Sommer: Leise plätschert der See

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Foto: © Bopp

Die heutige Bloghausgeschichte kommt live aus dem Blockhaus: Auch wenn Petrus den Thermostat ruhig ein bisschen höher drehen könnte, lässt es sich am Lac Dufresne wunderbar aushalten. 20 Grad für einen Juli-Nachmittag sind zwar nicht gerade die Welt. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt.

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Foto: © Bopp

Das Seekino spuckt auch so wunderbare Bilder aus: Fischreiher und Kanadische Seetaucher holen sich fangfrische Ware aus dem blitzsauberen Lac Dufresne. Ein schmatzender Kolibri hängt am Zuckerwassertropf und kriegt den Hals nicht voll. Blue Jays, Red Robins, Kohlmeisen, Red-winged Blackbirds, Spatzen und jede Menge Finken bieten mit ihren spektakulären Drohnen-Landungen auf dem Vogelhäuschen Live-Entertainment für lau.

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© Bopp

Das Streifenhörnchen, das mit der Lässigkeit des Cirque-de-Soleil-Akrobaten vom Hausdach auf einen Ast und von dort aus aufs Vogelhäuschen springt – das alles für eine Handvoll Körner.

Der Waschbär, der plötzlich zwischen den Butterblumen auftaucht und dezent schnaubend übers Grundstück streift, als wolle er einfach nur kurz mal Hallo sagen. Und so ganz beiläufig fragen, ob’s was zu futtern gibt.

Derweil freut sich der Blogger Im Schatten der Thuja über die zahlreichen Besucher auf seiner Seite, die ihm auch dann die Treue halten, wenn nicht jeden Tag taufrisch gepostet wird.

Ihnen allen noch einen wunderschönen Sommer mit traumhaften Sonnenuntergängen!

Buchtipp: Hier geht’s zum Glück

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Die dreizehn gücklichsten Länder der Welt hat Maike van den Boom bereist und darüber ein Buch geschrieben. Kanada war eine der Glücksnationen, Deutschland nicht.

Kaum war die Druckerschwärze getrocknet, da schnellte das Erstlingswerk der Deutsch-Holländerin aus Bonn in die Bestsellerlisten. Kein Wunder: „Wo geht’s denn hier zum Glück?“ ist ein rundherum hinreißendes Buch. Es bietet nicht nur jede Menge Lebenshilfe, sondern auch Infos über Land und Leute in den von Maike bereisten Ländern.

Costa Rica, Dänemark, Island, die Schweiz, Finnland, Mexiko, Norwegen, Kanada, Panama, Schweden, Australien, Kolumbien und Luxemburg – akribisch wie eine Buchhalterin besuchte Maike van den Boom ein Land nach dem anderen.

Als Kanada im Herbst 2013 auf ihrer Agenda stand, hatte auch ich das Vergnügen, diese ungewöhnliche Frau kennenzulernen.  >> Hier geht’s zum Blogpost über unser erstes Treffen <<

Wer auf der Suche nach einer unterhaltsamen und dabei äusserst lehrreichen Frühlings-, Sommer-, Herbst und Winterlektüre ist, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Erfrischend sympathisch im Stil, professionell in der journalistischen Herangehensweise, voll gestopft mit „How to„-Informationen – ein kleines Juwel ist der Wahl-Bonnerin mit holländischer Mutter und einem Vater aus Hamburg gelungen. Kein Wunder, dass sich inzwischen die Talkshows um die studierte Kunsttherapeutin reissen.

Ein Fazit des Buches verriet die Autorin dem Magazin „Focus“ so: „Glück kommt nicht von allein. Man kann oder muss es sich sogar erarbeiten“. Ein glückliches Leben, sagt die Mutter einer achtjährigen Tochter, sei „ein ständiges Justieren der Stellschrauben eines Lebens“.

Maike van den Boom Wo geht’s denn hier zum Glück? Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können – S. Fischer Verlage  –  ISBN: 978-3-8105-2297-9

Zum 500. Blog ein neues Baby

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Es war, glaube ich, nach dem 10. oder 12. Blogpost, als ein besorgter Leser anfragte: „Wie lange willst du dieses Tempo eigentlich durchhalten?“ „Für immer!“, lautete etwas großspurig die Antwort. Immer ist ein großes Wort. Und 500 Blogposts sind eine hohe Zahl.

So viele sind es nämlich inzwischen. Die meisten sind innerhalb des ersten Jahres entstanden. Danach nahm die Taktfrequenz etwas ab. Aber aufgehört hat die Faszination für diesen Blog nie. Es ist ein digitales Tagebuch daraus geworden, das mir nicht nur Auskunft über das wo und wann meiner Aufenthalte gibt. Auch Befindlichkeiten lassen sich daraus lesen. Meine eigenen – und die der anderen.

Űber Klickzahlen schweigt sich der Bogger gerne aus. Nur so viel: Würde hinter jedem Seitenaufruf eine Person stehen, könnte das Montrealer Olympiastadion viele Male hintereinander gefüllt werden.

Am häufigsten geklickt wurde meine Dokumentation über die „Hutterer“, eine religiöse Minderheit, die sich entlang der kanadisch-amerikanischen Grenze in Manitoba niedergelassen hat.

An zweiter Stelle steht meine „Playboy“-Reportage über einen Aussteiger, der schließlich in der Wildnis von Alaska den Tod fand. Seine Geschichte wurde später von Sean Penn verfilmt. „Into The Wild“ wurde zum Hollywood-Blockbuster.

Und dann natürlich immer wieder Mallorca. Wandern auf Mallorca. Essen und genießen auf Mallorca. Leben auf Mallorca.

„Sex sells“ ist nicht nur im tagesaktuellen Journalismus ein Erfolgsrezept, das sich bewährt hat. Auch im Blog gehört eine Buchvorstellung über „Sex auf Mallorca und überhaupt“ zu den am meisten geklickten Posts.

Nichts interessiert Menschen mehr als das Leben anderer Menschen – auch das eine Binsenweisheit, die jedem Jungredakteur schon am ersten Tag seiner Ausbildung mit auf den Weg gegeben wird. Stimmt: Meine 5-Minuten-Geschichten sind der Beweis dafür.

Mein Dankeschön für 500 Blogposts? Ein neues Baby. Diesen Beitrag tippe ich gerade in einen funkelnagelneuen MacBookAir. Ganz wie der Alte, nur mit mehr Power, mehr Stauraum und einem jungfräulichen Touchpad, das von keinem einzigen Kratzer getrübt wird.

Bleiben Sie mir gewogen! Danke 😀

Bonjour aus dem „Green Spot“!

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Kaum in Montreal zurück und schon das volle Verwöhnprogramm: Frühstück in St. Henri. In einem Diner mit grünem Blechdach und burgundroten Kunstledersitzen. Und an jedem Tisch eine Jukebox, die so retro-hip ist, dass seit den Glanzzeiten der Fab Four „It’s been a Hard Days Night“ die Charts anführt.

„The Green Spot“ kennt man in Montreal seit gut 70 Jahren. Der Diner an der Ecke Green Avenue und Rue Notre Dame mag nicht in jedem Reiseführer stehen wie der Smoked-Meat-Tempel „Schwartz’s“. Aber Kult ist das „Greasy Spoon“-Restaurant allemal.

Morgens um sieben, wenn der Tag in Montreal noch taufrisch ist, herrscht im Green Spot schon Hochbetrieb. Taxifahrer und Limo-Chauffeure, Obst- und Gemüse-Lieferanten von den nahe gelegenen Markthallen. Und ein veritabler Baseballprofi, den alle beim Namen kennen nur ich nicht. Und überhaupt: Was macht eigentlich die Dame mit den Highheels und dem Miniröckchen schon so früh am Morgen? Etwa Feierabend?

Die Serviererin heisst Linda. Der Name steht handschriftlich auf einem kleinen Ansteckschild, das sie an der Bluse trägt. Linda bringt ungefragt Kaffee mit Milch – kein Cortado wie in Palma. Aber ähnlich schwungvoll serviert wie in der „Bar Bosch“. So schwungvoll, dass die Speisekarte, die eigentlich für den Tisch gedacht war, auf dem Boden landet. Egal. Linda hat es eilig. Wo kommen wir denn da hin, wenn jede Serviererin auch noch die eigene Speisekarte vom Boden aufhebt!

Lindas Wurftechnik könnte noch ein wenig Übung vertragen. Nicht so das Frühstück. Es ist schlicht perfekt:

Spiegeleier mit Würstchen, Bratkartoffeln und den in Quebec unverzichtbaren „beans“. Dazu ein Melonenschnitz und zwei Orangenscheiben. Toast („dark or white?“) und ein Plastikdöschen mit Erdbeermarmelade der Marke „Good Morning!“ Das Ganze für weniger als 9 Dollar.

Komisch: Alle ausser mir scheinen das Québecois der Kellnerin zu verstehen, das sich in meinen Ohren eher nach Polnisch-rückwärts anhört als nach Französisch.

So gesehen fühle ich mich fast wie in Palma, wo die Kellner meiner Stammbar untereinander in einem für mich unverständlichen Spanisch parlieren, das sich „Mallorquin“ nennt.

Willkommen zu Hause! Wo immer das auch gerade sein mag.

Ein bisschen Chaos in Montréal

dorvalDa sind wir wieder! Nach fünf Monaten Mallorca sind wir heil in Montréal gelandet. Und mit Montréal kam das Chaos. Weil unerwartet viele Maschinen gleichzeitig ankamen, mussten vor den Schaltern der Einreisebehörden Tausende stundenlang warten. Wir gehörten auch dazu.

Menschenmengen in einem Flughafen wie diese hatte ich seit meiner Ankunft in Montréal vor 30 Jahren nie gesehen. Eine nicht enden wollende Schlange zog sich von der Brücke aus, die vom Flieger in den Airport-Bereich führt, über sämtliche Flure und Rolltreppen bis hin in die riesige Empfangshalle, von wo aus die Passagiere bei der Einreise abgefertigt weden.

Wenn zwischen der Ankunft im Flughafen und dem Besteigen des Taxis mehr Zeit vergeht als der Flug von Palma nach Frankfurt benötigt, dann ist Gelassenheit gefragt. Die hatten wir. Fünf Monate Mittelmeer sind Balsam für deine Nerven.

Dass Warten zu diesem Tag gehören würde, hatte sich schon nach dem frühmorgendlichen Flug von Palma nach Frankfurt abgezeichnet.: Das Computersysten der Lufthansa war weltweit ausgefallen. Tausende von Passagieren mussten deshalb in Frankfurt zeitweise handschriftlich eingecheckt werden. Auch wir gehörten dazu.

Aber alles ist gut …

… sieht man einmal von der Textmessage der Gebäudeverwaltung ab, die uns unmittelbar nach der Ankunft in Montréal erwartet hat: „Sorry. In Ihrer Wohnung gibt es bis auf weiteres kein heisses Wasser„. Ein defekter Tank muss übers Wochenende ausgewechselt werden. Warmduschen war gestern.

Sagte ich schon, dass das Kabelfernsehen nicht mehr funktioniert? Und dass es regnet?

Ach was. Wir sind total froh, wieder hier zu sein.

Hmmm …