Bitte hören Sie mir jetzt gut zu!

Bildrechte: Bopp

WARNUNG: Dieser Blogpost geht in die Privatsphäre und ist der persönlichste, den ich je geschrieben habe. Ich wähle diesen Weg nicht, weil ich Mitleid erwarte, sondern weil ich andere vor meinem Schicksal bewahren möchte.

Es ist im Grunde genommen ganz einfach: Fliegen Sie nie mit einer starken Erkältung oder gar einer Mittelohr-Entzündung! Sonst droht ihnen der Verlust des Hörvermögens. Genau das ist mir passiert.

Was riskiert man nicht alles, wenn nach fünf Monaten Mallorca der Rückflug nach Montreal ansteht! Ich hätte es besser wissen müssen. Die Bronchitis noch wenige Tage vor der Abreise, die Zahnwurzel-Behandlung am Tag vor dem Rückflug. Vor allem aber die extrem schmerzhafte Mittelohrentzündung 48 Stunden, ehe der Flieger ging.

Ich habe Hilfe gesucht – und sie auch gefunden. Not-Termin bei einem tollen kubanischen Zahnarzt. Besuch bei einem HNO-Spezialisten in Palma. Antibiotika, Cortison, Schmerzmittel. Und ab ging’s in den Flieger. Von Palma nach Frankfurt. Vier Stunden später weiter von Frankfurt nach Montreal.

Start und Landung waren nicht angenehm, aber auch nicht besonders schlimm. Den Druck auf den Ohren kennt jeder, der schon mal geflogen ist. Auch die Beeinträchtigung des Hörvermögens nach der Landung in Montreal war nicht ungewöhnlich. Alarmierend war allerdings, dass der Hörverlust auch Tage später nicht besser wurde, sondern schlimmer.

Bis heute warte ich vergeblich auf das erlösende PLOPP.

Unter dem Trommelfell beider Ohren hatte sich Flüssigkeit gebildet – deshalb die Schwerhörigkeit. Weil sich das Sekret auch nach weiteren Behandlungen mit Antibiotika nicht auflöste, folgte viereinhalb Wochen nach der Landung in Montreal ein chirurgischer Eingriff.

Es wurden ein „Paukenröhrchen“ eingesetzt und das Trommelfell mehrfach durchstochen. Damit sollte eine bessere „Belüftung“ der Gehörgänge erreicht werden. Doch der erwartete Erfolg blieb aus. Deshalb sah der HNO-Chirurg davon ab, auch ins andere Ohr ein Paukenröhrchen zu implantieren.

Mehr als eineinhalb Monate nach der Landung in Montreal und fast drei Wochen nach dem chirurgischen Eingriff ist mein Hörvermögen noch immer extrem stark eingeschränkt. Ob die Schwerhörigkeit von Dauer sein wird, ist im Moment unklar.

Sicher ist nur eins: Wäre ich an jenem schicksalhaften 29. Mai 2016 nicht ins Flugzeug gestiegen, könnte ich vermutlich auch heute noch das Gras wachsen hören.

Deshalb: Tun Sie’s nicht! Stornieren Sie ihren Flug! Quartieren Sie sich notfalls für ein paar Tage in einem Hotel ein. Irgendwann ist die Erkältung vorbei und Sie können getrost fliegen. Wenn Sie vorgesorgt haben, springt bei einer Umbuchung möglicherweise sogar die Versicherung ein.

Gute Reise! Ein „Halten Sie die Ohren steif“ verkneife ich mir lieber.