Blick in die Kochtöpfe der Welt

Thailändisches Huhn in einer grünen Currysauce? Gegrillte Rippchen vom Grill beim Portugiesen? Oder wie wär’s mit Tandoori Chicken mit Reis und einer indischen Currygemüse-Pfanne? Zu exotisch, sagen Sie? Kein Problem. Fish&Chips im British Pub um die Ecke geht immer. Ein kleiner kulinarischer Streifzug durch die Stadt meines Herzens.

5000 Kneipen und Restaurants gibt es angeblich in Montreal, in Worten: FÜNFTAUSEND. Wer hier nicht fündig wird, sollte sich Gedanken über eine neue Suchmaschine machen.

Es hat sich einfach so ergeben, dass wir in den letzten Tagen und Wochen viel auf Achse waren. Besucher aus Deutschland und der Schweiz, die verwöhnt werden wollten. Kanadische Freunde, die im Feiertagstrubel ein wenig vernachlässigt wurden. Auch ein Geschäftsessen mit dem Steuerberater war dabei. Alles in allem ein paar tausend Kalorien zu viel für einen, der ohnehin noch nie im Leben an Untergewicht litt.

Der Thailänder heisst Pick Thai und liegt im Stadtteil Notre-Dame-de-Grâce – sicher nicht die erste Adresse für feines Essen. Aber genau das haben wir in dem unscheinbaren Restaurant gegenüber der Métro-Station Vendôme vorgefunden. 

Wunderbar frisch zubereitete asiatische Küche, liebevoll serviert. Mit einer Auswahl, die auch den anspruchsvollen Geschmack trifft. Für mich durfte es Huhn und Shrimps in grüner Curry-Sauce sein, als Beilage “sticky rice”, eine Basmati-Reisart, die an den klebrigen Reis erinnert, der von Sushi-Köchen verwendet wird.

Huhn aus dem Tandoori-Ofen gab’s ein paar Tage später bei meinem Lieblings-Inder Swagat, von dem hier schon öfter die Rede war. “Tandoori Chicken” wird in Joghurt und einer  exotischen Gewürzmischung mariniert und dann goldbraun im 300 Grad heißen Lehmofen gebacken. 

Als Beilage bieten sich Basmatireis und Gemüsecurry an. Fortgeschrittene Esser mit etwas höherem Kalorienbedarf lassen sich dazu noch ofenfrisches Naan servieren, ein Fladenbrot, das auf dem indischen Subkontinent etwa so populär ist wie Spätzle in Ummendorf.

Der Portugiese! Den wünscht sich mein befreundeter Steuerberater schon seit gut 20 Jahren zu unserem jährlichen “business lunch” (oder wie immer man das nennt, wenn zwei ältere Herren stundenlang von ihren Krankheiten erzählen). Dass unser portugiesisches Stammlokal ausgerechnet während der heissen Phase von Covid abgefackelt wurde, ist tragisch. Aber es ist ja nicht so, dass es in Montreal keine Alternativen dazu gäbe.

Eine davon ist das Casa Minhota und liegt in meiner Lieblingsstraße, dem Boulevard Saint-Laurent, vier Türen nördlich vom berühmten Diner Schwartz’s, dessen Besitzerin Céline Dion heißt. Im Gegensatz zu Schwartz’s hat das Casa Minhota kein “Smoked Meat” im Angebot, dafür jede Menge Fischgerichte und auch Rippchen vom Holzkohlengrill. Wer ein portugiesisches Restaurant verlässt, ohne zum Dessert noch eine Crème Caramel verzehrt zu haben, hat das Leben nicht verstanden.

Heute war dann schließlich noch das Pub Burgundy Lion an der Reihe, gerade mal um die Ecke von uns. Bier vom Fass, dazu Fish&Chips (oder umgekehrt), das Ganze mit einem Gesprächspartner, der als Kardiologe nicht nur die Herzen der Menschen kennt, sondern auch die Küchen dieser Welt – was will man mehr an einem Wintertag wie diesem?

Vielleicht noch eine Überraschung zum Schluss? Der Vater der frisch aus England zugereisten Kellnerin lebte jahrelang in Biberach, gerade mal fünf Kilometer von Ummendort entfernt.

Ein weiterer Griff in die Wundertüte, die sich Leben nennt.

MONTREAL IM WINTER: Ein nettes Restaurant findet sich immer. Fotos © Bopp