Wir waren gewarnt worden: „Der Camino wird Euer Leben verändern“, hieß es von Menschen, die es wissen müssen.
Schon möglich. So richtig ist nichts mehr wie vorher. Die Erschöpfung nach sechs Wochen Pilgern setzt erst jetzt so richtig ein. Fast 900 Kilometer zu Fuß hinterlassen Spuren bei Menschen um die 70.
Im Moment sitzen wir im Zug von Porto nach Lissabon. Von dort geht unser Flieger zurück nach Montréal. Schön, einfach mal dem Lokführer die Navigation zu überlassen und nicht ständig nach der Jakobsmuschel mit dem gelben Pfeil Ausschau halten zu müssen.
Aber dann: „Ich wäre bereit, jetzt weiter zu wandern“, meinte Lore heute früh beim Packen. Ich auch.
In Santiago hatten wir uns nach der Ankunft ein feines Hotel in einem ehemaligen Kloster gegönnt. Den Pool konnten wir leider nicht nutzen. Im Pilger-Rucksack war kein Platz für die Badehose.
Santiago selbst war schnell abgehakt. Die berühmte Kathedrale war wegen Bauarbeiten geschlossen. Der Rest? Touristenprogramm, das so gar nicht in den Pilgermodus passte, in dem wir uns noch immer befanden.
Und noch immer befinden.
Während der Busfahrt von Santiago über Muxía nach Finisterre schauten wir etwas wehmütig den Pilgern hinterher, die den 80 Kilometer weiten Weg bis ans Ende der Welt zu Fuß zurück gelegt hatten.
Bei uns wäre dafür die Zeit knapp geworden. Ich wollte unbedingt noch Porto sehen. (Lore kannte es von früheren Reisen).
Was für eine zauberhafte Stadt! Die Architektur, die zahlreichen historischen Stätten, das Lebensgefühl – das alles war schon sehr beeindruckend. Und das Ganze noch bei hochsommerlichen Temperaturen – Herz, was willst du mehr?
Nichts willst du mehr. Eher weniger.
Die drückende Schwüle, zusammen mit Massen an Touristen, wie ich sie nicht einmal aus Palma kenne – das alles hatte fast etwas Bedrohliches an sich.
Wer sechs Wochen in der Natur unterwegs war, braucht Zeit, die neue Wirklichkeit einsacken zu lassen.
Und jetzt? Arbeiten wir daran, dass das nicht einsetzt, wovor uns viele „Caministen“ gewarnt haben.
„Passt auf, dass Ihr nicht in ein tiefes Loch fallt!“, schreibt erst heute wieder ein Blogleser aus Aachen in einem Kommentar, den ich eben freigeschaltet habe.
Überhaupt: Die Kommentare!
Gut hundert sind im Laufe der Zeit bei uns eingegangen. Von Freunden, aber auch von wildfremden Menschen aus aller Welt. Wir haben jeden von ihnen gelesen. Nach und nach werde ich versuchen, sie alle zu beantworten. Danke für jeden von ihnen!
Übrigens: Danke auch für die vielen besorgten Nachfragen wegen des Unwetters in Montréal. Aber dort, wo wir wohnen, sind wir nicht vom Hochwasser bedroht.
Die Zeit fliegt. Vor dem Zugfenster rast halb Portugal an uns vorbei. Die iberische Halbinsel haben wir jetzt auf alle möglichen Arten durchquert:
Mit dem Flieger von Lissabon nach Bilbao. Mit dem Bus von Bilbao nach Pamplona und dann wieder von Santiago nach Porto. Und jetzt eben mit der Bahn von Porto nach Lissabon.
Doch nichts hat uns so berührt, ja fürs Leben geprägt, wie die Wanderung auf dem Jakobsweg.
Irgendwie habe ich das Gefühl, das Abenteuer könnte nächsten Winter weitergehen. Es gibt schließlich viele Caminos, nicht nur den Jakobsweg.
Und Mallorca läuft uns nicht davon.
S A N T I A G O:







MUXÍA, NEGREIRA und FINISTERRE:










P O R T O:
























L I S S A B O N





