Jedes Mal am 11. September bekomme ich Gänsehaut. Das geht jetzt schon seit 23 Jahren so. Ich erinnere mich dann, wie ich mit der Bahn von Montreal nach New York City fuhr, um fast zwei Wochen über eine verwundete Stadt zu berichten. Aus gegebenem Anlass finden Sie heute noch einmal die gesammelten Reportagen, die ich damals für WDR.de geschrieben habe.
„SWF3 – Das Phänomen“ hatte ich ja bereits vor einigen Tagen vorgestellt. Dass der Journalist Gregor Glöckner jetzt auch mich in seiner Podcast-Serie zu Wort kommen lässt, ehrt mich. Zusammen mit Radiogrößen wie Peter Stockinger, Anke Engelke, Elke Heidenreich und Frank Plasberg interviewt zu werden, macht mich stolz und dankbar, diese Zeit erlebt haben zu dürfen.
Ein Vierteljahrhundert als Kanada-Korrespondent in einen 44-minütigen Podcast zu packen, ist eine Herausforderung der besonderen Art – für den Interviewer, aber auch für den Interviewten.
Was hätte ich noch alles erzählen können! Wen hätte ich alles noch erwähnen müssen!
Und dann diese Versprecher, Verhaspler und Zahlendreher (Mauerbau 1989 – echt jetzt?) Aber es ist wie es ist. Ein spannendes Stück Radio ist trotzdem daraus geworden – auch dank der einfühlsamen Moderation durch Gregor Glöckner, dem es mit „SWF3 – Das Phänomen“ gelungen ist, ein Dokument der Zeitgeschichte zu schaffen.
2001: Als Korrespondent bei 9/11 in New York – nicht für SWF3, sondern für WDR.de. Es war Stefan Molls Idee, einen eigenen Online-Reporter ins Katastrophengebiet zu entsenden. Eine der vielen Reportagen aus New York führte mich zu David Letterman. Er ging als erster nach den Anschlägen wieder auf Sendung.Für die Berichterstattung über 9/11 gab es den New Media Award. Mit dem Preisgeld konnte 2002 ein Praktikum bei CNN.com in Atlanta/USA finanziert werden – damals die größte Online-Redaktion der Welt.Heimstudio in Hudson, ca. 2005Heimstudio in Montreal: Wenig Technik, viel Spaß.Mit Frank Plasberg auf MallorcaLeutkirch, Talk im Bock. mit dem früheren SWF3-Moderator und verstorbenen Freund Bernd Dassel.
2.9 Kilometer – so viel bin ich heute gelaufen. Eigentlich kaum der Rede wert für jemanden, der noch als Siebzigjähriger in 41 Tagen fast 900 Kilometer den Jakobsweg gewandert ist. Aber früher war früher und jetzt ist jetzt. Jetzt, das sind gerade mal 5 Wochen nach einer schweren OP, die mir viel Kraft geraubt, aber auch viel Hoffnung gegeben hat. 2.9 Kilometer sind ein Rekord für mich.
Genau genommen führte mich mein kleiner Camino vorhin gerade mal von einer Brücke zur nächsten: Von der Fußgängerbrücke, die von uns aus zum „Atwater Market“ geht, bis zur „Pont des Seigneurs“ am Lachine Kanal entlang, immer Richtung Stadtmitte.
Es war ein heißer Spätsommertag – eigentlich zu heiß für so einen Gewaltmarsch. Aber wie meistens im Leben: Et hätt noch immer jot jejange, wie meine links-, rechts- und mittelrheinischen Freunde sagen würden.
Noch sind die OP-Wunden nicht ganz verheilt und auch die Energie ist erst bei gefühlten 70 Prozent. Aber was will man mehr, knapp fünf Wochen, nachdem sie dir die Milz ganz und die Bauchspeicheldrüse zu zwei Dritteln entfernt haben?
Eine Riesenhilfe bei dem heutigen Marathon war mir mein neuer Rollator. Stöcke waren gestern, sie haben mir jahrelang gute Dienste erwiesen. Aber bei fortschreitender Polyneuropathie haben sie irgendwann ausgedient.
LOS GEHT’S: Bereit zum Ablegen am Bootsverleih.SOMMERABEND: Lachine-Kanal lädt zum Picknick ein.GESUNDHEIT: Lilie legt einen Glücksstein vor die Tür.NACHT: Kurzer Blick vor dem Schlafengehen.BACKWAREN 1: Frische Brötchen vom Portugiesen.BACKWAREN 2: Hefezopf aus Lores Küche.DINNER: Catering Service bereitet ein Picknick vor.FLITZER: Federleichter Rollator macht das Leben einfacher.
Fragt man einen Montrealer, wo er denn wohne, hört man nicht selten: „Eine Treppe über dem Blumengeschäft“. Oder „Three flights of stairs above the coffee shop“. Oder: „2. Stock, die gelbe Treppe hoch“. Eine der häufigsten Fragen, die ich als UBER-Fahrer von Touristen höre: Warum gibt es in Montreal eigentlich so viele Treppen?
Treppen gehören zu Montreal wie Winter, Smoked Meat und der Sprachenstreit. Dabei ist hier nicht von Treppenhäusern die Rede, sondern von Treppen, die an die Außenwände von Mehrfamlienäusern angebaut sind und direkt zum Wohnungseingang führen.
Von schlichten Holztreppen bis zur kunstvoll geschmiedeten Eisenstiege mit kupfernem Handlauf – bei den „Stairways to Heaven“ ließen sich die Bauherren früher nicht lumpen. Vor allem in den sozial schwächeren Vierteln im Osten und Norden der Stadt – Hochelaga-Maisonneuve, St-Michel, Rosemont – haben Außentreppen eine lange Tradition.
Über die Hintergründe der Montrealer Treppenkultur gibt es viele Gerüchte, wenig Beweise und vermutlich auch die eine oder andere wahre Geschichte.
So wird gemunkelt, dass im letzten Jahrhundert, als in der Provinz Quebec die katholische Kirche noch das Sagen hatte, Außentreppen lieber gesehen wurden als dunkle Treppenhäuser. Man weiß ja nie, was sich dort im schummrigen Licht so alles abgespielt haben könnte.
Eine andere Version deutet auf schottische und irische Einwanderer hin, die angeblich ihre eigene Außentreppen-Kultur pflegten. Auch der Südländer, von denen es in Montreal Hunderttausende gibt, sitzt ja im Sommer gerne mal mit seinem Vino tinto auf dem Treppchen.
Und dann ist da noch eine Erklärung, die für mich am meisten Sinn macht:
Dadurch, dass die Treppen außerhalb des Hauses angesiedelt waren, bekamen die ohnehin schon beengten, mehrstöckigen Mehrfamilienhäuser mehr Innen-Wohnraum. Dies wiederum führte dazu, dass man sich unnötige Heizkosten fürs Treppenhaus sparen konnte – in einer Stadt, in der fünf bis sechs Monate im Jahr Winter herrscht, ein schlüssiges Argument.
Ich liebe diese Außentreppen, andere wünschen sie vermutlich zum Teufel. Allen voran Postboten und Lieferanten, die erst 100 Treppenstufen oder mehr hinter sich bringen müssen, ehe sie das Amazon-Paket übergeben. Und natürlich sind diese Treppen für Menschen mit Behinderung ein Albtraum.
Im Sommer könnte das alles ja noch unter dem Stichwort „sportlich“ durchgehen. Im Winter, wenn die Treppen mit Schnee bedeckt oder gar vereist sind, kann so eine schöne Treppe schnell zum Stairway to Hell werden.
Wer übrigens glaubt, die architektonisch interessanten Aufgänge dienen in erster Linie als Notausgang im Brandfall, irrt. Dafür gibt es eigene Feuertreppen auf der Rückseite der Häuser.