
Michael Schumacher vor dem Interview. Foto: Bopp
Es ist in diesen Tagen wieder viel von Michael Schumacher die Rede. Der siebenfache Formel-Eins-Weltmeister wurde gestern 50. Nach dem tragischen Ski-Unfall vor sechs Jahren in den französischen Alpen wird Schumi von seiner Familie in deren Anwesen am Genfer See gepflegt und von der Öffentlichkeit abgeschirmt.
In meinem Reporterleben bin ich Schumi mehrfach begegnet. Rückblickend muss ich sagen, dass ihn diese kurzen Begegnungen auch ganz schön genervt haben müssen. Anders als die meisten anderen Journalisten, die Michael Schumacher vor oder nach seinen Rennen interviewten, hatte ich vom Rennsport nur wenig Ahnung.
Dass ich die Formel-Eins-Rennen auf der Montrealer Île Notre-Dame trotzdem gut 15 Mal für diverse Sender gecovert habe, lag an meinem Job. Ich war Kanada-Korrespondent und sah meine Aufgabe darin, über alles, das einen Kanada-Bezug und gleichzeitig Nachrichtenwert hatte, zu berichten.
Noch ehe die ARD damit anfing, hauptberufliche und hochprofessionelle Formel-Eins-Reporterteams um die Welt zu schicken, saß ich bereits an der Rennstrecke. Dabei war die Berichterstattung über das eigentliche Rennen lediglich Teil meines Reporterjobs.
Manche Sender interessierten sich vor allem für „Buntes“. Wie vertreibt sich Schumis Frau Corinna die freie Zeit in Montreal? (Sie ging reiten). In welchem Hotel steigt der Rennkönig ab? (u.a. im Loews Hôtel Vogue an der Rue de la Montagne). Und überhaupt: Wie kommt der F1-Star von Montreal wieder nach Hause? (Im Privatjet, der abseits der kommerziellen Airliner auf dem Flughafen Dorval geparkt war).
Als ein Sender mich erstmals mit der Berichterstattung über den Großen Preis von Kanada betraute, war ich leicht nervös. Wie würde ich an ein Interview mit Michael Schumacher kommen, ohne so eine Berichterstattung ja undenkbar war? Dutzende von Reporterteams aus aller Welt warteten darauf, Schumi zu interviewen. Meine Chancen standen schlecht.

Der Autor mit dem ARD-Reporter Volker Hirth (links).
Da half nur die „landsmannschaftliche Schiene“, wie mein Mentor und erster Chefredakteur Richard Retter diese Methode der Kontaktaufnahme mit Prominenten nannte.
Freilich verband mit mich dem Rheinländer Michael Schumacher rein gar nichts – weder „landsmannschaftlich“ noch sonst. Dafür aber gab es Parallelen zu Schumis Manager Willi Weber. Der ist zwar gebürtiger Franke, hatte jedoch im Großraum Stuttgart, wo ich lange Zeit lebte, tiefe Wurzeln hinterlassen. Er schwäbelte wie ich und verlor trotz seines sagenhaften Vermögens nie die Bodenhaftung.
„Herr Weber“, sagte ich, als der Sender schon ein sekundengenaues Zeitfenster für das Interview eingeplant hatte, „Ich bräuchte dringend ein paar O-Töne von Michael.“
„Unmöglich“, versuchte mich Willi Weber abzuwimmeln, dem ich vorher noch nie begegnet war.
„Aber mein Sender wartet darauf“, glaubte ich in meiner Naivität bei dem berühmten Schumi-Vermarkter punkten zu können.
„Ein paar Dutzend andere Sender warten auch darauf“, beschied der große Macher und verwies auf den Pulk von Reportern aus aller Welt vor Schumis Fahrerlager.
„Für mich ist’s aber das erste Interview in der Formel Eins“, gab ich nicht auf. „Wenn ich das nicht hinkriege, wird’s gleichzeitig mein letztes sein“, rief ich Willi Weber ganz bewusst auf Schwäbisch hinterher.
Im O-Ton hörte sich das dann etwa so an: „Wenn I dees it nakriag, nocha war’s dees.“
Willi Weber hatte ein Herz für den verzweifelten Schwaben. Er drehte sich um, führte mich direkt zu Schumi und bat ihn, mir ausnahmsweise noch kurzfristig ein paar Fragen zu beantworten.
Michael Schumacher hat’s getan. Und ich hab’s geschafft. Erst als ich viel später in Begleitung der ARD-Profis bei Schumi-Interviews dabei war, merkte ich, was für einen lächerlichen Eindruck ich damals hinterlassen haben muss.
Da waren Leute wie Harry Kiner, Oliver Fritsch und Volker Hirth schon andere Kaliber – Kollegen, mit denen ich mich dann im Laufe der Jahre angefreundet habe. Sie kamen regelmäßig nach Renn-Ende zum Nachfeiern zu uns nach Hause. Erst durch sie habe ich die Faszination für die Formel Eins richtig verstanden. Aber da war meine Reporter-Karriere schon fast vorbei und ich stand kurz vor der Rente.
Übrigens entstand zwischen dem aufftraggebenden Sender und mir von meinem ersten Schumi-Interview an eine wunderbare Zusammenarbeit, die noch Jahrzehnte währte.
Und ich kann heute wahrheitsgemäß behaupten: „Ich habe Michael Schumacher interviewt“.



Wer im kanadischen Winter unachtsam ist, den bestraft das Leben. Eine bittere Erfahrung, die ich heute Abend machen musste. Was so schön mit einem Familien-Spaziergang über den zugefrorenen Lac Dufresne begonnen hatte, endete mit einem zähen Abschleppmanöver im Busch.









Problem? Brrrhhh, bibbert das Weichei, wer soll denn diese Affenkälte lebend überstehen! Fakt ist: Mit zunehmendem Alter lässt die Kälte-Resistenz nach. Warum das so ist, verrät uns Frau Google: