Ein gütiger, alter, weiser Mann?

Das mit den Vorsätzen fürs neue Jahr ist so eine Sache. Was ich mir denn so vorgenommen habe für 2023, will die Frau an meiner Seite wissen. “Ich möchte”, antworte ich vielleicht eine Spur zu milde, “ein gütiger, alter, weiser Mann werden”. 

Läuft bisher so mittel.

Die ausbleibenden Neujahrsgrüße mancher “Freunde” hake ich mit “kommt schon mal vor” ab. (Notiz an mich: Die werden sich wundern, wenn sie von jetzt an nichts mehr von mir hören!)

Dass der Flur nach einem Wasserschaden vor unserem Apartment auch nach drei Monaten noch immer aussieht, als hätte ein Tsunami gewütet? Geschenkt! Handwerker sind in Zeiten wie diesen nun mal schlecht zu bekommen. (Notiz an mich: Der Hausverwaltung werde ich gleich morgen ordentlich den Marsch blasen!)

Und was ist mit dem Gehweg vor dem Haus, der seit Tagen nicht gestreut wird? Auf dem sich Menschen verletzen, ach was: umbringen können?  Ruhig Blut. Meine Güte, so eine Stadt wie Montreal hat andere Probleme als ein paar Fußgängern den Hintern zu pudern. (Notiz an mich: Verklagen sollte man sie! Anruf beim Anwalt folgt.)

Und dann: Diese verdammten Rentner, die einem immer die Behinderten-Parkplätze vor der Nase wegschnappen und dann geschmeidig wie junge Hüpfer aus dem Auto steigen! (Notiz an alle: Eure Kennzeichen sind notiert. Klage ist unterwegs).

Sie sehen: Das mit dem alten Mann klappt bisher ganz gut. Nur das mit dem “gütig” und „weise“ müsste ich noch üben. (Notiz an mich: Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung).

In diesem Sinne: Ein fröhliches, gütiges, weises, neues Jahr!