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Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Der etwas andere Ballermann

Magaluf ist der schlimme Bruder des Ballermann. Während in Arenal die Saufgelage deutscher Touristen eher zurückgegangen sind, gibt die vor allem bei Briten beliebte Partymeile westlich von Palma richtig Gas.

So schlimm geht es in dem Ferienort zu, dass einige mallorquinische Ärzte neulich Alarm schlugen: Um die Krankenhäuser zu entlasten, fordern die Mediziner  Notfallzelte für Sauftouristen mit Alkoholvergiftungen.

Noch bevor die Saison richtig angefangen habe, würden täglich im Schnitt fünf Patienten wegen Alkoholexzessen in die umliegenden Kliniken eingeliefert.

Zweifelhafte Berühmtheit erlangte Magaluf auch durch die junge Engländerin, die sich in einer Bar mit 24 Männern vergnügte und für den Fließband-Sex hinterher vom Wirt mit einer Flasche Sekt belohnt wurde.

Doch Magaluf hat mehr zu bieten als Saufen und Sex. Bei einem mehrstündigen Spaziergang von Magaluf nach Palma Nova sahen wir heute Nachmittag bei fast hochsommerlichen Temperaturen entspannte Mallorquiner beim Sonnenbaden und gut gelaunte Engländer beim Strand-Tischtennis spielen.

Und auch zwei Deutschkanadier wurden in Magaluf bei Fish and Chips gesichtet.

Ihr Kommentar: Best ever!

Mallorca-Bilder ohne Rahmen

Nicht jede der Aufnahmen, die ich Tag für Tag mache, schafft es in meinen Blog. Manche passen thematisch nicht zu einem bestimmten Artikel, andere aufnahmetechnisch. Wieder andere wurden schlichtweg vergessen.

Deshalb gibt’s heute einfach mal unsortiert ein paar Bilder, die zu schön sind, um in Vergessenheit zu geraten. Manche davon mögen bereits in der einen oder anderen Bildergalerie enthalten sein.

Übrigens: Alle Fotos, die Sie hier und in meinen Blogposts sehen, sind mit dem Handy gemacht. Manchmal vermisse ich beim iPhone-6S die Zoomfunktion. Trotzdem habe ich mich aus Platz- und Transportgründen schon vor Jahren von einer herkömmlichen Digitalkamera verabschiedet. Man sieht: Es geht auch ohne.

Alle Fotos © Herbert Bopp

Santa Maria – Alaró – Consell

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Irgendwo zwischen Palma und Sa Pobla liegt Alaró, ein etwas verschlafenes Nest am Fuße des mächtigen Tramuntana-Gebirges. Auch wenn es mit anderen Bergdörfern auf Mallorca an Höhenmetern nicht konkurrieren kann, hat es Alaró immerhin auf 230 Meter über dem Meeresspiegel geschafft.

Bei einem Besuch in dem 5200-Einwohner-Dorf selbst belassen es die wenigsten Touristen. Viele von ihnen fahren die abenteuerlichen Serpentinen bis „Es Verger“ weiter, einem Landgasthof, dem Tripadvisor „eine der besten Lammschultern Spaniens“ bescheinigt. Andere wandern zu dem 700 Meter gelegenen Castell Alaró oder noch weiter, zum gleichnamigen Kloster.

Für uns war Alaró heute nicht Start, sondern Zwischenstation einer Wanderung, die uns insgesamt 15 Kilometer von Santa Maria del Camí nach Consell geführt hat.

Bei sommerlichen Temperaturen ging es zunächst durch die Gegend rund um Santa Maria in Richtung Orient. Doch nicht die bewaldete Berglandschaft, die nach Son Pou führt, war diesmal angesagt, sondern das Blütenmeer entlang einer wenig befahrenen Landstraße.

Alaró hielt seinen Mittagsschlaf, als wir dort ankamen. Nicht alle der Cafés, Bars und Restaurants rund um die Placa de la Vila hatten geöffnet. Ein User des „Mallorca Forum“ hatte uns ein im Zwiebelfond geschmortes Kaninchen schmackhaft gemacht. Schade: Im „Vila Cinc“ wusste man nichts von einem Conejo con cebolla. Dann eben Burger.

Irgendwann, so lese ich auf der Internetseite mallorca-alles-inclusive, muss der Ort gebrummt haben. Der wichtigste Industriezweig sei noch heute die Schuhindustrie. In den besten Jahren gab es dort 30 Fabriken, die mehr als 2000 Menschen beschäftigten.

Von Alaró ging es nach einer Pause entlang einer etwas stärker von Autos frequentierten Landstraße weiter nach Consell. Der Zug nach Palma ließ nicht lange auf sich warten.

Kurz vor dem Einsteigen noch ein Blick zurück auf die mächtige Bergkette rund um Alaró. Als Pünktchen zu sehen waren immerhin das „Es Verger“ die Burg und auch das Kloster.

Dann vielleicht beim nächsten Mal.

Dreimal sind noch nicht genug

Es war unsere dritte Wanderung von Port d’Andratx nach Sant Elm – und ich vermute mal, dass es nicht die letzte war. Die Strecke, für die wir heute bei fast sommerlichen Temperaturen knapp vier Stunden benötigten, ist meiner Meinung nach eine der schönsten der Insel. Sie bietet alles, was das Herz begehrt – und noch ein bisschen mehr. Eine Bildergalerie gibt’s beim Anklicken des Bannerfotos oder >> HIER <<

Meerblick und Bergpanoramen, dazu eine Vegetation, die einem gerade um diese Jahreszeit den Atem verschlägt. Während sich in den Tälern die für den Februar typische Mandelbaumblüte verabschiedet hat, steht jetzt in den Bergen der knallgelbe Stechginster voll im Saft.

Der Weg durch den südwestlichsten Teil der Tramuntana ist streckenweise beschwerlich – langweilig ist er nie. Das heißt doch: Den Aufstieg von Port d’Andratx bis zum Berggipfel möchte man sich gern ersparen.

Es geht, wie schon neulich auf der Mandelblüten-Tour von Andratx nach Port d’Andratx, auch diesmal wieder an Protzvillen vorbei, die dem als Nobelort gehypten Städtchen auch noch das letzte Quentchen Charme nehmen.

Umso freundlicher dann nach dem Überqueren des Bergkamms der Empfang in dem Küstenort Sant Elm. Noch reibt sich das ehemalige Fischerdorf nach einem verdienten Winterschlaf die Augen. Nur wenige der Bars und Restaurants sind um diese Jahreszeit geöffnet. Aber man braucht nicht viel Fantasie, um sich Sant Elm in den hektischen Sommermonaten auszumalen.

Hier geht’s zum Blogpost über unsere allererste Wanderung von Port d’Andratx nach Sant Elm – mit vielen Fotos und ein paar Informationen mehr.

Nicht alles paletti im Paradies

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Jeden Tag dasselbe Bild: Bettler in der Altstadt von Palma. © Bopp

Du suchst sie nicht, sie finden dich. Die Zahl der Bettler und Obdachlosen in Palmas Straßen ist ein Augenöffner. Dachte ich bisher immer, nirgends in einem zivilisierten Land gebe es mehr Bettler als in Montreal, so werde ich in diesen Tagen eines Schlechteren belehrt. Palma ist Pennerstadt.

Dabei gibt es mindestens einen Unterschied zu Montreal: In meiner kanadischen Heimat scheint die Not unter den Obdachlosen wirklich groß zu sein. Das wird dir spätestens klar, wenn sich an der roten Ampel bei minus 30 Grad ein Eskimo im Sombrero mit aufgehaltener Hand deinem Auto nähert.

Bedauernswert sind sicher auch die meisten der Männer und Frauen, die in Palma die Hand aufhalten. Nur fließt der Betrag, den sie Tag für Tag zusammenbetteln, offensichtlich nicht ihnen zu, sondern einer mafia-ähnlichen Organisation von rumänischen „Gitanos“ – politisch inkorrekt: Zigeunern.

Die spanische Tageszeitung „Ultima Hora“ hat recherchiert: Allein in der Innenstadt von Palma gehen zwischen 60 und 80 Bettler ihrem Gewerbe nach. Mit einem Plastikbecher in der Hand sprechen sie Passanten an, strecken ihnen oft Heiligenbildchen entgegen oder auch Porträts von ausgemergelten Kindergesichtern.

Es sind Betrüger, die für Betrüger arbeiten. Die Hintermänner sitzen auf dem spanischen Festland. Denen müssen die aus Rumänien stammenden „Gitanos“ den Bettellohn abliefern – zwischen 80 und 100 Euro pro Tag und Person, schätzt die Polizei.

Dass es unter den Bettelbetrügern manchmal hitzig zugeht, habe ich gestern vor der Kirche San Miguel in meiner Nachbarschaft gehört. Ein Bettler – aus Gründen des Personenschutzes in meinem Foto unkenntlich gemacht – zog in einem Moment, da er sich unbeobachtet fühlte, ein Handy aus der Tasche, diskutierte lautstark hinter vorgehaltener Hand und machte nebenher Notizen auf einem Zettel. Seiner Antwort zufolge dürfte es sich dabei um den von seinen „Arbeitgebern“ angeordneten Einsatzort für seinen nächsten Bettelauftritt gehandelt haben.

Nicht alle der oft agressiv vorgehenden Bettler sind unseriöse „Gitanos“. Aber sie sind es, die den wirklich Bedürftigen in den Straßen von Palma das Leben schwer machen.

„Sie vertreiben uns von unseren angestammten Plätzen“, sagte mir neulich eine alte Mallorquinerin, die seit Jahren in meiner Nachbarschaft um Geld und Nahrung bittet.

Die mallorquinischen Behörden sind hilflos. „Ultima Hora“ zufolge gilt unter den rumänischen Bettlern eine Art Schweigepflicht, ähnlich der Omertà der Mafia. Deshalb kommt die Polizei den eigentlichen Drahtziehern der Bettel-Betrügereien nur selten auf die Spur.

Dazu passend ein Blogpost vom 4. Februar 2013: „Obdachlos im Paradies“