
Spaß auf fast 8 Km Länge: Der zugefrorene Rideau-Kanal in Ottawa. Foto: Bopp
Dieser Winter hat es in sich. Im Oktober die ersten Schneeflocken, danach Eisregen und Kälterekorde von bis zum minus 37 Grad. Und dann der Februar – einer der schneereichsten in der Geschichte von Québec. Und kein Ende in Sicht. Ausgerechnet so einen Winter haben wir uns also nach zehn Wintern auf Mallorca zum Daheimbleiben ausgesucht.
Ein extrem harter Winter wie dieser erhöht den Leidensdruck. Der war zwischendurch so groß, dass wir nach Kuba geflüchtet sind. Dort war mitten im Winter Hochsommer. Zumindest haben wir es so empfunden. Havanna war heiß und schwül und überhaupt faszinierend.
Und jetzt? Stecken wir wieder mitten im kanadischen Winter. Mit Eis und Schnee und Wind. Keine Krokusse weit und breit. Danke, Instagram, für die hübschen Frühlingsfotos. Die haben mir gerade noch gefehlt.
Aber weil sich diese nicht enden wollende Jahreszeit ja nicht etwa wie ein falsches Zitat per Löschtaste wegdrücken lässt, machen wir wie immer das Beste daraus.
Vorigen Sonntag ging’s ins zweieinhalb Autostunden entfernte Ottawa. Wie gut, wenn man Freunde hat, die nur einen Steinwurf entfernt von der längsten natürlichen Eisbahn der Welt leben! Fast acht Kilometer lang ist der zugefrorene Rideau-Kanada. Toll, wie es die Bundeshauptstadt schafft, die Bahn in Schuss zu halten, so dass eine Million Besucher im Jahr ihre Freude daran haben.
Und sonst so? Ist man um diese Jahreszeit viel in der Montrealer „Underground City“. unterwegs. Im Bauch der Stadt meines Herzens wurde im Laufe der Jahrzehnte eine mehrstöckige Stadt unter der Stadt angelegt. Mit mehr als tausend unterirdischen Geschäften, Restaurants, U-Bahnhöfen, Kinos, Hotelkomplexen, Universitäten und sogar Kirchen. Bei angenehmen Temperaturen könnte man glatt vergessen, dass man in einer der kältesten Großstädte der Welt lebt.
Weil jedoch irgendwann auch die größte Ansammlung von noch so coolen Boutiquen ihren Reiz verliert, behilft man sich mit Netflix-Serien, Hörbüchern und sogar einer WDR-Produktion aus der Meditahek.
Faszinierend fand ich eine „Planet Wissen“-Sendung zum Thema Kuba. Weil mich seit unserer Rückkehr aus der Karibik hoffnungslos das Kuba-Fieber gepackt hat, wurde nahtlos von der Krimiserie „Four Seasons in Havana“ zu einer Dokureihe über die Geschichte der Zuckerinsel gezappt.
„The Cuba Libre Story“ versucht Antworten auf die Frage zu geben, die wohl jeden Kuba-Touristen umtreibt: Wie war das eigentlich damals genau mit Fidel Castro, Che Guevara und all den anderen Revoluzzern, die Kuba zu dem gemacht haben, was es heute ist? Der Mythos Havanna lebt – nicht nur im Film.
Das Hörbuch, mit dem ich mir eher nebenher den Winter verkürze, verblasst freilich im Vergleich zu der emotionalen Wucht, die Kuba bei mir ausgelöst hat: „A Fatal Grace“ aus der Feder der ehemaligen CBC-Kollegin Louise Penny, lässt Chief Inspector Gamache unweit von Montreal einen kniffligen Fall auflösen.
Zu den Audio-Highlights dieses Winters gehört ein spannend gemachter Podcast: In „Faking Hitler“ geht es um die gefälschten Hitler-Tagebücher, die zu Beginn der 80er-Jahre für den größten Skandal der deutschen Mediengeschichte gesorgt haben. Der „Stern“ hat sich, so scheint es, von den Folgen des Fälscher-Skandals bis heute nicht ganz erholt.
Die ganz große Überraschung des Winters 2019 kommt jedoch noch. Nur so viel sei schon jetzt verraten: In weniger als drei Wochen geht es auf die wohl ungewöhnlichste Reise meines Lebens. Es wird spannend.
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Siebzig werden ist ganz einfach. Man lässt sich von Eltern aufziehen, die es gut mit einem meinen. Ergreift einen Beruf, von dem man immer schon geträumt hat. Umgibt sich mit positiv denkenden Menschen. Tut das, wozu man Lust hat und reist dorthin, wo es einen hinzieht, nämlich immer der Nase lang.
Wer unbedingt den Finger in die verwundete Seele eines lange geschundenen Volkes legen will, muss nach Havanna reisen. Dort, in der Hauptstadt Kubas, bietet sich dem Besucher ein bizarres Kontrastprogramm: Einstige Prachtvillen, abgemagert zu Skeletten, posieren zum Fotoshooting neben Luxushotels und Edelboutiquen von GUCCI und Louis-Vuitton.
Jetzt ist er also auch hier angekommen, der Massentourismus, inklusive Kreuzfahrtschiffen. Dabei hatte es bei unseren früheren Besuchen, zuletzt vor elf Jahren, noch ausgesehen, als könnte sich die „Perle der Karibik“ noch einmal davonschleichen vor den Piraten im Tilleyhut.































Wo fängt man an, wenn man über Kuba schreiben möchte? Bei den traumhaft schönen Stränden, die das fast unwirklich farbenintensive karibische Meer einfangen? Bei den vielen Oldtimern, die manches Museum der Welt mit Stolz erfüllen würden? Oder bei den tropisch heißen Wintern, die Eis und Schnee geplagte Snowbirds einfach nur in Verzückung geraten lassen? 
Es gibt diese natürlichen Berührungsängste zwischen uns, den einigermaßen verwöhnten Erstweltländlern, und Kubanern, die im Schnitt um die 20 $ im Monat verdienen. Ein paar Gastgeschenke wie Strumpfhosen, Kosmetika und auch ganz viel Trinkgeld wirken angesichts der Armut vieler Menschen hier geradezu lächerlich. Aber die Gesten sind willkommen und wirken, so mein Eindruck, alles andere als gönnerhaft.








