Der Strand der Verlierer

fotobannerWas man nicht so alles findet an einem Freitag, dem dreizehnten, am Strand von Colónia de Sant Jordi, im Südosten von Mallorca: Flipflops und Socken. Benzinkanister und eine Sandkastenschaufel. Ein Ventilator war auch dabei und auch ein „„-Schild, das stark nach Düsseldorf riecht.

Alles Dinge, die man eben so braucht, wenn man am Meer ist.

Wer die Fundsachen wann wo und warum hinterlassen hat, bleibt das Geheimnis der Verlierer. Und weil es für uns schon die zweite Strandwanderung in diesem Frühjahr war – die erste hatte eine Hippie-End – gibt es eben heute statt schönen Bildern einfach mal Strandgut.

Stöbern Sie doch mit.

 

Der Feind vor meinem Fenster

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Bis vor kurzem war ich ein großer Fan von Straßenmusik. Ob Beatles oder Bowie, Dixie oder Dylan – keine Band war mir zu laut, kein Akkord zu schrill, kein Sänger zu schräg. Seitdem ich im Epizentrum der Touristenmetropole Palma lebe, hat sich mein Verhältnis zu Streetperformern dramatisch verschlechtert. Ich wünsche ihnen abwechslungsweise eine fette Erkältung an den Hals oder sechs gerissene Gitarrensaiten gleichzeitig. An manchen Tagen auch beides zusammen.

Die Straßenmusiker, die Tag für Tag vor meiner Wohnung auftreten, überbieten sich gegenseitig in der Dezibelzahl. Jegliches Taktgefühl scheint ihnen abhanden gekommen zu sein.

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Der Autor als „Busker“ ca. 1964

Dass Streetperformer es eines Tages schaffen würden, mir meinen Alltag zu vermiesen, hätte ich nie für möglich gehalten. Schließlich war ich früher selbst einer von ihnen. Mit Banjo und Gitarre habe ich mich als Tramper durch halb Europa gespielt. Nur sorgte damals, wenn ich mich richtig erinnere, der Klangkörper eines Instruments für die Akustik und nicht ein Verstärker.

Straßenmusiker lassen sich nicht abschalten wie ein Radiogerät. Sie lassen sich auch nicht leiser stellen. Ihre Stimmen mögen noch so unstimmig sein – sie zählen auf die Gnade der Passanten, die auch dann noch einen Taler in den Hut werfen, wenn eigentlich eine Freiheitsstrafe angebracht wäre.

Nie zuvor habe ich einen Menschen mit einer solchen Hingabe so inbrünstig falsch singen hören wie den Gitarristen vor meinem Haus, der so etwas ähnliches wie Beatles-Songs zu spielen vorgibt. Erschwerend komme allerdings hinzu, bemerkte neulich die mitleidende Frau an meiner Seite, dass er leider rasend gut aussehe.

Die alternde Operndiva: Sie stammt aus Weißrussland, habe ich in der Zeitung gelesen. In ihrer Heimat habe sie große Erfolge feiern dürfen. Ach, hätte sie die Ovationen doch in Minsk ausgekostet! Aber irgendwann kam der Absturz und sie landete auf der Straße. Ausgerechnet in Palma. Ausgerechnet vor meiner Wohnung. Hebt sie zum „Ave Maria“ an, werden vor meinem Fenster massenweise Taschentücher gezückt. Tränen sind ein gutes Schmiermittel für den Geldbeutel, denkt sich die Diva. Also schmettert sie ein „Ave Maria“ nach dem anderen in die Menge.

Und dann die Frau in Schwarz, stets mit Hut und Sonnenbrille. Ihr Repertoire besteht aus genau fünf Liedern. Vier davon bringt sie kläglich zu Ende. Beim vierten – „Me and Bobby McGee“ – stößt sie regelmäßig an ihre Grenzen und hört mitten im Song auf. Janis Joplin würde sich im Grabe umdrehen, müsste sie dieser Kopiermaschine auf zwei Beinen zuhören.

Ob Reggae oder Funk, Blues oder Heavy Metal – sie können mir inzwischen alle gestohlen bleiben. Ihr minimalistisches Repertoire ist ausgelegt für einen stets in Bewegung befindlichen Touristenstrom. Ihre Stimmen laufen selten zur Hochform auf.

Nur wenige der Streetperformer vor meinem Haus könnten in meiner adoptierten Heimatstadt Montréal überleben. Dort ist die Konkurrenz unter „Buskern“ groß. Jeweils zu Saisonbeginn veranstaltet die Stadt Castings. Wer „Me and Bobby McGee“ nicht durchgehend singen kann, hat keine Chance auf eine Lizenz.

Am liebsten ist mir inzwischen der Chinese mit Strohhut vor meinem Fenster. Er lächelt zufrieden und malt Namensschilder aus fantasievoll aneinander gereihten Tierfiguren. Das Beste: Er gibt keinen Ton von sich.

Klappern gehört zum Handwerk. Hier noch zwei Streetperformer der besonderen Art.

 

Wahnsinns-Wochenende in Wien

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Urlaub vom Urlaub: Ein Wochenende in Wien. Familientreffen in einer wunderbaren Stadt. Charmant mit großbürgerlichem Flair. Geschichte trifft auf Architektur und eine tolle Kneipenszene. Grünanlagen zum Abwinken. Touristendichte fast wie in Palma.

Und dann der „Prater“ an einem warmen Frühlingsabend – ganz schön schrillschräg. Mit einem Riesenrad, das Geschichten erzählen kann: James Bond, Der dritte Mann und andere Filme wurden hier gedreht. Ein mehr als 100 Jahre altes Konstrukt, höher als der Ummendorfer Kirchturm.

Picknick im Stadtpark. Festessen beim „Wild“. Taufe einer Tanzmaus namens Emma. Erstkommunion einer zauberhaftren jungen Dame namens Julia – das Ganze mit Freunden und Verwandten aus Deutschland, Österreich und Ungarn.

Absacker in der S-Bahn-Kneipe mit dem coolsten Manager unter der Sonne – einem Weltreisenden und Freund, der für mich schon immer viel mehr war als nur ein Verwandter. Einer, der jeden „Stones“-Song im Schlaf kennt und sich mit fast 50 noch Micks ausgestreckte Zunge in den Oberarm tätowieren ließ.

Zum großen Finale dann noch eine Stadtrundfahrt in einer antiken Straßenbahn, die der tolle Neffe nebst ungarischer Zauberfrau für ein Dutzend von uns Wien-Touris reserviert hatte.  Danke!

Wenn Besucher aus einer bezaubernden Stadt in eine andere bezaubernde Stadt verreisen, muss eine Fotogalerie her. >> Hier ist sie <<

 

Postkartenidylle für Genießer

elmo_bannerManche Dinge sind einfach zu schön, um sie nur einmal zu genießen. Nehmen wir die Wanderung von Port d’Andratx nach Sant Elm im Südwesten von Mallorca. Die knapp 15 Kilometer lange Strecke haben wir heute bei sommerlichen Temperaturen bereits zum zweitenmal hinter uns gebracht.

Und wieder war es der Aufstieg zum 300 Meter hoch gelegenen Pas Vermell, der uns um ein Haar den Spaß an der Freude genommen hätte. Erst wenn der mit pompösen Prunkvillen zubetonierte Hausberg von Port d’Andratx hinter einem liegt, fängt das Vergnügen an.

Übrigens: Auch nach mehr als einem halben Dutzend Besuchen von Port d’Andratx ist es mir noch immer ein Rätsel, wie ausgerechnet diese Ansammlung von Betonklötzen zu dem Ruf gekommen ist, das Eldorado für Mallorca-Promis zu sein. Die – zugegeben hübsche – Hafenpromenade allein kann es ja wohl nicht sein.

Der Rest der Wanderung ist spektakulär. Das Panorama, das sich einem aus 350 Meter Höhe bietet: eine Wucht. Märchenhaft, wie sich die sanft geschnittene Insel Dragonera vor einem ausbreitet. Im Nordwesten der mehr als 1000 Meter hohe Puig de Galatzó, nicht weit davon davon entfernt sorgt der 920 Meter Berg Mola de s’Esclop für eine Traumkulisse.

Und dann das Meer! Ein erlesenes Farbenkaleidoskop, als würden die schönsten Flecken der Karibik mal kurz dem Mittelmeer Hallo sagen.

Diese Wanderung gehört nicht zu den leichtesten, die wir hinter uns haben. Aber sie ist durchaus auch von nicht sehr erfahrenen Hikern zu stemmen. Bei den hochsommerlichen Temperaturen, die heute herrschten, war allerdings der Fitness-Faktor nicht zu unterschätzen.

Ein Glück, dass es gleich nach dem Abstieg zu dem hübschen Dorf St. Elm eine verwunschene Bucht gibt. Das Fußbad musste einfach sein, das dazugehörige Foto auch.

Den Blogpost von der letzten Wanderung gibt’s  >> HIER <<

Blütentour für die Sinne

Die Strecke zwischen Deià und Sóller gilt unter Mallorca-Wanderern als der Klassiker schlechthin. Wir waren heute schon zum vierten Mal auf ihr unterwegs. Nur: Diesmal haben wir diese paradiesische Route in der Gegenrichtung erwandert.

Mit dem Bus von Palma kommend, sind wir morgens in Sóller losmarschiert, um am späten Nachmittag in Deià einzutreffen. Und wieder waren es grandiose Ausblicke, Eindrücke und Erfahrungen, die wir von dieser Wanderung mitgenommen haben. Gerade jetzt, im mallorquinischen Spätfrühlung, verschlägt einem die Blütenpracht den Atem.

Wer gut zu Fuß ist und sich während seines Mallorca-Aufenthalts einen einzigen Wandertag gönnen möchte, sollte sich diese paradiesische Berg- und Talwanderung nicht entgehen lassen. Sie ist vielseitig, weil Berge erklommen, Täler durchwandert und Meerblicke genossen werden. Sie ist kurzweilig, weil sich die Natur von einer Minute auf die andere von einer völlig anderen Seite zeigt.

Lag eben noch in der Ferne der türkisfarbene Mittelmeerstrand vor einem, bauen sich im nächsten Moment Zitronen- und Orangenfelder, Feigenbäume, Avocados, Walnüsse, Mispeln, Feigen und all die anderen Früchte vor einem auf, die der Mittelmeerraum so zu bieten hat.

Immer wieder ein Highlight: Ein Stopp bei der Finca Son Mico. Ein Glas frisch gepresster Orangensaft mit einem Stück Orangen-, Birnen- oder Mandelkuchen direkt aus dem Backofen – die Señoras, wissen, wie man es seinen Gästen recht macht. Allein für den fantastischen Blick in das „Goldene Tal“ von Sóller würde sich der Aufstieg zu dem traumhaft schönen Gehöft lohnen.

Auch wenn die Auf- und Abstiege nicht zu unterschätzen sind, gilt die Wanderung von Deià nach Sóller als nicht besonders schwierig. Perfekt also für Neueinsteiger, denen Strandspaziergänge zu eintönig und Shoppingtrips zu teuer sind.