Glück und Pech am 13. Tag

JAKOBSWEG, Tag 13 – 22 Kilometer von Hornillos del Camino nach Castrojeriz

FÜR HILDE

Wir widmen jeden Tag unserer Pilgerreise einem Menschen, der uns viel bedeutet hat, aber nicht mehr unter uns weilt.

Der Camino nimmt und gibt und manchmal kann er sich nicht so richtig entscheiden. Heute, am 13. Tag unserer Pilgerwanderung, hat er uns das große Glück geschenkt, trockenen Fußes in der wieder einmal wunderschönen Herberge anzukommen. Dafür hat er uns fast die kompletten 22 Kilometer einen Wind um die Ohren geblasen, wie wir ihn bisher noch nicht erlebt haben.

Handschuhe, Stirnband und Anorak-Kapuze waren notwendig, um uns wenigstens einigermaßen vor dem Sturm  zu schützen.

Aber St. Jakobus meinte es auch gut mit uns. Während links und rechts über uns ständig fette Regenwolken hingen, schaufelte uns unser Schutzpatron wie mit einer gigantischen Muschel ständig eine regenfreie Schneise.

Nur einmal, als wolle er uns zwischendurch einfach mal zeigen, wer hier als Chef Regie führt, ließ Herr Jakob eine Handvoll Graupelschauer über uns regnen – nicht genug, um uns den Spaß am heutigen Tag zu verderben.

Alles in allem war es nämlich ein großartiger Tag. Mit bizarren Landschaften, verträumten Dörfern, majestätischen Kirchen und Klöstern. Und auch wieder mit Begegnungen mit Menschen auf dem Weg nach Santiago.

In einem Dorf ohne Namen trafen wir wieder das norwegische Pärchen von gestern. Die beiden Frauen wandern mit beeindruckender Geschwindigkeit durch die spanische Prärie.

Wir haben dagegen festgestellt, dass das heutige Pensum perfekt auf uns zugeschnitten ist. 22 Kilometer sind genug, um uns mit Stolz und Freude über die zurück gelegte Strecke zu erfüllen. Andererseits liegen 22 Kilometer durchaus im Bereich des für uns noch bequem Machbaren.

Noch immer erreichen uns täglich jede Menge Mails und Messages. Das Interesse an unserem Camino-Abenteuer scheint groß zu sein. Die Zahl der Follower dieses Blogs hat sich seit Beginn unserer Wanderung mehr als verdoppelt. Kommentare erreichen uns inzwischen auch in Englisch und Spanisch. Toll, dass uns so viele auf dieser einzigartigen Reise begleiten.

Auch versuchte Anrufe habe ich auf der Verlaufsliste gesehen. Das ist gut gemeint. Bitte habt jedoch dafür Verständnis, dass wir während unserer Pilgerwanderung keine Telefonate führen möchten.

Ganz abgesehen davon wandern wir über weite Strecken in einer Handywüste ohne Empfang. Auch diesen Blogtext tippe ich unter extrem wackeligen Internet-Bedingungen ins iPhone.

Noch etwas in eigener Sache: Ich werde immer wieder darauf angesprochen, warum Lore nie oder nur sehr selten auf Fotos zu sehen ist. Die Antwort ist ganz einfach: Sie zeigt ihr unwiderstehliches Lächeln lieber live als auf Fotos im Internet. Wer würde das nicht respektieren?

Essenszeit. Einen Stock tiefer wartet wie fast jeden Abend ein üppiges „Pilgermenü“ auf uns. Wie eine privat betriebene Herberge für zwischen 9 und 12 Euro durchweg hervorragende Hausmannskost in drei Gängen, jede Menge Wein, Brot und Wasser inklusive, servieren kann, ist uns, die wir aus dem hochpreisigen Montréal kommen, ein Rätsel.

Auch dafür möchten wir uns bei Herrn Jakobus herzlich bedanken und wünschen allerseits einen guten Abend.

Buen Camino aus dem wunderschönen Dorf Castrojeriz, das wir von unserem Herbergsfenster aus in der Abendsonne verschwinden sehen.

Blick aus der Herberge über Castrojeriz

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7 Gedanken zu „Glück und Pech am 13. Tag

  1. Wunderschöne Fotos, die ihr da jeden Tag macht. Und alles mit dem Smartphone? Weiterhin frohes Wandern!

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  2. 🙋‍♂️…Hallihalloo liebe Wanderer !
    So gut beschrieben und bebildert , ich wandere förmlich mit !
    Ich spüre sogar bereits Phantom Schmerzen ,an den von Dir beschriebenen Stellen ! Respekt !
    Bei mir seid Ihr jetzt bereits Märtyrer !
    Ich denke viel und oft an Euch und sende zusätzliche Energien !
    Grüßt den Herrn Jakobus ,wenn er Euch dann erscheint !
    Auch weiterhin Buen Camino !
    Ausdauer und einen gnädigen Wetter Gott !
    Cheers , Rolfo ..🏝

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  3. Jetzt muss ich mich endlich auch mal bedanken, dass du uns an eurer Pilgerreise teilhaben lasst. <Und ganz besonders für die Fotos, die Sehnsucht wecken.
    Liebe Grüße von Monika (mopest)

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