Rettet den Smiley! ;-)):-@;-)=-P-#

           

Es ist ja inzwischen ein wenig aus der Mode gekommen, Smileys zu verwenden. Sie gelten als ziemlich uncool. Eigentlich schade. Ich mag Smileys und finde sie richtig wichtig. Sie erlauben dem Schreiber einer Mail, einer SMS oder sogar eines getippten Briefes Gefühle zum Ausdruck zu bringen, was ohne diese kleinen Grafiksymbole kaum möglich wäre.

Smileys sollten also bitte nicht ausrangiert werden! Ganz im Gegenteil: Ich bin dafür, Smileys im privaten Mailverkehr wieder salonfähig zu machen. Mehr noch: Als Stimmungsmacher sollten die Grimassen-Grafiken unbedingt auch im geschäftlichen Schriftverkehr erlaubt sein. Das könnte unser Verhältnis zu Behörden grundlegend verändern. Ich möchte sogar behaupten, dass der erste Weg zu einer besseren Welt über den Smiley führt.

Nehmen wir das Finanzamt. Wieviel netter würde ein Schreiben der Steuerbehörde klingen, wenn hinter dem „Widrigenfalls Sie mit einer Gefängnisstrafe rechnen müssen!“ ein  ;-)  stünde. Denn so richtig ernst nimmt die Drohung sowieso keiner, dass ihn der Staat wegen eines ausstehenden Minibetrags vor den Kadi und dann in den Knast schickt. Und weil der Steuerbeamte die gespielte Seriosität schlecht mit einem „Nicht so gemeint, hahaha!“ minimieren kann, müsste ein Augenzwinkern per Smiley erlaubt sein. Einen Smiley habe ich jedoch bislang auf keinem Steuerbescheid entdecken können. Und beim Steuerbeamten sowieso nicht.

Die meisten von uns glauben bestimmt, es gebe nur drei Arten von Smileys. Den :-) lächelnden. Den  :-(  traurigen und den  ;-)  zweifelnden Smiley. Weit gefehlt!

Hier ist eine Liste mit mehr Smileys und anderen Grafik-Grimassen („Emoticons“) als Sie je in Ihrem Leben verwenden werden. Im Ernst ;-)

:-) Einfaches Lächeln (fröhliches Gesicht) = Standard-Smiley
:) Einfaches Lächeln ohne Nase (fröhliches Gesicht) = Miniatur-Smiley
(-: Einfaches Lächeln (fröhliches Gesicht) = Für Linkshänder
:-))) Sehr fröhlich oder witzig (Doppelkinn)
;-)=) Grosses Grinsen (Zähne sichtbar)
;-) Lächeln mit Augenzwinkern, Ironie
‚-) Lächeln mit Augenzwinkern
,-) Fröhliches Gesicht mit Augenzwinkern
,-} Süsssaures Lächeln mit Augenzwinkern
:-, Noch ein Grinsen
:-r Zunge rausstrecken
:-P Zunge rausstrecken
:-J Einen Spass machen
:-7 Ironische Bemerkung
:-D Mit einem Lächeln sagen oder Lachen/Auslachen (Mund offen)
:-d Mit einem Lächeln sagen
:D Lachen
:´-) Zum Weinen glücklich sein
:*) Herumalbern
%-} Blödsinn
:-x Kuss
:-* Kuss oder Oh oh!
:-X Dicker Schmatz oder Grosser nasser Kuss
@>–>– Rose
:-( Traurig sein oder unglücklich oder „find ich nicht lustig“
:-(( Ganz traurig sein
:-c Ganz ganz traurig sein
:-C Wirklich unglücklich oder wirklich unglaublich
(:-( Sehr unglücklich
:-/ Finde ich nicht lustig oder skeptisch sein oder untentschieden
:- Unentschieden/offen oder untentschlossen oder männlich
:-| Weder gut noch schlecht oder grimmig/leicht verärgert
>:-< Verärgert, ungehalten
:-|| Wütend, sehr verärgert
:-@ Brüllen oder extrem verärgert
:-V Schreien
:-o Schreien oder schockiert (Mund vor Schreck offen)
:-O Schreien oder schockiert (Mund vor Schreck offen)
:-0 Schreien oder schockiert (Mund vor Schreck offen) oder sprechaktiv
:-e Enttäuscht sein
:´-( Weinen
:~/ Völlig durcheinander
:-S Was Du sagst, macht keinen Sinn
%-} Blödsinn
:—) Du lügst wie Pinocchio
:-(*) Dieser Kommentar macht mich krank
>;-> Sehr unanständige Bemerkung
<:-) Dummkopf oder dumme Frage! (Eselskappe)
:-] Dummkopf
:-r Zunge rausstrecken
:-P Zunge rausstrecken
:-t Bitteres Lächeln
:-} Krummes Lachen
}-) Böses Lachen
:-> Eher sarkastisch
:-[ Sehr scharfer Sarkasmus oder Vampir/Dracula
>:-> Grauenhaftes
:-0 Schreien oder schockiert (Mund vor Schreck offen)
:-# Meine Lippen sind verschlossen oder nicht weitererzählen!

Montréal geht vor die Hunde

In der Stadt, in der ich lebe, passieren seltsame Dinge. Es stürzen Brücken ein und Überführungen. Von einem Tunnel löste sich im Sommer ein meterdicker Lichtschacht und fiel auf die Stadtautobahn. Bisher ging es nur um Menschenleben. Doch jetzt wird es richtig ernst: Ein Haustier wurde Opfer der schlampigen Infrastruktur.

Die Schnauzerdame Lily kippte beim Gassi gehen tot um. Der Hund hatte im Stadtteil Outremont einen nicht ordnungsgemäß geerdeten Elektromast gestreift. Der Schock schickte die Süße im Alter von nur drei Jahren über die Regenbogenbrücke.

Wenn Straßen bröckeln oder vom Olympiastadion ein Betonblock von der Größe eines Omnibusses auf die Erde knallt, tragen dies die meisten Montréaler mit Fassung. Auch Schlaglöcher, die jederzeit einen Medizinball samt Spieler aufnehmen könnten, scheinen hier keinen sonderlich zu stören. Und Touristen aus anderen Teilen Kanadas und der USA würden sich ernsthaft um uns sorgen, wenn plötzlich alles seine Ordnung hätte. Eine gesunde Dosis schlampiger Charme wird von der Stadt meines Herzens schon fast erwartet.

Doch jetzt lassen selbst die leidensfähigen Montréaler nicht mehr mit sich spaßen. Als vor ein paar Tagen das erste Haustier Opfer der katastrophalen Infrastruktur wurde, war der Aufschrei groß. Montréal gehe jetzt vollends vor die Hunde, schimpfte ein nicht sehr witziger Leserbriefschreiber.

Foto: Gazette

In memoriam "Lily" © CBC

Im Radio hörte ich eine Anruferin so laut gegen die Stadt wettern, dass sich der Talkshow-Moderator um den Stresspegel der Frau Sorgen machte. „Madame“, versuchte der Mann sie zu beruhigen, „es handelt sich schließlich um einen Hund!“

Am Lampenpfahl festbinden!

Das Explosions-Potential dieses – zugegeben – unpässlichen Einwurfs können vermutlich nur Hundebesitzer nachvollziehen. Jedenfalls machte der Kommentar die Frau erst richtig wild. Wenn ich ihr Gekreische richtig interpretiert habe, drohte sie dem Moderator daraufhin, ihn an einem Lampenpfahl festzubinden. Oder so ähnlich.

Was mich bei der ganzen Geschichte wundert, ist, dass die meisten Leute den bedauerlichen Tod der Hundedame Lily als ein Jahrhundert-Event betrachten. Ich habe mal bei Frau Dr. Google nachgefragt, wie häufig solche Elektroschocks eigentlich passieren. Und siehe da: Es kommt öfter vor als man denkt. So oft, dass eine ganze Webseite dem Thema gewidmet ist. Auf streetzaps.com werden jede Menge Zwischenfälle mit Tieren und Elektroleitungen gelistet.

Kleiner Trost für Lily: Du bist nicht allein …

Tschüss, alter Roadrunner!

Wer sich vorgenommen hat, sein Leben zu entrümpeln, muss auch loslassen können. Von Dingen, die sich im Laufe der Jahre so ansammeln. Was geht? Was bleibt? Und überhaupt: Wer soll denn schon (m)ein ausrangiertes Übertragungsgerät für Radioreporter kaufen? Zum Beispiel ein schrulliger Engländer. Auf ebay.

Er hat mir gute Dienste geleistet, mein „Roadrunner“. Ein grauer Kasten im Schuhschachtel-Format, der dazu diente, meine Radiobeiträge in Studioqualität an sämtliche ARD-Sender zu übermitteln. Tausende von Hörfunk-Reportagen aus Kanada, Alaska und anderen Teilen der Welt wurden durch diese Box geschleust, ehe sie in Deutschland im Radio zu hören waren. Doch wie das so ist mit der Technik: Die Zeiten ändern sich. Mein Roadrunner hatte das Ende der Straße erreicht und wurde ausrangiert.

Die Staubschicht wird dicker, die Neugier steigt

Zehn Jahre schlummert die Kiste im Keller. Als die Staubschicht immer dicker wird und das Internet immer ausgefeilter, kommt der junge Sohn auf eine Idee, auf die nur junge Söhne kommen können: „Verkauf die Kiste doch auf ebay“. Ebay? Ich? Der es nicht einmal schafft, ein drei Jahre altes Fitnessgerät zum Fünfzigstel des Einkaufspreis in der Lokalzeitung zu verscherbeln? Ohne mich.

Goldmine Roadrunner

Doch die Neugier siegt. Wer sich beruflich mit dem Internet befasst, sollte irgendwann in seinem Leben auch ebay-Erfahrung gesammelt haben. Also: Anzeige aufgesetzt. Foto rein. Bedienungsanleitung dazu. Fertig. Was fehlt, ist der Kaufpreis. Anruf beim Hersteller in den USA: „Was kann ich für den Roadrunner verlangen, ohne wegen Halsabschneiderei geteert und gefedert zu werden?“ – „Nichts“, sagt der freundliche Mensch vom Kundenservice des Nachfolge-Produkts fast entschuldigend. Und dann, meine Verzweiflung ahnend: „Sie können es ja mal mit 500 Dollar versuchen“.

Die Anzeige auf ebay lautet: Zu verkaufen: Roadrunner – Mindestangebot 500 Dollar. „Sehr lustig“, sagt die Frau an meiner Seite. „Sehr mutig“, meint der Sohn. Erster Tag: nichts. Zweiter Tag: nichts. Dritter, vierter, fünfter Tag: nichts. Sechster Tag: Ein Typ aus Florida bietet 800 Dollar. Achthundert Dollar? „Nicht verkaufen!“, feuert mich der Sohn an, seit Jahren routinierter ebay-Ein- und Verkäufer. „Dranbleiben, da kommt noch mehr!“ Ein 800-Dollar-Angebot für ein Produkt abzulehnen, das an Wertlosigkeit nicht zu unterbieten ist, grenzt an Dummheit. Weitere Kontaktanfragen gibt es nicht. Vergessen wir’s einfach.

2 750 Dollar für eine ausgemusterte Schuhschachtel

Zehnter Tag: Zahnarzttermin. Zwischen Spritze und Plombe ein Gedankenblitz: Was ist eigentlich mit dem Roadrunner? Nach der Rückkehr sofort ins Netz, ebay checken. Unglaublich! Menschen aus aller Welt balgen sich im Internet um meine digitale Schuhschachtel. In zehn Minuten läuft die Versteigerung ab. 1000 Dollar. 1200. 1600. 2000. 2500. Zweitausendsiebenhundertfünfzig Dollar! Ich fasse es nicht. Gerade mal 100 Dollar Wertverlust in zehn Jahren – ebay macht’s möglich.

Der Käufer, ein Engländer, sammelt Technik-Schnickschnack aus aller Welt. Ich stelle mir vor, dass mein Roadrunner jetzt einen Ehrenplatz zwischen dem ersten Apple-Computer und dem letzten Grundig-Röhrenradio hat.

Ein schöner Gedanke.