
Ist es schlimm, wenn man mit knapp unter 70 langsam seine Bucketlist abarbeitet? Wenn man nach und nach daran geht, Dinge zu tun, die man ein Leben lang vor sich hergeschoben hat? Genau das haben wir jetzt gemacht: Eine Kreuzfahrt auf dem Sankt-Lorenz-Strom, von Montreal nach Quebec City. Ein Hauch von Exotik direkt vor der Haustür.
„Kreuzfahrt“ ist ein großes Wort für neun Stunden auf dem Schiff. Aber auch ein passendes. Auf der knapp 60 Meter langen „AML Cavalier Maxim“ gibt es Platz für 750 Passagiere und vieles von dem, was unsere Freunde erzählen, wenn sie von einer „richtigen“ Kreuzfahrt zurückgekommen sind: Gutes Essen, vorzüglichen Service, nette Unterhaltung, tolle Aussichten, verschiedene Ansichten. Und fast immer eine wunderschöne Kulisse vor Augen.
Nein, einen Swimmingpool gibt es auf dem Flussdampfer nicht und auch keine Kletterwand für die Kinder. Aber zwei Speisesäle mit vorzüglicher Küche, eine Bar und ein paar Aussendecks.
Beeindruckend schon das Ablegen kurz nach Sonnenaufgang vom Montrealer Hafen. Unter der Jacques-Cartier-Brücke hindurch geht es im Radfahrtempo in Richtung Nordosten. Vorbei an Inseln mit bunten Sommerhäuschen drauf, vorbei auch an Raffinerien, verdreckten Fabrikanlagen und blitzsauberen Farmen, deren Getreidesilos dem Flussreisenden wie mit ausgestreckten Fingern schon von weitem zuwinken.
Während zum Frühstück Croissants serviert werden, ziehen vor deinem Panoramafenster Containerschiffe an dir vorbei, als sei es das Natürlichste der Welt, Autos, Umzugsgüter und Kühlschränke über einen Fluss zu schippern, der seit 35 Jahren quasi zu deiner Nachbarschaft gehört.
Mehr als zehn Kilometer breit ist der Sankt-Lorenz-Strom an manchen Stellen. Glatt könnte man vergessen, dass es sich um einen Fluss handelt und nicht ums offene Meer.
Später Nachmittag: Ankunft und Übernachtung in Quebec-City, 500.000 Einwohner, ein Stück Frankreich in Nordamerika. Mit beschaulichen Plätzen und herrlicher Architektur, mit Kneipen und Restaurants, die in Bordeaux genau so gut stehen könnten wie in Le Havre oder vielleicht sogar Marseille.
Fluch und Segen zugleich: Wo es schön ist, tummeln sich Menschenmassen. Das ist in Quebec-City nicht anders als in Palma oder Venedig. Dass in Quebec trotz dieses Ansturms das Preis-Leistungsverhältnis noch nicht ganz aus den Fugen geraten zu sein scheint, ist nur eine der positiven Erkenntnisse, die wir von unserem Kurzbesuch mitgenommen haben.
Ist die Bucketlist also nach dieser wunderschönen Schiffsreise endlich abgearbeitet? Natürlich nicht. Im Gegenteil: Diese Mini-Kreuzfahrt hat Lust auf mehr gemacht. Der Sankt-Lorenz-Strom ist lang und der Hunger auf Abenteuer groß.
In einem Punkt war diese Tagestour allerdings auch ein Augenöffner: So richtige Cruiseship-Reisende mit wochenlanger Rundumverpflegung auf irgend einem Riesenkahn werden wir wohl nie werden. Individuelles Reisen geht anders. Und das wollen wir uns auch in Zukunft nicht nehmen lassen.






Die Frau mit der Raute? Oder der Mann mit Bart? Wer immer am 24. September das Rennen machen wird, sollte nicht vergessen: Auch wir Auslandsdeutschen drehen ein ganz klein wenig am Schräubchen der Demokratie mit.
Irgendwie werde ich aus den Amerikanern nicht schlau. Da stehst du irgendwo in Maine an der Kasse eines Supermarkts und wirst von der Person hinter dir fast gekreuzigt, weil du eine Schachtel Zigaretten gekauft hast.
Horrorfotos von verschrumpelten Föten, einäugigen Gesichtern, angefressenen Lippen und schwarzen Lungen verunstaltet werden, bleibt die Packung zumindest hier in Maine clean. Hier darf der „American Spirit“ noch das sein, was er einmal war: sauber, frei, unverdorben. NATURAL.
Dann aber wieder: So viele liebenswerte, freundliche, hilfsbereite Menschen wie hier habe ich selten erlebt. Ob es lediglich das berühmte Kratzen an der Oberfläche ist, gespielte Höflichkeit also, oder aber ernst gemeinte Sympathie, sei dahingestellt. Es fühlt sich jedenfalls gut an.