Wer zum Strand will, muss büßen

Unsere heutige Wanderung passt gut zur Karwoche: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Die Arbeit dauerte sieben Stunden. Das Vergnügen wartete 10 Kilometer später in Form einer traumhaft schönen Badebucht im wilden Norden von Mallorca.

Der Strand Platja des Coll Baix liegt etwas abseits einer Rundwanderung. die von Alcudia auf die vorgelagerte Halbinsel La Victòria führt, mit Aufstieg auf den Puig d’en Vauma.

Nach etwa der Hälfte der Strecke sind wir über schroffe Felsen in die Badebucht ab- und wieder aufgestiegen. Den Rest der Rundwanderung haben wir denen überlassen, die sich bei hochsommerlichen Temperaturen gerne kasteien. Schließlich wartete ein nicht weniger mühsamer Rückweg noch auf uns.

Aber auch die verkürzte Wanderung war nicht von schlechten Eltern. Immerhin kamem am Ende des Tages mehr als 21 Kilometer und 48 Stockwerke zusammen. Da merkt der Wanderer, dass er flott auf die 70 zugeht. So eine jüngere Gemse an deiner Seite kann eine vortreffliche Motivatorin sein.

Für den Rückweg von der Bucht bis nach Alcudia haben wir zum Teil eine andere Route eingeschlagen als für den Hinweg. Traumhaft schön waren beide Strecken.

Von der einstündigen Busfahrt von Alcudia zurück nach Palma blieb an Erinnerungen allerdings wenig hängen. Die kuscheligen Sitze im L351-er waren einfach zu gemütlich, um die Rückfahrt bei vollem Bewusstsein zu erleben.

Was heisst schlapp nochmal auf Spanisch? Hecho polvo. Stimmt. Genau das waren wir.

Ein Palmsonntag in Palma

palm_bannerEs gibt viele Arten, einen Palm-Sonntag zu begehen. So ein Feiertag könnte beispielsweise mit einem Kirchgang beginnen und bei einem Nachtgebet enden. Da es in unserem Haushalt jedoch weder Kirchgang noch Nachtgebete gibt, haben wir das getan, was sich in Palma am besten machen lässt: Einfach genießen, was da so alles auf einen zukommt.

Morgens um sechs ein Blick über das Terrassengeländer: Diese Ruhe! Es scheint ein schöner Tag zu werden.

Und tatsächlich beginnt er mit einer Palmsonntags-Prozession, die an unserer Wohnung vorbeiführt. Gläubige oder auch weniger Gläubige ziehen mit  Palmwedeln oder Olivenzweigen in der Hand von einer Kirche zur anderen.

Gegen Mittag dann, nach der Segnung vor dem Kirchenportal an der Carrer San Miguel, locken sommerliche 25 Grad zu einer Busfahrt zum Strand.

An der Playa de Palma, ca. 12 Kilometer außerhalb der Stadt, haben es sich um diese Zeit schon Einheimische und Touristen im Sand gemütlich gemacht. Traditionsgemäß zieht es die Mallorquiner am Sonntag an den Strand. Ganze Familien versammeln sich beim Picknick im Sand, beim Beachvolleyball oder auch nur munter plappernd auf dem Mäuerchen sitzend, das die Playa de Palma säumt.

Da wollten wir nicht weiter stören. Deshalb ging es nach einem Cortado bei der freundlichen Holländerin weiter von Arenal in Richtung Cala Blava. Das ist eine besiedelte Landzunge, die kurz hinterm „Ballermann“ ins Meer verläuft. Der Blick von hier aus über die Bucht von Palma, bis zur Stadt und in die dahinterliegenden Berge ist schlicht phänomenal.

Zunächst geht es an putzigen Häuschen vorbei, die vor weissderhimmel-wie-vielen Jahren sicher einmal der Stolz mallorquinischer Familien waren und inzwischen von Fremden aufgekauft wurden. Je weiter man in die Cala Blava eindringt, desto protziger werden die Villen.

Man kennt das ja schon von anderen Gegenden, etwa Son Vida und Port Andratx: Wo die Natur besonders schön ist, schlägt der Mensch ganz oft mit geschmackloser Härte zu.

Ein paar Stunden später dann – immer noch zu Fuß – von der Halbinsel zurück nach Arenal, wo inzwischen schon ein bisschen Partystimmung herrscht. Noch wird der Sangria nicht aus Eimern gesoffen – die wahren „Ballermänner“ fallen erst im Sommer ein. Aber der eine oder andere Strohhalm war schon zu sehen.

Weiter geht es in Richtung Palma, nach Can Pastilla. Ein Absacker bei Freunden – und dann im Sonnenuntergang zurück in die Altstadt. Dorthin wo unser Palmsonntag in Palma zehn Stunden zuvor begonnen hatte.

Passend dazu ein Schwank aus meiner Jugend: „DIE GESCHICHTE VOM PALMESEL“

Son Vida – der Balkon von Palma

Wer zu Fuß durch das Villenviertel Son Vida am Stadtrand von Palma spaziert, macht sich verdächtig. Mehr als einmal wurde ich heute von Sicherheitskräften kritisch beäugt, in einem Fall auch angesprochen. Keine Angst, Freunde, ich will nur spielen. Und ein bisschen fotografieren.

Son Vida gilt als die teuerste Immobilienansammlung der ganzen Insel. Etwa 350 Villen teilen sich den „Balkon von Palma“, wie die Mallorquiner den Stadtteil westlich der Inselhauptstadt nennen. Der Blick von hier oben reicht weit über die Stadt, bis ins Mittelmeer.

Vielen Deutschen ist Son Vida erst nach dem Tod von Guido Westerwelle ein Begriff geworden. Ihm gehört in dem schicken Stadtteil ein Anwesen.

Selbst Villen ohne Meerblick kosten in Son Vida bis zu fünf Millionen Euro. Mit Meer darf’s ein bisschen mehr sein. Bei zehn Millionen ist noch lange nicht Schluss. Die Grundstückspreise allein liegen bei zwischen 2000 und 10.500 Euro pro Quadratmeter.

Gebaut wird trotzdem. Und wie! Wie neulich schon in Pt. Andratx schaffen es auch hier die Presslufthämmer, den Gesang der Amseln zu übertönen.

Übrigens: Son Vida, wo Mallorcas „Rich and Famous“ wohnen, ist die Endstation des Stadtbusses Nr 7. Nimmt man den Siebener in die entgegengesetzte Richtung, wartet auch hier ein bekannter Stadtteil. Es ist das Problemviertel Son Gotleu.

Die Polizei rät Besuchern, in den von Drogenkriminalität verseuchten Stadtteil selbst tagsüber nur mit Begleitschutz zu gehen.

Mein magisches Küchenfenster

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Der Blick durch mein Küchenfenster ist wie eine Wundertüte. Du weißt nie, wie es heute Abend am Horizont aussieht. Mal ist der Himmel milchig-trüb, dann wieder feuerrot. Türkis mischt sich mit violett, gelb mit stahlgrau, blau mit grauen Strähnen.

Über einen Zeitraum von mehreren Wochen habe ich jeweils am Abend mein iPhone immer in dieselbe Richtung gehalten. Die einzige Konstante ist der Blick auf die Burg Bellver, die seit Jahrhunderten hoch über Palma de Mallorca thront.

Lehnen Sie sich zurück, genießen Sie die Diashow. Oder klicken Sie sich einfach selbst durch. Und: Kommen Sie wieder! Ich werde die Sammlung der schönsten Sonnenuntergänge von Zeit zu Zeit aktualisieren.                     Fotos © Herbert Bopp

100 Jahre Garantie auf die Rolex

Man kann sie mögen oder hassen, lästig finden oder liebenswert. Eines kann man allerdings nicht: Die Straßenhändler entlang der Playa de Palma ignorieren. Dafür sind sie zu umtriebig. Man könnte auch sagen: zu nervig. Dabei müssten einem die rund 250 Senegalesen leid tun.

Wenn sie versuchen, ihre Ledergürtel, Plastik-Armbänder, Strohhüte oder Sonnenbrillen an den Mann oder die Frau zu bringen, dann heißen alle potenziellen Kunden „Helmut“ oder „Gisela“. Ältere Semester sind dann schon mal „Opi“ und „Omi“. Als besonders charmant gilt unter den Senegalesen offenbar die Anrede „Alibaba“ – ohne die sieben Räuber.

Und weil die Rolex-Uhren, die sie für zehn Euro verscherbeln „garantiert echt“ sind, haben sie auch „hundert Jahre Garantie“. Mindestens.

Nicht bei allen, aber bei vielen deutschen Touristen sind die fliegenden Händler verhasst. Als handle es sich bei ihnen um Staatsfeinde Nummer Eins, werden sie angepöbelt („Verschwinde!“ „Hau ab!“ „Verpiss dich!“) oder, wie ich mehrfach beobachten musste, mit Wischbewegungen wie lästige Stechmücken herzlos abgewiesen.

Immer mal wieder berichten spanische und deutsche Medien über Prügelattacken zwischen Händlern und Helmuts – wie hier die Mallorca Zeitung.

Dabei müssten einem die rund 250 Straßenhändler leid tun. Anders als häufig angenommen, gehören weder Straßenverkäufer noch Produktpiraten kriminellen Organisationen an. Sie treiben einfach nur Handel, etwas wofür die Menschen aus dem Senegal ohnehin bekannt sind.

Viele kommen aus den Küstenstädten des westafrikanischen Landes, aus Louga, Zinguinchor, Dakar oder Saint Louis. Dort waren sie oder ihre Vorfahren meistens als Fischer tätig. Über die Kanaren sind sie dann meist illegal nach Mallorca gekommen. Hier erhofften sie sich ein besseres Leben.

Für die meisten von ihnen ging die Rechnung nicht auf. Nur wenige schafften es an die Spitze des Händlerkartells. Die Restlichen leben zu viert, sechst oder auch zu zehnt in kleinen Wohnungen – immer mit der Angst im Nacken, abgeschoben zu werden.

Wer festgenommen wird, muss seine Ware abgeben, wird erkennungsdienstlich behandelt, kommt dann aber meist schnell wieder frei. Straßenhandel sowie der Verkauf von Raubkopien werden gewöhnlich nur als Ordnungsvergehen geahndet. Die Straßenhändler riskieren jedoch einen Abschiebungsbescheid.

Das ist für viele die schlimmste Strafe. Denn, so werden einige der Händler in spanischen Medien zitiert, das Leben auf Mallorca sei für sie noch immer die bessere Alternative als in ihre senegalesischen Dörfer zurück zu kehren. Dorthin, wo sie wieder zu den Ärmsten der Armen gehören.

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Straßenhändler an der Stadtmauer von Palma am 30. 3. 2017 –  Alle Fotos © Herbert Bopp