Zwangspause in Ponferrada

JAKOBSWEG, Tag 28 – 11 Kilometer von Molinaseca nach Ponferrada

FÜR JOACHIM

Wir widmen jeden Tag unserer Pilgerreise einem Menschen, der uns viel bedeutet hat, aber nicht mehr unter uns weilt.


Es gibt Schlimmeres, als in einem hübschen Städtchen in den Bergen zu stranden. Trotzdem war es nicht unser Plan, an diesem diesig-schwülen Gründonnerstag nach gerade mal elf Kilometern den Rucksack abzuschnallen und in Ponferrada in ein Hotel einzuchecken, das sonst eher liquide Geschäftsleute beherbergt als Pilger.

Aber wir hatten keine andere Wahl. Die Herbergen, in denen wir normalerweise absteigen, waren in dem von uns erreichbaren Umkreis ausgebucht. Es ist „Semana Santa“, da macht der Spanier gerne mal ein paar Tage Urlaub im eigenen Land. Daran wird sich während der nächsten Tage auch nichts ändern.

Wir waren gewarnt worden. „Wäre keine schlechte Idee, in der Woche vor Ostern Hostels im Voraus zu reservieren“, hatte uns eine Camino-erfahrene Bekannte aus dem „Mallorca Forum“ geraten.

Natürlich haben wir nichts reserviert und zahlen jetzt teuer dafür. Aber immerhin darf der Beatles-Fan direkt unter John, Paul, Ringo und George schlafen – wer kann das schon von sich behaupten?

Aber wir sind lernfähig: Bis Ostern haben wir jetzt ziemlich zeitaufwendig alle Übernachtungen reserviert.

Das gibt uns einerseits eine gewisse Planungssicherheit. Andererseits bekommen wir aber zum ersten Mal seit Beginn unserer Pilgerwanderung auch ein wenig Zeitdruck. Wir müssen wegen der Reservierungen in den nächsten Tagen genau vorbestimmte Strecken zurücklegen – ob Wind, Regen oder Sonnenschein.

Aber wie das so ist mit dem Camino: Er nimmt und er gibt. Uns hat er die Möglichkeit gegeben, Ponferrada näher anzusehen. Und ob sich das gelohnt hat! Das Castello unserem Hotel gegenüber ist ein wahres Prachtstück aus dem Mittelalter.

Noch ein Grund, warum es schön ist, ausgerechnet in Ponferrada gestrandet zu sein: Unsere liebe Freundin Christa aus Winnipeg/Manitoba hatte ihre Camino-Wanderung vor ein paar Jahren genau hier in Ponferrada begonnen. Ein schönes Gefühl, von jetzt an auf ihren Spuren zu wandern.

Ein ähnliches Gefühl beschleicht uns übrigens schon seit Beginn unserer Pilgerreise: Jeden Meter, den wir zurücklegen, ist auch Cassian vor sechs Jahren gewandert. Es gab Momente, da wollte man vor Ehrfurcht in die Knie gehen. Super gemacht, mein Sohn!

Weil wir heute die Luxuspilger sind, haben wir es uns auch kulinarisch gut gehen lassen. Eine Spezialität dieser Region Spaniens ist „Botillo del Bierzo“. Das ist eine mit verschiedenen Fleischsorten und Gewürzen gefüllte Schweinshaxe. Lecker wäre untertrieben. Es schmeckte himmlisch.

Zum Schluss noch zweimal dickes Lob für spanische Hilfsbereitschaft:

Anna, die junge Herbergsmutter unserer letzten Bleibe in Molinaseca, wählte sich heute Morgen die Finger wund, um uns bei den Reservierungen für die Bleiben der nächsten Nächte zu helfen. Falls jemand in diese Gegend kommen sollte: Das Hostel THE WAY in Molinaseca möchte ich hiermit wärmstens empfehlen.

Das zweite Dankeschön geht an Christian und Walki vom CMC-Handyservice in Can Pastilla auf Mallorca. Obwohl sie heute geschlossen hatten, bemühten sich die Beiden unermüdlich per WhatsApp, Lores Handy-SIM-Kartenproblem zu lösen. Hat geklappt, danke!

Last but not least noch ein Griff in die Fragekiste:

Wann widmet Ihr wem die Tagesstrecke?

In den allerwenigsten Fällen widmen wir unsere Tages-Pilgerwanderung personenbezogen. Meistens ergibt es sich beim Frühstück, an wen wir heute besonders intensiv denken. Tagsüber reden wir dann ganz viel über den oder die Verstorbene oder zünden auch mal eine Kerze an, wenn wir gerade eine hübsche Dorfkirche sehen.

Lediglich die Verstorbene, der wir die allerletzte Etappe widmen, also wenn wir in ein paar Wochen nach Santiago de Compostela einmarschieren, steht schon fest. Sie hat unser Leben im spirituellen Sinn mehr geprägt als jeder andere Mensch.

In diesem Sinne schicken wir an diesem freundlichen Gründonnerstag-Abend ausschließlich positive Vibes in die weite Welt hinaus und sagen:

Buen Camino aus Ponferrada

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Für alle Fälle: Notbetten vor einem Hostel auf dem Weg nach Ponferrada.

6 Gedanken zu „Zwangspause in Ponferrada

  1. So ein Tag ist doch schön. Und dann noch in diesem wunderbaren Fleckchen mit diesem wunderbaren Essen! Nicht immer muss der Weg das Ziel sein! So lange die Blog-Leser mit derart schönen Bildern verwöhnt werden, dürft Ihr gerne kürzere Etappen einlegen.

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  2. Nice thought, Jennifer. But we rather keep dedicating our days to the human souls that passed away. Bella is in our thoughts anyway, since there doesn’t a day go by that we don’t talk about her.

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  3. I’m wondering if you will have enough days on your journey on the Way of St. James to dedicate one to Bella. Thinking of all creatures great & small. Sweet dreams on „the Long & Winding Road, that brings us to who knows where“💕

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  4. Ich habe mich gefragt, ob ich persönlich für jeden Tag eine “Widmung” hätte und ob das womöglich ein gutes Zeichen sei und ob sich dies naturgemäß mit den Jahren ändert.
    Wenn sich die Idee aber im Laufe des Tages verdichtet, wird es klarer.

    “Tut dies zu meinem Gedächtnis” lautete auch der Auftrag, an den der heutige Gründonnerstag erinnert.

    Daher vielen Dank für die Erklärung und genießt die schöne Unterkunft mit Paul, John, Ringo und George! 😉

    Liebe Grüße,
    Prensal

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  5. Ein wunderschöner Ort, Ponferrada! Geniesst die Zeit und all die schönen Erlebnisse! Wir sind heute „nur“ 8 km in der Umgebung von Biniamar spaziert…. :-)

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