, der nicht müde wird, auch Ministerpräsidenten und Staatschefs in die Pflicht zu nehmen, wenn es darum geht, Subventionskohle in seine Stadt zu scheffeln.

Seit vier Jahren ist er im Amt. Offiziell parteilos, aber bis zu seiner kommunalpolitischen Karriere saß er für die Liberalen als Bundesminister in Ottawa. Er ist der Mann, der polarisiert.

Man liebt ihn, weil er die zweitgrößte Stadt Kanadas in genialer Weise als Metropolis vermarktet.

Man hasst ihn, weil er sich ein Denkmal nach dem anderen setzt und die Stadt durch irrsinnig viele Baumaßnahmen in ein nie dagewesenes Verkehrschaos stürzte.

Eine 40 Millionen Dollar teure Beleuchtung für die eigentlich sanierungsbedürftige Jacques-Cartier-Brücke? No problem! Oder 3,5 Millionen Dollar teure Baumstümpfe aus Marmor, die so spektakulär unauffällig in eine Waldlandschaft geworfen wurden, dass man sie mit der Lupe suchen muss? Pourquoi pas?

Ob Kunst am Bau oder Kunst am Baum – bei Denis Coderre darf’s gerne ein bisschen teurer sein.

Frisch und fröhlich: Valérie Plante.

Anders bei Valérie Plante. Sie ist mit ihren 43 Jahren zumindest in politischer Hinsicht ein junger Hüpfer. Als Nachrückerin kam sie erst vor einem Jahr völlig überraschend ins Stadtparlament. Dort leistete sie bisher eine fabelhafte Arbeit in der Opposition. Ihr Ding waren bis vor kurzem noch unterprivilegierte Kinder, obdachlose Ureinwohner und geschlagene Frauen. Kein Zweifel: Valérie Plante ist ein guter Mensch. Und kein bisschen weniger sympathisch als ihr Gegenspieler. Aber hat sie das Zeug zur Oberbürgermeisterin einer kunterbunt-chaotischen Millionenstadt wie Montreal? .

Die Debatte gestern Abend war unerwartet spannend. Weniger wegen der angesprochenen Themen. (Die meisten von ihnen waren durchgekaut worden, noch ehe der Wahlkampf eröffnet wurde). Was mich verblüfft hat, war die – für kanadische Verhältnisse – ungewöhnliche Streitkultur, die Coderre und Plante an den Tag legten. In der voll besetzten Oscar Peterson Concert Hall der Concordia University flogen eineinhalb Stunden lang die Fetzen.

Braucht ein Oberbürgermeister wirklich drei Chauffeure, die ihn Tag und Nacht durch das von ihm verursachte Baustellen-Labyrinth der Stadt jonglieren? Oder tut es auch ein Elektroauto, das Valérie Plante für wenig Geld notfalls selbst steuern würde? „Be careful what you wish for“, strapazierte der gewiefte Amtsinhaber eine Metapher, die nichts anderes bedeutet als: „Leider blickst du gar nichts“.

Dass trotz der hitzigen Debatte ein fast liebenswürdiger Umgang miteinander herrschte, mag auch an der Sprache liegen. Gestern wurde ausschlieslich Englisch gesprochen. Sowohl Denis Coderre als auch Valérie Plante sind jedoch Frankokanadier. Die auf Französisch geführte Debatte vor einer Woche verlief vielleicht allein schon deshalb ziemlich unspektakulär.

Vor einem Konzertsaal voll mit Anglokanadiern gelten andere Spielregeln mit anderen sprachlichen Herausforderungen. Beide Kandidaten haben sie mit Bravour gemeistert.

Mir scheint: Egal, wer am 5. November das Rennen macht – die Stadt meines Herzens wird von einem feinen Menschen regiert.