Menschen in der Muckibude

FitnesscenterDas mit dem Alter(n) ist so eine Sache: Den Berufsjugendlichen willst du nicht geben, weil Lifestyle und Lächerlichkeit dann oft nahe beieinander liegen. Umgekehrt leben wir in einer Gesellschaft, die ungnädig mit Falten, Hängebauch und Kurzatmigkeit umgeht. Da hilft nur eins: Fitnesscenter. Oder doch nicht?

Ich habe das Glück, in einer Wohnanlage zu leben, die über eine eigene Muckibude mit Basketballcourt, Yogaraum und Maschinenpark verfügt. Ein Jahr lang habe ich es geschafft, diesen wunderschönen Gebäudekomplex weitläufig zu umschiffen. Allenfalls Besuchern vom Land, vorwiegend vom Ausland, führe ich den kleinen Sportpalast gerne mal vor. Die Antwort auf die Frage: „Und wie oft trainierst du hier?“, habe ich bisher meist diskret verschluckt und stattdessen die Schlossbesichtigung fortgesetzt: „Und hier geht’s zum Pool“.

Das ist seit einer Woche anders. Ich habe mir einen Ruck gegeben und bin jetzt Stammgast im Fitnesscenter. Und treffe Menschen, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt.

Den Typ im knallroten Einteiler, zum Beispiel, der sich den Luxus eines Personal Trainers leistet. Ein Personal Trainer ist einer, der anderen gegen Geld sagt, wo sie Muskeln bekommen könnten, wenn sie ihm nur richtig zuhörten. Der mit dem Einteiler scheint kein so ein richtig guter Zuhörer zu sein. Das macht mir Mut.

Oder die Blonde, die sich auf der Matte räkelt. Ihr Arsenal an mitgebrachten Wasserflaschen deutet auf eine lange Durststrecke hin. Wohnt die hier? Nein, aber sie nuckelt gerne.

Und all die Menschen mit Knopf im Ohr! Die vielen Fernseher! Die Musik!

So ein Fitnesscenter ist nichts für Traumtänzer. Jeder Quadratzentimeter Wandspiegel erinnert dich auf Schritt und Tritt daran, wie hoffnungslos dein Unterfangen bleiben wird, mit fast 65 noch zu einem Traumbody zu kommen.

Deine eigene Wahrnehmung relativiert sich schnell, wenn du beim Strampeln in der Muckibude einen wahren Adonis vor dir hast, von dem mein gewichtiger Kumpel Doug sagen würde: „I hate him already!“ Ich dagegen gebe dem Laufband Saures und stampfe diskret meine Meilen ab.

Wobei: Diskretion ist gar nicht so einfach, wenn der anfängliche Kampfschrei zum Hecheln gerät und schließlich in einem kaum hörbaren Röcheln versiegt.

Ich sehe sie schon, die Traueranzeige: „Herbert. Beim Sport auf dem Laufband gestorben“.

Wetten? So ein Satz in der Zeitung würde meinen ungläubigen Kumpels ein freches Grinsen ins Gesicht zaubern.

Allein dafür hätte sich mein Besuch in der Muckibude schon gelohnt.