Jungs, die auf Bäume klettern

IMG_2836Kaum ein anderer Berufsstand ringt mir mehr Respekt ab als der des kanadischen Holzfällers. Er kommt bei Eissturm und Blizzard, bei Hitze und Dürre und klettert, wenn es sein muss, auch im strömenden Regen auf 30 Meter hohe Bäume, um sie zu köpfen.

Wenn ein Baum krank ist, muss er gefällt werden, sonst wird er zur Gefahr. Stürzt so ein von Käfern und sonstigem Getier befallener Koloss auf deine Cottage, ist es vorbei mit den Geschichten aus dem Blockhaus.

Gestern waren Francis und Felix hier, zwei Lumberjacks, die für jedes Fitness-Studio modeln könnten.

Fünf, sechs, sieben Bäume hintereinander fällen? Kein Problem. Gib mir eineinhalb Stunden Zeit und ich sag dir, welche tot sind und welche noch leben. Was gerettet werden kann, kommt keinesfalls unter die Säge. Aber für ein halbes Dutzend von ihnen kommt jede Hilfe zu spät.

Francis spielt Eichhörnchen. Er klettert mit Steigeisen, Sicherheitsringen, Seil, Motorsäge, Klammern, Gurten und Fangringen auf die 50 Jahre alter Zeder. Beim Aufstieg kappt er, wie nebenbei, die ausladenden Äste. Oben angekommen setzt er die gute, alte „Stihl“ an. Francis nennt sie den „Mercedes der Motorsägen“.

Dann, als sei es das Selbstverständlichste der Welt, sich an einem Sonntagnachmittag auf Bäume zu hangeln, die halb so hoch sind wie der Ummendorfer Kirchturm, amputiert der Meister die Zeder von oben nach unten, als gelte es ein Stück Butter zu teilen.

Im Abstand von einem Meter lässt er seine Mercedes-Säge durch das Zedernholz rattern – und rumms, klatscht wieder ein Stück Wildnis auf den sanften Waldboden.

Felix ist derweil am anderen Ende des Waldes damit beschäftigt, Birken, Tannen und Balsambäume zu fällen. Krank sind sie alle. Selbst der beste Baumdoktor des Laurentiden-Gebirges kann sie nicht mehr retten.

Felix und Francis als Totengräber der Natur.

Gute Holzfäller sind auch in Kanada nicht an jeder Ecke zu finden. Das Röhren der Motorsägen spricht sich rum am See. So wurden die beiden Jungs den ganzen heutigen Tag über weitergereicht. Doug hatte sie vom Seeufer abgeholt, brachte sie dann mit dem Boot von seiner Cottage zu unserer. Ich schipperte sie später im Regen von unserem Blockhaus zu Peter. So ging das den ganzen Tag.

Aber jetzt ist gut. Nach mehreren Dutzend Bäumen neigt sich auch für Francis und Felix der Sonntag dem Ende zu. Morgen früh geht’s weiter. Sieben Tage in der Woche. Anderer See, andere Bäume, andere Krankheiten. Tote Bäume müssen entsorgt werden. So bleibt die Natur intakt. Und Francis und Felix bleiben fit.

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Meine Nächte mit Marihuana

IMG_2735So, jetzt ist es raus: Ich konsumiere Drogen. Ich gönne mir mit 71 noch mal Marihuana. Mein Joint geht unter die Zunge, denn es ist eine Tinktur, die ich zu mir nehme. Meistens gegen Abend lasse ich mit einer Pipette ein bisschen Cannabis-Öl in den Mund tröpfeln – und los geht’s. Ehe der Stoff wirkt, können zwei, drei Stunden vergehen. Aber dann hält das kleine Glück bis zu acht Stunden an. Eine Nacht lang also, das ist mir wichtig.

Ich leide an Schlafstörungen. Dreißig Jahre als Auslands-Korrespondent, der zu jeder Tages- und Nachtzeit Bereitschaftsdienst hat und in unzähligen Nächten durch Anrufe von Sendern aus dem Tiefschlaf geweckt wurde, sind nicht ohne Folgen geblieben.

Dass oft höllisch schmerzhafte Muskelkrämpfe die ohnehin schon reduzierte Nachtruhe stören, sei hier der Vollständigkeit halber auch erwähnt. Calzium oder andere Mineralstoffe als Gegenmittel sind in meinem Fall nicht möglich. Die Gründe dafür aufzulisten, würde zu weit führen.

Was also tun? Noch mehr Medikamente als ohnehin schon nötig, sind so gar nicht mein Ding. Yoga und andere Entspannungstherapien haben nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Montrealer Nächte sind lang und nicht immer lustig.

Dann kam Allie.

Allie ist eine Nachbarin, die einen stressigen Job und einen Freund mit Migräne-Attacken hat. Als wir irgendwann auf das Thema Schmerzbewältigung und Schlafstörungen zu sprechen kamen, erwähnte sie eher beiläufig Cannabis.

Sie sei so gar nicht der Joint-Typ, meinte Allie, ihr Freund genau so wenig. Für ihr Lebensglück brauche sie keinen Happy-Stick, der ihr ein Dauergrinsen ins Gesicht zaubere. Aber diese Tinktur, die man in homöopathischen Dosen unter die Zunge tröpfelt, hätten ihr eine neue Perspektive gegeben – eine, die nichts mit Drogensucht zu tun hat und auch nichts mit stimmungsverändernden Substanzen.

Marihuana als Medizin – ohne chemische Wirkstoffe, ganz auf natürlicher Basis.

Mein letzter Drogenkonsum – damals war es noch der gute, alte Joint – liegt schon ein paar Jährchen zurück. Will heißen: Null Erfahrung, was heute so in dieser Richtung abgeht.

Cannabis ist in Kanada legal, erhältlich in staatlich lizenzierten Shops. Also nichts wie in den Montrealer Marihuana-Laden.

Der größte der Stadt liegt an der Hauptgeschäftsstraße Rue Ste. Catherine. Er ist vor

aussen

Menschenschlange vor dem Cannabis-Shop.

allem daran zu erkennen, dass die wartenden Menschenschlangen schon vor Corona länger waren als vor jedem anderen Geschäft. Montrealer mögen Marihuana.

Ich stelle mich also in die Schlange und scanne mein Umfeld ab. Mann im Rollstuhl, Frau in High Heels, Mädchen bauchfrei, mit und ohne Tattoos. Jede Menge Jungs. Und erstaunlich viele alte Leute. Mit meinen 71 bin ich ausnahmsweise mal nicht der Älteste.

Die erste Hürde wäre geschafft. Dann also rein in die gute Stube.

Es ist vor allem eine schöne Stube. Der Laden glänzt blitzblank und erinnert an eine besonders coole Apotheke. Überall Schublädchen und Türchen. In einer Glasvitrine liegen kleine Dosen, Pfeifen und anderes Zubehör. Was man halt als Drogenkonsument so braucht.

Das Personal: Alle um die 30. Alle ganz in Schwarz mit grüner Schürze. Alle sehr freundlich, sehr

innen

Blitzblank und superfreundlich: Cannabis-Shop.

aufmerksam. Und äußerst zuvorkommend.

„Can I help you?“, sagt der Verkäufer mit „Olivier“ am Hemd. „Schon“, sage ich, „aber so richtig weiss ich gar nicht, was ich will“.

Olivier weiss es. Ein bisschen Entspannung, ein wenig Glück – die genau richtige Mischung für mich heißt „Harmoniser“, sagt Olivier. „Harmoniser“ ist eine Mischung aus Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Beides sind Bestandteile der Hanfpflanze, aus der Marihuana gewonnen wird.

Das Fläschchen reicht für einen Monat und kostet um die 22 Dollar. So viel habe ich früher für meinen Zigarettenkonsum ausgegeben. An einem Tag!

Olivier empfiehlt mir die richtige Dosis („Niedrig anfangen, höher geht später immer noch“) und die beste Form der Verabreichung. Unter die Zunge getröpfelt wirke Cannabis-Öl am schnellsten. Mit Wasser oder gar Alkohol vermischen würde er nicht.

„Immer schön die Kontrolle behalten“, sagt der Verkäufer und spricht so sanft auf mich ein, als würde Klein-Olivier dem Opa das erste Handy erklären.

Marihuana konsumiere ich ganz ohne schlechtes Gewissen. Cannabis ist in Kanada völlig legal, seitdem Premierminister Justin Trudeau im Oktober 2018 Marihuana legalisiert hat. Seither dürfen Erwachsene, je nach Provinz, den Stoff in der Öffentlichkeit konsumieren und bis zu 30 Gramm mit sich führen.

Danke, Justin! Und gute Nacht.

Die Welt ist kleiner geworden

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Die erste U-Bahnfahrt seit Corona: Unspektakulär und ein bisschen einsam.

Erst der Lockdown auf Mallorca, dann Corona im Hotspot Montreal. Und schließlich noch die Augen-OP. Keine Frage: Meine Welt ist kleiner geworden. Oder, wie mein Freund Frank sagt: „Dein Leben bewegt sich im Radius eines Bierdeckels“.

Autofahren ist wegen des eingeschränkten Sehvermögens unmöglich. Radtouren ebenso. Selbst die jährliche Fahrt über die Grenze, nach Maine, ans Meer, fällt dieses Jahr ins Wasser. USA? Nein, Danke!

Bleiben die langen Stadtspaziergänge. Doch selbst die sind in den letzten Tagen seltener geworden. Es fehlen schlicht die attraktiven Ziele.

„Bei Euch ist immer was los“, schreibt der Bruder aus Ummendorf. Und vergisst dabei den fehlenden Aktionismus, der auch unser Leben in den letzten Wochen und Monaten ärmer und eintöniger gemacht hat.

Restaurants, Cafés, Bars und Kneipen haben ihren Charme verloren. Büchereien, in denen ich mich sonst so gerne herumtreibe: wie ausgestorben, denn es fehlen einhunderttausend Studierende, die sonst um diese Zeit das Stadtbild prägen. Kein Formel-Eins-Rennen, kein Welt-Jazzfestival. Selbst „Just for Laughs“ fällt Covid-19 zum Opfer. Nicht lustig.

Restaurant-Besuche? Nie und nimmer. Ehe ich mich von einem Kellner mit Plexiglashelm in zwei Metern Abstand zum nächsten Gast bedienen lasse, bleibe ich lieber daheim. Außerdem: Mein Stamm-Vietnamese ist selbst für einen geübten Stadt-Boulevardier bei 35 Grad im Schatten nur mit Mühe zu erreichen.

Öffentliche Verkehrsmittel habe ich bisher erfolgreich vermieden. Kein Bus, keine U-Bahn, auch Taxi und Uber verkneife ich mir. Corona lauert an jeder Ecke.

Jetzt habe ich mir doch ein Herz gefasst. Die selbst verordnete Quarantäne kann schließlich nicht ewig anhalten. Deshalb: Handschuhe und Gesichtsmaske übergezogen und rüber zur Metro-Station bei uns um die Ecke.

Und wie hat sich die erste U-Bahnfahrt seit Februar angefühlt? Unspektakulär, würde ich sagen. Die wenigen Fahrgäste halten gebührend Abstand zueinander. Gespräche, wie ich sie in der Metro schon mal gerne führe, sind hinter der Maske und über die Corona sichere Distanz hinweg ohnehin so gut wie unmöglich.

Festhalten an der Sicherheitsstange verkneife ich mir. Das ist mir selbst mit Handschuhen zu riskant. Wer zur Hochrisikogruppe gehört und sein bisschen Leben liebt, wägt ab.

Paranoid? Vielleicht. Auf Nummer sicher? Ganz bestimmt.

In der Stadt selbst hat sich seit Corona vieles verändert. Vermummte Männer und Frauen, deren Schönheit sich nur noch erahnen lässt. Menschenschlangen vor den Shops und Restaurants. Den Rekord stellt auch in Zeiten wie diesen der Kult-Diner „Schwartz’s“ auf. Dort, wo das angeblich beste „Smoked Meat“ der Welt serviert wird, warten Dutzende in der Sommerhitze auf einen Sitzplatz in Social-Distancing-Manier.

Anders in der Eisdiele, der ich auf dem Heimweg – diesmal zu Fuß – einen Besuch abstatte. Es ist gegen 15 Uhr. Die freundliche Verkäuferin wirkt gelangweilt. Ich sei heute ihr zweiter Kunde, sagt sie schulterzuckend.

„Corona sucks“, sagt sie. Ich glaube, hinter der Maske entdecke ich ein kurzes Lächeln.

Augen-Drama in mehreren Akten

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Kurz vor der OP: Der Augen-Krimi kann beginnen.

Zwanzig Minuten, sagte mein Freund Peter, höchstens 25. Länger werde meine Katarakt-Operation nicht dauern. Auch andere Weg- und Leidensgefährten hatten schon Wochen vor der OP Entwarnung gegeben. Den „Grauen Star“ zu entfernen, sei ein Klacks. Und alle freuten sie sich darauf, dass der Patient schon bald wieder den Durchblick hat.

Ich muss euch enttäuschen: Den Durchblick hat der Kumpel aus Kanada auch eineinhalb Tage später noch immer nicht. Und statt 20 Minuten dauerte die OP eine glatte Stunde. „Ein Arzt, allenfalls noch eine Assistentin“, würden den Eingriff vornehmen, hatten mich die Freunde noch im Vorfeld beschwichtigt.

Kein Wort davon stimmt: Sechs Mann hoch waren sie an mir zugange, vom vorausgegangenen COVID-Test ganz zu schweigen.

Neben dem Chirurgen und einigen Assistenten war für die Patienten-Beschwichtigung noch ein Anästhesist dabei, der permanent größere Mengen Schmerzmittel und Entzündungshemmer ins wunde Auge kippte. Dass auch noch ein angehender Augenarzt vor Ort war, dem der operierende Chefchirurg den letzten Schliff beizubringen versuchte, sei der Vollständigkeit halber auch erwähnt.

Warum so lange, so kompliziert? VIP? Extrawurst? Risikopatient? Wichtigwichtig? Nichts von alledem.

Das heißt, ein bisschen Risikopatient schon.

Eine komplette Netzhautablösung mit Makula-Beschädigung hatte vor Jahren ein stark lädiertes Auge zurück gelassen. Deshalb also all die zeitraubenden Vorsichtsmaßnahmen. Jetzt noch ein OP-Fehler dazu – und die drei schwarzen Punkte auf gelbem Grund wären mir sicher gewesen.

Doch Dr. K., den manche für den besten Augenchirurg der Stadt halten und der mich schon damals nach meiner Netzhautablösung, inklusive Beschädigung des Sehzentrums, operiert hatte, führte auch diesmal wieder die Regie. Und das war gut so.

Die OP war atemberaubend spannend. Unter den Klängen klassischer Musik klappte der Chirurg mit dem Skalpell ein Stück Hornhaut auseinander und entnahm das, was man gemeinhin „die Pupille“ nennt, genauer: die Linse. Sie war alt, milchig und grau geworden. Klarer Blick war gestern.

Immer wenn die Musik im Augen-Krimi von einem schrillen Alarmton abgelöst wurde, war klar: „Jetzt nicht die allergeringste Bewegung!“ Diese Abmachung hatten Regisseur Dr. K. und Patient B. zuvor getroffen.

Wer zu viele Filme im Leben gesehen hat, kommt schon mal auf schräge Gedanken. In meinem Kopfkino hatte ich mir ein Horrorszenario ausgemalt: Was ist, wenn der Chirurg die neue Linse kurz vor dem Einsetzen fallen lässt und das ganze Team krabbelt auf der Suche nach dem verschwundenen Auge durch den OP-Saal und lässt mich derweil augenlos auf dem Tisch liegen?

Hallo, Stephen King? Nicht lustig, ich weiss.

Et hätt noch immer jot jejange, sagt nicht nur der Kölner, sondern auch der Schwabokanadier. Das erste Auge hätten wir hinter uns. Eine nagelneue Linse ziert jetzt mein rechtes Sehzentrum. Künftig, so die Ansage, dürfe ich wieder mit geschärftem Blick durchs Leben spazieren.

Noch ist es nicht soweit. Weil ein paar Dutzend Dioptrien das rechte, operierte Auge vom linken, noch unbehandelten, unterscheiden, steht meine Welt im Moment noch ziemlich Kopf. Aber die Aussichten sind gut:

Bis auch das andere Auge operiert sein wird, in genau einem Monat, ist an Autofahren nicht zu denken und auch der Drahtesel bleibt im Stall. Fernsehen wird auch bei noch so scharfen Filmen garantiert nicht vergnügungssteuerpflichtig sein. Und Computerarbeit fürs Erste nur in Ausnahmefällen.

Heute war so ein Ausnahmefall. Ich hoffe, Dr. K. sieht es mir nach.

Die Sache mit dem Sterben

phil

Phil während seines letzten Hawaii-Urlaubs.

Erst Bob, dann Marga, dann Charly. Etwas später Elke und Scott und Tante Anna. Schließlich noch Steve, Gerheide, Gudrun und Günter. Und jetzt, völlig unerwartet, auch noch Phil. Es hört einfach nicht auf mit den Trauerfällen in unserer nächsten Umgebung.

Und das sind nur die Toten in unserem nahen Freundes- und Familienkreis. Die Bekannten oder gar Freunde von Freunden aufzuführen, würde einen eigenen Blogspace füllen.

Wenn du 30 bist und mitten im Leben stehst, häufen sich die Nachrichten über Hochzeiten, Häuslebauen, Hunde und Katzen, die ja oft zur jungen Familie gehören. Es werden Babies geboren und Karrierepläne geschmiedet. Freunde, was kostet die Welt?

Mit 50 ist die Gefahr groß, dass sich genau diese Freunde wieder getrennt haben, die Hunde gestorben, die Katzen im Wald verschwunden sind und das Häusle im Rosenkrieg versilbert werden musste.

Richtig bitter wird’s zwischen 60 und 70. Da begann in unserem Freundes- und Bekanntenkreis das große Sterben.

Nicht alle haben das gesegnete Alter von Marga (93) oder Tante Anna (99) erreicht.

Scott, den wir vor eineinhalb Jahren zu Grabe getragen haben, wurde nur 64. Und Phil, der am vorigen Sonntag gestorben ist, war gerade mal elf Tage älter als ich: 71.

Wir kannten uns seit 33 Jahren, 25 davon lebten wir Haus an Haus.

Noch vier Tage vor seinen Tod haben wir telefoniert. Im Winterurlaub auf Hawaii hatte er zum erstenmal über Atemnot geklagt. Jetzt ist er an Herzversagen gestorben. Keiner wusste, dass es ihm so schlecht ging. Auch Jennifer, die Liebe seines Lebens, hatte den plötzlichen Tod nicht kommen sehen.

Morgen wird Phil verabschiedet und ich soll die Trauerrede halten. Wegen Corona findet alles im kleinen Kreis statt. Lediglich 20 Personen dürfen sich versammeln. Mit Mundschutz und „social distancing“.

Was sagt man einer Runde von Trauernden, die alle noch unter Schock stehen?

Und überhaupt: Alles nicht so einfach, wenn man die Witwe umarmen und dem Bruder des Verstorbenen gerne die Hand auf die Schulter legen würde, Covid-19 aber zwei Meter Abstand vorschreibt.

Man sagt das so leicht: „Immerhin ist es schnell gegangen und er musste nicht leiden“.

Stimmt. Leiden musste Phil nicht. Aber Trost ist anders.