Ostern mit Kühen und Kuchen

JAKOBSWEG, Tag 31 –  23 Kilometer Von Villafranca del Bierzo nach Las Herrerías

FÜR PETRA

Wir widmen jeden Tag unserer Pilgerreise einem Menschen, der uns viel bedeutet hat, aber nicht mehr unter uns weilt.


„Lieber Osterhase,

ich weiß, ich bin ein bisschen spät dran. Aber darf ich mir trotzdem noch was zu Ostern wünschen? Ok. Hier kommt’s:

Ich wünsche mir einen Osterspaziergang durch Bergtäler, in denen Kühe auf saftigen Wiesen weiden, immer an rauschenden Bächen vorbei.

Zwischendurch machen wir Pause bei Kaffee und hausgemachtem spanischen Kuchen.

Abends übernachten wir in einer extrem hübschen Herberge und winken vor dem Schlafengehen noch einmal den Kühen zu, die vor unserem Fenster grasen und lassen uns morgen früh vom Bimmeln der Kuhglocken wecken.

Wie jetzt? Du sagst, du hast mir den Wunsch schon erfüllt?

Tatsächlich. Es war gar kein Traum. Denn genau so sah Ostern bei uns aus.

Danke, lieber Osterhase. Und viele Grüße vom Camino.“

Manchmal ist die Wirklichkeit fast noch schöner als ein Traum. Auf dem Camino kann sowas schon mal passieren. Der heutige Tag war einer von der Sorte „nicht zu toppen“.

Das Wetter stimmte, die Landschaft ohnehin. Und wenn dann fast spielerisch noch 23 Kilometer zusammen kommen, fragst du dich schon mal, wie du das hier alles verdient hast.

Und weil die Feiertage bald vorbei sind, wollte ich heute unbedingt noch ein für diese Gegend Spaniens typisches Ostergetränk ausprobieren.

Es trägt den verführerischen Namen „Hay Limonada“ und hat mit Limonade etwa so viel zu tun wie russischer Salat mit Oberschwaben. Nämlich gar nichts.

„Hay Limonada“ ist ein teuflisches Gemisch aus Rotwein, Rum, Zitronen, Zucker und Zimt. Serviert mit einem Orangenschnitz schmeckt es auf Eis ein bisschen wie Sangria für ganz harte Trinker.

Kann man mal machen, muss man aber nicht.

Und weil uns morgen „die Mutter aller Aufstiege“ bevorsteht, wie meine Camino-App den Streckenabschnitt beschreibt, belassen wir es lieber bei einem Glas Hay-Limonade und trinken stattdessen noch einen Vino aus dieser Region, der an der Grenze zu Galizien wieder einmal ganz besonders lecker schmeckt.

Mit den heute zurückgelegten 23 Kilometern kommen wir hoffentlich wieder so langsam in den richtigen Takt.

Ein Ziel, das wir uns von Anfang unserer Pilgerwanderung an vorgenommen hatten, haben wir jedenfalls erreicht. Und wie!

Zu Ostern wollten wir wegen des Rummels auf keinen Fall in Santiago sein. Dass wir aber erst in gut einer Woche dort eintreffen würden – damit hatten wir nun doch nicht gerechnet.

Ein bisschen darf man sich beim allerersten Camino ja auch mal verkalkulieren, oder?

In diesem Sinne schicken wir aus dem kuscheligen Bergdorf Las Herrerías exakt berechnete Grüße in die weite Osterwelt hinaus und sagen:

Buen Camino!

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Abendunterhaltung auf der Kuhwiese: PilgerInnen aus Holland, Italien, Deutschland und Kanada  

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3 Gedanken zu „Ostern mit Kühen und Kuchen

  1. Frohe Ostern Ihr Superpilger!! Wie geht es denn eigentlich den Gelenken und den Füßen? Ist alles mittlerweile prima „eingeölt“ oder macht Euch die Anstrengung doch zu schaffen?
    Seid auf alle Fälle meiner grenzenlosen Bewunderung gewiss und: das Bisschen nach Santiago schafft Ihr noch mit links!!
    Liebe Grüße und weiterhin „buen camino“!!

    Gefällt 1 Person

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