Okay. Der Löwe war eine Wildsau und das Leben kann weitergehen. Irgendwie tut mir das Wildschwein ja leid, denn selten zuvor fiel die Hierarchie im Tierreich so brutal zu Ungunsten des Schweins aus. Deshalb würde ich die Wildsau heute gerne zur „Königin der Löwen“ ausrufen.
Kommt es nur mir so vor, als sei ich in diesen Tagen von Löwen umgeben, die keine sind?
In meiner Mailbox wimmelt es von Fotos, Witzen und Memes zu diesem Thema. Mit einer nie dagewesenen Infamie beteiligen sich auch Facebook, Instagram und andere sogenannten sozialen Medien an der Hatz auf die arme Sau.
Wildschweinmähne. Wie unsozial!
Selbst das Lösungswort des heutigen „Wördle„-Spiels heißt – Achtung, Spoiler! – jedenfalls nicht Wildschwein, weil es ja auch nur fünf Buchstaben sein dürfen.
Ich finde: Der weiteren Diskreditierung des Wildschweins muss endlich Einhalt geboten werden!
Früher nannte man das Sauregurkenzeit. Als Volontär in Waiblingen sollte ich tagelang einen ausgebüchsten Braunbär aufspüren. Den gab es natürlich nicht. Wie sich herausstellte, hatte ihn ein Wanderzirkus für PR-Zwecke erfunden.
Aber so eine richtige Löwin ist natürlich noch eine Spur härter als ein Bär. Oder ein Wildschwein.
Ich finde, wir sollten uns ein bisschen locker machen und uns glücklich schätzen, dass wir noch mitfiebern, ja, uns noch freuen können an so einem Löwenherz. Oder eben an einer Wildsau.
Montreal vom St.-Lorenz-Strom aus gesehen.Die neue Champlain-Brücke vom Ufer des St.-Lorenz-Stroms aus fotografiertPause von der Sause: Mein eBike ist zum ständigen Begleiter geworden.Frachter auf dem St.-Lorenz-Strom – gesehen von der Fähre aus, die in die Vorstädte führt.Gemütlichkeit auf dem Lande: Das Café St. Laurent in Boucherville.Ankunft in Varennes. Das Dorf liegt ca. 40 Kilometer östlich von Montreal am Ufer des St.-Lorenz-Stroms.Umsteigen in Varennes. 45 Minuten Fährvergnügen für $ 5.50 – schwer zu toppen.Pärchen auf dem Fährchen nach Boucherville.Frachthafen im Osten von Montreal. Im Hintergrund das Olympiastadion.Québec: Ländlich-sittlich in Varennes.Unter Touris: Künstler-Gasse in der Altstadt.Einfach mal chillen: Unten am Alten Hafen.Feuerwehr-Einsatz auf der Rue de la Commune: Auf einer ca. 1 Meter breiten und 100 Meter langen Ölspur waren vor meinen Augen zwei Radler und eine Joggerin gestürzt, bzw. ausgerutscht. Ein 911-Notruf brachte Hilfe: Innerhalb weniger Minuten war die Ölspür beseitigt. Ich liebe „les pompiers“!
Noch schneller als bei der Feuerwehr geht es nur auf der Formel-Eins-Strecke auf der Île Notre-Dame zu. Den ganzen Sommer über steht die komplette Rennstrecke Radlern zur Verfügung. Da düst das eBike schon mal mit 40 Sachen den Schneckenradlern davon.
Tapas und Vino gehören in Spanien zusammen wie in Süddeutschland Bier und Brezeln oder Weißwürste und Senf. Aber was genau sind eigentlich Tapas? Diese Frage höre ich nach dem Erscheinen meines Romans „Tapas, Vino, Valentina“ jetzt immer öfter.
Das Wort Tapas stammt von „Tapa“, also Deckel. Vor allem auf dem Land, so heißt es, hätten die Bauern ihr Weinglas als Schutz vor den Fliegen mit einem Stück Brot zugedeckt. Irgendwann sei dann eine Scheibe Schinken auf das Brot gelegt worden, ein paar Oliven, auch ein wenig Käse. Und schon sei ein köstlicher kleiner Snack daraus geworden. Tapas waren geboren.
Um Tapas ranken sich viele Legenden. Als König Alfonso der Zehnte von Spanien von einer schweren Krankheit heimgesucht worden sei, habe ihm sein Leibarzt kleine Portionen an Essen empfohlen, dazu jeweils einen Schluck Wein.
Nach seiner Genesung habe der König im 12. Jahrhundert das Dekret erlassen, dass in spanischen Bars und Gasthäusern künftig kein Wein mehr ohne kleine Speisen ausgeschenkt werden dürfe. Ob der Herrscher von Kastilien und León deshalb auch „Alfonso der Weise“ hieß, ist nicht überliefert.
Als wir noch unsere Winter auf Mallorca verbrachten, standen häufig Tapas auf dem Tisch. Nicht nur in den Bars, die wir frequentierten, sondern auch daheim. Dabei sind der Zusammenstellung von Speisen keine Grenzen gesetzt.
Schon auf meiner Tramper-Reise durch Spanien, als ich mit 15 glaubte, die erste Liebe meines Lebens erobern zu müssen, habe ich mich oft tagelang von Tapas ernährt. Oft wurden sie als kostenlose Beilage gereicht, wenn ich irgendwo eine Cola bestellte.
Daran hat sich in vielen Lokalen bis heute nichts geändert. Während unserer Wanderung auf dem Jakobsweg brachte der Kellner zum Wein häufig kleine Brotschnitten mit Schinken, Käse, Fisch, Ei oder Gemüse – köstlich und ganz umsonst.
Und natürlich wurde die„Bar Bosch“ in Palma de Mallorca zu meinem ganz privaten Tapas-Tempel. Zu jeder Tages- und Nachtzeit servierten die Kellner frische Brötchen mit köstlichen Tapas zum Getränk meiner Wahl, was meistens ein Rosado war, gerne aber auch mal ein Tonic.
Kein Wunder also, dass Johannes und Konrad in meinem Roman ständig Tapas vor sich stehen haben. Und natürlich Vino.
Was sich die Woche über so alles an Filmchen und Fotos in meinem iPhone ansammelt, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. In unregelmäßigen Abständen werde ich deshalb hin und wieder völlig unsortiert Videos und Bilder einstellen. Bei meinen täglichen Touren mit dem eBike begegne ich Menschen und Tieren, aber auch Geschichten. Hier sind einige davon:
DIE RUHE NACH DEM STURM: Ein starkes Unwetter suchte den Großraum Montreal am Donnerstag heim. In der Gemeinde Mirabel, nördlich von Montreal, sorgte ein Tornado für Verwüstung. Die Innenstadt zeigte sich nach dem Sturm versöhnich. Das Foto entstand von unserem Balkon aus, als das Unwetter gerade vorbei war.
DIE RUHE VOR DEM STURM: Noch am Morgen zeigte sich Montreal von seiner freundlichsten Seite. Dieses Video entstand im Zeitraffer und wurde morgens gegen 5 Uhr aufgenommen.
DER STUIRM: Regen, Wind, Blitz und Donner – dieses Bild bot sich während eines der schlimmsten Unwetter der letzten Jahre, Menschen kamen nicht zu Schaden. Aber der angerichtete Sachschaden ist beträchtlich.
DIE FÄHRE VON MONTREAL NACH BOUCHERVILLE ist inzwischen eine Art „home away from home“ für mich geworden. Was ursprünglich für Pendler gedacht war, die von den Außenbezirken in die Innenstadt zur Arbeit müssen, hat sich als ein Geheimtipp für Touristen entpuppt. Die Überfahrt auf der 30minütigen Strecke bietet einen wunderbaren Blick vom St. Lorenz-Strom auf die Hafenanlagen. Und das alles für gerade mal $ 5.50.
NEUGIERIGER FRESSER: Bei eine Radtour auf den Gipfel des „Mount Royal“ ist mir dieser fette Nager begegnet. Ein „Groundhog“ ist ein Murmeltier und wurde vor Jahren weltberühmt, als ein Formel-Eins-Rennens abgebrochen werden musste. Ein „Groundhog“ hatte in aller Ruhe versucht, die Rennpiste zu überqueren.AUF DER FÄHRE von Montreal nach Boucherville sind im Sommer immer mehr Touristen zu finden. VERSCHNAUFPAUSE im Café St. Laurent, einem hübschen Lokal in Boucherville.
SCHÖN UND REICH: Die „Vive la Vie“ ist die größte Privatyacht, die mir im Montrealer Hafen je aufgefallen ist. Sie gehört einem Schweizer Milliardär, der für ein paar Tage und Nächte im Alten Hafen zu Gast war. Das Schiff kostete laut Internetquellen 80 Millionen US-Dollar und kreuzt mit 16 Crew-Mitgliedern über die Weltmeere.
UND DANN WAREN DA NOCH William und Joly. Sie waren vor einem halben Jahr mit ihrer „Suzuki“ von der kolumbinaischen Hauptstadt Bogota zu einer Reise quer durch Südamerika, Mittelamerika und Nordamerika aufgebrochen. Von Montreal ging es weiter in Richtung Alaska. William und Joly waren mir an einer roten Ampel aufgefallen, wie sie mit ihrem Handy kämpften, um ein Selfie mit dem „Mount Royal Park“ im Hintergrund zu machen. Ich bot mich an, ein Foto von ihnen zu schiessen. Viel Zeit für ein Gespräch blieb nicht, denn die Autoschlange hinter ihnen endete schließlich in einem Hupkonzert. Ein „Hola“ an alle Montrealer wollten sie dann trotzdem noch loswerden. Hier ist es: „Saludos a todos los Montrealenses!“
Frage: Welches Land kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an besonders köstliche Schokolade denken? Ganz klar: die Schweiz. Hier in Kanada dürften jedoch neun von zehn Personen dieselbe Frage mit „Belgien“ beantworten. Keine Ahnung warum. Irgendwann müssen die Belgier eine grandiose Marketing-Kampagne gestartet haben, deren Erfolg bis heute nachhallt.
Jetzt sind belgische Chocolatiers bestimmt kreative und tüchtige Menschen, die hochwertige Produkte herstellen. Aber Schokolade als Markenzeichen dieses Landes anzuführen, ist dann doch etwas hochgegriffen.
Doch das Klischee lebt. Und belgische Schokoladen-Hersteller leben vermutlich gut vom Klischee.
Interessant, was Menschen im Ausland mit bestimmten Orten in Verbindung bringen. Kommt man auf Amsterdam zu sprechen, hört man spätestens im zweiten Satz: „Das ist doch die Stadt, wo die Prostituierten hinterm Schaufenster sitzen“.
Dass Amsterdam eine zauberhafte Stadt ist, die von lauschigen Grachten wie dem Jordaan-Viertel geprägt ist, geht in dieser Fehlqualifizierung oft unter. Und auch, dass es Millionen fröhlicher Holländerinnen gibt, die nicht hinter Glas sitzen.
Fragt man einen Kanadier, was ihm zu Deutschland einfällt, kommt neben mehreren politischen Begriffen, an die man nicht so gerne erinnert wird, garantiert das Trio „Bier, Bratwurst und Sauerkraut“ vor, gebündelt in dem Wort „Oktoberfest“.
Auch ganz oben auf der Klischee-Skala ist die Autobahn, wo vermeintlich jeder mit 280 Sachen durch Deutschland düsen darf. Wie einst Michael Schumacher, der hier auch in keinem Smalltalk über den deutschen Geschwindigkeits-Rausch fehlen darf. Überhaupt werden Namen von Sportlern gerne zum Programm.
Achtung Kinder, Opa erzählt kurz aus dem Krieg:
Als ich vor ziemlich genau 50 Jahren zum ersten Mal durch Mexiko gereist bin und mich in einem Bergdorf von einer Gruppe Jugendlicher zu einem Fußballspiel überreden ließ, fragte ich in einer Pause nach, was die Kids denn so von Deutschland wüssten. Wie aus einem Mund schallte es über den Platz: „Beckenbauer! Beckenbauer!“
Viele der Jungs trugen „Beckenbauer“-Trikots. Ein deutscher Tourist hatte einst ein T-Shirt mit „Beckenbauer“ auf dem Rücken zurückgelassen, da druckten die Eltern der anderen gleich ein paar der Promishirts nach. Per Siebdruck. Den gab es tatsächlich schon damals.
Der Kaiser spielte schon damals in der Königsklasse, wenn es um deutsche Klischees ging.
Nicht immer sind es Namen von Städten, Sportlern und Ländern, die sich in den Köpfen von Menschen festgesetzt haben, die diese Städte und Länder nie gesehen und den von ihnen verehrten Sportlern nie begegnet sind.
Irgendwann im Afrika der 60er-Jahre hatte ich den Landrover für kurze Zeit an einer Wüstenstraße geparkt, um wilde Tiere zu fotografieren. Bei meiner Rückkehr hatten sich gefühlt 20 Kinder in meinem Auto zu schaffen gemacht. Was um Himmels Willen sie denn suchten, wollte ich wissen. „Chiclets! Chiclets!“, ertönte es unisono.
Als würde jeder Durchreisende aus einem fremden Land einen Doppelzentner Kaugummi mit sich führen.
Warum ich das alles schreibe? Weil ich heute schon quasi Opfer eines solchen Klischees geworden bin. Ein Kumpel hatte auf Facebook einen leicht verfremdeten Text gepostet, über den sich seine Follower krümmten vor Lachen. Nur ich verstand mal wieder Bahnhof.
Der Verfasser war davon ausgegangen, dass ich selbstverständlich das berühmte Lied aus dem Musical „Sound of Music“ kenne. Schließlich spielt das Stück doch in den österreichischen Alpen.
Schon klar. Als Auslandsdeutscher weiss man sowas.