Flohmarkt, Franco und Flamenco

img_1687Flohmärkte kennen Sie schon, sagen Sie? Dann besuchen Sie mal „el rastro“ von Consell. Dort, im Herzen von Mallorca, finden Sie Dinge, die Sie bestimmt noch nie auf einem Flohmarkt gesehen haben.

Literatur aus Franco-Zeiten, Flamenco-Tänzerinnen aus Keramik, Mickey-Mäuse aus Pappmaché und auch antike, handgestickte Kleidungsstücke, wie man sie gewöhnlich allenfalls noch im Fundus von großen Opernhäusern findet.

Dass es neun Jahre gedauert hat, bis wir uns zu einem Flohmarkt-Besuch auf Mallorca durchringen konnten, hat einen Grund: In Hudson, dem kanadischen Dorf, in dem wir jahrelang gelebt haben, gab es einen hervorragend bestückten und von daher ziemlich bekannten Flohmarkt.

Wir sind also verwöhnt, wenn es um Flohmärkte geht.

Doch der Besuch in Consell hat sich gelohnt. Er ist anders, bunter, vielfältiger als alle Flohmärkte, die ich bisher gesehen hatte. Und irgendwo ist er auch authentischer. Durch den regionalen Bezug zu den Ausstellern gibt er auch gewisse Einblicke in das mallorquinische Leben.

Von Palma aus ist Consell leicht mit dem Zug zu erreichen, der nach Sa Pobla fährt. Vom Bahnhof aus gibt es einen Shuttlebus ins Dorf. Oder aber man geht zu Fuß, durch landwirtschaftlich genutzte Felder. Und sieht zum erstenmal in diesem Jahr blühende Mandelbäume.

Wer gut zu Fuß ist, kann den Rückweg nach Palma etwas aufhübschen. Wir sind von Consell zu Fuß nach Santa-Maria gewandert. Nach ca. vier Kilometern waren wir in dem Dorf, das wir bereits von zahlreichen Markt-Besuchen kannten. Doch der Markt in Santa-Maria lässt sich mit dem in Consell nicht vergleichen. In Santa-Maria geht es um die Wurst, in Consell ums Heim.

Von Santa-Maria dann mit der Bahn wieder nach Palma zurück zu fahren, ist ein Klacks. Vor allem, wenn der Reisebegleiter unverhofft den Flachmann aus der Hosentasche zieht.

Der Himmel weint, Palma lacht

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Grauer Himmel auf der Sonneninsel? Kein Problem. Wenn Mallorquiner in Feierlaune sind, dann lassen sie sich auch von ein bisschen Regen nicht abhalten. Gestern zum Beispiel. Da wurde in der Hauptstadt „Sant Sebastià“ gefeiert, das ist der Schutzheilige von Palma.

Da wurde gegrillt auf Teufelkommraus. Die Stadtverwaltung stellte die Grillplätze inklusive Feuerholz zur Verfügung. Leckereien brachten die Palmesanos selber mit: Fleischspieße, Fisch und natürlich die berühmte Paprikawurst Sobrasada, eine Spezialität der Insel.

Ganze Familien waren unterwegs, auch Firmengruppen, die sich am Grill trafen. Und natürlich wurde getanzt. Am meisten los war auf der Placa Major, einem riesigen Innenhof, umgeben von Wohn- und Geschäftshäusern.

Vierzig Bands gaben über die ganze Innenstadt verteilt Open-Air-Konzerte. Von Heavy Metal bis Rock, von traditioneller mallorquinischer Musik bis hin zum Hiphop.

Als dann gegen drei Uhr morgens die Stecker der Verstärker gezogen und die Lautsprecher abgebaut wurden, konnten sich die Partygänger getrost schlafen legen. Der Tag danach ist arbeits- und schulfrei.

Die Ruhe werden die Palmesanos benötigen. Schon am Samstag geht’s weiter mit dem Correfoc, dem spektakulären Feuermarsch, mit dem der Winter endlich vertrieben werden soll.

Fotos vom gestrigen Massengrillen gibt’s  >> HIER <<

Mallorca und die Zwiebelschale

img_1119Mallorca und das Wetter – das ist ein Kapitel für sich. Im neunten Winter auf meiner Lieblingsinsel sei mir die Feststellung erlaubt: Der Mallorquiner an sich friert nicht gerne.

Das tun wir alle nicht. Aber viele Einheimische rüsten hier schon beim geringsten Temperatursturz kleidungsmäßig auf, als gelte es den schlimmsten Blizzard der Geschichte zu bekämpfen.

Dabei heißt Temperatursturz hier von 18 auf 14 Grad, ganz selten auch mal auf zehn. Minustemperaturen habe ich hier noch nie erlebt. Um einen ordentlichen Blizzard zu sehen, guckt sich der Mallorquiner „Verloren im Schneesturm“ im Kino an.

Was im heimischen Kanada noch als T-Shirt-Wetter durchginge, treibt meine mallorquinischen Freunde in die Thermojacke mit Wollschal und Pelzkragen. Und natürlich ist man mit Skimütze auf der Hut vor dem Blizzard, der nie kommen wird.

Von der Dachterrasse unseres Feriendomizils aus habe ich sie alle im Blick: Die ältere Dame mit Pelzkrägelchen (NERZ!!), den Handwerker in der fett gepolsterten Ski-Jacke. Und auch die Teenie-Girls, die ihre frisch manikürten Hände tief im Ärmel ihres Bomberjäckchens verschwinden lassen.

Dabei hat es gerade mal 18 Grad.

Auf der Terrasse meiner Stammbar glühen bei 16 Grad plus die Wärmepilze um die Wette, während bei uns in Montreal bei 25 Grad noch im Freien gegrillt wird. Bei minus 25 Grad.

Einen meiner ersten Winter-Kommentare in Kanada werde ich nie vergessen. „It’s freezing!“, versuche ich bei minus 30 Grad Konversation mit dem neuen Nachbarn zu halten. „Yeah, but at least there are no mosquitoes“.

Stimmt. Stechmücken findet man bei diesen Temperaturen eher selten.

Der Kanadier sagt: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Und im Winter gilt das Prinzip der Zwiebelschale. Mehrere dünne Schichten übereinander geben wärmer als ein dicker Parka.

Der Mallorquiner scheint zwischen Dezember und März den ewigen Winter zu verspüren, egal, was das Therometer anzeigt. Für den ultimativen Kleidungstipp ist nicht die gefühlte Außentemperatur wichtig, sondern das, was der Wettermann im Radio sagt.

Vielleicht sollte ihm einer den Tipp mit der Zwiebelschale flüstern.

Glücklich mit dem Geh-Gen

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Die gute Nachricht lieferte DIE ZEIT heute schon vor dem Frühstück: Wer erst mal die 60 erreicht habe, hieß es da, könne im Schnitt noch auf mindestens weitere 20 Lebensjahre hoffen. Wie man das schafft? Unter anderem durch jede Menge Bewegung.

Das passt. Wenn ich (demnächst 68) von irgend etwas mehr als genug habe, dann ist es Bewegung. Zum Markt, zum Bäcker, zum Meer, zur Bar – ständig auf Achse zu sein, heißt in meinem Fall viel Zeit auf den Füßen zu verbringen.

Meine Achsen sind die Knie. Die bewegen sich zwar auch nicht immer so geschmeidig, wie ich es gerne hätte. Aber sie bringen mich von A nach B und wenn ich mich anstrenge auch nach C.

Heute zum Beispiel waren es mehr als zwölf Kilometer, gestern nicht viel weniger. Am Montag um einiges mehr. Die einzigen Fortbewegungsmittel auf Mallorca sind für uns Bus oder Beine.

Während der letzten neun Aufenthalte haben wir es geschafft, ohne Mietwagen auszukommen – und trotzdem fast die komplette Insel zu sehen. Immer zu Fuß, manchmal im Bus, einmal per Autostopp.

Gut zu Fuß sind wir übrigens auch im heimischen Montreal. Dort steht der Wagen oft wochenlang in der Tiefgarage. Bewegung tut gut, hält fit und – siehe oben – verlängert das Leben.

Dabei bin ich von Haus aus eher faul. Das hauseigene Fitness-Centre hat mich im vorigen Jahr genau null Mal gesehen. Dabei soll es ausgesprochen hübsch und gut bestückt sein. Laufbänder sind mir ein Gräuel, Gewichte stemmen sollen die andern. Selbst Fitnessbikes können mir gestohlen bleiben.

Aber gehen, gehen, gehen.

In meiner Kindheit gab es eine Fernsehserie, die nannte sich „So weit die Füße tragen“. Es ist die Geschichte eines Soldaten, der aus einem sibirischen Gefangenenlager flieht und eine abenteuerliche Flucht nach Hause antritt.

Die Story selbst hat mich nie interessiert, der politische Bezug erst recht nicht. Aber was mich schon als Zehnjähriger faszinierte, war die körperliche Ausdauer, die dieser Mann bei seinem Fluchtversuch an den Tag legte. (Dass ein Großteil der Winterszenen im warmen Studio gedreht wurden, erfuhr ich erst später).

Gehen, gehen, gehen.

Schon mein Vater, von seiner Statur her nicht weniger massig als ich, war einimg_1054 Geher vor dem Herrn, der Großvater erst recht. Noch im hohen Alter radelte Opa jeden Mittwoch die 20 Kilometer von Dietenwengen zum Wochenmarkt nach Biberach. Und wieder zurück. Dass er einen Teil des Weges schiebend zurücklegen musste, weil der Bergaufstieg sonst nicht zu schaffen gewesen wäre, hat ihn nie sonderlich gestört. Er wurde 80 – damals ein gesegnetes Alter.

Dass auch Cassian das Geh-Gen in sich trägt, hat er vor vier Jahren bewiesen. Als er wochenlang auf dem Jakobsweg unterwegs war.

Darf’s ein bisschen esoterisch sein? Gehen schafft Freiräume im Kopf, sorgt für Wohlbefinden und setzt Glücksgefühle frei. Endorphine wirken angeblich sogar als Schmerzstiller und sollen Extremsituationen erträglicher machen.

Komisch. Warum plagt mich nach dem Gehen dann immer so der Hunger? Und der Durst? Meine Theorie: Gehen macht dick.

Vielleicht sollte ich die Geh-These doch noch einmal überdenken. Am besten beim nächsten Spaziergang.

Partytime mit den Drei Königen

img_0222Es war mal wieder eine rauschende Nacht in Palma de Mallorca. Dabei wurde eigentlich etwas sehr Stilles gefeiert: Die Ankunft der Heiligen Drei Könige.

Doch so einfach lassen die Palmesanos ihren Caspar, den Melchior und auch den Balthasar nicht durch die Stadt ziehen. Da gibt es Szenenapplaus und Gesangseinlagen, kreischende Kinder und Böllerschüsse.

Vor allem aber gibt es einen Umzug mit Motiven, die so gar nichts mit dem Einzug der Drei Weisen zu tun haben. Oder ist der Cirque du Soleil, der mit einem eigenen Wagen Werbung für „Alegria“ machte, jetzt etwa auch schon im Morgenland aktiv? Egal.

Lassen wir die Korken knallen, die Luftballons steigen und uns die kandierten Äpfel schmecken. Hier geht’s zur Bildergalerie.