Blumenwiesen beim Ballermann

BannGleich hinterm Ballermann liegt ein Stück Mallorca, das jedes Klischee sprengt. Es gibt dort Blumenwiesen und Reihenhäuser, ein bisschen Vorstadtmief und auch ein paar Villen, die den ultimativen Panoramablick auf Palma freigeben.

Keine Kneipe weit und breit und auch kein Supermarkt. Und, zumindest um diese Jahreszeit, so gut wie keine Touristen. Dafür lauschige, meist felsige Badebuchten, die leicht zu Fuß von Arenal aus zu erreichen sind. Von Palma fährt sogar ein Stadtbus nach Cala Blava.

Nur ein paar Steinwürfe entfernt von Touriläden wie „Hans Wurst“ und „Aber hallo!“ liegt dieses kleine Suburbia, in das sich allenfalls ein paar Wanderer und Radfahrer verirren, die alles andere schon abgegrast haben.

Dabei ist Cala Blava ein echtes Kleinod. Es sind nicht die Protzvillen, ohne die es auf Mallorca einfach nicht zu gehen scheint. Und auch die Reihenhaus-Siedlungen sind nicht die eigentliche Attraktion. Es ist das Panorama.

Die Sicht über die komplette Buch von Palma ist es, die den Betrachter fesselt. Und stets im Hintergrund das Tramuntanagebirge, das die Playa de Palma nie aus den Augen lässt.

Wundertüte Mallorca eben.

Die Geschichte vom Palmesel

semanaHeute ist Palmsonntag. Hunderte von Gläubigen verstecken sich zum Beginn der Semana Santa unter ihren Bußgewändern und ziehen in stundenlangen Prozessionen durch die engen Gassen von Palma. Und während ich der Palmsonntags-Prozession vom Balkon unserer Ferienwohnung aus zuschaue, fällt mir eine Episode aus meiner Jugend im oberschwäbischen Ummendorf ein. Ich habe sie vor Jahren schon einmal hier im Blog erzählt. Aus gegebenem Anlass gibt es ausnahmsweise mal eine Wiederholung:

Der liebe Gott in meinem Dorf hieß Hermann Dannecker und war weder lieb, noch ein Gott, sondern der katholische Pfarrer. Er war knorrig und klein und dünn und grauhaarig und hatte eine fahle Haut, die an das Kalkweiß der Kirchenwände erinnerte. Außerdem war er meistens schlecht gelaunt, besonders in der Fastenzeit. Da wurde im Dorf nicht geschlachtet und die Bauern schickten ihre Kinder nach dem Metzgen nicht mehr mit Rauchfleisch, Blutwurst und Leberwurst  ins Pfarrhaus.

Das Haus, in dem der Dekan domizilierte war ein Schloss. Gelegentlich fanden dort Konzerte des Blockflötenorchesters statt, oder auch Feste, zu denen der Feuerwehrhauptmann eingeladen hatte. Gefeiert wurde nur im Erdgeschoss. Die Wohnung des Pfarrers und seiner Schwester, die seine Haushälterin war, befand sich im ersten Obergeschoss.

Ein recht gestrenger Herr war Hermann Dannecker, der so ganz anders aussah als der liebe Gott auf den bunten Bildern in meiner Kinderbibel, viel ernster und alles in allem weniger göttlich.

Einmal gab mir der Pfarrer, der auch mein Religionslehrer war, eine Ohrfeige, weil ich ihn nicht, wie von ihm gewünscht, mit „Herr Dekan“ ansprach sondern mit „Herr Dannecker“. Dabei war ich mir gar keiner Schuld bewusst. Schließlich nannte auch mein Vater den Pfarrer im Ort öfter mal „Herr Dannecker“, oder auch nur „der Dannecker“, während meine Mutter, die von einem Bauernhof stammte und bis zu ihrem Lebensende allergrößten Respekt vor Menschen in violetten Hüten und Talaren hatte, treu und brav beim „Herrn Dekan“ blieb.

Was mich enorm störte, war die Tatsache, dass der Dekan alles, aber auch alles über mich wusste. „Bist du unkeusch gewesen?“, fragte er im Beichtstuhl. Unkeusch waren wir doch alle. Mehr oder weniger. Ich kannte keinen Jungen in Ummendorf, der nicht große Lust dabei verspürte, der dicken Margret unter den Rock zu starren, wenn sie die Chortreppe empor ging. Würde der Herr Dekan dieses Geheimnis wirklich für sich behalten, wie es sich für einen Geistlichen gehört? Hoffentlich.

Die dicke Margret, jüngste Tochter vom Bauer Hetzer, wusste sehr wohl um ihre ländlich-unsittliche Anziehungskraft und nutzte diese auch weidlich aus. Gelegentlich hielt sie nach dem Schulunterricht in der Materialkammer Hof und verlangte von jedem, der ihr unter den Rock schauen wollte, zehn Pfennig. Berühren kostete 50 Pfennig. Mehr gab’s nicht. Dies wiederum hatte zur Folge, dass einige von uns Buben in der großen Pause gelegentlich Kohldampf schoben, weil das Geld, das für die Laugenbretzel beim Bäcker Angus vorbestimmt war, in Margrets Rocktasche landete.

Für Geschichten wie diese interessierte sich der alte Schlawiner im Beichtstuhl ganz besonders.

So richtig göttlich konnte sich der Dekan jedoch am Sonntag vor Ostern fühlen. An diesem Tag, dem letzten Sonntag der Fastenzeit, wird in sämtlichen Dörfern Süddeutschlands Palmsonntag gefeiert. Hermann Dannecker zelebrierte diesen besonderen Tag, wie viele seiner Priesterkollegen zwischen Neckar und Bodensee, Palmwedel schwingend auf dem Rücken eines lebensgroßen hölzernen Esels auf Rädern, der von zwei Ministranten durchs Dorf gezogen wurde. Vom Rücken des Esels aus segnete Hermann Dannecker seine Schäfchen am Wegesrand.

Honoratioren wie der Bürgermeister, der Feuerwehrhauptmann und der Oberlehrer Hummel folgten unmittelbar dem Esel, wobei Herr Hummel, ähnlich wie im Schulunterricht, immer etwas Schlagseite zu haben schien, aber ansonsten ganz nett war. Bier sei sein Lebenselixier, hieß es im Dorf. Erst hinter dem Dreigestirn aus Pfarrer und anderen angesehenen Leuten durfte dann das gemeine Dorfvolk feierlichen Schrittes Herrn Dannecker auf seinem Holzesel folgen.

Die Palmprozession soll eigentlich an den festlichen Einzug Jesu Christi in Jerusalem erinnern. Mich erinnerte sie jedes Mal an einen Kreuzzug mit einem Cowboy Gottes an der Spitze, der in Ermangelung eines Pferdes auf einem Esel durch die oberschwäbische Prärie reitet.

Der  Palmesel war aus hellgrau gestrichenem Holz, hatte traurige, dunkelbraune Augen, aber witzig aufgestellte Eselsohren, die dem Ganzen etwas Skurriles und eher Unfeierliches verliehen. Das Eselskonstrukt war so groß wie ein richtiger, ausgewachsener Esel und rollte auf vier Rädern, deren Kugellager so unangenehm quietschten, dass mein Vater nach einer dieser Palmprozessionen beim Mittagessen meinte, ein russischer Störsender sei ein Dreck dagegen. Außerdem sei am Esel der Lack ab und er bräuchte längst einen neuen Anstrich, am besten mit Dispersionsfarbe. Die trockne am schnellsten und färbe nicht ab, falls es während der Prozession mal regnen sollte.

Im folgenden Frühjahr war es soweit. Der kleine Malerbetrieb meines Vaters hatte die jährlichen Instandsetzungsarbeiten im Pfarrschloss abgeschlossen und quasi als Sahnehäubchen vom Dekan noch den Auftrag erhalten, dem Palmesel durch einen Farbanstrich zu neuem Glanz zu verhelfen. „Eselsgrau natürlich“, lautete der göttliche Auftrag. „Natürlich. Eselsgrau. Was sonst?“, die Antwort des Malermeisters.

Neben dem runderneuerten Farbfell sollten auch noch die Hufen neu bemalt werden, forderte der Pfarrer. Und die Ohrläppchen solle der Maler doch, wenn’s geht, farblich vom Innenohr absetzen. Und nicht zu vergessen das Maul. Das solle diesmal um Gottes willen nicht wieder in diesem schrecklichen Purpur gehalten werden, ein dezentes Dunkelblau tue es auch, lautete der Auftrag des Dekans.

Da stand er also in Vaters Malerwerkstatt, der Holzesel, der seit Jahrzehnten zum Dorfgeschehen gehörte wie der Maibaum im Frühjahr und der Starkbieranstich der Brauerei Bischof im Oktober. Ganz unzeremoniell hatten ihn der Mesner Völker und dessen Sohn Armin, seines Zeichens Oberministrant, in unsere Werkstatt gezogen. Vater machte sich sofort an die Arbeit. Wenn der Esel mal wieder eine Runde trocknen musste, schlichen wir Brüder uns schon mal in den Lackierraum und wunderten uns, dass der Esel weder einen Po noch ein Geschlechtsteil hatte. Immerhin einen Schwanz hatten ihm die Eselsmacher verpasst, ein dickes Seil aus Haferstroh.

Nach einer Woche war der Auftrag erledigt.

Gut sah er aus, geradezu prachtvoll. Jeder Pinselstrich saß. Die Schönheitskur tat dem Esel gut. Die Augen blickten nicht mehr ganz so traurig in die Welt und die Eselsohren waren jetzt perfekt und vermittelten dem Gesamtkunstwerk eine schlichte Natürlichkeit. Der Malerstolz war meinem Vater ins Gesicht geschrieben, als er uns endlich den runderneuerten Palmesel vorführen konnte.

„Los, hock dich drauf“, befahl er mir. Während Mutter noch etwas von “Gotteslästerung” sprach,  zog Vater bereits den geschlechtslosen Esel eine Runde durch die Werkstatt und lachte dabei schelmisch. Was für ein erhebendes Gefühl! Selbst das Quietschen war wie weggezaubert. Vater hatte sogar die Kugellager gereinigt und tüchtig mit Öl nachgeholfen.

Auch der Dekan war zufrieden. So schön sei der Esel noch nie gewesen, sagte Hermann Dannecker in feierlichem Ton, als er dem Palmesel einen Besuch in Vaters Malerwerkstatt abstattete. Gleich morgen werde er ihn abholen, kündigte der Pfarrer an. „Ich bring zwei Ministranten mit, die sollen den Esel dann wieder ins Pfarrhaus ziehen.“

„Gute Idee“, meinte mein Vater und schob dem Dekan die handgeschriebene Malerrechnung zu. „Abholung nur bei Barzahlung, gell Herr Pfarrer“. „Das geht natürlich in Ordnung“, sagte Hermann Dannecker. „Was macht’s denn?“ „500 Mark die Arbeiten im Schloss, 50 der Esel.“

Der Dekan räusperte sich und ging. Zwei Stunden später stand er wieder in der Werkstatt.

“Grüß Gott, Malermeister!”

 “Was gibt’s, Herr Dannecker?”

“Unseren Palmesel, könnte ich den vielleicht gleich mitnehmen und die Rechnung erst später begleichen?” fragte der Pfarrer. “Sagen wir mal am Dienstag nach Ostern?”

Die Handwerker im Dorf – und damit auch mein Vater, der Malermeister – kannten das schon. So war sie nun mal, die Kirche. Immer schön hinhalten mit dem Bezahlen. Oder noch besser: Darauf warten, bis man weich wird und dem Pfarrer die Rechnung erlässt. Natürlich zum Wohle Gottes. Meistens hatte mein Vater kein Problem damit. Doch diesmal war es ihm ernst: “Kein Geld, kein Esel.”

Zwei weitere Versuche, den lackierten Esel zum Nulltarif aus der Malerwerkstatt zu bekommen, scheiterten. Zwei Tage vor  Palmsonntag kam der Dekan mit Verstärkung im Schlepptau. Hermann Dannecker brachte den Mesner Völker mit, ein Herrenschneider von Beruf, der eigentlich wissen sollte, dass keiner der Handwerker im Dorf wegen Reichtums schließen musste.

“Komm, Toni”, appellierte der Schneidermeister an meinen Vater, “rück den Esel raus, sonst gibt’s womöglich keine Palmsonntagsprozession.”

Und wieder setzte mein Vater dieses schelmische Lächeln auf, das nur die zu deuten wussten, die ihn wirklich gut kannten. Ich zum Beispiel. Ich wusste, dass Vater in dem Moment die enorme Geschichtsträchtigkeit dieser Perspektive zu schätzen wusste: Eine Palmsonntagsprozession ohne Palmesel hatte es in Ummendorf bis dahin noch nie gegeben. Herrlich! Endlich würde er, der Malermeister, dem Pfarrer seine Knausrigkeit heimzahlen können – und das ganze Dorf schaut zu.

Der Countdown konnte beginnen. Vierzehn Tage vor Palmsonntatg, zehn Tage. neun Tage – an ein Einlenken war nicht zu denken. Keine Kohle, kein Esel.

Wir saßen gerade beim Vesper, als am Vorabend des Palmsonntags der Dekan Dannecker noch kreidebleicher als sonst in der Küche erschien. Mutter erstarrte gottesfürchtig, Vater triumphierte innerlich. Meine Schwester rückte näher zum Vater. Mein großer Bruder hielt Mutters Hand. Jedem von uns war klar: Showdown. Jetzt oder nie.

“Wie wär’s denn, wenn …”, hob Dekan Dannecker an und wurde jäh unterbrochen. “Kein wenn und kein aber”, sagte mein Vater jetzt energisch, aber nicht unhöflich. “Entweder Sie bezahlen die Rechnung sofort, oder der Esel bleibt in der Werkstatt.” So spricht einer, der mit einem ein Hühnchen zu rupfen hat. Und davon gab es zwischen meinem Vater und dem ungnädigen Pfarrer einen ganzen Stall voll. Nicht alle hatten mit Geld zu tun.

Die beiden Männer einigten sich schließlich auf einen Kompromiss: Das Geld für die Arbeiten im Pfarrschloss könne noch warten. Die 50 für den Esel seien jetzt fällig, sofort und auf der Stelle. Hermann Dannecker zog zwei Zwanziger und einen Zehner aus der Jackentasche, mein Vater stellte zwei Schnapsgläser auf den Küchentisch. “Prost, Herr Pfarrer”.

Als sich am nächsten Morgen die Gemeinde zur Prozession versammelte und der frisch herausgeputzte Esel mit dem Pfarrer auf dem Rücken von den beiden Oberministranten durchs Dorf gezogen wurde, winkte der Cowboy Gottes wie üblich mit Palmwedeln und segnete dabei sein Volk, als wäre nichts passiert.

Und der Palmesel schaute so verschmitzt unter seinen frisch getünchten Wimpern hervor, als würde er gleich vor Freude schreien.

Weitere amüsante Kurzgeschichten aus Ummendorf und dem Rest der Welt finden Sie in meinem Roman „Das gibt sich bis 1970“

Windiger Weg nach Valdemossa

bergbannerViele Wege führen nach Valdemossa. Einen davon hat der österreichische Erzherzog Ludwig Salvator als Reitweg im 19. Jahrhundert angelegt. Wir sind ihn nachgewandert. Start und Ziel: Das wegen seiner Schönheit am meisten besuchte Bergdorf Mallorcas.

Von den verschiedenen Varianten, von Valdemossa und wieder zurück zu wandern, haben wir die „Kleine Runde“ gewählt – und fast sechs Stunden dafür gebraucht. Mit viel Vesper, Vogelgezwitscher und Fotografieren. Vor allem aber mit Staunen über so viel Naturgewalt. Und mit einem Panoramablick, den es so spektakulär vermutlich nur von wenigen Stellen der Insel aus gibt.

Dass dort oben, auf dem malerischen Nordgipfel, stürmische Winde wehen, die einem fast das Wurstbrot aus der Hand blasen, trägt zur Besonderheit dieser Wanderung bei. Für sie muss man sich auch bei sommerlichen Temperaturen in jeder Hinsicht warm anziehen.

Geradezu sensationell ist die Sicht vom Hochplateau des Tramuntana-Gebirges aus in die Bucht von Deià – mit einem Blick in die Bucht, in der die zurzeit teuerste Immobilie Mallorcas liegt. Der Hollywodstar Michael Douglas will schlappe 50 Millionen Euro für sein Schmuckstück. Endlich bekommt der englische Ausdruck vom „Million Dollar View“ ein Gesicht.

Der Aufstieg über Schotterpisten bis zu den schroffen Felsen des windigen Hochplateaus hat seine Tücken. Der Abstieg über den steinigen Karrenweg auch. Der Preis dafür sind Eindrücke, die ein Leben lang haften bleiben werden.

So wunderschön sieht die Welt von dort oben aus, dass der Wanderer die Qual der Wahl hat. Es ist eine selten schöne Entscheidung, die er jetzt treffen muss: Wo, bitte, soll man bei dieser landschaftlichen Vielfalt zuerst hinschauen?

Nur nicht überall gleichzeitig! Man könnte sonst en Stück Paradies verpassen.

Durchgeglückt: Neulich am Meer

galerie

Wer in der Tiefe Oberschwabens aufgewachsen ist und jahrelang in der kanadischen Prärie gelebt hat, kann sich der Faszination Meer einfach nicht entziehen. Wer sich dann, im fortgeschrittenen Alter, endlich seinen Kindheitstraum erfüllen und tatsächlich am Meer leben darf, ist einfach dankbar für so viel “Glück gehabt im Leben!”. Und zückt die Kamera, um sein kleines Glück in Bilder zu fassen. Die Fotos sind in den vergangenen Tagen entlang der Playa de Palma entstanden.

Die armen Schlucker von Palma

TonnenJeder kennt sie, keiner mag sie. Dabei waren sie noch vor wenigen Jahren gefeiert worden wie die Rockstars der Abfallbeseitigung. Heute sind die 360 braunen Müllmännchen, die über die Altstadt von Palma verteilt sind, ein trauriger Anblick. Mit ihren hässlichen Plastikhauben erinnern sie an arme Schlucker, denen die Luft ausging.

Und genau so ist es auch. Mit großem Brimborium waren die Roboter ähnlichen Figuren vor 13 Jahren in Betrieb genommen worden. Die Anlage machte Sinn: Damit die lauten und stinkigen Müllwagen nicht mehr durch die engen Gässchen der Altstadt von Palma navigieren mussten, wurde ein unterirdisches Absaugsystem installiert.

Doch wie so oft, wenn die EU die Finger im Spiel hat, ging auch diesmal wieder einiges gründlich daneben. Das unterirdische Rohrsystem, durch das der Abfall, abgesaugt und in eine zentrale Müllverbrennungsanlage transportiert werden sollte, hielt dem Druck nicht Stand. Bei Saug-Geschwindigkeiten von 60 Stundenkilometern erwiesen sich die Rohre als porös. Beim Bau war das falsche Material verwendet worden.

Und überhaupt schnellten die Installationskosten mit Müllgeschwindigkeit in die Höhe. Sollte das zunächst als „Revolution von Palma“ gefeierte Absaugsystem urspünglich 18 Millionen Euro kosten, betrug die Endabrechnung schlappe 9 Millionen Euro mehr. Von den 27 Millionen hatte die EU knapp die Hälfte übernommen.

Seit der Stilllegung der braunen Tonnen im Mai 2012 ist nicht viel passiert. Das heißt doch: Die Containerköpfe wurden mit Plastikfolie versiegelt. So kam niemand mehr auf die Idee, die Müllmännchen zu füttern. In unmittelbarer Nähe der damals so trendigen Tonnen stehen heute ganz normale Abfallcontainer, die leider allzuoft hoffnungslos überfüllt sind. Es liegt also einiges im Argen mit der Müllentsorgung auf Mallorca.

Und natürlich wird prozessiert. Palma will Kohle. Während des gerade angelaufenen Schadensersatzprozesses der städtischen Energiebetriebe Emaya gegen den Hersteller Envac Iberia dürfen die braunen Männchen aus Gründen der Beweisführung noch stehen bleiben.

Danach kommen sie in den Müll.