Sonntagswanderung nach Galilea

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Hexenhäuschen auf dem Weg von Calvià nach Galilea

Unweit des Berges Galatzó liegt das Dorf Galilea. Es ist ein malerischer Ort mit rund 300 Häusern, auf einem Berg der Serra de Tramuntana gelegen. Dorthin führte uns heute eine fünfstündige Wanderung. Auch wenn sich die mallorquinische Sonne ausnahmsweise mal so gut wie nie blicken ließ, war es ein Sonntag zum Verlieben.

Ausgangspunkt war Calvià, ein zauberhafter Ort, der leicht mit dem Überlandbus von Palma aus zu erreichen ist. Liebevoll mischt die Barrista im Café den Cortado morgens um neun noch schnell mit heißer Milch. Der Wandertag kann beginnen.

Auffallend, wie viele Mallorquiner an so einem Sonntagmorgen schon in den Bergen unterwegs sind. Alleine, mit Kleinkindern und Hund oder mit der ganzen Familie. Auch wenn der Big-Band-Sound aus dem Handy schwer mit einer Wanderung im Tramuntana-Gebirge in Einklang zu bringen ist, stört die musikalische Einlage kein bisschen. Spaß haben die Jungs und Mädels beim Wandern – das ist alles, was zählt.

Der Aufstieg durch Steineichen- und Pinienwälder ist nicht ganz ohne. Aber oben angekommen, bietet sich dem Sonntagswanderer ein grandioser Blick auf die Bergkette der Tramuntana und sogar in Richtung Santa Ponsa, wo die Malgrats Inseln aus dem Meer ragen.

Vorbei geht es an Olivenhainen, Orangenplantagen, Zypressenalleen und erdigen Gehöften, bis irgendwann Galilea auf dem Bergkamm auftaucht. Der letzte Teil der Wanderung führt über eine mit Serpentinen gespickte Landstraße.

In Galilea selbst leben rund 800 Menschen. Wer erst einmal die steilen, verwinkelten Straßen und Gassen hinter sich gebracht hat, wird für seine Mühe belohnt. Und wer dann noch, wie wir, das unverschämte Glück hat, auf der Mini-Terrasse der Bar Sa Plaça einen Platz zu bekommen, kann beim besten Apfelkuchen seit langem den fantastischen Blick über die fruchtbaren Täler bis hinunter ans Meer genießen.

Dass sich in den Bergen die Sonne am Nachmittag noch immer nicht zeigt, stört allenfalls beim späteren Betrachten der Fotos. Bei der Rückfahrt nach Palma im (vollkommen leeren) Kleinbus kommt sie dann doch noch zum Vorschein. Zumindest tut sie so.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass wir diese wunderbare Wanderung gemacht haben. Einen Großteil der Strecke hatten wir bereits früher zurückgelegt, allerdings in umgekehrter Richtung von  >> Puigpunyent nach Calvià <<

Neu war heute der Schlenker nach Galilea. Der lohnte sich allemal.

Im Schneckenbus über die Insel

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Es ist nicht weit von Palma nach Portocolom, gerade mal 65 Kilometer mit dem Auto. Wem jedoch der Sinn nach öffentlichen Verkehrsmitteln steht, braucht Zeit. Eineinhalb Stunden hin, eineinhalb Stunden zurück. Aber die Fahrt mit dem Schneckenbus lohnt sich. Vor allem dann, wenn das Ziel Portocolom heisst.

Der Ort mit gerade mal 4000 Einwohnern kann für sich in Anspruch nehmen, einen der wichtigsten Fischereihäfen Mallorcas zu beherbergen – gleichzeitig den größten Naturhafen der Insel. Wer das Glück hat, Portocolom um diese Jahreszeit zu sehen, vergisst leicht, dass der Touristenrummel in den Sommermonaten erdrückend sein kann.

Fast menschenleere Gassen, Restaurants, Bars und Cafés sind nicht jedermanns Sache. Wir haben diesen zauberhaften Ort an der Südostküste Mallorcas an diesem frischen Februartag mehr genossen als bei früheren Besuchen bei sommerlichen Temperaturen.

Wem der Sinn ausnahmsweise mal nicht nach Tapas steht, sondern nach einem dreigängigen Mittagessen, sollte im Restaurant „Vora Mar“ das Tagesmenü bestellen. Für 8.50 Euro gibt es drei Gänge frisch zubereitete Hausmannskost.

Ob in Portocolom tatsächlich, wie Einheimische gerne behaupten, Christopher Columbus an Land gegangen ist, sei dahingestellt. Der Name deutet jedenfalls darauf hin. Andererseits: Wie viele Orte es in der Welt gibt, die den großen Entdecker für sich adoptiert haben, ist schwer zu sagen. Ein Menschenleben hätte wohl kaum ausgereicht, um den  armen Kerl überall dort anlegen zu lassen, wo es die Bewohner gerne gehabt hätten.

Wer Portocolom einen Besuch abstattet, sollte nicht den Fehler machen, sich nur in der Hafengegend aufzuhalten, wo es die meisten Restaurants gibt und den besten Blick auf den Leuchtturm.

Der eigentliche Charme des Ortes liegt im alten Dorfkern, der über einen Fußweg entlang der Hafenmohle leicht zu erreichen ist. Hier scheinen die meisten Einheimischen zu wohnen: Fischer, die ihre Netze zum Trocknen auch mal vor der Haustür ablegen. Schiffsbauer, die sich beim Schreinern der Planken zuschauen lassen. Bootseigner, die ihren Kahn dort überwintern lassen, wo gewöhnlich Autos parken.

Ein unaufgeregter Nachmittag in Portocolom geht mit einer entspannten Busfahrt durch den Südosten der Insel zu Ende. Wer dann noch das Glück hat, die Rückreise nach Palma bei einem spektakulären Sonnenuntergang antreten zu können, könnte Christopher Columbus gut verstehen, sollte er dann tatsächlich in dieser wunderschönen Ecke Halt gemacht haben.

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Von Deià nach Port de Sóller

bannImmer wieder ein Erlebnis: Eine Mallorca-Wanderung durch das Tramuntana-Gebirge von Deià zu dem Hafenstädtchen Port de Sollér. Dies war bereits das dritte Mal, dass wir dieses begnadete Stück Natur abgewandert sind. Die Auswahl der Fotos hält sich deshalb in Grenzen. Einen Link zu einer der früheren Wanderungen gibt’ts  >> hier <<

Drei Männer am Meer

threeDie Geschichte von Erich Kästners „Drei Männer im Schnee“ geht so: Der Millionär Tobler will die Menschen studieren. Er beteiligt sich unter dem Namen Schulze an einem Preisausschreiben seiner eigenen Firma und gewinnt einen zehntägigen Aufenthalt im Grand Hotel. Dorthin fährt Tobler, um zu erleben, wie die Menschen auf einen armen Schlucker reagieren.

Hier geht es nicht um drei Männer im Schnee, sondern um drei Männer am Meer.

Der eine ist groß und schlank und geht auf die 80 zu. Der andere ist auch groß, aber nicht schlank und geht auf die 70 zu. Der Dritte im Bunde ist weder groß noch schlank und hat die 70  gerade hinter sich. Die drei Männer am Meer haben eines gemeinsam: Sie wissen, wie Mann das Leben genießt.

Man trifft sich also zum Mittagessen in einem Strandlokal. Nomen est Omen: „La Vida“ heißt das hinreißend nette Restaurant am Strand von Paguera. „La Vida“ ist „das Leben“. Und das Leben ist für die drei Männer am Strand schön. Nicht nur im „La Vida“.

Der große Schlanke hat den Großteil seines schönen Lebens in New York verbracht, den Rest in Afrika und Asien. Gerade ist er von einer monatelangen Segel-Tramper-Bus- und Fußmarschtour durch halb Europa zurückgekehrt. Der Mann ist in drei Jahren 80 und verbringt seine nicht knapp bemessene Freizeit am liebsten auf seiner Harley-Davidson. Wenn er nicht gerade im „La Vida“ sitzt und dort Meeresfrüchte und das Leben genießt. Oder wandert. Oder Zitronen pflückt und damit Freunde beglückt. Oder mit der Angelrute vom Wind verwehte Wäschestücke von mallorquinischen Dächern fischt.

Auch der nicht so schlanke Große hat die meiste Zeit seines schönen Lebens im Ausland verbracht, hauptsächlich in Kanada. Er hat viel erlebt und sogar ein Buch darüber geschrieben. Hungrig ist er nicht nur nach mehr Leben, sondern auch nach mehr Essen. Am liebsten am Meer. Da bietet sich „La Vida“ an.

Der nicht Große und auch nicht Schlanke ist ein schlauer Kopf, der die Welt kennt und nicht etwa, wie viele andere Lehrer, nur die Schule. Er ist gerade einen Monat lang mit dem Rucksack auf dem Buckel durch Vietnam gezogen, musste sich ein andermal im südlichen Afrika ausrauben lassen. Dafür lässt er jetzt für ein paar Wochen den lieben Gott einen guten Mann sein. Auf Mallorca und im „La Vida“.

Keiner der drei Männer am Strand ist meines Wissens nach Millionär. Und keiner von ihnen hat je aufgehört, das Leben zu studieren. Wie der Fabrikant Tobler.

So ein Studier-Nachmittag am Strand macht hungrig. Nach mehr Leben und mehr Meeresfrüchten.

Nach mehr „La Vida“ eben.