
Trauriges Ende eines grauen Stars: Helfer bei der Bergung des toten Buckelwals. © La Presse
Tagelang wurde er gefeiert wie ein Rockstar. Jetzt ist der Buckelwal tot, der bis vor einigen Tagen noch Montrealer Whale-Watchers entzückt hatte. In Varennes, 40 Kilometer nordöstlich von Montreal, wurde der Kadaver des Riesensäugers am frühen Morgen im Sankt-Lorenz-Strom entdeckt.
Wie der Wal zu Tode gekommen ist, bleibt zunächst ein Rätsel. Möglich, dass er doch nicht so kerngesund war wie ursprünglich angenommen. Denkbar aber auch, dass er mit einem Frachtschiff kollidiert ist. Klarheit wird wohl erst eine Obduktion an der Université de Montréal bringen.
Nie zuvor hatte ein Wal dieser Größe die 600 Kilometer von Tadoussac bis Montreal zurückgelegt. Gut eine Woche lang ließ sich der Graue Riese im Montrealer Hafenbecken feiern wie ein Rockstar.
Die Fontänen, die er zur Belustigung der Zuschauer meterhoch in die Luft blies, wurden tausendfach auf Videos und Fotos festgehalten. In den Sozialen Medien gingen die Eskapaden des „Humpbacks from Montreal“ viral.
Zunächst hatte es geheißen, der etwa zwei Jahre alte Wal sei gesund und habe sich in seinem jugendlichen Leichtsinn nach Montreal begeben, um dort nach neuen Fischgründen Ausschau zu halten.
Einige Meeresbiologen wollten jedoch nicht ausschliessen, dass sich der gut 10 Meter lange und 15 Tonnen schwere Säuger krankheitsbedingt verirrt haben könnte.
Montreal ist um eine Attraktion ärmer geworden. Der Buckelwal hatte sich innerhalb weniger Tage in die Herzen der Montrealer manövriert und mit seinen akrobatischen Vorstellungen so manchem ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.
In Zeiten wie diesen nötiger denn je.
UPDATE: Dem ersten Obduktionsergebnis zufolge wurde der Wal vermutlich nach einer Kollission mit einem großen Schiff, eventuell einem Frachter, tödlich verletzt. Einzelheiten der Untersuchung werden erst in einigen Monaten bekannt gegeben.
Es ist Sommer geworden in Montreal und die Welt sieht mit jedem Tag ein bisschen freundlicher aus. An Tagen wie diesen findet man mich in der Regel in der Altstadt. Drunten, am Hafen, wo der Place Jacques Cartier den Blick auf den Sankt-Lorenz-Strom freigibt. Wo Straßenmusiker, Zauberer und Feuerschlucker die Massen von Touristen in ihren Bann ziehen. Heute? Gähnende Leere. 





Alle reden über Covid. Wir reden übers Wetter. Falsches Thema? Vielleicht. Aber das Wetter dominiert hier in Montreal schon seit Tagen die Schlagzeilen. Fast könnte man meinen, Celsius-Grade hätten Corona-Tote abgelöst. 39 Grad Ende Mai, mit Luftfeuchtigkeit sogar weit über 40 – das ist selbst für viele Kanadier too much. Dabei sind wir hier durchaus an extreme Wetterverhältnisse gewöhnt.
Ein bisschen fühlt es sich an wie die Fortsetzung des Urlaubs, den wir im März wegen Corona abbrechen mussten. Wir dürfen wieder ohne schlechtes Gewissen spazieren gehen, ab Montag öffnen viele Geschäfte. Friseure und Zahnärzte kommen auch bald dran. Und seit heute ist es uns hier sogar erlaubt, sich mit bis zu zehn Leuten zu treffen, sofern sie aus nicht mehr als drei Familien stammen und zwischen den einzelnen Parteien jeweils zwei Meter liegen.