Jagdszenen aus Kanada: „Enjoy!“

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Ein toter Eisbär lässt die kanadische Umweltministerin jubeln: „Enjoy!“, frohlockte sie jetzt in einem Tweet über das erlegte Tier und setzt damit die Serie der Peinlichkeiten fort, mit denen Kanada zurzeit Schlagzeilen macht.

Vom torkelnden Torontoer Oberbürgermeister über eine Horde von mafiösen Amtsleitern im Montrealer Rathaus bis hin zu diversen Senatoren, die den Steuersäckel jahrelang mit einem Selbstbedienungsladen verwechselt haben – das Fremdschämen für mein sonst so geschätztes Gastland will einfach nicht aufhören.

Den jüngsten Coup hat sich jetzt Umweltministerin Leona Aglukkaq geleistet. Nachdem ihr der Onkel eines Jägers aus ihrem Wahlbezirk in der kanadischen Arktis ein Foto von einem frisch geschossenen Polarbär zugeleitet hatte, gratulierte sie dem Mann in einem Re-Tweet zu dem Jagdglück, das ihm widerfahren war. „Enjoy!“

Es ist nicht das erste Mal, dass die konservative Ministerin Tier- und Umweltschützer zur Weißglut bringt. In einem viel beachteten Auftritt im Parlament trug sie einmal demonstrativ ein Seehundfell. Ein andermal gratulierte sie Walfischjägern öffentlich zu den frisch erlegten Tieren.

Auch mit der Statistik nimmt es die Ministerin nicht so genau. Während sich seriöse Forscher weltweit darüber einig sind, dass die Zahl der Eisbären in der kanadischen Arktis drastisch zurück geht, brüstete sich Frau Aglukkaq mit einer anderen Erkenntnis: Von einer Bedrohung des Polarbär-Bestands könne keine Rede sein. Als Quelle führte die Umweltministerin immerhin ihren Bruder an.

Dass der aktuelle Tweet vom toten Eisbären in Tierschutzkreisen für Aufruhr sorgte, hat noch einen anderen Grund: Die Ministerin twitterte aus Moskau. Dort feierte sie im Auftrag der kandischen Bundesregierung zusammen mit anderen Delegierten aus aller Welt ausgerechnet das 40jährige Jubiläum eines Vertrags zum Schutz der Eisbären.

Ein bisschen Werbung für Québec

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Heute darf ich mal ein wenig die Werbetrommel rühren. Die Außenhandelskammer der Provinz Québec (Investissement Québec) hatte mich vor einiger Zeit als Sprecher für einen kleinen PR-Film engagiert. Manche der Bilder sind wirklich spektakulär. Schon allein dafür lohnt es sich, das Video anzuklicken.

Reality-TV mit weißen Riesen

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Eisbär zum zweiten: Eine wahre Reality-Show gibt es derzeit als Livestream im Internet zu sehen. Die Hauptakteure: Hunderte von Eisbären. Noch gut einen Monat werden die Live-Webcams bei Tag und Nacht jede Bewegung der weißen Riesen übertragen. Danach ist Schluss. Dann ist die Hudson Bay, 1500 Kilometer nördlich von Winnipeg, zugefroren und die Bären gehen dorthin, wo sie eigentlich hingehören: aufs Eis.

Von dort aus machen die Tiere dann wieder Jagd auf Lachse, Ottern und Seehunde. Doch so lange es zu warm ist, friert das Meer nicht zu. Dann wandern Hunderte von hungrigen Eisbären die Bucht entlang – immer auf der Suche nach Nahrung.

Um ihren Bärenhunger zu stillen, kommen die Tiere dann oft bis in die Dörfer hinein. Dort machen sie sich über den Abfall her. Der schmeckt zwar auch einem Bären nicht besonders gut. Aber er macht satt.

Die Webcams werden von Frontiers North Adventures betrieben, einer Firma, die sich in der Gegend von Churchill/Manitoba mit Eisbären-Tourismus einen Namen gemacht hat. Partner der Aktion Icecam sind Polar Bears International und der Multimedia-Anbieter explore.org

PS: Inzwischen scheinen die Kameras „OFF AIR“ zu sein, aber man kann sich immer noch tolle Videos aus dem Archiv ansehen.

Ein Eisbär beim Zahnarzt

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„Aurora“ hat Aua: Ein Eisbären-Baby, das Wildbiologen kürzlich in der Nähe des Flughafens von Churchill im Norden von Manitoba entdeckt hatten und „Aurora“ tauften, wurde jetzt in einer Spezialklinik in Winnipeg behandelt.

Zwei Zähne des elf Monate alten „cubs“ waren entzündet. Wenn Bären Zahnweh haben, verändert sich ihr Fressverhalten. Dies kann im Extremfall zum Hungertod führen. Deshalb kam der Babybär jetzt auf den Stuhl. Die Prozedur verlief erfolgreich.

Wie so eine Zahnbehandlung vonstatten geht, sehen Sie hier in einem Video, das die „Winnipeg Free Press“ auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat.

Fremdschämen für Toronto

OB

Verfolge amüsiert und ungläubig die Vorgänge um den Bürgermeister von Toronto“, schreibt die Bekannte aus Las Vegas. Eines hat Ford in jedem Fall geschafft: Die deutsche Presse, die sich sonst nicht so sonderlich mit Kanada beschäftigt, zu einem halbseitigen Artikel zu animieren. Tolle Leistung, Herr Ford!“, kommentiert die Blog-Leserin aus dem Ruhrpott. Und im Telefonat aus dem Allgäu muss ich mir anhören: „Spinnt der eigentlich?“.

Um es kurz zu machen: Ja, er spinnt. Und Fremdschämen ist angebracht: Der Torontoer Oberbürgermeister Rob Ford ist ein Fiesling, der überall hingehört nur nicht ins Rathaus der größten kanadischen Stadt. Wie er überhaupt dort hingekommen ist, bleibt das Geheimnis der Wähler von Toronto. Wer Augen und Ohren hat, muss doch schon im Wahlkampf erkannt haben: Der Mann ist eine einzige Peinlichkeit.

Keine Talkshow, in der Rob Ford und sein Bruder Doug nicht durch den Kakao gezogen werden: Jay Leno, David Letterman, Jimmy Fallon, Jimmy Kimmel. Selbst George Bush, auch nicht gerade der große Sympathieträger, bekam neulich in der „Tonight Show“  einen Lachanfall, als von den Ford-Brothers die Rede war.

Was mich nervt, ist die Strahlkraft, die von den Fords ausgeht. Da kommt Kanada, was selten genug passiert, endlich mal in die Schlagzeilen – und dann wegen zwei Hampelmännern, die glauben, sie müssten den Stadtrat von Toronto neu aufmischen.

Zeit, um mit ein paar Klischees aufzuräumen:

  • Nicht alle Kanadier sind fett wie Rob Ford. Die meisten sind fit und sportlich.
  • Nicht alle Kanadier lügen so dummdreist wie Rob Ford. Die meisten sind ehrlich, herzlich und anständig.
  • Nicht alle Kanadier sind so unsympathisch wie Rob Ford. Die meisten sind cool, nett und liebenswürdig.

Dass ausgerechnet ein Crackhead aus Toronto seit Wochen das Bild dieses schönen Landes in der Welt bestimmt, haben meine kanadischen Freunde nicht verdient.