Stadtbummel statt Wandertag

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Eigentlich war heute Wandertag. Die Stullen waren geschmiert, die Bustickets gekauft, der Rucksack gepackt. Geplant war eine Wanderung von Artà aus, irgendwo Richtung Meer. Doch dann kam alles anders.

Artà, eine zauberhafte Stadt im Nordosten Mallorcas, hat uns so gut gefallen, dass wir einfach geblieben sind. Bei frühsommerlichen Temperaturen und jenem tiefblauen Mallorca-Himmel, den wir in den letzten Tagen und Wochen viel zu selten zu Gesicht bekommen hatten.

Dass wir in Artà hängen blieben, hat nicht nur – aber auch – mit dem Wochenmarkt zu tun, der jeden Dienstag auf der Plaça del Conqueridor im Zentrum von Artà stattfindet. Käse, Fisch, Obst, Gemüse, Backwaren, Ledersachen, Stoffe. Und für den, der’s mag, auch lebende Vögel.

Der Ort hat seinen eigenen Charme. Und dem konnten wir uns einfach nicht entziehen.

Dass aus dem Stadttag doch noch so etwas wie eine Mini-Wanderung wurde, hat hauptsächlich mit der Santuari de Sant Salvador zu tun. Die Pilgerstätte ragt über der Stadt wie ein wunderschön gemaltes I-Tüpfchen.

Einhundertachtzig Stufen umfasst der Kreuzweg, der von der im 14. Jahrhundert gebauten Pilgerstätte bis zum Berggipfel führt. Belohnt wird der Besucher dann mit einem spektakulären Panoramablick in alle Richtungen. Auch das Meer ist in einigen Kilometern Entfernung zu sehen.

Dass wir es heute nicht bis dorthin geschafft haben, sei uns verziehen. Ein weiterer Besuch dieser hübschen und dazuhin geschichtsträchtigen Stadt ist nicht ausgeschlossen. Von Palma aus sind es weniger als 70 Kilometer nach Artà. Für den reibungslosen Transport sorgte, wie immer, das öffentliche Bus-Verkehrsnetz.

Von Campos nach Felanitx

img_2066Von Campos nach Felanitx sind es Luftlinie gerade mal 13 Kilometer. Wir haben heute die Variante „ländlich-sittlich“ gewählt. Als wir dann endlich in dem Städtchen im Südosten Mallorcas angekommen waren, wurden es mehr als 18 Kilometer. Dafür gab es so gut wie keine Steigungen, was auf Mallorca eher selten vorkommt.

Den Wanderführer strickten wir uns diesmal weitgehend selbst. Mit dem Bus ging’s zunächst 45 Minuten von Palma nach Campos. Danach zu Fuß auf gut begehbaren Nebenstraßen in Richtung Felanitx.

Ein Lob gilt heute mal dem grünen Klee: Der begleitete uns fast die ganze Strecke über mit Blättern und knallgelben Blüten.

Auch die Mandelbäume hatten sich für uns fein gemacht – zumindest einige von ihnen. In voller Blüte stehen sie noch nicht. Oft zeigen sie schon im Januar ihre weiß-rosa-farbenen Blüten. Doch der Winterschlaf hat in diesem Jahr länger gedauert als sonst. Kein Wunder: Der Jahresbeginn war ungewöhnlich kühl und regnerisch.

Die Strecke, die wir uns für die heutige Wanderung ausgesucht hatten, führte an Wiesen und Feldern vorbei – mit allem, was des Bauern Herz begehrt:

Reben, Bohnen, Getreide, Obstsorten aller Art, Johannisbrotbäume, Feigen, Aprikosen,  und natürlich Oliven, die zu Mallorca gehören wie die Prärie zu Kanada.

Es war, was die Landschaft betrifft, nicht die exotischste Wanderung, die wir je gemacht haben. Sehenswert ist dieser Teil Mallorcas trotzdem. Die fruchtbaren Felder, die Fülle an Obst- und Gemüsevariationen, all die Frühlingsblumen mitten im Winter – Herz, was willst du mehr?

Und überhaupt: Wer braucht noch mehr Aufregung als die zahlreichen Hunde, die mit gefährlichem Gekläffe die Fincas und Schafherden ihrer Herrchen bewachen?

So war es eben diesmal die etwas andere Wanderung. Bergtouren mit fantastischem Meerblick und hübschen Dörfern dazwischen gibt es schließlich in Hülle und Fülle auf dieser zauberhaften Insel.

Flohmarkt, Franco und Flamenco

img_1687Flohmärkte kennen Sie schon, sagen Sie? Dann besuchen Sie mal „el rastro“ von Consell. Dort, im Herzen von Mallorca, finden Sie Dinge, die Sie bestimmt noch nie auf einem Flohmarkt gesehen haben.

Literatur aus Franco-Zeiten, Flamenco-Tänzerinnen aus Keramik, Mickey-Mäuse aus Pappmaché und auch antike, handgestickte Kleidungsstücke, wie man sie gewöhnlich allenfalls noch im Fundus von großen Opernhäusern findet.

Dass es neun Jahre gedauert hat, bis wir uns zu einem Flohmarkt-Besuch auf Mallorca durchringen konnten, hat einen Grund: In Hudson, dem kanadischen Dorf, in dem wir jahrelang gelebt haben, gab es einen hervorragend bestückten und von daher ziemlich bekannten Flohmarkt.

Wir sind also verwöhnt, wenn es um Flohmärkte geht.

Doch der Besuch in Consell hat sich gelohnt. Er ist anders, bunter, vielfältiger als alle Flohmärkte, die ich bisher gesehen hatte. Und irgendwo ist er auch authentischer. Durch den regionalen Bezug zu den Ausstellern gibt er auch gewisse Einblicke in das mallorquinische Leben.

Von Palma aus ist Consell leicht mit dem Zug zu erreichen, der nach Sa Pobla fährt. Vom Bahnhof aus gibt es einen Shuttlebus ins Dorf. Oder aber man geht zu Fuß, durch landwirtschaftlich genutzte Felder. Und sieht zum erstenmal in diesem Jahr blühende Mandelbäume.

Wer gut zu Fuß ist, kann den Rückweg nach Palma etwas aufhübschen. Wir sind von Consell zu Fuß nach Santa-Maria gewandert. Nach ca. vier Kilometern waren wir in dem Dorf, das wir bereits von zahlreichen Markt-Besuchen kannten. Doch der Markt in Santa-Maria lässt sich mit dem in Consell nicht vergleichen. In Santa-Maria geht es um die Wurst, in Consell ums Heim.

Von Santa-Maria dann mit der Bahn wieder nach Palma zurück zu fahren, ist ein Klacks. Vor allem, wenn der Reisebegleiter unverhofft den Flachmann aus der Hosentasche zieht.

Der Himmel weint, Palma lacht

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Grauer Himmel auf der Sonneninsel? Kein Problem. Wenn Mallorquiner in Feierlaune sind, dann lassen sie sich auch von ein bisschen Regen nicht abhalten. Gestern zum Beispiel. Da wurde in der Hauptstadt „Sant Sebastià“ gefeiert, das ist der Schutzheilige von Palma.

Da wurde gegrillt auf Teufelkommraus. Die Stadtverwaltung stellte die Grillplätze inklusive Feuerholz zur Verfügung. Leckereien brachten die Palmesanos selber mit: Fleischspieße, Fisch und natürlich die berühmte Paprikawurst Sobrasada, eine Spezialität der Insel.

Ganze Familien waren unterwegs, auch Firmengruppen, die sich am Grill trafen. Und natürlich wurde getanzt. Am meisten los war auf der Placa Major, einem riesigen Innenhof, umgeben von Wohn- und Geschäftshäusern.

Vierzig Bands gaben über die ganze Innenstadt verteilt Open-Air-Konzerte. Von Heavy Metal bis Rock, von traditioneller mallorquinischer Musik bis hin zum Hiphop.

Als dann gegen drei Uhr morgens die Stecker der Verstärker gezogen und die Lautsprecher abgebaut wurden, konnten sich die Partygänger getrost schlafen legen. Der Tag danach ist arbeits- und schulfrei.

Die Ruhe werden die Palmesanos benötigen. Schon am Samstag geht’s weiter mit dem Correfoc, dem spektakulären Feuermarsch, mit dem der Winter endlich vertrieben werden soll.

Fotos vom gestrigen Massengrillen gibt’s  >> HIER <<

Mallorca und die Zwiebelschale

img_1119Mallorca und das Wetter – das ist ein Kapitel für sich. Im neunten Winter auf meiner Lieblingsinsel sei mir die Feststellung erlaubt: Der Mallorquiner an sich friert nicht gerne.

Das tun wir alle nicht. Aber viele Einheimische rüsten hier schon beim geringsten Temperatursturz kleidungsmäßig auf, als gelte es den schlimmsten Blizzard der Geschichte zu bekämpfen.

Dabei heißt Temperatursturz hier von 18 auf 14 Grad, ganz selten auch mal auf zehn. Minustemperaturen habe ich hier noch nie erlebt. Um einen ordentlichen Blizzard zu sehen, guckt sich der Mallorquiner „Verloren im Schneesturm“ im Kino an.

Was im heimischen Kanada noch als T-Shirt-Wetter durchginge, treibt meine mallorquinischen Freunde in die Thermojacke mit Wollschal und Pelzkragen. Und natürlich ist man mit Skimütze auf der Hut vor dem Blizzard, der nie kommen wird.

Von der Dachterrasse unseres Feriendomizils aus habe ich sie alle im Blick: Die ältere Dame mit Pelzkrägelchen (NERZ!!), den Handwerker in der fett gepolsterten Ski-Jacke. Und auch die Teenie-Girls, die ihre frisch manikürten Hände tief im Ärmel ihres Bomberjäckchens verschwinden lassen.

Dabei hat es gerade mal 18 Grad.

Auf der Terrasse meiner Stammbar glühen bei 16 Grad plus die Wärmepilze um die Wette, während bei uns in Montreal bei 25 Grad noch im Freien gegrillt wird. Bei minus 25 Grad.

Einen meiner ersten Winter-Kommentare in Kanada werde ich nie vergessen. „It’s freezing!“, versuche ich bei minus 30 Grad Konversation mit dem neuen Nachbarn zu halten. „Yeah, but at least there are no mosquitoes“.

Stimmt. Stechmücken findet man bei diesen Temperaturen eher selten.

Der Kanadier sagt: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Und im Winter gilt das Prinzip der Zwiebelschale. Mehrere dünne Schichten übereinander geben wärmer als ein dicker Parka.

Der Mallorquiner scheint zwischen Dezember und März den ewigen Winter zu verspüren, egal, was das Therometer anzeigt. Für den ultimativen Kleidungstipp ist nicht die gefühlte Außentemperatur wichtig, sondern das, was der Wettermann im Radio sagt.

Vielleicht sollte ihm einer den Tipp mit der Zwiebelschale flüstern.