Die größte Show des Jahres

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Der „Indian Summer“ ist in diesem Teil Kanadas das spektakulärste Naturereignis des Jahres. Weil in diesem Blog schon vielfach davon die Rede war, wollen wir keine Zeit verlieren und uns einfach durchklicken. Sämtliche Bilder sind in den vergangenen Tagen am Lac Dufresne entstanden, zwei Stunden nördlich von Montréal. Lassen Sie sich vom Farbenrausch betören. Viel Spass dabei!                                      Copyright: Herbert Bopp

Frühere Fotogalerien vom Indian Summer gibt’s u.a. hierund hier

 

Gerd Braune: Faszination Arktis

gerdEs war vor ziemlich genau 20 Jahren, als mein Freund Gerd Braune der Arktis seinen ersten Besuch abstattete. Seine Faszination für die nördlichste Region der Erde ist ihm bis heute geblieben.

„Der Sylvia Grinnell River bei Iqaluit wurde über Nacht von einer Eisschicht überzogen. Nur das Rauschen des Windes störte die Ruhe“, erinnert sich der Journalist, der in Toronto geboren wurde, in Trier studiert hat und seit vielen Jahren in Ottawa lebt. Von dort aus berichtet er für deutschsprachige Medien über Kanada und die Arktisregion.

Es war der Besuch im Sylvia Grinnell Territorial Park, der bei Gerd Braune diese Faszination für buchden kanadischen Norden auslöste. Mehrfach hat der 62-Jährige seither die arktische Region besucht: Pangnirtung, Pond Inlet, Arctic Bay, Resolute und Devon Island. An Bord des Eisbrechers Louis S. St. Laurent erlebte er als einer der wenigen Journalisten eine Schiffspassage durch die Nordwestpassage.

Heute gilt Gerd Braune weit über den deutschen Sprachraum hinaus als Experte auf dem Gebiet der Arktis. Sein im Frühjahr erschienenes Sachbuch „Die Arktis. Porträt einer Weltregion” wurde zu einer viel beachteten Dokumentation über eine der geheimnisvollsten Regionen der Erde.

Das Buch gibt einen Überblick über die Klimaveränderungen in der Arktis, die indigenen Völker, Politik, Rohstoffe und Schifffahrt und behandelt auch die Frage, ob die Zukunft der Arktis von Kooperation oder Konfrontation geprägt sein wird.

Dabei kommt Gerd Braune nicht nur auf die reichhaltige Geschichte der Arktis zu sprechen, sondern packt auch brandaktuelle Themen an.

Energiekonzerne sichern sich Explorations- und Förderrechte. Nicht nur die Arktisstaaten wie Russland, die USA oder Kanada, sondern auch die EU und Deutschland versuchen ihre Interessen in der Arktis zu wahren.

Fragen wie: Was ist dran am Wettlauf um die Rohstoffe? Wo liegen die Probleme und Chancen des zirkumpolaren Raumes, der auch der Lebensraum vieler indigener Völker ist? Beantwortet der Autor eloquent und kenntnisreich, dabei äusserst unterhaltsam in diesem Buch, das beim Chr. Links-Verlag Leipzig erschienen ist.

> Hier > kann das Buch sowohl in gedruckter Version als auch als eBook bestellt werden.

Zur Homepage von Gerd Braune geht es > hier >

„Die Stimme“ ist verstummt

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Der SWF3-Moderator Norbert Diener ist tot. Copyright: SWR

Mensch, Norbert!

Noch vor 2 Wochen machten wir uns gegenseitig Mut. Ich dir bei deinem Leiden, du mir bei meinem. Bei dir war es der Krebs, bei mir das Gehör. „Lass den Ohren Zeit, bau keinen Stress auf”, schriebst du mir und schicktest 7 (sieben!) Smileys hinterher. Und zum Abschied: „Halt die Schweinsöhrchen steif“.

Ich hatte dir zurück geschrieben, aber du hast nicht geantwortet. Jetzt weiss ich, warum. Gerade mal 61 bist du geworden.

Die „Schweinsöhrchen“ waren das letzte, das ich von dir gehört habe. Und jetzt? Bleibt mir nur noch die Erinnerung. An einen wunderbaren Freund, einen feinen Kollegen. An einen von uns.

Deinen Geburtstag habe ich nie vergessen. War ja auch einfach: Der 21. März ist auch Lores Geburtstag.

Deine Stimme war das, was ich Anfang der 80er-Jahre als erstes von dir mitbekommen habe. Der frischgebackene Kanada-Korrespondent auf SWF3 im Live-Gespräch mit The Voice.

„Am Mikrofon: Norbert Diener“, hast du deine Hörer begrüßt. „Herbert Bopp aus Montreal für SWF3“, verabschiedete sich der Korrespondent. Zwei Jungspunde im Radio. Mann, war das aufregend!

Dutzende Mal waren wir hinterher noch gemeinsam auf Sendung. Und oft haben wir uns, ganz ohne Mikro und Headset, einfach so, über Gott, die Welt, unsere Familien, unsere Kinder, unsere Hunde unterhalten.

Und natürlich über Fußball. „Norbert, alter Borusse“, schrieb heute unser WDR-Kollege Rainer Assion bei Facebook. „Beim nächsten Heimspiel singt die Süd nur für dich: You’ll never walk alone…„.  Unfassbar, dass du es nicht mehr hören kannst.

Später, als du uns in Montréal besucht hast, ein unvergesslicher Dialog. „Was für ein Idiot pfeift denn da die ganze Zeit so verdammt schlecht?“, hast du mich gefragt, als wir auf der Terrasse saßen. „Es ist ein Blue Jay, Norbert“.

Vögel waren nicht deine Stärke. Du warst einer, der sich mit Leder und Denim auskannte. Wie viele Jeansjacken hast du eigentlich verschlissen in den letzten 35 Jahren? Eine, zwei? Ich wette eine BVB-Karte für die Südtribüne, dass du zu deinem eigenen Begräbnis auch in Jeans oder Leder auftauchen würdest, du alter Schimanski.

Oh, Norbert! Warum gibt es nicht mehr von deiner Sorte? So klug, so liebenswert, so hilfsbereit, so geerdet, so Norbert.

Wir lachten zusammen und rauchten und tranken Bier und Wein und Schladerer und schlugen uns die Wampe voll mit allem, was die Küche so hergab. In Montréal, in Hudson, in Baden-Baden, in Köln … immer wieder, irgendwo. Schön war es mit dir immer. Und auch mit Sandy, der tollen Frau an deiner Seite.

Wusstest du eigentlich, dass Lore dich länger kannte als ich? Noch bevor ich den ersten Satz im Radio sagen durfte, warst du bereits in Bettelhofen zu Gast auf der Ranch von Bernd, unserem gewaltigen Freund aus dem Allgäu. Immer dann, wenn sie den Leutkirchern das Aquarellmalen beibrachte, wohnte auch Lore dort. Da hat sie dich kennen gelernt – und später auch mich. Du erinnerst dich: Bernd war es, der den „Verein zur Begrüßung der Morgenröte“ ins Leben gerufen hat. Und wir mittendrin.

Auch Bernd geht es nicht gut, das weisst du ja. Aber wir haben heute, am ersten Tag ohne dich, gemeinsam beschlossen, dass wir „The Last Men Standing“ sein werden. Unser Vermächtnis an dich, Norbert.

Mein Gott, was haben wir gefeiert! Du, Bernd, Frank, ich. Mit und ohne unsere Frauen. Manchmal kam Andreas Ernst dazu und haute noch einen drauf: „Was haben wir früher gelacht!“, sagte er dann – und kriegte sich kaum mehr vor lachen.

Jetzt könnt ihr gemeinsam lachen: Du, Andreas, Manni Bornschein. Und wenn’s zum Weinen mal nicht reicht, lache ich einfach mit.

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2004 in Köln: Der Moderator und der Korrespondent.

15 Jahre nach der Katastrophe

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Die „Tränenmauer“ von Manhattan: „Kannst du mit mir zu den Trümmern gehen und noch einmal nach meinem Papa suchen“?  © Bopp

Der Tag, der mein Leben veränderte, begann wie jeder schöne Tag: Frühstück mit Frau und Kind. Cassian geht zur Schule. Lore fängt einen neuen Auftrag an: Eine Villenbesitzerin in Hudson lässt ihr Anwesen durch Deckenbemalungen verschönern. Ich mit der Kaffeetasse ins Büro, gleich neben der Küche. Frühstücksfernsehen an. Und dann das Unglaubliche: Ein Flugzeug zerschellt am World Trade Center. Es ist der 11. September 2001.

Wenig später ein Anruf der WDR-Internetredaktion: „Geh für uns nach New York“! Wie bitte? Ich bin  Hörfunk-Korrespondent. Wie schreibt man um Himmels Willen fürs Internet? Und überhaupt: Wie komme ich nach New York? Der Luftraum über Nordamerika ist inzwischen geschlossen. Aber es gibt von Montreal eine Zugverbindung nach Manhattan.

Zu viele Fragen, zu wenig Zeit. Mein nächster Weg führt mich zum „Future Shop“. Jetzt heißt es, Laptop und Digitalkamera kaufen. Keine Ahnung, wie das funktionieren soll. Irgendwie klappt immer alles.

Im Zug nach New York wird der Laptop ausgepackt. Keine Internetverbindung, kaum Software. Deshalb nur Trockenübungen. Dasselbe gilt für die Digitalkamera. Bedienungsanleitung lesen, Probefotos schießen. Alles wird gut.

Nach zehnstündiger Bahnfahrt, dazwischen zahlreiche Polizeikontrollen: Ankunft um Mitternacht im gespenstischen New York.

Was dann kommt, sind neun Tage und Nächte wie aus dem Horrorfilm. Fast schlafwandlerisch, ohne Vorkenntnisse im Onlinejournalismus, ist dabei eine Art Blog entstanden. Es ging mal wieder alles gut: Kurz darauf wurde das „New Yorker Tagebuch“ in Berlin mit dem New Media Award ausgezeichnet.

Mich haben diese neun Tage in New York als Journalist mehr geprägt als all die Jahre vorher – und hinterher. Nie vergessen werde ich die Begegnung mit einem kleinen Jungen vor der „Tränenwand“ mit all den Fotos der Vermissten. Junge: „Kommst du mit deinem Presseausweis überall rein?“ Ich: „Ja“. Junge, zieht mich am Arm: „Kannst du mit mir noch einmal zu den Trümmern gehen und nach meinem Papa suchen“? Heute noch: Gänsehaut!

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Kurz vor einer Reportage über die erste „Late Show mit David Letterman“ nach den Terroranschlägen. © Bopp

Erst die Katastrophe, dann das Glück: Mein Einstieg in den Onlinejournalismus hat auch meine berufliche Zukunft verändert. Schnupperpraktikum bei CNN.com in Atlanta/Georgia, der größten Onlineredaktion der Welt. Danach zehn Jahre Seminartätigkeit für den WDR, die ARD/ZDF-Medienakademie, arte, die electronic media school, das Internationale Journalismus Zentrum bei Wien, um nur einige Auftraggeber zu nennen.

Mit dem 11. September 2001 sei der Onlinejournalismus in Deutschland erwachsen geworden, hieß es später in einem Buch zu diesem Thema. Der WDR, der den Mut aufgebracht hatte, mich nach New York zu schicken, war an dieser Entwicklung maßgeblich beteiligt.

Zu verdanken habe ich diesen Teil meiner Karriere vor allem zwei Menschen: Stefan Moll, dem Leiter der WDR-Internetredaktion. Und Lore, die mich damals trotz meiner Zweifel ermutigt hatte, den Einsatz in Manhattan zu wagen.

Hier geht’s zum „New Yorker Tagebuch“

Gestatten: Mein Freund Peter!

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Die Geburtsstunde von Goethe weiss er auswendig und den Ausgrabungsort des Tutanchamun sowieso. Wenn er die Arien seiner 350 Opern-LPs vom selbstgebastelten Dirigentenpult aus mitträllert, wird sein Wohnzimmer zum Konzertsaal. Und hätte er auch noch die Schuhgröße von Karl May auf dem Schirm, würde es keinen wundern.

„Peter“, sagte mein Freund Frank einmal, „ist einer der letzten Universalgelehrten“. Für mich ist Dr. Peter Bernath vor allem eins: Mein Freund – und das schon seit mehr als 30 Jahren.

Dass Peter, ein waschechter Berliner, noch mit 75 die kanadische Staatsbürgerschaft beantragte, passt zu ihm: Alles zu seiner Zeit, aber nicht unbedingt der Reihe nach. Heute wurde ihm der Pass mit dem Ahornblatt ausgehändigt. Gefeiert haben wir bei Chips & Ribs und vielen Anekdoten aus dem Leben eines Genussmenschen.

Noch bevor ich vor mehr als drei Jahrzehnten das Gesamtkunstwerk Peter Bernath kennenlernen durfte, hörte ich seine Stimme: Anfang der 80er-Jahre war Radio Canada International auf der Suche nach einem neuen Moderator. Ich war mit dem Casting beauftragt worden. Bei den Dutzenden von Tonbändern, die ich abzuhören hatte, stand schon bald fest: Der oder keiner.

Ehe er zum Radio kam, war Dr. Bernath Germanistik-Professor an der Universität Sherbrooke. Doppeltes Pech für Peter: Für das Sprachprogramm, das er leitete, wurde keine Planstelle bewilligt. Und dann machte auch noch die deutsche Abteilung von Radio Canada dicht. Peter ging, die Freundschaft blieb.

Ein Deutschkanadier, der Französisch spricht wie ein Muttersprachler, ist in Québec gefragt. Also machte sich Peter schnell als Übersetzer einen Namen und auch als Synchronsprecher fand er seine Nische. Dutzende von Reisen führten ihn um die halbe Welt. Die exotischste von allen? Zusammen mit seiner Lebenspartnerin Laurette, einer waschechten Quebecerin, ging es in die Südsee, auf die Osterinsel.

Das Lehren hat den Sohn eines Berliner Schneidermeisters nie losgelassen. Packt ihn ein Thema, recherchiert er es akribisch, garniert es mit selbst gemachten Fotos und verpackt das Ganze in einen Vortrag. Den hält er dann in einer Senioren-Universität in den „Eastern Townships“, unweit der amerikanischen Grenze. Dort schätzt man Peters Weisheiten so sehr, dass er sich um die Belegung seiner Kurse keine Sorgen zu machen braucht.

Bücherwurm, Kunstkenner, Gelehrter, Weinzahn, Gourmet-Koch, Geschichten-Erzähler, Musikliebhaber und Weltreisender – kaum etwas, das den Mann mit den flinken Augen nicht interessiert. Selbst im Internet fühlt sich der 75-Jährige noch Zuhause.

„Neues Smartphone oder doch lieber Tablet?“, ist eine der Fragen, die ihn heute besonders bewegt hat. Egal, wie er sich entscheiden wird: Wichtig ist für ihn die Kommunikation.

In wenigen Tagen geht’s nach Amsterdam. Von dort aus begeben sich Peter und Laurette auf eine Kreuzfahrt rund um die iberische Halbinsel. Und da sie schon mal im Alten Europa weilen, geht’s anschließend gleich weiter nach Collioure im Languedoc. Die dortigen Weine haben es den Beiden besonders angetan.

Wie war das nochmal mit Franks Zitat? Den „Universalgelehrten“ will Peter so nicht stehen lassen. „Da gibt es andere“, sagt er, und verweist auf Klaus. „Gegen den bin ich ein Analphabet.“ Klaus ist sein in Deutschland lebender Bruder. Der ist Heidegger-Experte und spricht zehn Sprachen.

Peters Partnerin Laurette: "Glücklich allein ist die Seele, die liebt". (Johann Wolfgang von Goethe)

Peters Partnerin Laurette: „Glücklich allein ist die Seele, die liebt“. (Johann Wolfgang von Goethe)