Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, so lange auf amerikanische Produkte zu verzichten, bis dieser unsägliche Präsident das Handtuch wirft oder, noch besser, des Amtes enthoben wird. Aber das hat sich als ein schwieriges Unterfangen herausgestellt.
Zum einen, weil es im Moment nicht danach aussieht, dass Trump abdankt oder mit Schimpf und Schande aus Washington verjagt wird. Zum anderen, weil wir, die wir nur eine knappe Autostunde von der amerikanischen Grenze entfernt wohnen, nicht für alle US-Produkte, die uns im Laufe der Jahre lieb geworden sind, einen kanadischen Ersatz finden.
Schon klar: Nicht alle Amerikaner sind Trumpisten. Ich kenne wunderbare, intelligente, liebenswerte und tolerante Menschen, die dort beheimatet sind. Denen werde ich mit meinem Boykott hoffentlich nicht schaden. Vielmehr möchte ich meinen kleinen Protest als ganz persönlichen Mittelfinger gegen Trump und seine verqueren „Followers“ verstanden wissen.
Wie damals, als bei uns kein südafrikanischer Wein auf den Tisch kam, solange die Apartheid den Alltag bestimmte.
Bei Ahornsyrup ist die Sache einfach. Da der kanadische ohnehin besser ist als das, was uns aus Vermont und New Hampshire über die Grenze gespült wird, bleiben wir natürlich beim „Maple Syrup made in Canada“, auch wenn der ein bisschen teurer ist als das amerikanische Äquivalent.
Bei Wurst, Fleisch, Käse und Gemüse können die Amis ohnehin nicht mit uns konkurrieren. Nie habe ich während meiner zahlreichen Amerikareisen besseren Käse gegessen als den aus Québec. Auch der Gemüseanbau in der Provinz meines Herzens muss sich nicht hinter dem der Amerikaner verstecken.
Auch beim Toilettenpapier gibt es die besseren – und vermutlich umweltfreundlicheren – Alternativen aus Kanada. „Cascade“ hat ihren Hauptsitz ganz hier in der Nähe. Die nehmen wir.
Beim Obst wird’s schon schwierig.
Grapefruits aus Florida sind unerreicht gut und können, egal wie sehr sich meine kanadischen Freunde das Klima schöntrinken, im hohen Norden einfach nicht gedeihen. Dies galt übrigens lange Zeit auch für Kirschen.
Doch die kanadische Antipathie gegenüber der Trump-Regierung zeigt offensichtlich Früchte – und das sogar im Wortsinn.
Eben komme ich vom Supermarkt bei mir um die Ecke. Und was sehe ich zum erstenmal in diesem Sommer? Kirschen aus Kanada! Genau: Aus British-Columbia. Fast schon wieder süß, in welcher Schriftgröße auf die kanadische Herkunft der kanadischen „Cherries – Product of Canada – Canada No. 1“ hingewiesen wird.
Wunderbar. Braucht sich die Verkäuferin in der Markthalle künftig nicht mehr verschämt die Hand vor den Mund halten, wenn ich sie, wie vor ein paar Tagen, frage, woher ihre Kirschen denn kommen. Ihre Antwort: „So sorry, but they are from the United States“.
Zugegeben: Kanadische Kirschen sind nicht ganz so süß wie die aus Oregon, Washington oder Kalifornien.
„Denk’ dir sie einfach süß“, sagt SIE, die nie um eine Antwort verlegen ist, wenn es darum geht, Amerika die Stirn zu zeigen.
Genau. Canada First.

Es gab Zeiten, da habe ich mindestens zweimal pro Jahr im ARD-Hörfunk über Kältewellen in Kanada berichtet. Zum Beispiel darüber, wie man sich bei minus 40 Grad am besten kleidet und auch, was Inuit-Mütter tun, um ihre Kinder vor dem Erfrieren zu bewahren. Von einer Hitzewelle, wie sie schon sei Tagen in Montreal herrscht, konnte ich nie berichten. Bietet sich also an, es hier zu tun.
warum nicht?, ein T-Shirt direkt aus dem Gefrierschrank. Eisbeutel im Baseballkäppi? Eher nicht.