Hochspannung in der Atomic Bar

plakatAls gegen 22 Uhr in der „Atomic Bar“ die Bombe platzte, war klar: Mein erster Wunsch war in Erfüllung gegangen. Die düsteren Zeiten unter dem stockkonservativen Premierminister Stephen Harper sind vorbei. An seine Stelle tritt ein cooler, kluger, liberaler Kopf: Justin Trudeau (43), Sohn des legendären Premierministers Pierre Elliot Trudeau. Was aber würde aus unserer Freundin Marjolaine werden, zu deren Wahlparty ich in den tiefen Osten der Stadt gereist war?

Das Schöne an Freundschaften ist, dass man nicht dieselbe Partei wählen muss, aber trotzdem für einander da ist, wenn Not an der Frau ist. Was haben wir Plakate geklebt, Flyers verteilt, Werbung gemacht bei Freunden und Bekannten! Nicht für die Partei. Aber für Marjolaine als Kandidatin.

Marjolaine Boutin-Sweet sitzt seit vier Jahren als Abgeordnete für die links-demokratische NDP im Bundesparlament in Ottawa. Die Partei gefällt mir gut, ihr Spitzenkandidat weniger. Hätte die NDP die gestrige Wahl gewonnen, wäre Tom Mulcair Premierminister geworden. Er wäre meine zweite Wahl gewesen. Alle, nur nicht Harper.

Aber weil Marjolaine unsere Freundin ist und sie während des Wahlkampfs gekämpft hat wie eine Löwin, galten meine gedrückten Daumen ihr, als es um die Besetzung des Wahlkreises Hochelaga ging. Es sah nicht gut aus. Die liberale Gegenkandidatin war mal um 200 Stimmen voraus, dann lag sie wieder um 22 Stimmen zurück. So ging das den ganzen Abend bis spät in die Nacht.

In der „Atomic Bar“ herrschte so etwas wie Endzeitstimmung. Den Ausgang kannte bis zum Schluss keiner. Also wurde vor der Riesenleinwand geklatscht und gebuht, gewettert und diskutiert. Und immer, wie das unter Québecern so Usus ist, gegessen und getrunken. Auch einige „Fuck Harper“-T-Shirts waren zu sehen.

Kurz nach Mitternacht stand das Ergebnis immer noch nicht fest. Aber die letzte U-Bahn wartet nicht auf einen, der wissen will, wieviele Stimmen seine Freundin bekommen hat. Also hiess es für mich gegen ein Uhr morgens Tschüss zu sagen: Zu Marjolaine, zur „Atomic Bar“ und zu all denen, die dort noch bleiben konnten, weil keine U-Bahn auf sie wartete.

Das Wlan in der Métro ist eine einzige Ruckelpartie. Ein zuverlässiges Resultate-Checken im Internet war nicht möglich. Beim Aussteigen an meiner Haltestelle ein Blick aufs Handy: Marjolaine hatte mit 362 Stimmen die Nase vorn. Beim Aufschließen der Wohnungstür entwich mir ein kleiner Seufzer: Jetzt war unsere Freundin nicht mehr einzuholen.

Sie hat gewonnen! Ihren Sitz als NDP-Abgeordnete für den Wahlbezirk Hochelaga konnte sie erfolgreich verteidigen. Mit einem Stimmenunterschied von gerade mal 461.

Félicitations, Marjolaine! Good Luck, Justin!

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Hängen und Würgen in der „Atomic Bar“ im Montrealer Stadtteil Hochelaga: Fotos: Bopp

Gefällt mir: Leben mit Facebook

fbWas jetzt: Ja? Nein? Vielleicht? Später? Gar nicht? Meine Freunde kennen mein gespaltenes Verhältnis zu den sozialen Medien schon seit Jahren. Aber jetzt ist es offiziell: Ich bin – wieder – bei Facebook und auch bei Twitter.

Nicht, weil ich neue Freunde suche. Sondern weil ich mit manchen alten wieder Kontakt halten möchte. Und, ganz ehrlich: Nicht ganz so nebenbei kann ich damit meine beiden eBooks bewerben. Hier nennt man so etwas eine „Win-Win-Combination“.

Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Datenkraken gibt es schon mehr als genug. Warum sich also noch einer weiteren ausliefern? Und auch noch freiwillig. Trotzdem: Mein zweiter Facebook-Anlauf hat sich bisher als eine gute Wahl herausgestellt.

Ich bin wieder in Kontakt mit Freunden und Kollegen. Großzügig schenke ich ihnen meine „Likes“. Und freue mich jedesmal, wenn auch ein Post von mir mit einem „gefällt mir“ belohnt wird. Was ich vermisse, ist so etwas wie ein „Mitfühl“-Button. Wie soll ich einen ergreifenden Flüchtlingsbeitrag „liken“?

Faszinierend finde ich, in welchem Tempo man seinen „Freundes“kreis ausbauen kann. Du fängst bei Null an – und zwei Tage später sind es schon 140. Natürlich ist nicht jeder „Friend“ auch ein „Freund“. Aber zu wissen, wo er oder sie inzwischen arbeitet, wie sie beim Triathlon abgeschlossen hat und was er so aus dem Urlaub postet – nicht schlecht, Herr Specht. Da kommt der Voyeur endlich auf seine Kosten.

In einem Punkt hat auch mein zweiter Facebook-Anlauf meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Es ist der Suchtfaktor. Natürlich möchte ich gerne wissen, wer von meinen Kollegen was über die Flüchtlingskrise schreibt und wem Kloppos Trainerwechsel nach Liverpool gefällt oder nicht. Das kostet Zeit. Dabei wohne ich ohnehin schon im Internet.

Ist mein Leben mit Facebook nun reicher, bunter, runder geworden? Nein. Muss ich alles wissen, was meine „Friends“ so posten? Nein.

Und trotzdem: Gefällt mir. Sehr sogar.

Meine Erfahrung mit eBooks

Es muss nicht immer Kindle sein: Bei Amazon wird verlegt, bei Kobo gelesen.

Es muss nicht immer „Kindle“ sein: Seit 5 Jahren wird bei uns im „Kobo“ gelesen.

Ebooks sind eine feine Sache. Man denkt sich ein Thema aus, schreibt darüber, sucht sich einen Verwerter, schraubt ein bisschen am Textformat herum und wählt beim Vertreiber seiner Wahl ein hübsches Design für den Buchdeckel aus. Bis hierher: Alles gut. Der richtige Stress kommt erst nach dem Hochladen des Textes.

Amazon ist der Vertreiber, den ich mir ausgesucht habe. Amazon hat sich angreifbar gemacht als schlechter Arbeitgeber, der seine Mitarbeiter unfair behandelt. Mir ist das bekannt, auch wenn manche, die mir schreiben, glauben, ich hätte das nicht geschnallt. Dass ich zwischen zwei Welten pendle, heisst noch lange nicht, dass ich hinterm Mond lebe.

Trotzdem bin ich der Meinung, dass Amazon mit seiner weltweiten Vermarktung meinen eBook-Bedürfnissen am meisten entgegenkommt. Bin ich deshalb unsolidarisch mit den schlecht bezahlten Mitarbeitern? Ich hoffe nicht.

Zunächst die gute Nachricht: Meine beiden Bücher „Das gibt sich bis 1970“ und „Mutmacher für Freie Journalisten“ erfreuen sich einer regen Nachfrage. Luft nach oben gibt es immer, aber man soll als unbekannter Autor auch nicht maßlos in seinen Ansprüchen sein.

Nach dem Schreiben beginnt die Arbeit

Die nicht so gute Nachricht: Sind die Bücher erst einmal online, wird man als Autor mit vielen Dingen konfrontiert, die man beim Schreiben so nicht auf dem Schirm hatte. Amazon macht es Nutzern aus den verschiedensten Ländern nicht leicht, das Buch überhaupt zu kaufen. Man muss ein Konto einrichten und falls man kein „Kindle“-Lesegerät von Amazon hat eine (kostenlose) App herunterladen, auf der die Bücher dann allerdings sehr lesefreundlich dargestellt werden. Übrigens nicht nur im „Kindle“-Reader, sondern auch auf dem Laptop, dem Desktop, dem Handy oder dem Tablet. Ein bisschen Vorarbeit ist also schon nötig.

Ebooks liegen – anders als gedruckte Bücher – nicht in irgendeiner Buchhandlung aus. Man kann zwar einen virtuellen Blick ins Buch werfen, aber man kann sie nicht durchblättern, ehe man sich zum Kauf entschließt. Der größte Nachteil: Man hat als Autor nicht den Luxus eines Verlags hinter sich, der Lesungen organisiert, Anzeigen schaltet oder die Bücher sonst irgendwie promotet. Der Verfasser allein ist dafür verantwortlich, dass sein Buch raus dem Keller nach oben in den digitalen Internet-Laden von Amazon kommt.

Ohne Kunden-Rezensionen kaum Aussicht auf Erfolg

Die Vermarktung ist die größte Herausforderung im eBook-Geschäft. Es ist ein Teufelskreis. Aus dem Ranking-Keller auf die exponierteren Plätze der Amazon-Webseiten kommen nur Bücher, die sich gut verkaufen. Bücher mit vielen Kunden-Rezensionen verkaufen sich besser als solche, die niemand bewertet. Doch die wenigsten Leser machen sich die Mühe, nach der Lektüre auch noch ein paar Zeilen Kommentar zu posten.

Das finde ich schade, denn neben dem Kauf des Buches sind diese Kunden-Rezensionen das eigentliche Geschenk, das Leser dem Verfasser machen können. Reich wird der eBook-Autor ohnehin nicht mit seinem Buch. Das verbietet schon der von Amazon vorgeschriebene preisliche Rahmen.

Amazon macht es Rezensenten nicht besonders leicht, ihre Kommentare loszuwerden. Wer in Kanada einkauft, kann nur auf amazon.ca posten. Das heißt, diese Leser-Kommentare tauchen dann gar nicht auf der in meinem Fall wichtigsten Seite amazon.de auf.

Der eBook-Marktanteil in Deutschland liegt bei 4 Prozent

Dazu kommt, dass der eBook-Marktanteil in Deutschland mit knapp 4 Prozent noch sehr überschaubar ist. In den USA sind es bereits 26 Prozent.

Es sind also viele Ungereimtheiten, mit denen der eBook-Autor noch konfrontiert wird. Trotzdem werde ich bis auf weiteres diesem Format treu bleiben.

Ich hoffe, Sie tun es auch.

Mutmacher für Freie Journalisten

mutmacherNeues aus der Bopp’schen Schreibstube: Diesmal ist es kein Roman, sondern ein „Mutmacher für Freie Journalisten“. Für alle, die schon immer frei arbeiten wollten, sich aber bisher nicht trauten. Ein Buch  aus dem Leben eines Journalisten, der zwar nicht weiss, wie ein Gehaltsscheck aussieht, dafür aber die Honorarsätze deutscher Sender, Zeitungen und Internetplattformen ziemlich gut kennt. Das Büchlein kann ab sofort bei Amazon als eBook heruntergeladen werden.

Die Facebook-Seite zum Roman

1970Wozu betreibt man seit Jahren einen Blog, wenn nicht hin und wieder für ein bisschen Eigenwerbung? Also, liebe Freunde, ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel, dass ich hier ein wenig die Trommel rühre: Es gibt nämlich auch eine Facebook-Seite zu meinem Roman. Die kann man mögen – oder auch nicht.  Wenn Sie Ihnen gefällt und Sie sind Facebook-User, freue ich mich über jedes „gefällt mir“. Als eBook zu kaufen ist „Das gibt sich bis 1970“  in Deutschland  >> hier <<  und im Rest der Welt >> hier <<.