Sex, Drogen und Knast: Ein verhängnisvoller Dreier

ACHTUNG: NICHT GANZ JUGENDFREI – Wenn zwei Frauen einen Mann lieben – und sich gegenseitig auch, dann wäre allein das schon eine prickelnde, kleine Geschichte. Aber die Story von Luca und seinem Dreierverhältnis fängt hier noch nicht einmal richtig an. Es geht um Sex und Drogen, um Rache und Liebe, um Verrat und Knast – das volle Programm. Die Geschichte spielt in Montreal, das manchmal auch das „Paris des Nordens“ genannt wird. Kein Wunder, denn diese Story hat es in sich.

2. EPISODE: Sex, Drogen, und ein verhängnisvoller Dreier

Du möchtest Deine Geschichte erzählt haben? Schick‘ sie mir! Einzelheiten gibt’s auf der Podcast-Seite

Der „Secret Santa“ von Edmonton

Gedicht und Geschenkkarte: „A gift keeps on giving“. (© Screenshot CBC)

Weil 2020 schon genug Horrorgeschichten hervorgebracht hat, will ich das Jahr mit einer „Feel-Good-Story“ enden lassen. Es ist die Geschichte eines anonymen Schenkers (oder auch einer Schenkerin?), die zu Weihnachten 400 Haushalte mit Geschenkgutscheinen im Wert von je 250 Dollar beglückt hat.

North Glenora ist ein Bezirk von Edmonton, der, man ahnt es, nicht zu den teuersten Wohngegenden der Hauptstadt der Provinz Alberta gehört. Dort wohnen Leute wie Elisha Tennant. Die junge Frau hatte während der Pandemie ihren Job verloren und damit manchmal auch die Hoffnung, einigermaßen über die Runden zu kommen.

Als sie Heiligabend vor ihrer Haustür einen weissen Umschlag mit der Aufschrift „Secret Santa“ vorfand, dachte sie zunächst an eine Postwurfsendung, wie man sie in der Weihnachtszeit ja öfter mal ungefragt bekommt. Dann öffnete sie den Brief und fand ein in Kleinbuchstaben getipptes Gedicht vor. Und einen 250-Dollar-Geschenkgutschein von Walmart.

„Ich habe den ganzen Tag nicht aufgehört, vor Rührung zu weinen“, sagte die Frau einem lokalen Fernsehsender. Der Gegenwert des Gutscheins reiche ihr für einen Monat Lebensmittel einkaufen.

In einem anderen Stadtteil wohnt Christina Ignacio-Deines mit ihrer Familie. Auch sie fand den anonymen Brief vor ihrer Haustür. Und auch sie hatte während der Corona-Krise ihre Arbeit als Eventplanerin verloren. Doch ihr Mann arbeitete wie gewohnt weiter und es reichte, um ihre kleine Familie über Wasser zu halten.

Christina zögerte nicht lange und verschenkte den Gutschein an eine Organisation, die Menschen hilft, denen es schlechter geht als ihnen.

Vierhundert Familien waren es wohl, die mit den „gift certificates“ beschenkt wurden, berichtet der staatliche Fernsehsender CBC. Wer hinter der Aktion „Secret Santa“ steht, ist nicht klar. Nur so viel, dass er oder sie Hunderten von Menschen eine Freude gemacht hat.

Auch das Gedicht, das in jedem Umschlag steckte, hat es in sich. Es heißt dort: „Auch wenn es so aussieht, als sei die ganze Welt in eine schwarze Wolke gehüllt, gibt es eben auch Licht in diesen dunklen Zeiten. Man muss nur genau hinschauen“.

Im letzten Satz des Briefs appelliert der anonyme Spender noch an die Fairness der Empfänger: „Wenn Du jemanden kennst, der das Geld nötiger hat als Du, dann verschenke es bitte weiter“. Christina Ignacio-Deines hat es getan – und vermutlich noch viele andere.

Im Englischen gibt es für diese Art des Verschenkens einen hübschen Ausdruck: „A gift keeps on giving“. Der „Secret Santa“ von Edmonton hat die Form des Schenkens neu definiert.

Bleibt doch endlich zuhause!

Flughafen Montreal, 18. Dezember 2020 Copyright: Montreal Gazette (Screenshot)

Die Krankenhausbetten in Montreal werden knapp, für das erschöpfte Personal gilt während der Feiertage eine Urlaubssperre. Jeden Tag gibt es in der Provinz Quebec (8.5 Millionen Einwohner) um die 2000 neue Covid-Infizierte und knapp 30 Tote. Was, frage ich mich, machen dann die Tausende, die den Montrealer Flughafen bevölkern, um in die Ferne zu reisen?

Für mich sind es Egoisten, deren Reiselust wir, die Daheimgebliebenen, mit immer restriktiveren Maßnahmen wieder ausbaden dürfen.

Hab’ ich da irgendwas falsch verstanden? Ich dachte, wir sollen in Zeiten wie diesen nur im Notfall reisen. Wer von A nach B fliegt, muss also einen triftigen Grund haben, ehe er in den Flieger steigt. Oma liegt im Sterben, Mutter plötzlich pflegebedürftig, Schwester ist Mama geworden – solche Sachen eben.

Bock auf Strand zählt nicht, Bräunungsbedarf wegen Winterblässe auch nicht. Und doch wird gereist auf Teufelkommraus – nicht nur in Kanada sondern auch in Europa. Da mal kurz zum Weihnachtsessen von Nord nach Süd, oder zum Päckle verschenken von einer Stadt in die andere.

Nur den armen Brummifahrern, die eigentlich dringend reisen müssten, weil man in Festland-Europa auf ihre Ware wartet, wird die Reise von England nach Frankreich verwehrt.

In einer Montrealer Lokalzeitung wird von einem Ehepaar berichtet, das, wie jedes Jahr, zum Überwintern nach Florida gereist ist. Dort fühlen sich Monsieur und Madame dieses Jahr ein bisschen einsam, weil wohl doch eine ganze Menge „Snowbirds“ zuhause geblieben sind.

Geht’s noch? Einsam ist, wer am Beatmungsgerät hängt und keinen Besuch empfangen darf, weil er sich bei irgendwelchen Partypeople angesteckt hat.

Wer einen Hotspot wegen Corona-Überdruss verlassen muss, soll von mir aus vom Wohnzimmer in den Keller ziehen. Aber von einem Land ins andere, das finde ich unsozial.

Was wir zurzeit erleben, ist keine Erkältungswelle mit ein bisschen Schnupfen und Husten. Es ist eine Pan-de-mie! Das heißt: Hotspots sind überall. Nur nicht daheim.

Cristal, eine frühere Nachbarin, die auf Facebook einen Kommentar zu meinem heutigen Frustpost hinterlassen hat, bringt es auf den Punkt:

“If there is one thing this pandemic has taught me, is the world is a selfish place. We have lost all sense of community and love thy neighbour. It’s the saddest result of the pandemic for me”.

Wenn es etwas gibt, das sie während dieser Pandemie gelernt habe, schreibt Cristal, dann dies: „Die Welt ist ein egoistischer Platz. Wir haben jeglichen Gemeinschaftssinn verloren. Einfach nur traurig.“

Eine andere Facebook-Freundin: „Die hängen mit Fremden rum, während wir zu Weihnachten nicht einmal unsere unmittelbare Familie empfangen dürfen“.

„Total traurig“ findet es auch mein Camino-Kumpel Carlo: „Und ich dachte, es sei nur ein Problem der egoistischen Ellbogen-Gesellschaft in Deutschland“.

Leider nicht, lieber Carlo. Egoismus ist überall. Genau wie Covid.

Radio für alle – ganz umsonst

Das Großartige im Leben ist: Man lernt immer noch dazu. Ich habe in den letzten Tagen und Wochen viel über Podcasting gelernt. Als Konsument war mir das „Radio-für-alle“-Konzept natürlich bekannt. Aber als Macher eines eigenen Podcasts brauchte ich ganz viel Hilfe.

Die kam von allen Seiten. Da war zunächst natürlich Lore, die mich erst auf die Idee brachte, meinen eigenen Storytelling-Podcast ins Netz zu stellen. Ihr Argument: „Deine Geschichten kennt man ja inzwischen bis zum Abwinken. Erzähl’ doch mal anderer Leute Geschichten“. Gesagt, getan.

Dann war da Nora, die mir als besonders kreativer Kopf schon vor Jahren in einem Seminar für OnlinejournalistInnen in Köln aufgefallen war. Sie selbst betreibt gleich drei Podcasts (Links weiter unten) Für einen von ihnen ist sie sogar für den renommierten Grimmepreis nominiert worden. Nora erzählte mir in einem einstündigen Telefonat, welches Equipment sie für ihren Podcast verwendet, welche Software sie benützt und was zur technischen Optimierung nötig ist. Danke, Nora!

Und dann Louisa. Eine kluge junge Frau mit super tollen Podcast-Ideen. Weil auch sie sich das meiste in diesem Medium selbst beigebracht hatte, war sie bestens dafür gerüstet, einen Laien wie mich am Händchen zu halten. Erstaunlich, wozu man als Autodidakt in der Lage ist, wenn ein schönes Ziel vor Augen liegt. Danke, Louisa!

Rüdiger war ein weiterer Ansprechpartner. Wir kennen uns persönlich zwar nicht, als Kollegen sind wir jedoch seit gut 25 Jahren verbandelt. Als Redakteur und Moderator des Hessischen Rundfunks bestellte er beim Kanada-Korrespondenten jede Menge Hörfunktbeiträge. Inzwischen ist auch Rüdiger offiziell im Ruhestand. Als Reisejournalist betreibt er jedoch einen viel gehörten Podcast mit dazugehöriger Webseite. Danke, Rüdiger!

Weltweit sind etwa eineinhalb Millionen Podcasts auf Sendung. Allein Apple bietet mehr als 500tausend Podcasts in mehr als 100 Sprachen an. (Stand: Oktober 2020)

Dass Podcasting in den USA und Kanada populärer ist als im Rest der Welt, ist nicht weiter überraschend. Das Bedürfnis, sich in Wort und Ton mitzuteilen, war hier schon immer groß. Außerdem herrschte hier schon immer eine größere Technik-Affinität als in Europa, mal von skandinavischen Ländern abgesehen. Seriösen Quellen zufolge werden in Nordamerika in jedem zweiten Haushalt Podcasts gehört.

In Deutschland ist dagegen noch viel Luft nach oben. Lediglich 22 Prozent der Bevölkerung hat im vergangen Monat mindestens einmal in einen Podcast hineingehört.

Nora Hespers:  DIE ANACHRONISTIN  / WAS DENKST DU DENN?  / MENSCH, FRAU NORA!

Louisa Plasberg:  LEHRJAHRE

Rüdiger Edelmann: DEUTSCHES REISERADIO

Und nicht vergessen: DEINE STORY – MEINE STIMME

Übrigens: Die größte Freude machst Du PodcasterInnen, indem Du ihre Podcasts nicht nur hörst, sondern sie auch abonnierst. Mehr Unterhaltung umsonst geht nicht.