Manchmal lohnt es sich, zurückzublicken. Beim Durchblättern der BLOGHAUSGESCHICHTEN der letzten Jahre ist mir die Geschichte von Bella und dem Hundeknochen wieder eingefallen. Ich hatte sie hier vor genau zehn Jahren schon einmal erzählt. Weil sie so schön zu Weihnachten passt und uns daran erinnert, dass auch damals nicht immer alles ganz nach Plan verlief – hier ist sie noch einmal. In Erinnerung an unser Lieblingspüppchen, wie es leibte und lebte.
Eines musste man unserer Bella lassen: Ihr Timing war immer perfekt. Entweder sie musste ausgerechnet dann pinkeln, wenn ich gerade live auf Sendung war und sie mit zusammengepressten Beinchen neben meinem Schreibtisch stand. Oder sie schleckte einem ausgemachten Hundehasser just dann die Hand ab, als der zu einer Rede über lästige Haustiere ansetzen wollte. Nie jedoch lag unsere schwarze Labradordame mit ihrem Timing mehr daneben als an Heiligabend vor vier Jahren.
Charles Dickens hätte seine Freude gehabt: Der Weihnachtsbaum strömt wohlige Düfte aus. Darunter liebevoll verpackte Geschenke. Aus dem Fonduetopf brodelt es im Rhythmus der Weihnachtsmusik. Man stößt an, freut sich, dass man sich hat. Beschert den Hund mit einem extra leckeren Knochen. Setzt sich zu Tisch. Guten Appetit und fröhliche Weihnachten.
Gefangen im Hundeparadies: Schnauze im Knochen
Plötzlich: Ein leichtes Keuchen aus der Hundeecke. Kein Jaulen, nur sanftes Jammern. Ein trauriger Cartoon tut sich vor uns auf: Unser Schlabrador hat sich mit der Schnauze im Weihnachtsknochen verheddert. Die Öffnung des ausgeleckten Markknochens ist zur Hundefalle geworden. Die Schnauze steckt fest. Da helfen kein Rütteln und kein Schütteln. Zange und Säge bringen nichts. Gefangen im Hundeparadies. Gefangen im Knochen. An Heiligabend.
Längst ist das Fondue-Essen kein Thema mehr. Die Brühe hat aufgehört zu brodeln. Fleisch und Gemüse ruhen wieder im Kühlschrank. Nur aus dem Radio tröpfeln noch immer Jinglebells. So, als wäre nichts geschehen. Dabei ist nichts mehr so, wie es noch vor einigen Minuten war. Wir brauchen Hilfe. Schnell. Nein: Sofort!
Ein Tierarzt darf auch mal Mensch sein
Es ist Heiligabend und sämtliche Tierärzte der Welt sitzen vermutlich in diesem Moment unterm Weihnachtsbaum. Und freuen sich, dass sie heute Mensch sein dürfen. Danke, Internet: Eine Tierklinik hat geöffnet. Die einzige in der Dreieinhalb-Millionenstadt Montréal. Mit mindestens doppelt so vielen Hunden wie Menschen.
Durch die Winternacht geht’s in Richtung Tierarzt. Dashing through the snow. Wartesaal zum Bersten voll. Zum Glück haben sich nicht alle Hunde gleichzeitig mit der Schnauze in der Öffnung eines Markknochens verheddert. Manche haben es schlimmer erwischt. Ein Mann erzählt, sein Hündchen kauernd im Arm, der arme Kerl habe die volle Ladung Mensch abgekriegt. Weihnachtsdinner in Little Italy. Hundi liegt auf dem Teppichboden im Esszimmer. Italienischer Papa setzt sich auf den Holzstuhl. Stuhl kracht berstend zusammen und begräbt den kleinen Pinscher unter sich. In dem Moment, als die Familie sich gerade zur Weihnachtsgans hinsetzen will. An Heiligabend.
Bella ist geduldig. Freut sich, weil sie plötzlich so viele andere Tiere sieht, riecht, hört. Einige jaulen vor Schmerzen, Bella kämpft mit ihrem Knochen. Und ich mit meiner Geduld. Außerdem habe ich Hunger.
Dank an die Patientin: Ein Hundeknochen
Kurz vor Mitternacht: Endlich ist unser Unglücksrabe dran. Spezialfräse und Zange machen kurzen Prozess mit dem Knochen. Bella strahlt wie einst unser Weihnachtsbaum. Zum Dank fürs Stillhalten belohnt der Tierarzt die Patientin. Mit einem Hundeknochen, was sonst?
Das Weihnachtsessen hat sich inzwischen erledigt. Ein Wurstbrot tut’s jetzt auch. Klar, man kann Heiligabend romantischer verbringen als beim Tierarzt. Aber gibt es ein schöneres Gefühl, als seinen Hund aus der Knochenfalle befreit zu haben?
Inzwischen ist unsere Bella über die Regenbogenbrücke gegangen. Sie wurde zwölf Jahre alt. Wir vermissen sie sehr. Nicht nur an Heiligabend.
Manchmal lohnt es sich, zurückzublicken. Beim Durchblättern der BLOGHAUSGESCHICHTEN der letzten Jahre ist mir die Geschichte von Bella und dem Hundeknochen wieder eingefallen. Ich hatte sie hier vor genau zehn Jahren schon einmal erzählt. Weil sie so schön zu Weihnachten passt und uns daran erinnert, dass auch damals nicht immer alles ganz nach Plan verlief – hier ist sie noch einmal. In Erinnerung an unser Lieblingspüppchen, wie es leibte und lebte.
Eines musste man unserer Bella lassen: Ihr Timing war immer perfekt. Entweder sie musste ausgerechnet dann pinkeln, wenn ich gerade live auf Sendung war und sie mit zusammengepressten Beinchen neben meinem Schreibtisch stand. Oder sie schleckte einem ausgemachten Hundehasser just dann die Hand ab, als der zu einer Rede über lästige Haustiere ansetzen wollte. Nie jedoch lag unsere schwarze Labradordame mit ihrem Timing mehr daneben als an Heiligabend vor vier Jahren.
Charles Dickens hätte seine Freude gehabt: Der Weihnachtsbaum…
Hoch über den Dächern von St. Henri spielt sich dieser Tage wieder ein Mysterium ab, das selbst hartgesottene Krimifans ratlos zurücklässt: Wer um Himmels Willen hat ein Holzhäuschen in 43 Metern Höhe rosarot angestrichen, es mit einem Weihnachtskranz und einem Christbaum geschmückt und dabei nicht die Spur einer Spur hinterlassen?
Es gibt da diese stillgelegte Fabrik ganz in der Nähe von uns. Jahrzehntelang hatte die “Canadian Malting Company” die Montrealer Brauereien mit Malz beliefert. Irgendwann machte die Firma am Lachine-Kanal dicht und das riesige Fabrikgebäude rottete vor sich hin.
Ganz oben thronte eine Holzhütte, die als Lager für Fabrikzubehör, aber auch als Aufenthaltsraum für die Arbeiter der Malzfabrik diente.
Es war im Herbst 2019, als das Häuschen eines Morgens in einem neuen Kleid erstrahlte. Plötzlich zeigte sich die Holzhütte nicht mehr im grimmen Graubraun eines halbverfallenen Industriegebäudes. Jetzt leuchtete das Häuschen im schrillen Rosarot über den Dächern von St. Henri.
Grüne Fensterläden verliehen dem Hoch-Haus etwas Kuscheliges. Aufgesetzte Blumenkästen sorgten für eine urbane Spießigkeit. Sogar an Vorhänge haben die geheimnisvollen Damen und Herren vom Bau gedacht.
Dann kam der Dezember. Und mit dem Dezember kam Weihnachten. Und mit Weihnachten stellen sich nun schon dritten Mal Zigtausende Montrealer die Frage: Wer ist verrückt genug, um in Kirchturmhöhe ein Haus instand zu halten, das niemand bewohnt?
Die Antwort: Wir wissen es nicht.
Auch der Besitzer der stillgelegten Fabrikanlage hat keine Ahnung. Das Gebäude ist komplett eingezäunt, die ersten drei Stockwerke sind regelrecht von der Außenwelt abgeschottet, die letzten zwölf Meter nur über eine lange Leiter zu erreichen.
“Wer immer dahinter steckt”, sagt Fabrikbesitzer Steven Q., “muss verrückt sein!” Es sei schon lebensgefährlich, sich einfach so in dem halb verfallenen Gebäude aufzuhalten, erst recht aber mit Werkzeug und Baumaterialien in 43 Metern Höhe.
Klar, sagt Mr. Q., er könnte die Anlage bei Tag und Nacht von Sicherheitspersonal überwachen lassen. Doch das sei teuer. Und auch die Installation einer Überwachungskamera sei schwierig. Es gibt nämlich seit 30 Jahren keinen Strom mehr im Skelett, das von der “Canadian Malting Company” übriggeblieben ist.
Ein bisschen hat man den Eindruck, dass Mr. Q. auch stolz darauf ist, der alten Fabrik mit dem rosa Häuschen posthum zu einer gewissen Prominenz verholfen zu haben.
“Seid extrem vorsichtig, Jungs!”, warnt er deshalb alle, natürlich auch die Mädels, die sich an die rosarote Hütte wagen.
“Sieht aber schon irgendwie cool aus, oder?”, sagt er dann noch. Und lächelt dabei das stolze Lächeln des Häusle-Besitzers.
Die Covid-Situation in Kanada spitzt sich dramatisch zu. Die Zahlen in Quebec, Ontario und einigen anderen Provinzen haben heute einen neuen Rekord erreicht. Für uns bedeutet dies weitere Vorsichtsmaßnahmenund Einschränkungen.
Schlechte Nachrichten:
>> Die „Nutcracker„-Aufführung im Place-des-Arts: abgesagt
>> Unser traditionelles Weihnachtsessen im Restaurant: abgesagt
>> Für morgen geplante Geburtstagsfeier bei Freunden: abgesagt
>> Last-Minute-Weihnachts-Shopping: abgesagt
>> Doug und Marjolaines Trip zum Sohn nach Texas: abgesagt
>> Craigs Reise zur Familie nach Nova Scotia und Ontario: abgesagt
Weihnachtsessen mit der Kleinfamilie und Freunden? Gestrichen. Französisch-Stammtisch im Pub? Abgeblasen. Geplanter Kinobesuch? Zu gefährlich. Spielbergs ”West Side Story” muss ohne uns über die Leinwand tanzen. Ob die vier Karten für den “Nussknacker” in der Konzerthalle verfallen, sehen wir dann. Danke, Covid! Gut gemacht, Ihr ImpfidiotenNoch-nicht-Geimpften.
Nie waren die Infektions-Zahlen in Quebec höher als in den letzten 24 Stunden. Nicht einmal zu Beginn der Pandemie hatte es in der Provinz mit acht Millionen Einwohnern fast 3800 Fälle an einem Tag gegeben.
Die vierte Welle ist mit brachialer Gewalt über uns geschwappt – und wir sind sauer. Weil die Provinzregierung von Quebec wieder einmal eine Extrawurst braten wollte, haben wir jetzt den Salat.
Während sich fast alle führenden Epidemiologen einig waren, dass drei Monate zwischen der zweiten Impfung und dem Booster-Shot genügen, glaubten die Verantwortlichen im französischsprachigen Teil Kanadas wieder einmal, alles besser zu wissen.
„Sechs Monate Wartezeit müssen sein!“, hatten sie uns noch for wenigen Tagen beschworen. Und – schwupps! – mussten sie die Meinung jetzt angesichts überfüllter Krankenhausbetten ändern. Drei Monate tun’s offensichtlich auch.
Ergebnis: Während fast im kompletten Rest Kanadas bereits Teenager geimpft werden, müssen die unter 70-Jährigen bis kommenden Montag warten, um überhaupt einen Termin für die dritte Impfung zu bekommen.
Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft, fällt einem manchmal wirklich nichts mehr ein. Die Zeichen standen seit Monaten an der Wand. Dass die vierte Welle kommen würde, war allen Verantwortlichen der zivilisierten Welt klar. Aber Quebec schien allen Ernstes zu glauben, Omicron mache einen Bogen um “La Belle Province”.
Ministerpräsident François Legault war noch bis vorgestern der Meinung, Weihnachtsfeiern mit bis zu 20 Personen seien kein Problem. Vollbesetzte Sportarenen? Pourquoi pas. Erst als ihn die neuen Inzidenzen am Donnerstagabend kalt erwischten, wurde die zugelassene Zahl der Partygäste halbiert.
Ab Montag gibt es dann ein Déjà-Vu: Geschäfte, Restaurants, Kulturstätten, Bars und Kirchen dürfen nur noch zu 50 Prozent ausgelastet werden. Sportveranstaltungen in der Halle finden entweder als Geisterspiele statt, oder aber sie fallen ganz aus.
Die Fans des NHL-Clubs “Montréal Canadiens” sind not amused.
Wir auch nicht, aber aus anderen Gründen. Mein Freund Doug auch nicht. Ob er und seine Familie in ein paar Tagen die lange geplante Reise nach Texas antreten können, um mit dem dort lebenden Sohn endlich mal wieder Weihnachten zu feiern, steht in den Sternen.
Mein Kumpel Craig hat bereits einen Rückzieher gemacht. “We cancelled our trip to Nova Scotia and Ontario for many obvious reasons. Sad.”, textet er mir eben, “but it’s the right thing to do”.
Wir, Doug, Craig – eigentlich alle unsere Freunde, wir wollten seit Beginn der Pandemie alles richtig machen. Und dann fällt einem die ganze Verzichtskultur plötzlich vor die Füße, weil sich noch immer eine Minderheit von Impfverweigerern im Recht glaubt, der Mehrheit den Mittelfinger zeigen zu können.
Ganz und gar unfeierliche Grüße – und bleibt gesund!
Schon möglich, dass ein guter Durchblick wichtiger ist als die beste Brille der Welt. Aber ohne Brille läuft bei mir gar nichts. Da nützt auch der vermeintliche Durchblick nichts. Jetzt war wieder ein neues Gestell fällig. Diesmal durfte es etwas mehr sein.
Wenn “Der Kleine Prinz” sagt, man sehe nur mit dem Herzen gut, denn das Wesentliche sei für die Augen unsichtbar, dann mag sein Erfinder Antoine de Saint-Exupéry zwar ein Zitat für die Ewigkeit geschaffen haben. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Ich jedenfalls sehe mit Brille besser als mit dem Herzen.
Interessant, was einem alles so zu Ohren kommt, wenn es ums Auge geht.
Mein Freund Doug meint, ich sehe jetzt aus wie Martin Scorsese, mein Kumpel Craig zitiert vorsichtshalber gleich mal Nietzsche.
Die junge Optikerin im Brillenladen glaubt, mir mit einem überschaubaren Kompliment (“very cool for your age”) schmeicheln zu können.
Und dann natürlich Peter: „Ein Jungsiebziger, der auf die Titelseite eines absatzbewussten Senioren-Magazins gehört.“
Lore, bei Stilfragen immer noch meine erste Adresse, findet das neue Gestell “schlicht und einfach klasse”.
Und ich so? Mich machen vor allem die Brillengläser glücklich. Sie lassen mich wieder ein bisschen mehr sehen als noch vor ein paar Tagen. Man wird bescheiden in seinen Ansprüchen, wenn man sich seit fast zwei Jahren mit einer Sehbehinderung herumschlägt.
Und ja: Die neue Brille gefällt auch mir sehr gut. Dass sie die Kreditkarte zum Glühen gebracht hat, vermag die Freude daran nur unwesentlich zu schmälern.
Aber jetzt nur nicht übermütig werden!
Es sei ein Irrglaube, sagt Harald Schmidt, “daß Menschen mit Hornbrille, die nur schwarze Kleidung tragen, irgendwelche höhergestellten Ansprüche haben.”
Habe ich nicht. Und schwarze Kleidung gibt’s allenfalls bei Begräbnissen.