Jetzt haben wir die Bescherung!

Weihnachtsessen mit der Kleinfamilie und Freunden? Gestrichen. Französisch-Stammtisch im Pub? Abgeblasen. Geplanter Kinobesuch? Zu gefährlich. Spielbergs ”West Side Story” muss ohne uns über die Leinwand tanzen. Ob die vier Karten für den “Nussknacker” in der Konzerthalle verfallen, sehen wir dann. Danke, Covid! Gut gemacht, Ihr Impfidioten Noch-nicht-Geimpften.

Nie waren die Infektions-Zahlen in Quebec höher als in den letzten 24 Stunden. Nicht einmal zu Beginn der Pandemie hatte es in der Provinz mit acht Millionen Einwohnern fast 3800 Fälle an einem Tag gegeben.

Die vierte Welle ist mit brachialer Gewalt über uns geschwappt – und wir sind sauer. Weil die Provinzregierung von Quebec wieder einmal eine Extrawurst braten wollte, haben wir jetzt den Salat. 

Während sich fast alle führenden Epidemiologen einig waren, dass drei Monate zwischen der zweiten Impfung und dem Booster-Shot genügen, glaubten die Verantwortlichen im französischsprachigen Teil Kanadas wieder einmal, alles besser zu wissen.

„Sechs Monate Wartezeit müssen sein!“, hatten sie uns noch for wenigen Tagen beschworen. Und – schwupps! – mussten sie die Meinung jetzt angesichts überfüllter Krankenhausbetten ändern. Drei Monate tun’s offensichtlich auch.

Ergebnis: Während fast im kompletten Rest Kanadas bereits Teenager geimpft werden, müssen die unter 70-Jährigen bis kommenden Montag warten, um überhaupt einen Termin für die dritte Impfung zu bekommen.

Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft, fällt einem manchmal wirklich nichts mehr ein. Die Zeichen standen seit Monaten an der Wand. Dass die vierte Welle kommen würde, war allen Verantwortlichen der zivilisierten Welt klar. Aber Quebec schien allen Ernstes zu glauben, Omicron mache einen Bogen um “La Belle Province”.

Ministerpräsident François Legault war noch bis vorgestern der Meinung, Weihnachtsfeiern mit bis zu 20 Personen seien kein Problem. Vollbesetzte Sportarenen? Pourquoi pas. Erst als ihn die neuen Inzidenzen am Donnerstagabend kalt erwischten, wurde die zugelassene Zahl der Partygäste halbiert.

Ab Montag gibt es dann ein Déjà-Vu: Geschäfte, Restaurants, Kulturstätten, Bars und Kirchen dürfen nur noch zu 50 Prozent ausgelastet werden. Sportveranstaltungen in der Halle finden entweder als Geisterspiele statt, oder aber sie fallen ganz aus.

Die Fans des NHL-Clubs “Montréal Canadiens” sind not amused.

Wir auch nicht, aber aus anderen Gründen. Mein Freund Doug auch nicht. Ob er und seine Familie in ein paar Tagen die lange geplante Reise nach Texas antreten können, um mit dem dort lebenden Sohn endlich mal wieder Weihnachten zu feiern, steht in den Sternen.

Mein Kumpel Craig hat bereits einen Rückzieher gemacht. “We cancelled our trip to Nova Scotia and Ontario for many obvious reasons. Sad.”, textet er mir eben, “but it’s the right thing to do”.

Wir, Doug, Craig – eigentlich alle unsere Freunde, wir wollten seit Beginn der Pandemie alles richtig machen. Und dann fällt einem die ganze Verzichtskultur plötzlich vor die Füße, weil sich noch immer eine Minderheit von Impfverweigerern im Recht glaubt, der Mehrheit den Mittelfinger zeigen zu können.

Ganz und gar unfeierliche Grüße – und bleibt gesund!

Den Durchblick auf der Nase

Schon möglich, dass ein guter Durchblick wichtiger ist als die beste Brille der Welt. Aber ohne Brille läuft bei mir gar nichts. Da nützt auch der vermeintliche Durchblick nichts. Jetzt war wieder ein neues Gestell fällig. Diesmal durfte es etwas mehr sein.

Wenn “Der Kleine Prinz” sagt, man sehe nur mit dem Herzen gut, denn das Wesentliche sei für die Augen unsichtbar, dann mag sein Erfinder Antoine de Saint-Exupéry zwar ein Zitat für die Ewigkeit geschaffen haben. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Ich jedenfalls sehe mit Brille besser als mit dem Herzen.

Interessant, was einem alles so zu Ohren kommt, wenn es ums Auge geht.

Mein Freund Doug meint, ich sehe jetzt aus wie Martin Scorsese, mein Kumpel Craig zitiert vorsichtshalber gleich mal Nietzsche.

Die junge Optikerin im Brillenladen glaubt, mir mit einem überschaubaren Kompliment (“very cool for your age”) schmeicheln zu können. 

Und dann natürlich Peter: „Ein Jungsiebziger, der auf die Titelseite eines absatzbewussten Senioren-Magazins gehört.“

Lore, bei Stilfragen immer noch meine erste Adresse, findet das neue Gestell “schlicht und einfach klasse”.

Und ich so? Mich machen vor allem die Brillengläser glücklich. Sie lassen mich wieder ein bisschen mehr sehen als noch vor ein paar Tagen. Man wird bescheiden in seinen Ansprüchen, wenn man sich seit fast zwei Jahren mit einer Sehbehinderung herumschlägt. 

Und ja: Die neue Brille gefällt auch mir sehr gut. Dass sie die Kreditkarte zum Glühen gebracht hat, vermag die Freude daran nur unwesentlich zu schmälern.

Aber jetzt nur nicht übermütig werden! 

Es sei ein Irrglaube, sagt Harald Schmidt, “daß Menschen mit Hornbrille, die nur schwarze Kleidung tragen, irgendwelche höhergestellten Ansprüche haben.”

Habe ich nicht. Und schwarze Kleidung gibt’s allenfalls bei Begräbnissen.

Krautwickel ohne „Bäuchle“

„Krautwickel müsset a Bäuchle han“, höre ich Mutter heute noch sagen. „A Bäuchle“ entsteht dann, wenn die Kohlrouladen scharf angebraten werden. Lores „Krautwickel“ haben zwar kein „Bäuchle“. Dafür schmecken sie nicht weniger herzhaft. Wenn es sich dann noch um eine Gemeinschaftsproduktion mit unserer vietnamesischen Freundin Vivi handelt, wird die schwäbische Variante zur Multikulti-Speise.

Ob schwäbische Krautwickel, amerikanische Cabbage Rolls, russische Golubtsi oder hochdeutsche Kohlrouladen – Rezepte dafür gibt es wie Reiskörner in China. Die können übrigens als Füllung genau so verwendet werden wie Hackfleisch, Mett oder Paprika mit Schinken und Zwiebeln. Und natürlich gibt es jede Menge vegetarische Variationen.

Wichtig ist der Wickel, der Rest gibt sich von alleine. Vor allem jetzt im Winter eignen sich Kohlrouladen wunderbar als „Comfort Food“.

Lore verwendet statt Hackfleisch übrigens gerne italienische Würstfüllung oder auch den Inhalt einer französischen „Saucisse Toulouse“. Das erspart Arbeit und schmeckt mindestens genau so deftig.

Wobei: Auch beim “Wickel”, also beim Mantel, in den die Füllung gepackt wird, gibt es Unterschiede. Lore nimmt lieber Wirsing statt Weißkohl. Der sei leichter zu handhaben, sagt sie, „nicht ganz so störrisch.“

Für unsere vietnamesische Freundin Vivi gehören deutsche Krautwickel zweifellos ins regionale Exotenkabinett. Die Herstellung der Rouladen selbst ist für sie nichts Neues. Schließlich gibt es in der asiatischen Küche jede Menge Gerichte, bei denen das Rollen von Reis-, Teig- und sonstigen Blättern erforderlich ist. 

Wenn ich mich richtig erinnere, hat Mutter als Beilage zu den Krautwickeln meistens Kartoffelpüree gereicht, ganz genau weiss ich es aber nicht mehr. Lore hat sich heute mal für körnigen Reis entschieden. Zusammen mit einer gut gewürzten Tomatensauce bekam das Ganze eine äußerst pikante Note.

Mein Freund und kulinarischer Mitstreiter Peter ließ sich vom Krautwickel-Fieber anstecken und wagt sich heute Abend an ein Rezept seiner Berliner Mutter.

Am besten also morgen noch einmal den Blog anklicken, dann gibt’s Peters hausgemachten Senf dazu. Sicher mit leckeren Fotos.

Lores Krautwickel: Ohne „Bäuchle“, dafür aber mit pikanter Tomatensauce.

Wie versprochen: Hier kommen Peters Berliner Wickel

Vorher – Nachher: Peters Krautwickel auf Berliner Art

Die Kohlroulade hat ihre grüne, oekologieverheissende Urfarbe abgelegt, sich mit einem saucigen Brat-Braun überzogen und sich überdies ein Kartoffelbäuchle zugelegt, auf dem sich eine schwache Reminiszenz des grünen Wirsing-Ursprungs erkennen lässt. Auf das von dir evozierte und mit mütterlichen Zitaten belegte Pfannen-Bäuchle konnte daher verzichtet werden, und überdies lässt sich bei uns beiden das o.a. Bäuchle anderwärts feststellen und bedarf keiner Verdoppelung.

Der Gesamteindruck, optisch, lukullisch und olfaktorisch, kann ohne Einschränkung als positiv bezeichnet werden. Puristen würden womöglich ins Feld führen, dass keines der bekannten Kohlrouladenrezepte ohne Alteration umgesetzt wurde. Die Berliner Mutter  verwendete Kümmel, Pfeffer & Salz und sonst nichts, und auch einige der Bopp-Roth’schen Eigenheiten sind offenbar unbeachtet geblieben. Stattdessen wurde mit Hilfe mehrerer Gemüsen ein Schmormedium entwickelt, das sich zu einer leichten Sud-Sauce entwickelte und den Rouladen eine willkommene Saftigkeit verlieh, die der Versuchung widerstand, sich durch Dickungsmittel in den Vordergrund zu drängen. 

Man darf das Rezept demnach als Multikulti-Wickel bezeichnen, was ja den bestehenden kulturellen Trends des Landes, mindestens in Ess- und Verdauungsangelegenheiten, voll entspricht.

Die Farce, nach den Empfehlungen einer international bekannten Allgäuköchin – wie hiess sie doch gleich, ich glaube, wir haben sie damals im Baur au Lac das von ihr kreirte Frühstücksei genossen – vereinigte die Vorzüge einer Bovin-Basis mit der geschmacklichen Verve zweier italienischer Wurstinhalte, wenngleich meine familienbedingte Paprika-Abhängigkeit dem gewürzlichen Ambiente möglicherweise einen weiteren Höhepunkt garantiert hätte.

Weiterhin wurde von einschlägigen Lukullern und Lukullerinnen kritisch angemerkt, dass eine dreifache Wirsingsschicht sich optisch und geometrisch vorteilhaft ausgewirkt hätte. Der Autor hat für eine nur zweifache Schicht optiert, um der Roulade ihre sprichwörtliche Leichtigkeit zu erhalten.

Allenthalben ist das deftige Menü hier mit Wohlwollen aufgenommen und zur gelegentlichen Wiederholung empfohlen worden. Lobend hervorgehoben wurde, mit Verweis auf die gastronomischen Jugendsünden des neokanadischen Nachwuchskochs, dass die geschmacklichen Nuancen nicht durch lästige Übersetzungsfehler beeinträchtigt wurden: 

Meine ersten Erfahrungen mit selbstgemachten Kohlrouladen haben nämlich mit einem Fiasko begonnen: Meine Mutter machte immer Kümmel rein, ich suchte im Geschäft danach, fand ein Produkt mit Namen „cumin“, und da ich damals noch kein geprüfter Übersetzer war, hielt ich das für die französische Übersetzung von Kümmel – was sich leider als fataler Irrtum erwies. Das Zeug stank wie ägyptischer Pyramidenschweiss – und schmeckte auch so.

Nach einmaliger und sehr vorsichtiger Kostung landete der Topfinhalt im Klo und ich musste blitzschnell umdisponieren, um nicht sofort einen meiner Bocuse-Sterne zu verlieren. Ich zog mich dann mit einem schnellen Räucherlachs aus der peinlichen Affäre und habe danach für Jahre die Kohlrouladen auf den Index gesetzt. Ich habe nie mehr „cumin“ gekauft (sondern gelernt, dass der deutsche Kümmel hier „carvi“ heisst. Der ist allerdings in meiner heutigen Version NICHT drin, dafür Zwiebel, Knoblauch, etwas Tomatopaste und ein Schuss Rotwein, worüber meine Mutter, gotthabsieselig, ihre kummergewohnten Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hätte.

Fazit: Ein akzeptables Freitagabend-Mahl, dessen Einzug in das Pantheon der kanadischen Kochkunst noch auf sich warten lässt, wenngleich es den Kern regionaler Schmor-Exotik bereits in sich birgt.

In Reaktion auf euren sehr appetitanregenden Blog zum Thema Krautwickel/Kohlrouladen/Cigares aux chou/Cabbage Rolls werdet ihr nun gerollte Inspirationen aus aller Welt erhalten. Dieser globalen Bewegung kann ich mich nur anschliessen mit dem Schlachtruf: Rouladen aller Länder, vereinigt euch!

Pedro, el krauto ergrauto

Feiern mit jüdischen Freunden

Es gibt viele Gründe, warum ich mich in Montreal verliebt habe. Einer davon hat mit den vielen Kulturen zu tun, die hier friedlich nebeneinander leben. Mehr als 150 verschiedene Sprachen werden in der Stadt gesprochen und 200 Religionen praktiziert. Wer hier einen internationalen Freundeskreis hat, kann sich glücklich schätzen.

So sieht gelebte Multikultur aus: Gestern noch haben wir ein traditionelles kanadisches Theaterstück besucht, anschließend in Chinatown General Tao-Chicken gegessen. Morgen kommt unsere vietnamesische Freundin Vivi zu Besuch. Und gerade erst kommen wir von unseren jüdischen Freunden zurück, mit denen wir Hanukkah feiern durften, das Lichterfest, das ein bisschen an Weihnachten erinnert.

Es wird viel gegessen und getrunken. Man verteilt kleine Geschenke, erzählt sich Anekdoten und singt fröhliche traditonelle Lieder. Wenn eine Familie einlädt, die gleich drei erfolgreiche professionelle Musiker (2 x Jazz, 1 x Bluegrass) hervorgebracht hat, dann muss sich keiner wegen mangelnder Unterhaltung grämen.

Am Tisch – oder wie heute auch auf dem Boden oder der Coach – sitzen Menschen, die hier geboren wurden, aber ihre jüdischen Traditionen pflegen.

Hanukkah ist eines von drei Festen, die besonders hochgehalten werden. Die anderen beiden sind Rosch-ha-Schana und Jom Kippur.

Am fröhlichsten geht es jedoch an Hanukkah zu, auch Chanukka genannt. Das Lichter- und Freudenfest der Juden erinnert an die Geschichte ihrer beiden Tempel in Jerusalem, an die Befreiung ihres Volkes von griechischen Herrschern und an ein Lichtwunder.

Das soll sich vor mehr als 2000 Jahren bei der Einweihung des zweiten Tempels ereignet haben. Daher hat das Fest auch seinen Namen: Das hebräische Wort Chanukka bedeutet „Einweihung“. 

Acht Tage dauert das Lichterfest. Kinder können sich besonders glücklich schätzen: Sie werden an jedem der acht Abende beschenkt.

Besonders beliebt zu Hanukkah: Latkes, eine Art jüdische Kartoffelpuffer.
Gefüllte jüdische Donuts im Schokomantel erfreuen sich an Hanukkah großer Beliebtheit.
Hanukkah, das Lichterfest: An acht Tagen wird jeden Tag eine Kerze angezündet.

Acht Stunden mit den Beatles

Man muss schon ein Hardcore-Fan der Beatles sein, um unbeschadet acht Stunden mit den Jungs aus Liverpool zu verbringen. Ich bin dieser Fan, war es schon immer und werde es wohl auch immer bleiben. Jetzt erst recht.

Als vor Monaten die Nachricht über den Internet-Ticker lief, dass demnächst eine achtstündige Doku über die Beatles erscheine, war mir klar: Ich muss das sehen. Egal wie, wo und wann.

Seit vorgestern ist die Doku da – und ich fiebere mit. Wen juckt’s, dass die dreiteilige Serie auf einem Kanal läuft, den ich bisher nur in Verbindung mit Mickey Mouse kannte. Für so viel Beatles ist mir auch ein Abo für den Disney-Channel nicht zu teuer.

Drei Stunden habe ich hinter mir, auf fünf weitere darf ich mich noch freuen. Auch wenn “The Beatles: Get Back” nicht vor Spannung strotzt, ist es trotzdem ein sehenswertes cineastisches Kunstwerk. 

Der Macher des Films ist der Herr der “Herr der Ringe”. Dem neuseeländischen Star-Regisseur Peter Jackson ist es gelungen, aus bisher unbekanntem Filmmaterial ein Œuvre zu schaffen, bei jedem Beatles-Fan das Wasser im Mund zusammenläuft.

Die Beatles, so kommt es mir manchmal vor, sind mir schon in die Wiege gelegt worden. Der einfachste Gitarrengriff der Welt ist der erste Akkord von „A Hard Day’s Night“. Es ist ein Griff, der eigentlich gar keiner ist: Einfach über alle sechs Saiten gleichzeitig strollen, ohne den Gitarrenhals auch nur mit einem einzigen Finger zu berühren. So einfach und doch so kunstvoll konnten nur die Beatles Musikstücke schmieden.

Bei den “Outlaws” spielten wir dann freilich auch einige der frühen Beatles-Songs. Einer davon wird bei uns bis heute bei Trink- oder sonstigen -Festen gesungen: “When I’m Sixty-Four” gehört zum Basis-Repertoire eines jeden Beatles-Coverers.

Obwohl ich mir einbilde, die Schuhgröße von John, Paul, George und Ringo zu kennen, hat die Disney-Doku mir in einigen Punkten dann doch noch die Augen für Neues geöffnet:

Das wahre Genie der Beatles war wohl nicht, wie ich immer dachte, John Lennon. Ich tippe heute auf Paul McCartney. Eine Meinung, die mein Rocker-Freund und Neffe Ralf in Wien mit mir teilt. Eben schreibt er:

“Ich denke schon lange, dass Paul McCartney stark unterschätzt wurde. Wenn ich an große Beatles-Songs denke, dann fallen mir Hey Jude, Let it be, Eleanor Rigby und das Medley auf der zweiten Seite des Abbey Road Albums ein. Alles Songs von McCartney. John Lennon war geistreich, schlagfertig und wunderbar zynisch. Aber, der Innovative in der Band war McCartney. Lennon war immer eher ein klassischer Rock’n Roller der irgendwann auf den Dada/Gaga-Zug von Yoko Ono aufgesprungen ist. Aus heutiger Sicht ist das, was die Beiden veranstaltet haben, meines Erachtens belanglos, zum Teil lächerlich und mehr von Narzissmus als von Idealismus motiviert. Aber Lennon/McCartney mit einer Prise Harrison sind eben unschlagbar”.

Besser kann man es nicht sagen, finde ich.

Dass ich mehr als einmal im Leben das große Glück hatte, den Beatles sehr nahe zu kommen, sei hier nur am Rande erwähnt. (Es war ja auch schon genug davon im Blog und im Buch die Rede). 

Zum erstenmal, als ich von einer Jugendherberge in Mailand aus einen unverbauten Blick ins nahegelegene San Siro-Stadion werfen und quasi als Trittbrettfahrer einem Beatles-Konzert beiwohnen konnte. Zum zweitenmal, als ich mit George Harrison am Rande eines Formel-Eins-Events in Montreal an einem Bistro-Tisch saß und nicht wusste, wie ich das Gespräch mit einem wahrhaftigen Beatle beginnen sollte. Den genialen, wenngleich überschaubar kreativen Tipp dazu gab mir dann ein befreundeter Kollege: “Sag’ ihm doch einfach, dass du auch Gitarre spielst!” Es hat geklappt.

Und ein bisschen Namedropping durfte jetzt auch mal sein.

„THE OUTLAWS“ oder: Die Beatles von Biberach (circa 1967) – Finde den Fan: (2. v. r.)