Flohmärkte kennen Sie schon, sagen Sie? Dann besuchen Sie mal „el rastro“ von Consell. Dort, im Herzen von Mallorca, finden Sie Dinge, die Sie bestimmt noch nie auf einem Flohmarkt gesehen haben.
Literatur aus Franco-Zeiten, Flamenco-Tänzerinnen aus Keramik, Mickey-Mäuse aus Pappmaché und auch antike, handgestickte Kleidungsstücke, wie man sie gewöhnlich allenfalls noch im Fundus von großen Opernhäusern findet.
Dass es neun Jahre gedauert hat, bis wir uns zu einem Flohmarkt-Besuch auf Mallorca durchringen konnten, hat einen Grund: In Hudson, dem kanadischen Dorf, in dem wir jahrelang gelebt haben, gab es einen hervorragend bestückten und von daher ziemlich bekannten Flohmarkt.
Wir sind also verwöhnt, wenn es um Flohmärkte geht.
Doch der Besuch in Consell hat sich gelohnt. Er ist anders, bunter, vielfältiger als alle Flohmärkte, die ich bisher gesehen hatte. Und irgendwo ist er auch authentischer. Durch den regionalen Bezug zu den Ausstellern gibt er auch gewisse Einblicke in das mallorquinische Leben.
Von Palma aus ist Consell leicht mit dem Zug zu erreichen, der nach Sa Pobla fährt. Vom Bahnhof aus gibt es einen Shuttlebus ins Dorf. Oder aber man geht zu Fuß, durch landwirtschaftlich genutzte Felder. Und sieht zum erstenmal in diesem Jahr blühende Mandelbäume.
Wer gut zu Fuß ist, kann den Rückweg nach Palma etwas aufhübschen. Wir sind von Consell zu Fuß nach Santa-Maria gewandert. Nach ca. vier Kilometern waren wir in dem Dorf, das wir bereits von zahlreichen Markt-Besuchen kannten. Doch der Markt in Santa-Maria lässt sich mit dem in Consell nicht vergleichen. In Santa-Maria geht es um die Wurst, in Consell ums Heim.
Von Santa-Maria dann mit der Bahn wieder nach Palma zurück zu fahren, ist ein Klacks. Vor allem, wenn der Reisebegleiter unverhofft den Flachmann aus der Hosentasche zieht.

Mallorca und das Wetter – das ist ein Kapitel für sich. Im neunten Winter auf meiner Lieblingsinsel sei mir die Feststellung erlaubt: Der Mallorquiner an sich friert nicht gerne.
Geher vor dem Herrn, der Großvater erst recht. Noch im hohen Alter radelte Opa jeden Mittwoch die 20 Kilometer von Dietenwengen zum Wochenmarkt nach Biberach. Und wieder zurück. Dass er einen Teil des Weges schiebend zurücklegen musste, weil der Bergaufstieg sonst nicht zu schaffen gewesen wäre, hat ihn nie sonderlich gestört. Er wurde 80 – damals ein gesegnetes Alter.