„Die alte Liebe hat gegen das neue Mädchen gewonnen.“ Schöner kann man es nicht sagen. Und wenn dieser Satz dann noch auf Französisch gesprochen wird – er stammt nämlich von meinem Montréaler Freund Jean -, klingt er geradezu zauberhaft.
Mit der alten Liebe ist Mallorca gemeint. Das neue Mädchen heißt Malaga.
Nach einer Woche Malaga bin ich heute früh kurzentschlossen nach Mallorca geflogen. Zu groß war die Verlockung gewesen, unserem langjährigen Winterquartier eine Stippvisite abzustatten – jetzt, da die Insel gerade mal eine Stunde und zehn Minuten von der Costa del Sol entfernt liegt.
Einem kurzen Flug folgte ein langer Tag. Es war ein schöner Tag, auch wenn sich die alte Liebe bei der Ankunft in Palma etwas scheu in dicke Wolken gehüllt hatte.
Das neue Mädchen Malaga dagegen strahlte beim Abflug heute Morgen, als müsste es bei mir doch noch einen letzten, verzweifelten Balzversuch wagen.
Nach zehn Wintern hintereinander hatten wir uns ein Jahr Pause von Mallorca gegönnt. Der Jakobsweg war uns letztes Jahr wichtiger gewesen als die Strandbars von Can Pastilla.
Und auch dieses Jahr haben wir uns einen Camino vorgenommen: Die Via de la Plata von Sevilla nach Santiago de Compostela. Mitte nächster Woche soll’s endlich losgehen.
Aber vorher dürfen es jetzt noch ganz unplanmäßig ein paar Tage Mallorca sein.
Und wie fühlt sie sich an, die alte Liebe?
Wunderbar! Sehr vertraut, sehr heimelig, geradezu kuschelig und von anmutender Glückseligkeit.
Wie eine schöne Frau, die aus ihrem Alter kein Geheimnis macht und man sie gerade deshalb so unverschämt unwiderstehlich findet.
Das Café Cappuccino in einem ehemaligen Stadtpalast in der Carrer San Miguel ist für mich nach wie vor das schönste Kaffeehaus, das ich kenne.
In meiner Stammbar, der Bar Bosch, bestellen die Camareros die Speisen und Getränke jetzt vom Straßencafé aus per Touchscreen im Schankraum.
Wie es denn mit dem neuen System so klappe, will ich von meinem Lieblingskellner wissen. Er so: „Im Prinzip“ – lange Pause – „also im Prinzip überhaupt nicht!“
Was ist auch anders zu erwarten von einem Mann, der sein bisheriges Kellner-Leben lang Bestellungen im Dutzend ohne Stift und Block fehlerfrei ausgeführt hatte?
Das wirklich Sensationelle aber: In der Bar Bosch, seit ich sie kenne eine reine Männer-Domäne, arbeiten jetzt doch tatsächlich drei Frauen.
Bis auf den Einzug der Bar Bosch in die Neuzeit und ein paar Buslinien, die neue Bezeichnungen bekommen haben, ist also so ziemlich alles beim Alten geblieben.
Gulasch mit Spätzle schmecken im „Ballermännle“ nach wie vor wie daheim, bei Muttern in Ummendorf. Abgesehen davon gab es bislang keine kulinarischen Höhepunkte.
Wann denn auch? Ich war einfach zu beschäftigt damit, alte Kontakte zu pflegen und neue Eindrücke zu sammeln.
Jean hatte recht: Alte Liebe rostet nicht. Meine Liebe zu Mallorca ist auch nach einem Jahr Pause ungebrochen.
Und das neue Mädchen Malaga ist, auch wenn es keine Lovestory zwischen uns geben wird, verdammt hübsch.
Es muss ja nicht immer gleich Heirat sein.





Seit fünf Tagen sind wir jetzt in Málaga und haben mehr als 100 Kilometer zurückgelegt – zu Fuß und einmal mit dem Bus ans Meer, nach Torremolinos und Belmadena. Keine Frage: Es ist eine wunderschöne Stadt. Und doch ist der Funke bisher nicht so richtig übergesprungen. Woran das wohl liegt?





































































Packen für den Camino – das ist eine Herausforderung der besonderen Art. Wer zweieinhalb Monate lang sein Schneckenhaus auf dem Rücken trägt, muss genau überlegen, was mit kommt und was daheim bleibt. Immer im Hinterkopf: Die Kleidung muss wasserdicht sein, dabei aber gleichzeitig atmungsaktiv und warm. Und immer spielt das Gewicht die Hauptrolle.
Sie hatten uns gewarnt, die Pilgerinnen und Pilger, die Freunde und virtuellen Bekanntschaften: Der Camino macht süchtig. Ganz so schlimm ist es nicht gekommen. Aber die Lust, nach dem „Abenteuer Jakobsweg“ einen weiteren Camino zu laufen, hat uns nie mehr losgelassen. Also machen wir uns erneut auf den Weg nach Spanien. Diesmal haben wir uns die „Via de la Plata“ vorgenommen: 1000 Kilometer von Sevilla nach Santiago de Compostela.