Oldtimer-Paradies: Cars of Cuba

Wohl kaum etwas fasziniert Besucher in Kuba so sehr wie die legendären Oldtimer. Es sind Relikte aus vorrevolutionären Zeiten. Zwar waren Autos auch nach der Revolution noch gestattet. Aber nur, wenn sie vor 1959 gebaut wurden. Deshalb gehören Oldtimer auch heute noch zum Stadtbild der Zuckerinsel in der Karibik. Anbei eine kleine Auswahl von Fotos, die heute in Varadero entstanden sind. 

Ein Wiedersehen mit Kuba

Es ist gut zehn Jahre her, dass wir zum letzten Mal in Kuba waren. Seit gestern halten wir uns wieder in der Karibik auf. Vieles hat sich seither verändert, manches auch nicht. Die Liebenswürdigkeit der Menschen ist noch da. Ihr Improvisationstalent, mit dem sie den Alltag meistern, auch. Das Internet schwächelt. Deshalb hier nur wenige erste Impressionen:

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Opernkino: Peter, Carmen und ich

IMG_1276Nein, es war nicht Liebe auf den ersten Blick. Ganz im Gegenteil: Siebzig Jahre hat es gedauert, bis ich die erste Oper meines Lebens wirklich genossen habe – diesmal nicht im Konzertsaal, sondern im Kino: Live-Übertragung aus der Metropolitan Opera in New York. Auch wenn ich vor „Carmen“ schon ein paar andere Opern-Aufführungen besucht habe: Dies war ein Erlebnis der besonderen Art.

Es war mein Freund Peter, der mir seit 30 Jahren vorschwärmt, wie zauberhaft so ein Opernbesuch sein kann. Peter kennt die großen Opernhäuser der Welt und dirigiert auch mal eine Arie am Stehpult seines Wohnzimmer-Konzertsaals mit. Jetzt hat er es geschafft: Wir haben’s nicht nur getan. Wir waren begeistert.

Ich werde einen Teufel tun, mich zu einer Opernkritik aufzuschwingen. Deshalb einfach ein paar Impressionen:

Erster Eindruck: So viele Rollatoren und andere Gehhilfen wie bei „Carmen“ habe ich noch bei keiner anderen Kinovorstellung gesehen.

Zweiter Eindruck: Dass es im Kino auch ohne Chipstüten-Geraschel und Popcorn-Geknalle geht, war eine völlig neue Erfahrung.

Dritter Eindruck: Operndiven in Nahaufnahme auf einer Riesenleinwand beim Singen zuzusehen, ist nicht immer eine körperästhetische Delikatesse. Kein Mensch ist so schön, dass man seinen zehn Kubikmeter großen Rachen minutenlang in High Definition betrachten möchte.

Und dann noch eine Frage: Wie sieht es eigentlich mit #metoo in der Oper aus?

Während „Baby It’s Cold Outside“ von vielen Radiosendern plötzlich nicht mehr gespielt wird (der Gastgeber im Lied übt sanfte Gewalt aus, um die Dame am Gehen zu hindern), dürfen Frauen in der Oper noch immer nach Herzenslust begrabscht, geschüttelt, sexistisch betitelt und an Stellen berührt werden, die im richtigen Leben einen #aufschrei verursachen würden.

Ich finde, Klassiker sollten so präsentiert werden, wie sie geschrieben worden sind. Herrn Bizet kannte ich nicht, als er 1875 „Carmen“ komponierte. Aber ich denke mal, er war kein Frauenschänder.

Wenn wir schon beim Thema political correctness sind: „Carmen“ ist in der Oper nichtIMG_1279 etwa ein „Sinti-und-Roma“-Mädchen, wie es politisch korrekt heißen müsste, sondern eine „Zigeunerin“. Rassismus? Ganz und gar nicht. Man wird in einem Klassiker die Dinge doch wohl noch beim Namen nennen dürfen.

Die Welt der Oper ist mir alles andere als vertraut. Deshalb sei mir meine Verwunderung über manches, was mir dort präsentiert wurde, nachzusehen.

Zum Beispiel die Rollenbesetzung. Eine nicht mehr ganz junge, aber bestimmt wunderbare Mezzo-Sopranistin namens Clémentine Margaine spielte in der gestrigen Met-Aufführung die Titelrolle des sehr jungen, sehr wilden Zigeunermädchens. Doch sie war weder jung und wild kam sie mir auch nicht vor. Sie hat einfach nur gut gesungen. Reicht das?

Für einen passionierten Kinobesucher, der mehr Filmschauspieler beim Namen kennt als Operntitel, ist dies zumindest gewöhnungsbedürftig.

Mal so gefragt: Würde etwa die Rolle von James Bond von einem Teenager oder, um bei Extremen zu bleiben, einem Schauspieler im Greisenalter besetzt werden, nur weil er gut spielt? Undenkbar. Aber bei der Oper scheinen andere Gesetze zu gelten, stimmliche und auch andere. Wieder etwas dazu gelernt.

Menschen beim Ausleben ihrer Talente zusehen zu dürfen, ist ein Geschenk. Eine so wunderbare Aufführung wie „Carmen“ zusammen mit Hunderttausenden Menschen in aller Welt zeitgleich live auf einer Montrealer Kino-Leinwand zu erleben, war ein unvergessliches Erlebnis.

Danke, Peter! Merci, Monsieur Bizet! Graçias Carmen!

Der erste Winter ohne Mallorca

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Gestern bei mir vor der Wohnung: Winterspaß ist anders.

Achtung, Erste-Welt-Sorgen: Dieser Winter nervt. Zum erstenmal seit zehn Jahren sind wir um diese Zeit nicht auf Mallorca sondern im heimischen Montreal. Zwar nur auf Zeit, denn die großen Reisen stehen noch bevor. Aber das, was uns Old Man Winter bisher geboten hat, erinnert uns jeden Tag aufs Neue daran, warum wir jahrelang kurz nach Neujahr das Weite gesucht haben.

Mal ertrinkt der Allwheeler in Eis und Schnee und es ist so kalt, dass die Spucke friert. Dann regnet es wieder in Strömen und macht aus dem Winterwonderland eine Matschwiese so groß wie ganz Montreal. Im Moment schneit es, was ja ganz schön sein kann. Nur wenn der Schnee dann zu gefrierendem Regen verkommt, ist es aus mit dem Spaß.

Mehr als 50 cm Schnee sind in den letzten Tagen gefallen, außerdem 30 cm Regen. Alsimg_1221 der Regen dann zu Eis gefror, brachen bei den lokalen Einsatzkommandos die Notrufleitungen zusammen. Pro Stunde gingen mehrere hundert Anrufe von Leuten ein, die sich bei Stürzen auf vereisten Straßen verletzt hatten. Die städtischen Räumkommandos mussten wegen Erschöpfung Zwangspausen einlegen.

Dass das Land, das ich mir zum Leben ausgesucht habe, kein Land ist, sondern ein nicht enden wollender Winter, hat schon Gilles Vigneault in „Mon pays, ce  n’est pas un pays, c’est l’hiver“ besungen.

Aber auch in Liedform taugt der beste Winter nichts. Dabei sind es nicht einmal die Minusgrade (35 Celsius waren es neulich mal), die nerven. Es ist vor allem die eingeschränkte Mobilität, die einem mit der Zeit auf den Senkel geht. Der Gang zur Markthalle wird zur Zirkusnummer. Wo ist Palma, wenn man es braucht?

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Neulich auf der Automobilausstellung: Fit für den kanadischen Winter.

Vorhin bei mir um die Ecke: Ein Mann, mein Alter, ist mit seinem Rollstuhl im Tiefschnee stecken geblieben. Ich befreie ihn aus seiner misslichen Lage und schiebe ihn bis vor seine Haustür. „Man sollte einfach in den Süden fliegen können“, sagt er zum Abschied.

Natürlich kann der arme Kerl nicht wissen, dass wir das große Glück hatten, die vergangenen zehn Winter im Süden verbringen zu dürfen.

Deshalb: Schluss mit dem Gejammer. Weil man uns im Zauberkurs nie beigebracht hat, wie man den Winter spurlos verschwinden lassen kann, nehmen wir das Schicksal eben selbst in die Hand.

In ein paar Tagen geht’s nach Kuba.

Gilles Vigneault: „Mon pays, ce n’est pas un pays, c’est l’hiver“

 

 

 

Death of a Family Man

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Sand and shells from Scott’s beloved Saint-Martin Island in the Caribbean were displayed at his Celebration of Life this afternoon in Senneville near Montreal.

Scott is dead. He didn’t even turn 65. No whining about the pain that must have plagued him in the end, no lamenting about what fate had demanded of him. „Courageously and peacefully“ he died, Liane texted us at dawn. Courageous and peaceful. That’s exactly what my friend Scott Ashford was during his lifetime.

Scott was never one of those to put the blame on others. He, who at a young age flew adventurous helicopter missions with the Canadian Air Force, endured his fate as one who had already known where his place was.

Soon that place would have been in the country, somewhere in the nearby Ottawa Valley.img_0891 (1) That was his dream. The land had been bought, the house had been ordered. Their home in Hudson had become too big for him and Liane. The girls – Katina, Cristal and Tiffany – were grown up. The grillmaster was looking forward to evenings at the barbecue.

Every year, after our return from Mallorca, we met for dinner. But this time it was different. We sat at a lovely Italian restaurant in Lachine, along the banks of the mighty St.Lawrence River. But this time Scott wasn’t the Scott we knew. He had no appetite, he talked little. „I’ll be all right,“ he said. Nothing was all right.

After dinner, he insisted on telling us his story. He took us to the Pointe-St.-Charles neighbourhood of Montreal, showed us his school, his church, his birthplace. You could call it a premonition.

When we visited him three weeks ago in the clinic, this wonderful soul of man wasn’t worrying about himself and his illness. He mainly talked about his wife, Liane, and their children.

The last true Family Man I know.

img_0867I remember my 50th birthday – exactly 20 years ago – where we celebrated with a few dozen people in the middle of the Canadian winter in a maple sugar shack somewhere in the Canadian bush. We all have experienced those moments after eating together. Everyone is full, pretty much everything has been said and most of us had already more than enough to drink. Actually one could think now slowly of going home.

But then this Teddy bear of a man stands up, wine glass in hand, and begins to talk … and talk … and talk. He spoke softly about the day we suddenly appeared as the new neighbours. “The Germans” from the big city – what should he think of them? His three girls were roughly the same age as our son, Cassian. Would they understand each other? Yes, they got on well right away.

When Scott had finished his little speech, one after another in the crowd stood, offered some anecdotes and toasted yours truly, the celebrant.

We lived house to house for a quarter of a century. He, the old hare [fox?], we the German Canadian greenhorns. When in autumn the leaves of the red maple trees gathered knee-high on our property and we could barely manage to dispose of the sea of crispy fall colour without someone’s help, Scott was there. He sat on his small tractor and ploughed through the leafy mountains with his mulcher – often a tall drink in his hand.

His neighbourly help, which soon grew into a friendship, knew no bounds. Whether in the house, in the garden or in front of the computer, Scott knew his stuff.

When, many years ago, after shooting a documentary film in Canada, I was sitting at a TV editing station near Düsseldorf, Germany, and noticed with horror that we were missing the background music, Scott sat for one whole night at my computer in Hudson to send the missing sounds to Germany via snail transmission with an analog 56-K modem.

For me, Scott Ashford was the epitome of the good Canadian: He didn’t complain, always found the time when he was needed. And he was often needed. For years, the risk manager of an IT company, he jetted around the world as an expert. Once he told me that he had accumulated so many airline miles that he and Liane would be able to spend the rest of their lives on bonus flights. But that didn’t work out, either.

When Scott lost his job because of outsourcing, he didn’t retire to his snail shell and sulk. He acted. Instead of pin stripes, he was now wearing working clothes and started servicing swimming pools. He cleaned the pools for the people in the village, repaired the pumps and found out what chemistry had to be in the water to get the right pH value.

When he was already clearly marked by cancer in the late autumn of last year, he was still chugging to his pool customers with his pickup truck. After all, he had promised them to make their swimming pools properly winterproof.

For his own swimming pool in Hudson, there was simply not enough time. The Family Man was simply too busy, and cancer can be a demanding master. Scott became weaker and weaker. But he never complained. In the early hours of January 15, 2019, he left this world, a world diminished by his passing. R.I.P. Scott Ashford.

THANKS to Doug Sweet who helped me with the English version of the original blogpost.