Zum Abschied geht’s in die Luft

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Dieses Video existiert nicht

Unser neunter Mallorca-Winter ist Geschichte. Nach fünf Monaten am Mittelmeer geht es zurück ins heimische Kanada. Mit einem Abschied, wie Sie ihn vermutlich noch nie erlebt haben.

Ein Freund hat von unserer Dachterrasse in der Calle San Miguel aus seine Drohne in den strahlenden Mallorca-Himmel geschickt. Herausgekommen ist dieses spektakuläre Video, das Palma noch einmal in seiner ganzen Schönheit zeigt. Lehnen Sie sich zurück und heben Sie mit uns ab.

Mallorca17 fing mit einer Schlechtwetterphase im Januar an, die viel Regen, Wind und Temperaturschwankungen brachte. Zur Belohnung wurde uns eine selten schöne Mandelblüte geschenkt, die sich wochenlang wie ein Teppich über die Hügel und Täler legte.

Und natürlich gab es auch diesmal wieder traumhafte Wanderungen, die uns in fast jeden Winkel der Insel führten. Fünf Monate ohne Auto, nur mit Bus, Bahn und zu Fuß. Geht doch!

Und dann: Wunderbare Begegnungen mit Menschen, die mir neu in mein Leben gespült wurden, oder die ich schon seit Jahren und Jahrzehnten kenne. Zwei Kurzbesuche in Deutschland waren dabei, jeder von ihnen mit der Erkenntnis: Es geht doch nichts über Familie und Freunde.

Palma im Frühling war dann laut, zum Bersten voll mit Touristen und zum Schluss noch heiß, wie wir die Insel nie zuvor erlebt hatten. Was uns nicht davon abhalten wird, wieder zu kommen. Eine bessere Alternative zu diesem herrlichen Flecken Erde muss mir erst einmal jemand zeigen.

Adios Mallorca. Bonjour Montréal. Life is beautiful 💚

 

 

 

Palma: Das große Bar-Sterben

Bar Cristal innen

Bald Vergangenheit: Die „Bar Cristal“ an der Plaça España.    Foto: Martin Mueller

Mit Alfonso fing es an. Damals, vor drei Jahren, schob ich die Schließung seiner „Bar Borne“ einfach noch auf doofes Timing. Dass unsere Stammbar an der Plaça de la Reina dicht machte, war blöd. Aber so was passiert halt mal. Inzwischen bin ich ein bisschen weiser, wenn es um Mallorca geht: In Palma hat ein Barsterben eingesetzt. Und ich mittendrin.

Nach der Schließung der „Bar Borne“ ging ich dorthin, wo auch tausend andere jeden Tag hingehen, in die „Bar Bosch“, nur einen Steinwurf von Alfonso entfernt. Aber „zum Bosch“ gehen viele – und ich brauchte wieder eine Bar für mich.

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Die „Bar 1916“, ebenfalls an der Plaça España

Ich hatte Glück. Die „Bar 1916“ war genau das Richtige. Ein alteingesessenesEtablissement an der Plaça España, mittiger geht nicht in Palma. Der Cortado schmeckt auch dort vorzüglich und ist mir einmal mehr nach Bier, Wein oder einem Bocadillo, servieren die fixen Jungs und Mädels vom „1916“ immer genau das Richtige. Nie ohne ein paar Oliven dazu oder ein Häufchen Nüsse. Und immer ein herzliches „Hola!„, ein Händedruck und ein ¿qué tal?‘ Meistens alles zusammen.

Javi, der Kellner, versteht viel von Fußball, Megan, die Barfrau, von der Welt. Menschen mit gelebten Leben. Hier war ich richtig.

Kaum ein Tag, an dem ich mich nicht über Javis „Barcos“ unterhielt oder mit Megan über ihre Heimat Bolivien plapperte. Life is good im 1916.

Und jetzt der Hammer: Die „Bar 1916“ macht dicht. Nach genau 91 Jahren. Elf davon stand Megan hinterm Tresen. Eine Katastrophe! ich hatte wieder einmal aufs falsche Pferd gesetzt.

Die Antwort auf die Frage: „Wie kann eine über 90 Jahre alte, gut gehende Bar einfach zumachen“?  erinnert mich an das, was mir damals schon Alfonso erzählt hatte:

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Alfonsos „Bar Borne“ an der Plaça de la Reina

Die Pachtverträge waren noch während der Franco-Zeit geschlossen worden, alle einheitlich und zu ganz zivilen Preisen. Jetzt laufen die Fristen ab und kein Barbesitzer in Palma oder sonst wo ist bereit, das Zehnfache dessen zu bezahlen, was noch unter Franco galt. So viele Cortados kann eine noch so gut gehende Bar an der Plaça España nicht verkaufen, dass sich der Betrieb noch lohnen würde.

Also sterben die schönen Cafés und Bars in Palma nach und nach den langsamen Bartod. Das traditonsreiche „Café Lirico“ genauso wie das „1916“ und die unmittelbar daneben operierende Traditionsbar „Cristal“. Und auch die wohl älteste Café-Bar in Palma, das Forn des Teatre“ hat neulich die letzte Ensaïmada serviert.

Schlimm genug, dass die wunderschönen Bars mit ihren Messing-Türgriffen und den Jugendstil-Kronleuchtern nach und nach schließen. Der eigentliche Skandal ist das, was aus ihnen wird.

Das „Lirico“ steht leer und wartet noch auf seine neue Bestimmung. Alfonsos „Bar Borne“ ist jetzt, zusammen mit der unmittelbar daneben liegenden Kneipe, eine edle Tapasbar.

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Geschlossen: „Café Lirico“ © Alle Fotos: Bopp

Und das „1916“ und die Nachbarbar „Cristal“? Aus der einen wird ein Klamottenladen, den anderen hat ein Handy-Anbieter im Visier.

Und Megan, die vor elf Jahren aus Bolivien gekommen war und nie einen anderen Job hatte als Barfrau im „1916“, wird künftig in irgendeinem Büro arbeiten. Die Aufnahmeprüfung für einen „International Business“-Kurs hat sie heute bestanden.

Alfonso, der erste Barkeeper, mit dem wir uns vor vielen Mallorca-Jahren angefreundet hatten, arbeitet heute in einer leckeren Konditorei.

Der Besitzer der „Bar Bosch“ dagegen macht keinerlei Anstalten, seinen Laden dicht zu machen. Warum auch? Sie gilt als die populärste Bar auf der gesamten Insel.

Köln: Wie Palma ohne Palmen

Dort, wo ich Dutzende Male beruflich zu tun hatte, war ich am Wochenende zur Abwechslung mal ganz privat. Bilanz eines Blitzbesuchs: Köln hat seinen Zauber nicht verloren.

Alles war diesmal anders als sonst. Ich flog nicht aus Montréal ein, sondern aus Mallorca. Das Hotel lag nicht am Dom, sondern im Szenenviertel.

Viel Zeit blieb nicht, um die Stadt zu genießen, die für viele Jahre so etwas wie ein „home away from home“ für mich war. Gerade mal 30 Stunden hatte der Logistikregisseur für meine Blitzvisite vorgesehen. Genug, um ein Stück Köln kennen zu lernen, das ich so noch nicht kannte.

Da war es wieder, das Geh-Gen. Schon kurz nach dem Frühstück meldete es sich und wollte wieder Forrest Gump spielen, so weit die Füße tragen. Sie trugen uns genau 17 Kilometer weit, vom Dom bis nach Rodenkirchen und zurück – immer am Rhein entlang. Die Nacht war kurz gewesen, der Fußmarsch dafür umso länger.

Ein bisschen Montréal, ein wenig Palma: Die Frachtschiffe auf dem Rhein erinnern an den Sankt-Lorenz-Strom. Die Kneipen und Straßencafés, die Masse an Touristen – das alles ähnelt schon sehr der Altstadt von Palma.

Achtung, Spaßbremse: Dass die meisten Straßenmusiker auch in Köln unterirdisch schlecht sind, soll hier nicht unerwähnt bleiben.

Köln werde auch das „Rom des Nordens“ genannt, hatte in der Nacht noch der Taxifahrer gesagt. Mich wundert diese Charakterisierung nicht. Ein gewisses mediterranes Flair ist diesem lebenslustigen Flecken Erde nicht abzusprechen. Millowitsch meets Mallorca.

Zwar wachsen in Köln, soweit ich weiss, keine Palmen. Dafür werden auf Marktständen Pfingstrosen und Spargel angeboten. Auch das noch: Vor einem loftigen Designerstudio gucken frech mit dunklen Augen ein gutes Dutzend Olivenbäume ins rheinische Land – so, als stünde ihre botanische Wiege am Rheinufer und nicht am Mittelmeer.

Feste feiern, Freunde sehen, gewohnte Wege mit neuen Augen begehen. Frische Perspektiven gewinnen, vor deren Hintergrund sich alte Ansichten relativieren. Menschen besuchen, deren Geschichte – und Geschichten – mit zunehmendem Alter wichtiger werden.

Erinnerungs-Optimismus, der vieles aus der Vergangenheit erklärt, manches aber auch verklärt, ist eine feine Sache.

Mallorca: Menschen am Meer

Ein typischer Tag an der Playa de Palma: Menschen gehen ihrer Arbeit nach. Die Straßenhändler verkaufen am Strand so ziemlich alles: Von der Sonnenbrille über den aufgesetzten Nasenpenis bis zum Kuschelaffen. Die Frauen, in landesüblicher Tracht, bieten Haarverlängerungen an. Es handelt sich fast ausschließlich um Menschen aus dem Senegal. Sie haben es nicht leicht auf Mallorca. Viele von ihnen haben keine Aufenthaltsgenehmigung. Polizeirazzien sind an der Tagesordnung. – Mehr zum Thema gab’s neulich hier im Blog: „Hundert Jahre Garantie auf die Rolex“.

 

 

Der Klassiker zum Schluss

Wie oft wir die Strecke von Sóller nach Deià schon gewandert sind? Ich weiss es nicht mehr. Sechsmal vielleicht? Vielleicht auch mehr. Egal. Für mich ist und bleibt es die perfekte Wanderung auf der Insel. So schön. So abwechslungsreich. So Mallorca.

Schon oft war im Blog von dieser Wanderung die Rede. Deshalb schenke ich mir heute Details. Nur so viel: Es war heiß. Und es war wunderschön!

Es hat schon Tradition: Die jeweils erste und letzte Wanderung unserer Mallorca-Winter führen immer von Sóller nach Deià. Oder auch umgekehrt, so wie heute. Egal welche Richtung: Die etwa 13 Kilometer lange Strecke ist zu jeder Jahreszeit ein Traum.

Im mallorquinischen Winter ist die Luft klar und frisch und man freut sich über jede Blüte. Im Frühjahr, wenn die Natur aus allen Nähten platzt, erahnt man bereits, was der Frühsommer bringen wird: Ein Feuerwerk von Blumen, Früchten, Wildgräsern und Vögeln.

Bei Temperaturen von um die 28 Grad war es heute fast schon zu heiß für diese Wanderung. Deshalb wird es für dieses Jahr wohl auch die letzte gewesen sein.

Wie schön: Der nächste (Wander-)Winter kommt bestimmt!

Damit die früheren Wanderungen nicht in Vergessenheit geraten – heir sind einige Links dazu:

Sóller: Berge, Meer und Piraten

Sóller-Deià: Steiniger Weg durchs Paradies

Kurz vor Kanada noch eine Memory-Tour

Der Klassiker: Von Deià nach Sóller