Glücklich und geplättet in Guillena

1. ETAPPE: 23 Km von Sevilla bis Guillena

Hach! Wir sind wieder auf einem Camino und können unser Glück kaum fassen. So viele schöne Momente gleich am ersten Tag. Dazu noch nette Menschen und mit 23 Kilometern eine gut zu schaffende Strecke – Pilgerherz, was willst du mehr?

Während ich diesen Blogpost in einer Dorfkneipe in dem Ort Guillena ins Handy tippe und den Tag bei Tapas und Vino ausklingen lasse, breitet sich in unseren Köpfen noch einmal ein Auftakt aus, der schöner hätte nicht sein können.

Geschmeidig schafften wir es gegen zehn, die wunderschöne, aber laute und deshalb nicht ganz unanstrengende Stadt Sevilla hinter uns zu lassen.

Die immer noch leicht lädierten Bronchien wurden mit Lores Wollschal in Watte gepackt – und los ging’s in die andalusische Sommerhitze hinaus.

Bellende Hunde, grasende Arbeitspferde, ein Brennholz-Sammler am Flussufer. Hin und wieder ein Bauer auf dem Maultier-Fuhrwerk.

Und dann, irgendwo um die Mittagszeit in einem Dorf ohne Namen: der erste Camino-Moment.

Vier quirlige Jungs aus Tschechien tauchen in einer Taverne auf, die uns das beste Bocadillo seit langem serviert.

Die Boys sind fit und plappern gern. Wir erfahren, dass sie lieber im Zelt übernachten als im Hostel. Vielleicht, weil sich dort das Pilsner besser genießen lässt als unter den gestrengen Augen einer Herbergsmutter.

Später treffen wir Teo und Frans, zwei wandernde Holländer – nicht mehr ganz jung, aber fröhlich und auch ohne Bier gut drauf.

Abgestiegen sind wir in einer bescheidenen, aber blitzsauberen Camino-Herberge. Es gibt einen Schlafsaal und diverse Mehr-Bett-Zimmer. Wir ziehen uns in ein Zwei-Bett-Zimmer zurück und teilen uns WC und Dusche mit anderen Pilgern.

Wir sind glücklich, aber auch geschafft. Dass wir die erste Etappe trotz Männergrippe gleich mit Bravour gemeistert haben, macht uns zuversichtlich auf das, was uns in den nächsten Wochen und Monaten erwartet. Und es macht uns auch ein bisschen stolz.

Deshalb schicken wir an diesem lauen andalusischen Frühsommer-Abend ein fröhliches BUEN CAMINO in das weite Bloguniversum hinaus.

Und freuen uns, dass wir Sie hoffentlich auch morgen wieder mit Geschichten und Fotos aus unserer fröhlichen Camino-Welt unterhalten können.

Zum Auftakt eine Männergrippe

CAMINISTEN UNTER SICH: Besuch bei Manuel und Lourdes.

Optimal sind die Startbedingungen für unser nächstes großes Abenteuer nicht. Während Lore sich wie immer bester Gesundheit erfreut, plagt mich seit Tagen eine schlimme Männergrippe (auch leichte Erkältung genannt). Aber sollen wir deshalb unseren Camino verschieben? Ganz bestimmt nicht.

Morgen früh geht’s los – nach zwei herrlichen Tagen in einer der schönsten Städte, die ich kenne, schnallen wir unsere Schneckenhäuser um und machen uns auf die Via de la Plata mit Ziel Santiago de Compostela.

1000 Kilometer, immer der Pilgernase lang.

Sevilla ist einfach der Hammer. Die ganze Stadt liegt bei sommerlichen Temperaturen unter einer Dunstglocke von Orangenblüten.

Die Architektur – ein Traum. Die Gastronomie – zum Verlieben.

Und dann diese Mischung aus andalusischem Stolz und Festland-spanischer Coolness – sie ist nicht zu toppen.

Oder, wie Lore es formulierte: „Málaga ist bemüht, schön zu sein. Sevilla ist es einfach“.

Die Vorbereitungen auf unsere Pilgerwanderung krönte gestern Abend ein ungeplanter Besuch bei der lokalen Camino-Vereinigung. Es war reiner Zufall, dass wir dort landeten. Die freundliche Auskunftsdame vom Tourismusbüro hatte uns eher beiläufig erzählt, dass es so etwas in Sevilla gibt.

Also nichts wie rüber auf die andere Fluss-Seite des Rio Guadalquivir und rein in eine gute Stube, die von einem Paar mit den wunderschönen Namen Lourdes und Manuel betrieben wird.

Der Raum im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses ist überfüllt mit Camino-Memorabilien: Jakobsmuscheln in allen Größen. Bildbände und Kartenmaterial. Und vielen guten Tipps von Lourdes und Manuel.

Jetzt sind wir gespannt auf die erste Etappe. Sie wird uns mit den ersten Sonnenstrahlen von der prächtigen Kathedrale in Sevilla aus zu dem Dorf Guillena führen.

Die ersten 23 Kilometer wären dann geschafft. Die restlichen 977 packen wir auch noch.

Aber nur, wenn Sie uns jeden Morgen BUEN CAMINO wünschen.

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Der Countdown für den nächsten Camino hat begonnen

Wir sind in Sevilla angekommen, dem Ausgangspunkt unserer nächsten Pilgerwanderung. Knapp zwei Stunden dauerte die Bahnfahrt von Málaga bis hierher. Ein Klacks im Vergleich zu dem, was uns in den nächsten Wochen und Monaten on the road erwartet.

Von hier aus geht es auf der Via de la Plata immer nach Norden. Zwei Monate haben wir für die 1000 Kilometer eingeplant.

Durch vier spanische Regionen wird uns dieses Abenteuer führen: Andalusien, Extremadura, Castilla y Léon und Galicien.

Wir sind bereit – und auch ziemlich aufgeregt. Werden wir den längsten aller spanischen Caminos schaffen? Immerhin sind wir seit unserer letzten Pilgerwanderung ein Jahr älter geworden. Die riesige Entfernung flößt uns Respekt ein.

Die Rucksäcke sind gepackt. Sieben Kilo für Lore, neun für meinen. Immerhin sind wir schon seit zwei Wochen unterwegs. Da kam dann doch das eine oder andere hinzu.

Heute Abend wird erst einmal aussortiert. Vielleicht können wir doch noch das eine oder andere Pfund Gewicht einsparen.

In Málaga haben wir heute noch ein Finetuning an unserem Equipment vorgenommen. Weil Trekkingstöcke als Carry-on im Flugzeug nicht erlaubt waren, wir aber deshalb nicht eigens ein Gepäckstück aufgeben wollten, wurden in Málaga eben neue Wanderstöcke gekauft.

Ob wir eine oder vielleicht doch zwei Nächte in Sevilla bleiben werden, ehe wir loswandern, entscheiden wir kurzfristig.

Wir haben Zeit, viel Zeit. Dieser Luxus des Alters gestattet uns eine Flexibilität, die viele jüngere Pilger nicht haben.

Wir lassen uns nicht treiben, dabei dürfen wir nie das Ziel aus den Augen verlieren. Dieses Ziel heißt Santiago de Compostela. Wir kennen es ja schon von unserem letztjährigen Camino-Abenteuer.

So gut wie sicher ist: Spätestens ab Donnerstag heißt es dann wieder BUEN CAMINO!

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Eine leidenschaftliche Affäre

Es gibt Liebesaffären, die nicht mit zwei Menschen beginnen, sondern mit einem Ort. Dieser Ort ist in meinem Fall die Plaça de la Reina im Herzen von Palma.

Hier, in dem rosaroten Stadthaus, oberster Stock mit Dachterrasse, haben wir die ersten fünf von insgesamt zehn Wintern in Palma de Mallorca verbracht.

Und jetzt also ein Wiedersehen mit dieser Perle von Stadt, diesem Juwel von Architektur.

Die Entscheidung, nicht noch eine weitere Woche in Malaga zu bleiben, sondern nach Mallorca überzusetzen, ehe unser nächster Camino in Sevilla beginnt, hat sich als Glücksfall erwiesen.

Nicht nur konnte ich bei traumhaftem Frühsommerwetter viele Freunde und Bekannte wieder sehen, sondern mir auch die Schönheit dieser Insel, speziell dieser Stadt Palma, noch einmal einverleiben.

Ein bisschen wehmütig, aber auch voller Vorfreude auf unser nächstes Camino-Abenteuer, werde ich also Abschied nehmen von hier.

Den nächsten Blog gibt’s wieder vom spanischen Festland, vermutlich aus Sevilla.

Dort beginnt dann unser 1000-Kilometer-Abenteuer auf der Via de la Plata.

Die Fotos stammen alle vom gestrigen Samstag. Eine letzte Liebeserklärung an die Insel, mit der mich nach all den Jahren noch immer eine Leidenschaft verbindet – so, als wären wir uns gestern zum erstenmal begegnet.