Irgendetwas tut immer weh

JAKOBSWEG, Tag 12 – 24 Kilometer von Burgos nach Hornillos del Camino

FÜR HEINZ

Wir widmen jeden Tag unserer Pilgerreise einem Menschen, der uns viel bedeutet hat, aber nicht mehr unter uns weilt.

Erst war es der linke Zeh, dann der rechte Fersen. Knie sowieso und immer häufiger hat der Pilger jetzt auch Rücken. Dass sich seit gestern auch Blasen an der Hand von den Trekking-Stöcken bilden, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Die Furchen, die der Rucksack ins Schulterfleisch gerissen hat? Geschenkt. Ihr seht, geneigte Blogleser- und Leserinnen: Alles ist gut auf dem Camino.

„Ich hätte durchaus Verständnis, wenn ihr mal ein, zwei Tage Pause machen würdet“, sorgt sich der Kölner Freund. Ja, genau der, von dem auch der Satz stammt, dass die schönsten Dinge des Lebens sich am besten in sitzender Position genießen lassen.

Rührend auch, wie sich der Freund um unser kulinarisches Wohlbefinden sorgt: „Habt ihr eigentlich jeden Tag ein Veschperpäckle dabei“?

Nein, Veschperpäckle haben wir keins dabei. Dann müssten wir ja noch mehr schleppen. Unsere Stärkung holen wir uns in den Bars und Bäckereien am Wegesrand. Deren Bocadillos könnten wir ohnehin nicht toppen.

Andrew, der australische Pilger, den wir in schöner Regelmäßigkeit in irgendwelchen Herbergen treffen, meinte gestern: „Wenn schon Schmerzen, dann auf dem Camino“.

Und von Schmerzen kann hier jeder ein Lied singen.

Auch Tom aus Wyoming. Mit ihm habe ich eben unter einem Schatten spendenden Apfelbaum Smalltalk gehalten. Hier in Hornillos del Camino, eine Tageswanderung von Burgos in Richtung Santiago entfernt, erzählte er mir vor ein paar Minuten die Horrorstoy schlechthin.

Er habe schon vor ein paar Tagen Reibungsschmerzen an einigen Zehen verspürt. Aber wer in den Bergen von Wyoming lebt, wo sich schon Wyatt Earp üble Kämpfe mit Bösewichten geliefert hat, lässt sich von ein paar zickigen Zehen doch nicht den Camino versauen.

Also lief Tom weiter und weiter, biss so lange auf die Zähne, bis irgendwann die Zunge weh tat. Und spürte erst abends im Hostel, was der Camino heute mit ihm angerichtet hatte: Vollfette Infektionen an beiden Füßen.

Der Herbergsvater fuhr ihn in Burgos ins Krankenhaus zur Behandlung.

Die Zehen hatten sich entzündet und Tom musste den Camino erstmal für drei Tage unterbrechen. Heute wagte er sich erstmals wieder unter die Wanderer.

Er fühle sich schon wieder sehr viel besser, sagt er. Morgen wage er sich wieder, den Camino fortzusetzen.

Keinerlei Beschwerden scheinen lediglich Britt und Eli aus Norwegen zu haben.

Wir treffen die beiden, um die sechzig, in einem Dorfcafé. Britt ist Hebamme, Eli Musiktherapeutin. Seit 16 Jahren sind sie ein Paar. Sie sind, wie wir, auf dem Weg nach Santiago de Compostela.

Den kennen sie freilich schon von früher, denn sie sind begeisterte Wanderer.

Vorigen Herbst sind sie den Jakobsweg auch schon gelaufen. Als sie nach wochenlangen Strapazen in Santiago angekommen waren, bestellten sie Kaffee und Kuchen, drehten um und wanderten nach Pamplona zurück.

Ein andermal sind sie von Norwegen nach Barcelona marschiert. Das dürften um die 3000 Kilometer gewesen sein.

Da werden wir uns doch nicht über ein paar Zipperlein beklagen, wo wir gerade mal 220 Kilometer unterwegs sind.

Der heutige Tag hat uns übrigens reichlich für die recht nervige Wanderung von gestern entschädigt, wo wir nach dem Flughafengelände auch noch um ein Industriegebiet wandern mussten.

Als wir die Ausfallstrasse von Burgos endlich hinter uns gelassen hatten, war es nur noch schön. Der Camino nimmt und gibt.

Passend dazu sind wir in einer wunderbaren Herberge untergekommen. Sie heißt „Omas Hostel“ oder so ähnlich.

Von hier aus tippe ich gute Nacht in die weite Welt hinaus und sage „Buen Camino“ aus Hornillos del Camino!

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Einmal von Norwegen nach Barcelona und zurück: Britt und Elli machen Pause.

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5 Gedanken zu „Irgendetwas tut immer weh

  1. I could almost hear you sighing: „Aaaaah“ as you stretched out to sleep at your cozy hostel. 😴See you tomorrow!

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  2. Heile, heile, lieber Herbert! Möge diese blöden wunden Stellen bald verschorfen und verheilen! Bis auf die Stöcke erinnert mich das an unsere 3-tägigen Wander-Klassenfahrten durch die Rhön. Der Lehrer hielt eine 30 km Strecke für eine normale Tagesstrecke, und wir pflegten unsere Füße die nächsten 3 Wochen. Und das nur nach 3 Tagen Laufen.
    Ich bewundere Euch und wünsche Euch wie immer: Buen Camino!

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