Срочное обращение ко всем россиянам

DEUTSCHE ÜBERSETZUNG WEITER UNTEN

ENGLISCH TRANSLATION BELOW

Уважаемые российские соотечественники

Я знаю, что некоторые из вас читают этот блог. Я вижу это в статистике, которую получаю каждый день. Поэтому сегодня я хотел бы обратиться к вам, порядочным людям в России.

Я не говорю по-русски и доверяю Google правдиво перевести мои слова.

Многие из вас не знают, что Владимир Путин вторгся в Украину и устроил страшную кровавую бойню.

Беременным женщинам приходилось рожать под танковым огнем. Дети потеряли своих родителей. Большая часть некогда процветающей Украины теперь представляет собой руины.

Путин бомбит не только дома, мосты и дороги. В своем безумии он также разрушает больницы, школы и даже детские дома.

Пожалуйста, обратитесь к вашему президенту с призывом немедленно остановить это безумие!

Народ Украины ничего не сделал, кроме того, что выбрал наши ценности, западные ценности. За это они понесли самое страшное из всех наказаний:

Потеря свободы и жизни.

Остановите войну. Немедленно!

Я посылаю вам любовь и мир из Монреаля/Канада, ❤️ 🇺🇦

Ваш, Герберт

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Liebe russische Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Ich weiss, dass manche von euch diesen Blog lesen. Ich sehe das an meinen Statistiken, die ich jeden Tag zugespielt bekomme. Deshalb möchte ich heute an Euch, die Anständigen in Russland, appellieren.

Ich spreche kein Russisch und vertraue darauf, dass Google mir meine Worte wahrheitsgemäß übersetzt.

Viele von euch wissen immer noch nicht, dass Wladimir Putin die Ukraine überfallen und ein furchtbares Blutbad angerichtet hat.

Schwangere Frauen mussten unter Panzerbeschuss gebären. Kinder haben ihre Eltern verloren. Große Teile der einst blühenden Ukraine sind jetzt Ruinen.

Putin zerbombt nicht nur Wohnhäuser, Brücken und Straßen. Er zerstört in seinem Irrsinn auch Krankenhäuser, Schulen und sogar Waisenheime.

Bitte appelliert an euren Präsidenten, er soll diesen Wahnsinn sofort stoppen!

Die Menschen der Ukraine haben nichts getan, ausser dass sie sich für unsere Werte, die westlichen Werte, entschieden haben. Dafür werden sie jetzt mit der schlimmsten aller Strafen bestraft:

Dem Verlust ihrer Freiheit und ihrer Leben.

Geht auf die Straßen eurer Städte und Dörfer und fordert: Schluss mit dem Krieg. Sofort!

Ich schicke euch Liebe und Frieden aus Montreal/Kanada, ❤️ 🇺🇦

Euer Herbert

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Dear fellow Russians!

I know that some of you read this blog. I see it in my statistics that I receive every day. So today I want to appeal to you, the decent people in Russia.

I don’t speak Russian and trust Google to translate my words truthfully.

Many of you still do not know that Vladimir Putin invaded Ukraine and caused a terrible bloodbath.

Pregnant women had to give birth under tank fire. Children have lost their parents. Large parts of once-thriving Ukraine are now ruins.

Putin is not only bombing homes, bridges and roads. He is also destroying hospitals, schools and even orphanages in his madness.

Please appeal to your president to stop this madness immediately!

The people of Ukraine have done nothing, except that they have chosen our values, the Western values. For this they are now punished with the worst of all punishments:

The loss of their freedom and their lives.

Go to the streets of your cities and villages and demand: Stop the war. Immediately!

I send you love and peace from Montreal/Canada, ❤️ 🇺🇦

Herbert

ÜBRIGENS: Nachrichten über den Krieg in der Ukraine werden nicht nur in Russland unterdrückt, bzw. gefälscht, sondern auch in Kuba, wie dieser Text im OFFIZIELLEN ORGAN DES ZENTRALKOMITEES DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS zeigt: https://de.granma.cu/mundo/2022-03-07/alles-erdenkliche-gegen-russland

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Diese Wut, diese Ohnmacht!

© heute.at

Stell dir vor, es ist Krieg und alle gehen hin. So hatte sich der Mann aus Moskau den brutalen Überfall auf die Ukraine vermutlich nicht vorgestellt. Aber er hat sich verkalkuliert, der Herr der Klinge. 

Es scheint ihm zwar völlig wurscht zu sein, was aus Millionen Menschen, aus Schulen, Krankenhäusern und selbst Atomkraftwerken wird. Aber die Solidarität der westlichen Länder lässt diesen Massenmörder armselig und einsam aussehen.

Umgekehrt verläuft zurzeit kein Telefonat, kein Arzttermin, kein Gespräch in der U-Bahn oder in der Apotheke, ohne die mutigen ukrainischen Flüchtlinge und ihren heroischen Präsidenten Volodymyr Zelenskyy zu preisen.

So sehen wahre Helden aus!

Das unvorstellbare Leid, das wir von unseren vergleichsweise luxuriösen Behausungen aus Tag für Tag fassungslos vor dem Bildschirm miterleben, mag uns das Blut in den Adern gerinnen lassen. Aber wenigstens sind wir nicht allein mit unserer Wut und der nie zuvor gefühlten Ohnmacht, die der Krieg in der Ukraine in uns zurücklässt.

Die Welle der Hilfsbereitschaft für dieses gebeutelte Volk ist riesig. 

Ein Montrealer Stadtrat, muttersprachlich Englisch, schreibt mir eben auf Deutsch, ob ich eine Idee hätte, was man den Menschen in der Ukraine ausser Geldspenden sonst noch alles Gutes tun könne. 

Als ob ich es wissen müsste, nur weil ich ein paar tausend Kilometer näher an Kiew aufgewachsen bin als er.  

Notiz an mich selbst: Unbedingt wiederwählen, diesen tollen Mann, der mir nicht zum erstenmal als hilfsbereiter, empathischer Politiker aufgefallen ist.

Ärzte, Apotheker, Bauarbeiter, selbst Lehrer und Taxifahrer aus allen Teilen Kanadas lassen alles stehen und liegen, um an die ukrainisch-polnische Grenze zu reisen, um von dort aus ihre Hilfe anzubieten.

Ein guter Freund erzählte mir eben am Telefon, seine Tochter habe in ihrer Berliner Wohnung jetzt schon mehrere Tage hintereinander Flüchtende aufgenommen und dabei herzzerreissende Szenen erlebt. 

Eine der ukrainischen Frauen, die bei ihr übernachten durften, machte ihrer jungen Gastgeberin am nächsten Morgen durch Gesten klar, dass sie “schön” sein möchte. Schön, so schloss die Tochter meines Freundes, bedeutet im internationalen Frauenverständnis auch: geschminkt zu sein. 

Genau darauf wollte die Flüchtende, die kein Deutsch sprach, hinaus. Sie reise von Berlin aus weiter zu einer Bekannten im Süden Deutschlands. Vorher wolle sie sich “schön” machen.

Die Tochter meines Freundes zögerte nicht lange und verschenkte ihre Schmink-Utensilien.

Und mein Freund selbst? Stellt Flüchtenden aus der Ukraine eine Immobilie zur Verfügung. Nicht weil er es kann, sondern weil er es will.

Hilflos. Ohnmächtig. Fassungslos. Wütend. Und viele Worte, die nicht im Duden stehen – all das staut sich in uns jetzt schon seit Tagen auf. Aber auch hier: Wir sind nicht allein.

“Mir geht das Ganze an die Nieren”, schreibt mir mein Freund Peter aus Sherbrooke eben. “Manchmal vergesse ich meinen stadtbekannten Pazifismus.”

Kein Grund zur Entschuldigung, lieber Peter. Anderen geht es genau so. Von mir aus kann dieser schreckliche Despot im Kreml in seinem eigenen Blutbad ertrinken. Zumindest aber möchte ich ihn als Kriegsverbrecher auf der Anklagebank in Den Haag sehen.

Ein ehemaliger Bundeswehr-General drückte es neulich bei „Hart aber fair“ etwas eloquenter aus:

„Ich sehe leider keinen Grafen Stauffenberg“.

Noch nicht.

Neverending Winterwonderland

DOWNTOWN MONTREAL am letzten Wochenende: Wir gehören nicht zu den „Winter People“

Schuld an diesem Blogpost ist der frühere ARD-Kollege Rüdiger Edelmann. Der wollte neulich in einem Gespräch für seinen Kanada-Reise-Podcast wissen: „Wie lebt’s sich’s denn so in Montreal im Winter?“ „Geht so“, antwortete ich und wurde dabei fast rot vom Lügen. Eigentlich geht es gar nicht so. Es reicht langsam.

Selten hat ein Winter so früh angefangen wie dieser. Ungewöhnlich sind nicht nur die Schneemengen, die noch immer vor dem Haus liegen. Auch die Zahl der noch zu erwartenden Schneestürme ist laut Wettervorhersage selten hoch.

Das kanadische Wetteramt hatte Recht: „Quebec Winter 2021-2022 Weather Is Expected To Be Full Of Snowstorms„, meldete der Metereologe Brett Anderson schon im Oktober. Und genau so war es auch: Ein Schneesturm nach dem anderern, dazu klirrende Kälte. Auch an diesem Wochenende soll es nachts wieder gefühlt minus 29 Grad werden.

Dass sich Freunde im Stundentakt mit Temperatur-Angaben aus Mexiko, Mallorca, Hawaii, Gran Canaria und Heidelberg melden, macht es auch nicht einfacher. Aber wir sind Kanadier, wir sind hart im Nehmen. Und Quebecker sind „winter people“. Das heißt: Viele unserer kanadischen Freunde sind „winter people“. Wir eher nicht so.

Ein Blogger im Schnee.

Doug und Marjolaine, obwohl in Kanada geboren und aufgewachsen, gehören auch nicht unbedingt zu der „I-love-Winter“-Fraktion. Eine Reise zum Sohn nach Texas hatten sie wegen Covid fast zwei Jahre vor sich hergeschoben. Vor ein paar Tagen war es dann endlich soweit.

Nachdem es in Austin noch kurz vor der Ankunft um die 25 Grad hatte, verkündete das Thermometer bei der Landung die Eiszeit. „We made it! But it’s freezing!“, meldete sich Marjo aus dem Winterquartier, das ihnen ein bisschen Sommer bieten sollte.

Derweil schneite und schneite es in Montreal unentwegt weiter.

„I love it!“, frohlockt die junge Frau im Aufzug und schüttelt sich dabei die weisse Pracht pfundweise von der Jacke. Am meisten mache ihr das Autofahren im Winter Spaß. Das sei für sie jedes Jahr aufs Neue wieder eine richtige „challenge“, eine Herausforderung der ganz besonderen Art.

Brauche ich die? Eher nicht.

Nach fast 40 Wintern in Kanada ist meine größte Herausforderung, nach zwei Jahren Covid-Knast ein Reiseziel zu finden, das ein paar Grundbedürfnisse erfüllt: Wärmer als Montreal. Näher als Mallorca. Am besten auf dem Kontinent und doch nicht Florida.

Wir haben es gefunden!

Mehr darüber demnächst in den BLOGHAUSGESCHICHTEN.

>> Hier geht’s zum kompletten Kanada-Talk im Deutschen Reiseradio <<

Kanada, die Ukraine und Eier, die man mit Suppenlöffeln isst

Der Wahnsinn geht weiter: Putins Truppen sind in der vergangenen Nacht bis zur ukrainischen Hauptstadt Kiew vorgedrungen. Wir sehen fassungslos zu, wie ein Volk unschuldiger Menschen den Russen zum Fraß vorgeworfen wird.

In Kanada fließen zur Zeit mehr Tränen für die Ukraine als Wodka aus russischen Flaschen. Ab sofort gibt es in den staatlich kontrollierten Alkoholläden der beiden größten Provinzen Ontario und Quebec keine Produkte mehr aus russischen Beständen zu kaufen. Andere Provinzen wie Neufundland und Manitoba sind dem Beispiel bereits gefolgt.

Schluss mit nasta rovje: Kein Wodka mehr in kanadischen Alkoholläden.

Das ist der vielleicht kleinste Beitrag, den Kanada als Zeichen der Solidarität mit den Menschen aus der Ukraine leistet. Das große Besteck holte Premierminister Justin Trudeau fast gleichzeitig mit dem Einmarsch russischer Truppen aus dem Schrank:

Dazu gehören 620 Millionen Dollar in Form von garantierten Krediten und militärisches Equipment im Wert von 10 Millionen Dollar. Ja, das friedliche Kanada liefert notfalls auch Waffen an die Ukraine. Dazu stehen 3400 kanadische Soldaten Gewehr bei Fuß, falls die NATO auch hier Bedarf anmelden sollte.

Das sind Dinge, die man von einem reichen Land wie Kanada erwarten kann. Aber den eigentlichen, vielleicht wichtigsten Beitrag leisten die Menschen hier. Sie öffnen schon jetzt ihre Türen für einen möglichen Flüchtlingsstrom aus der Ukraine. 

Premierminister Trudeau kündigte an, man werde Flüchtende aus dem Kriegsgebiet schnell und unbürokratisch ins Land lassen. “Wir werden diesen Menschen eine neue Heimat bieten”, sagte Justin Trudeau unmittelbar nach dem Einmarsch.

Kanada und die Ukraine waren schon immer ein gutes Team. Weit mehr als eine Million Kanadier sind ukrainischer Abstammung. Die meisten von ihnen leben im Westen des Landes. In den Prärieprovinzen Manitoba und Saskatchewan haben sich ukrainische Farmer niedergelassen, weil die Bodenbeschaffenheit ähnlich ist wie in ihrer Heimat. Auf schwarzer, fruchtbarer Farm-Erde wächst der berühmte kanadische Weizen am besten. Auch die Topografie der kanadischen Prärie ähnelt den weiten Landschaften der Ukraine.

Während meiner fünfjährigen Kanada-Zeit in Manitoba lernte ich unzählige Menschen mit ukrainischen Wurzeln kennen. Viele von ihnen waren geerdete, hart arbeitende Männer und Frauen, die mit dem oft brutalen Winter in der Prärie viel weniger Probleme hatten als ich. 

Ich erinnere mich an eine Reportage, die ich über die betagten Eltern des damaligen Ministerpräsidenten von Manitoba, Ed Schreyer, schrieb. Der Esstisch im Farmhaus der ukrainisch-stämmigen Schreyers in dem Dorf Beausejour drohte unter den vielen Pierogies zusammen zu brechen. Gefüllt mit Käse, Fleisch, aber auch Gemüse oder Marmelade konnte man diese ukrainische Spezialität selbst in den Supermärkten von Winnipeg kaufen, so populär waren Ukrainer und ihre Speisen schon damals.

Die Gastfreundschaft, die mir als Reporter bei John und Elizabeth Schreyer (geborene Gottfried) zuteil wurde, fasste ich damals etwas großspurig in dem Satz zusammen: “Wer bei ukrainischen Farmern zum Frühstück eingeladen ist, bringt für die riesigen Eier am besten einen Suppenlöffel mit”.

Rüdiger Edelmann ist ein befreundeter Rundfunk-Kollege aus ARD-Zeiten. Er hat sich in Deutschland in den letzten Jahren vor allem als Reisejournalist einen Namen gemacht und betreibt den wunderbaren Podcast “Deutsches Reiseradio. Am vorigen Donnerstag plauderten wir mehr als eine Stunde lang über Gott, Kanada und die Welt. Aus aktuellem Anlass redeten wir natürlich auch über die Entwicklungen in der Ukraine.

>> Hier ist der Talk mit dem DEUTSCHEN REISERADIO als Podcast <<

So ist er nun einmal, der Journalisten-Alltag. Während wir über die boxenden Klitschko-Brüder, fruchtbare Felder und blühende Landschaften in der kanadischen Prärie plauderten, jagten russische Truppen verängstigte Ukrainer in U-Bahn-Schächte. Horrorszenarien, die kaum auszuhalten sind.

Vielleicht gibt es ja doch noch ein Happy End für einige dieser geknechteten Männer, Frauen und Kinder aus Kiew und anderen Regionen der Ukraine.

Wie sagte Premierminister Justin Trudeau vor zwei Tagen? “Wer in unserem Land ein neues Leben beginnen möchte, ist herzlich willkommen”.

Tea Time mit Kaffee und Scones

PÄUSCHEN am Nachmittag: Stephi Cardoso und Harlie Dover von der Boutique NouLuv

Kommen zwei vielbeschäftigte junge Mütter zu Besuch. Die eine Mexikanerin, die andere Montrealerin. Für einen Lunch ist es zu spät, für ein Abendessen zu früh. Viel Zeit bleibt auch nicht, bald kommen die Kids aus dem Kindergarten. Bleibt nur noch Tea Time. Am besten nach britischer Art – nur ohne Tea. Die Damen bevorzugen Kaffee.

Der Afternoon Tea für ausgewählte Freunde ist bei uns ein bisschen zur Tradition geworden. Lores “Scones” sind selbst gebacken, die Mini-Sandwiches mit Schinken und dünnen Gurkenscheiben liebevoll belegt, ebenso die quadratischen Brote mit wahlweise Räucherlachs auf Frischkäse oder Pâté.

Die köstlich-süßen “petit fours” gibt’s um die Ecke bei “Cool & Simple”. Schlagsahne und Marrmelade kommen aus dem Supermarkt und für den Kaffee bin ich kurz mal zum nächsten Nespresso-Laden marschiert.

So alt wie man denken könnte, ist die Tradition der British Tea Time noch gar nicht. Die siebte Herzogin von Bedford soll dem kleinen Zwischenmahl erst im 19. Jahrhundert einen Platz zu Hofe eingeräumt haben. 

Das Mittagessen wurde damals lange vor High Noon serviert. Abends wurde erst spät gegessen. Da kam der Nachmittagstee zwischen 15 und 16 Uhr mit einer leichten Mahlzeit gerade richtig. British Tea Time war geboren.

Übrigens: Unsere Tea Time-Freundinnen Harlie Dover und Stephi Cardoso betreiben ganz bei uns in der Nähe einen innovativen und nachhaltigen Laden mit gebrauchter und lokal hergestellter Kinderkleidung im Tauschverfahren. 

Zurzeit arbeitet Nouluv noch als Online-Shop. Das wird sich jedoch im Laufe des Frühjahrs ändern. Leider dürften die beiden Vielbeschäftigten dann noch weniger Zeit für Tea Time haben als bisher.