
Eigentlich wollte ich mich heute mit einem Kumpel beim Portugiesen zum Mittagessen treffen. Wir machen das öfter mal. Dann tafeln wir ein wenig und reden viel. Und hinterher haben wir natürlich die Welt gerettet, klar.
Den Termin für heute musste mein Freund absagen. Er hatte nämlich kurzfristig für 03:45 Uhr einen Krankenhaustermin für den Bluttest bekommen. Viertel vor vier Uhr morgens. Könnte gut sein, dass er dann später beim Mittagessen eingenickt wäre.
Ganz unrecht ist es mir gar nicht, dass mein Lunch-Date abgesagt hat. Ich habe nämlich heute auch einen Krankenhaustermin. Um 20 Uhr geht’s im General Hospital in die Röhre. Freitagabend, 20 Uhr.
Ich stelle mir gerade vor, wenn uns älteren Herren jemand zuhört:
„Was machst Du denn so am Freitagabend?“
„Naja, um acht lege ich mich kurz in die Röhre, danach geht’s ins Bett. Und du?“
„Ich war heute früh um Viertel vor vier zum Bluttest im Krankenhaus. Muss mich erst mal ausruhen.“
Eigentlich wollte ich einen fröhlichen Blog über das kanadische Gesundheitswesen schreiben und wieviel Respekt ich vor den Männern und Frauen habe, die für wenig Geld Tag und Nacht arbeiten, um für uns da zu sein.
Doch dann ist mir der Spaß vergangen. Wie es der Zufall will, lese ich eben:
EINE KOMMISSION SCHLÄGT FÜR DIE ABGEORDNETEN DES QUEBECER LANDTAGS EINE GEHALTSERHÖHUNG UM 21 PROZENT VOR.
Geht’s noch?
Ja, es geht noch schlimmer. Wie sieht’s eigentlich bei den Quebecer Krankenschwestern finanziell so aus?
Schlecht. Es gibt viel zu wenige von ihnen und die verdienen dann auch noch viel zu wenig Geld. Als sie neulich mit Streik gedroht haben, hat ihnen die Quebecer Regierung ein tolles Angebot gemacht: 9 Prozent mehr Lohn, verteilt auf die nächsten 5 Jahre.
Na super. Jetzt wissen wir endlich, wo hier die Prioritäten liegen.
Während die einen Wasser predigen und Wein trinken, stehen die anderen morgens um 03:30 Uhr auf der Matte, um meinem Kumpel Blut abzuzapfen. Oder um mich am Freitagabend in die Röhre zu stecken, wenn andere feiern gehen.
Friday Night Fever. Ich könnte mich wegschmeißen vor Lachen.






