Madrid? Madrid! Madrid!

Als Montréaler denkt man ja schon mal, man wohne in der coolsten, hippsten, schönsten und spannendsten Stadt der Welt. Und dann kommt dieses Madrid daher und schmeißt alles über den Haufen.

Madrid ist einfach der Hammer. Ich weiß, dass ich diesen Begriff neulich schon für Sevilla verwendet habe. Auch eine tolle Stadt. Aber Madrid? Wahnsinn.

Wenn schon Vergleiche, dann vielleicht dieser hier: Madrid ist eine Mischung aus Paris, Buenos Aires, New York und, naja, Montréal.

Diese elegante Coolness – kein Widerspruch – zieht mich jetzt schon seit zwei Tagen in ihren Bann.

Das fängt an bei dem Hotel, das wir uns zum fairen Preis in einem der angesagtesten Viertel der Stadt sichern konnten. Und hört auf bei den unfassbar vielen Bars mit einer meist jungen, fröhlichen und gut aussehenden Klientel.

Diese Vibe, diese erfrischende Dynamik, die sechseinhalb Millionen Madrileños versprühen – das alles hat mich total beeindruckt.

Lore eben in der Bar: „Die Stadt Deiner Träume, oder?“ Ich so: „Ja, schon…“ Sie: „Okay, nicht nur zum Überwintern, das ganze Jahr über?“

Da wiederum bin ich mir dann doch nicht so sicher. Wenn schon nicht Montréal, dann irgendwas mit Meer.

Vermutlich würde mich das Tempo Madrids an meine Grenzen bringen.

Wo manche Bars erst morgens um zwei öffnen und die meisten Kneipen bis vier Uhr früh auf haben, müsste selbst ein bekennender Stadt-Boulevardier wie ich als 71-Jähriger irgendwann die Reissleine ziehen.

Aber man darf ja ein bisschen träumen, oder?

Wovon – das entnehmen Sie bitte den Bildern. Dass sie heute, am Internationalen Frauentag entstanden sind, ist unschwer zu erkennen.

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Der Tag danach: Alles gut!

Jakobus weint – und wir lachen wieder. Unsere Entscheidung, die Via de la Plata nicht zu Ende zu wandern, fühlt sich gut an. Und die Reaktionen darauf gehen ans Herz.

Neben den Kommentaren hier im Blog gab es auch auf anderen Kanälen ein Feedback.

So kürt uns mein Kumpel Uli aus dem Oberschwäbischen fast zu Helden:

„Es ist bewundernswert, wenn es Menschen gibt, die öffentlich bekennen, dass sie erkannt haben, dass sie eine Aufgabe nicht meistern können, weil sie nicht zu meistern ist. Ich halte das für wahre Stärke!“, schreibt er auf Facebook.

Stuttgart-Omi aus dem Mallorca Forum: „Ich gratuliere, dass Ihr für Euch bestimmt die richtige Entscheidung getroffen habt. Man muss schon über den eigenen Schatten springen, sich selbst einzugestehen, dass ‚man sich mit einer Idee vergalloppiert“ hat. Ich habe keinerlei Zweifel, dass Ihr auch die 1.000 km geschafft hättet. Wenn, ja wenn alles andere eben gestimmt hätte. Aber es scheinen sich einige kleine Unstimmigkeiten eben zu einer größeren zu addieren. Deshalb ist es am besten, wenn Ihr die Euch verbleibende Zeit besser zu Dingen und Unternehmungen nutzt, die Euch im Moment mehr Spaß machen und dadurch auch mehr Gewinn bringen.Könnte mir vorstellen, dass das Meer, an das Ihr nun noch wollt, auf einer bestimmten Insel liegt!?! Genießt die Zeit und seid stolz auf die zurückgelegten 150 km!!! Und an neuem Ort kommen ja vielleicht noch welche dazu.“

Armando aus Mallorca postet ebenfalls auf Facebook: „Hab deine Geschichten über den Camino sehr gerne gelesen, haben sie mich doch ein wenig an unseren erinnert. Genießt es in Madrid und am Meer. Der Camino läuft nicht davon.“

„So I’m not the only one who didn’t finish the Camino„, schreibt Izadora, eine Mitpilgerin, die inzwischen in ihr Heimatland Brasilien zurückgekehrt ist. „Too ooo hard and toooooooooooooo long!“

Marcel aus Köln textet: „Das ist wohl die richtige Entscheidung. Was bringt es, sich auf dem Camino zu quälen, wenn sich der Mehrwert in Grenzen hält.“

Björn, ein Kumpel aus Mallorca: „Ich denke, ihr habt alles richtig gemacht. Immer etwas ausprobieren und wenn man merkt, es ist doch nicht so, wie gedacht, dann einfach den Plan ändern. Wobei mir die „Abendlektüre“ jetzt schon ein wenig fehlen wird.“

Claudia, eine begeisterte Mallorca-Wanderin: „Och schade, aber jeder muss seinen Weg finden… Daher trotzdem 👏“

Gitta, die schon viele Caminos hinter sich hat und erst vorgestern wieder einige Etappen auf der Via de la Plata in Angriff genommen hat: „Ihr müsst doch auch keine Dinge tun, die keinen Spaß machen.“

Carlo aus Bayern haben wir letztes Jahr auf dem Camino Frances kennengelernt. Er schreibt;

„Schade, aber so wie Du geschrieben hast war es kein Spass. Ohne Bars und andere Pilger hätte ich auch keinen Bock! Meine Frau und ich machen nächstes Jahr den portugiesischen Jakobsweg. Der soll sehr schön sein an der Küste entlang und nur 250 km lang. Vllt. ist das noch eine Variante für euch?“

Peter aus Santa Barbara/Kalifornien: „Sounds like a common sense decision. Unless you are a total masochist. I believe, any activity needs a component of fun. Great decision!“

Birgit, eine Bekannte aus dem Mallorca Forum: „Schade, ich bin so gerne mit Euch mitgewandert und habe auch mitgelitten, so bildlich wie Du wieder mal alles beschrieben hast. Aber es soll ja Spaß machen und keine Qual, ich bin mir sicher, wir hören bald wieder fröhliche Geschichten aus den schönsten Ecken Spaniens und vielleicht gibt es ja auch noch ein Finish mit ein paar Butterbrot Wanderungen auf unserer Lieblingsinsel! Who knows? Viel Spaß, Ihr Backpacker!“

Mein wunderbarer Freund Peter aus Sherbrooke, Philosoph vor dem Herrn: „Also leichte Kehrtwendung in Südosten – in Madrid und später in südlicher Sonne macht ihr den Camino zum Jardino und werdet die aufgestauten Frustrationen schnell abstreifen. Du hast es ja immer wieder betont, Herberto, dass ihr nichts mehr beweisen müsst, und das hat wohl auch eure Entscheidung motiviert. Nun heisst es: entspannen, Seele baumeln lassen und die geplagten Beine auf sanften Tourismus einstellen. So hätten wirs bestimmt auch gemacht, denn man hat ja doch immer einen „PLan B“ im Hinterköpfchen. Komisch, wir haben beide angesichts dieser Neuigkeit unwillkürlich etwas aufgeatmet, denn jetzt sehen wir euch wieder lächeln und ins dolce-far-niente übergehen.“

Mario aus Leipzig: „Beim nächsten Mal wandert Ihr den Lutherweg. Ich garantiere Dir, gutes Essen und Trinken wird nicht fehlen.

Rüdiger vom Deutschen Reiseradio: „Ganz bestimmt die richtige Entscheidung. Geniesst jetzt die Sonne!“

Andrea aus Ulm: „Ich kann Euch zu dieser Entscheidung nur beglückwünschen und hoffe, dass jetzt viele schöne interessante Begegnungen und Entdeckungen auf Euch warten.“

Theresia, eine Mallorca-Verbindung: „Alles kann, – nichts muss. Vielen Dank für deine Reisegeschichten„.

Torsten, ein Radiokollege und Buchautor aus Hamburg: „Dann wäre im kommenden Jahr eigentlich mal wieder Überwintern auf Mallorca dran. Eigennützig wäre ich dafür! Let‘s Bosch!

Und dann ist da wieder mein rheinischer Freund Stefan, der das Ganze kurz und bündig auf den Punkt bringt: „Gut, dass Ihr die Quälerei aufgehört habt‘!“

Es gibt noch Dutzende weiterer Rückmeldungen, für die ich mich sehr herzlich bedanke. Schön, dass Ihr uns begleitet habt- und dies hoffentlich auch künftig tun werdet.

Zufriedene Backpacker-Grüße aus dem Zug zwischen Salamanca und Madrid!

Herbert und Lore

Und dann mal tschüss, Camino!

Es hat einfach von Anfang an nicht richtig gepasst: Regen, Wind und Kälte statt spanische Sonne. Keine Dörfer zwischen den ohnehin viel zu langen Etappen. Essenszeiten, die uns nach anstrengenden Tageswanderungen mehr als einmal mit knurrendem Magen einschlafen ließen. Und fehlende Kontakte zu anderen Pilgern, auf die wir uns so gefreut hatten.

Nach sechs Wandertagen und mehreren Etappen im Bus haben wir uns schweren Herzens entschlossen, nicht mehr auf den Camino zurückzukehren.

Stattdessen reisen wir morgen mit dem Zug von Salamanca für einige Tage nach Madrid. Anschließend geht’s noch eine Zeitlang ans Meer – und damit hoffentlich wieder in die Sonne.

Wir sind durchgefroren und erschöpft. Die Via de la Plata hat uns unsere Grenzen aufgezeigt. Mit ihren 1000 Kilometern war sie zu lang, zu unwirtlich und alles in allem so gar nicht das, was wir uns vorgestellt hatten.

Andere mögen bei Strecken wie diesen sportliche und körperliche Genugtuung empfinden. Für uns war fast jeder Tag nur Strapaze. Da nutzte auch die knallgelbe Mutmacherjacke nichts mehr. Es war einfach zu viel.

Wir sind Genuss-Wanderer und keine Langstreckenläufer. Und jetzt ist gut.

Bei allen, die uns über diesen Blog begleitet haben, aber auch via Facebook und Instagram, möchten wir uns von Herzen bedanken.

Bitte bleiben Sie mir und den BLOGHAUSGESCHICHTEN gewogen. Danke!

Sechs Tage intensives Wandern liegen hinter uns. 1000 Kilometer sind es nicht geworden. Aber gut 150 sind für zwei um die Siebzigjährige auch nicht ohne.

Weiter unten gibt’s noch ein paar Fotos von unserem heutigen Rundgang durch Salamanca. Die beiden Kathedralen, die geschichtsträchtigen Universitätsgebäude – das alles hat uns tief beeindruckt.

Aus den Pilgern sind jetzt eben Rucksack-Touristen geworden. Zwei Backpackers unterwegs in Spanien, das uns mit seinen wunderbaren Menschen für immer in bester Erinnerung bleiben wird.

In diesem Sinne: Adios und bis bald!

Herbert und Lore

Zwei Pilger tun Busse 🚌🚌

Ich gebe zu: Allein schon, um den Titel loszuwerden, musste ich diesen Blogpost schreiben. Okay, auf dem Foto ist nur ein Pilger im Bus-Terminal zu sehen. Aber erfahrene Blog-Leser wissen inzwischen, dass sich die Frau an meiner Seite lieber im Hintergrund hält.

Wir genießen also auch heute wieder den Tag in sitzender Position und fühlen uns nur ein klein wenig schuldig.

Ganz ehrlich? Eben, als ich durchs Fenster des Überlandbusses von Cáceres nach Salamanca schaute und den Verlauf der Via de la Plata mit verfolgte, wurde ich ein wenig wehmütig.

Inzwischen haben wir die Provinz Kastilien und León durchquert und sind in der Hauptstadt Salamanca eingetroffen. Viel gesehen haben wir noch nicht, denn es regnete bei unserer Ankunft in Strömen. Aber der Puls der Geschichte ist auch hier an jeder Ecke zu fühlen.

Von Cáceres aus konnten wir leider nicht loswandern. Die Etappen wären für uns wieder einmal nicht zu bewältigen gewesen – zumal wir beide noch immer gesundheitlich etwas angeschlagen sind.

Dabei sieht die Strecke wunderschön aus. Außerdem hat man vom Bus aus das Gefühl: das wäre doch zu schaffen! Ist es aber nicht.

Und das hat, ich wiederhole mich, mit der mangelnden Infrastruktur zu tun. Kein Dorf dazwischen, keine Kneipe, kein Café. Nichts, das den Genuss-Wanderer zur Rast animieren könnte.

Wir können nicht tagelang von trockenen belegten Brötchen leben. Und selbst die sind unterwegs nicht zu haben, sondern müssen am Ausgangspunkt der Etappen gekauft werden.

Aber Spanien ist auch vom Bus aus schön. Ich liebe diese Menschen und ihre ungefilterte Herzlichkeit.

So wie eben in Caréces: Im Terminal hatte ich mich bei der Auskunftsdame noch einmal nach der Abfahrtsrampe unseres Busses erkundigt. Nicht nur zeichnete sie die – im Nachhinein unschwer auszumachende – Location auf ein Blatt Papier. Sie suchte uns kurz vor der Abfahrt auch noch am Bus auf, um sich unserer geglückten Abreise zu versichern.

Noch so ein Wohlfühl-Moment: Neulich im Hotel einer Kleinstadt ohne Namen fragte ich vorsichtig an, ob es denn eine Möglichkeit zum Wäsche waschen gebe. Nein, im Hotel nicht, wurde uns beschieden. Aber man werde sich darum kümmern.

Am nächsten Morgen brachte der Rezeptionist unsere frisch gewaschenen Wanderklamotten aufs Zimmer. Das Zimmermädchen hatte sie für uns gewaschen – zu Hause.

Und was kostet dieser tolle Service? „Nichts. Gerne geschehen!“

In Salamanca werden wir uns jetzt hoffentlich vollends auskurieren. Dann wandern wir weiter. Der Blick durchs Busfenster hat richtig Lust gemacht. Aber Geduld ist etwas, das man beim Pilgern lernt.

Mit einem Kalauer im Titel hatte dieser Blogpost begonnen. Mit einem klugen Spruch meines rheinischen Freundes Stefan soll er enden:

„Lasst nicht zu, dass Euch der Weg auswandert!“

Nein, auf keinen Fall.

So schicken wir noch immer leicht geschwächte, aber unverändert zuversichtliche Grüße in die weite Blogwelt hinaus und sagen BUEN CAMINO aus Salamanca.

(Die meisten Fotos wurden heute aus dem fahrenden Bus geschossen. Entsprechend fiel die Qualität aus)

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Spanien sitzend genießen

7. TAG – Ruhetag in Cáceres

Die wirklich schönen Dinge des Lebens müsse man auch in sitzender Position genießen können, sagte mein rheinischer Freund Stefan einmal. Stefan ist nicht nur ein Genießer, sondern auch ein kluger Kopf. Deshalb haben wir heute seinen Rat befolgt und sind in Cáceres gelandet – im Bus, in sitzender Position.

„Fühlst du dich eigentlich jetzt irgendwie schuldig?“, fragte mich Lore beim Tostados-Frühstück im Bus-Terminal. „Kein bisschen“, sagte ich. Und das ist die Wahrheit.

So wie in den letzten Tagen konnte es nicht weitergehen. Der Frust über lange Strecken und mangelnde Infrastruktur drohte ein Maß anzunehmen, das dieser Pilgerwanderung nicht gerecht geworden wäre.

Mancher der uns bekannten Hardcore-Pilger schmiss angesichts der langen, oft wenig abwechslungsreichen Etappen das Handtuch.

Einer von ihnen reiste mit dem Bus an die Costa del Sol zurück, wo er seine Wanderung – wie wir – vor einer Woche begonnen hatte. Dort ist es wärmer als hier in der Extremadura, wo uns jetzt schon seit Tagen das schlechte Wetter verfolgt.

Auch Iza, die brasilianische Flugbegleiterin, meldete sich von unterwegs. Auch sie ist auf den Bus umgestiegen und hat sich winterfest eingekleidet. Das Selfie, das sie per WhatsApp verschickt, erinnert mich an einen Inuit im Kampfanzug. „Ich werde wohl vorzeitig nach Brasilien zurückfliegen“, kündigt sie mit einem Schmoll-Emoji an. Hier sei es ihr zu kalt.

Für uns ist dieser Camino alles andere als zu Ende. Im Gegenteil. Die Busfahrt, die uns heute früh durch Weinanbaugebiete und Rapsfelder führte, schenkte uns neue Energie.

Nach dem Motto „Wir müssen uns nichts mehr beweisen“, werden wir schon bald wieder auf der Piste zu finden sein.

Eben haben wir uns die wunderschöne Stadt Cáceres angesehen und sind begeistert. Ein wahres Prachtstück an gut erhaltener bzw. restaurierter mittelalterlicher Architektur.

Hier, im Herzen der Altstadt, haben wir Quartier bezogen – sauber, preisgünstig und in hervorragender Lage.

Hungern werden wir angesichts der zahlreichen Restaurants, Bars und Cafés um die Ecke heute sicher auch nicht. Kaum zu glauben: Manche von ihnen servieren Abendessen auch schon vor 20:30 Uhr.

Dieser erste Ruhetag nach sechs Tagen Nonstop-Wandern musste einfach sein. Und es werden sicher noch weitere Busfahrten folgen, ehe wir wieder auf der Via de la Plata weiterwandern.

Nicht nur, weil Stefan das mit der Sitzposition gut findet.

Und weil der heutige Tag auch optisch freundlicher werden sollte, gab’s auch gleich eine nagelneue knallgelbe Jacke, die dem ewigen Man in Black etwas Frische verleiht.

So schicken wir an diesem Mittwochabend fröhliche und zuversichtliche Pilgergrüße ins Blog-Universum hinaus und sagen BUEN CAMINO aus Cáceres!

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