(K)ein bisschen bibbern in Palma

snowWie heisst es nochmal, das weisse Zeugs auf dem Berg dahinten? Stimmt: Schnee. Lange nicht mehr gesehen. Eigentlich nichts Besonderes für einen Kanadier. Aber auf Mallorca? Hier scheint wirklich alles möglich.

cold

Türschild einer Boutique in Palma.

Palma bibbert. So kalt wie zurzeit haben wir die Insel in den vergangenen sieben Jahren nie erlebt. Höchsttemperaturen von gerade mal 8 Grad sind eher die Regel als die Ausnahme. Nachts sinkt das Thermometer selbst in der Stadt noch auf den Gefrierpunkt.

Und jetzt auch noch schneebedeckte Berge in der Tramuntana! Die Heizpilze vor der „Bar Bosch“ laufen zurzeit auf Hochtouren. Gut so. Nur Warmduscher nehmen den Cortado im Inneren der Bar zu sich. Kälte erprobte Schwabokanadier lächeln die paar Grad weniger einfach weg und verharren hartnäckig unterm Sonnenschirm. Ob’s stürmt oder schneit.

In Montreal hat es heute übrigens minus 18 Grad. Macht 26 Grad weniger als in Palma. Damit lässt es sich leben.

NACHTRAG: Das Große Frieren hat ein Ende. Kaum war der Bibbertext fertig, kam die Sonne wieder raus und die Puderzuckerhütchen im Tramuntana-Gebirge schmelzen nur so dahin.

Schlossherr für einen Abend

umm

Katholische Kirche Ummendorf. © Bopp

Wenn sich ein Saal bis zum letzten Patz mit Menschen füllt, die alle gekommen sind, weil sie sich für dein kleines Leben interessieren, dann kann das auch für einen gestandenen Radiomann zur Herausforderung werden. Alles ging gut. Der Abend im Ummendorfer Schloss gehört zu den ganz persönlichen Highlights meiner Aufenthalte in der „alten Heimat“.

Alle waren sie da: Schulfreunde aus den 50er- und 60er-Jahren. Familienangehörige und Verwandte, ehemalige Nachbarn und Wegbegleiter. Und auch die Vertreter der Gemeindeverwaltung und des Bürgervereins, der den Abend organisiert hatte – allen voran ein rühriger Mann namens Hansi Lutz. Ihm gebührt Dank, dass er das alles so hingekriegt hat.

Schulfreunde aus Ummendorfer Zeiten: Alfred Clauss, Irmgard Ströbele, Arthur Hepp

Schulfreunde aus Ummendorfer Zeiten: Alfred Clauss, Irmgard Ströbele, Arthur Hepp (v.l.n.r.)

Und natürlich hat die umtriebige Schulfreundin Irmgard Ströbele wieder alle Register gezogen, damit sich der Gast aus Canada de Mallorca nicht nur an diesem einen Abend in der Heimat wohlfühlt, sondern auch am nächsten Tag beim Mittagessen.

castle copy

Schmuckstück Schloss. © ummendorf.de

Im Beisein des Bürgermeisters und des Kämmerers der Gemeindeverwaltung wurden im „Bräuhaus“ neue Kontakte geknüpft und alte Anekdoten ausgetauscht. Besonders schön: Ein paar SchulfreundInnen aus meiner Ummendorfer Jugend saßen auch am Tag nach dem Schloss-Vortrag wieder mit am Tisch.

Schöner konnte die Rückkehr zu den Wurzeln nicht ausfallen.

Dass sich Menschen für Menschen mit Geschichten interessieren, zeigte sich auch am Medienecho. Der Kollege, der den Bericht für die Schwäbische Zeitung verfassen musste, war nicht zu beneiden. So viele Geschichten, so viele Fakten und Zahlen – das Ganze bei durchaus ausbaufähiger Akustik im Schloss-Saal. Dass er dabei „Inuit“ mit „Juniten“ verwechselt hat, sei ihm verziehen.

Hier geht’s zum Bericht über den denkwürdigen Abend im Ummendorfer Schloss.

Palma – Leutkirch – Ummendorf

leutkirchVon Palma de Mallorca nach Leutkirch im Allgäu ist es, für kanadische Verhältnisse, nur ein Katzensprung. Kurz mit dem Flieger nach Stuttgart. Dann im Mietwagen über die Schwäbische Alb – und schon ist man da. Stellt sich nur die Frage: Warum verlässt ein Mensch von mäßiger Intelligenz das warme Palma, um mitten im Winter ein Wochenende im zugeschneiten Leutkirch zu verbringen?

Zum Beispiel, um einen guten Freund zu sehen. Dem geht es zurzeit nicht so gut. Und weil man Freunde in der Not nicht im Stich lässt, fliegt man schon mal von der Insel aufs Festland und stattet einen Krankenbesuch ab.

Ein anderer Grund hat mit essen und trinken zu tun. Im Brauereigasthof „Mohren“, den zwei Freunde seit vielen Jahren mit großer Hingabe betreiben, wurde an diesem Wochenende das traditionelle Schlachtfest begangen. Mit Leckereien, wie man sie sonst nur in feinsten Häusern vorfindet. Wirsingsenfsuppe mit Floischkiachle ond Wachtelei gibt’s nun wirklich nicht an jeder Ecke.

Und weil sich auch andere Freunde gerne an kulinarischen Schweinereien laben, wird das Schlachtfest zum Treffpunkt für Menschen mit Geschichte und Geschichten, die schon so lange her sind, dass sie in den Geschichtsunterricht gehören und nicht in einen Blog.

Leutkirch wird gerne das „Tor zum Allgäu“ genannt. Ich nenne es das Sprungbrett zur Familie. Von hier aus lassen sich bequem Schwester und Basen, Nichten und Brüder, Schwägerinnen und Schwippschwager aufsuchen, die allesamt im Wilden Süden leben. Und wenn einer der Brüder dann zufällig noch Geburtstag hat – HAPPY BIRTHDAY, Wolfgang! – dann ist das erst recht ein Grund, das Paradies im Mittelmeer kurzfristig zu verlassen, um in den Winter einzutauchen.

Und noch einen entscheidenden Vorteil hat Leutkirch im Allgäu: Es ist nur ein Katzensprung nach Ummendorf. Dort, im Herzen Oberschwabens, geht an diesem Montag so richtig die Post ab. Kleiner Tipp: „Schwäbische Zeitung“ lesen und um 19 Uhr ins Schloss kommen.

Wer’s schafft, trifft dort einen dieser Menschen mit Geschichten.

Schatten im Paradies

schattenbannerWo Licht ist, ist auch Schatten. Und da es auf Mallorca vermutlich mehr Licht gibt als in den meisten Teilen der Welt, lässt sich auch der Schatten nicht lumpen. Raus aus der Dunkelkammer, rein in die Sonne: Auf geht’s zu einem fotografischen Spaziergang rund um Palma de Mallorca.                                                                                 © Fotos: Bopp

Der Bub vom Dorf wird zum Star

mattbannerWenn Blogleser über eine Suchmaschine auf dieser Seite gelandet sind, lässt WordPress mich das netterweise immer wissen. In den letzten Tagen fiel auf, dass ungewöhnlich viele User den Suchbegriff „Mathieu Holubowski“ eingegeben hatten, ehe sie den Weg zu den Bloghausgeschichten fanden. Kein Wunder: Mathieu, den wir seit seiner Kindheit kennen, ist auf dem Weg zum Star.

Bei „La Voix“, der frankokanadischen Version von „Deutschland sucht den Superstar“ hat Mathieu die Nase plötzlich ganz weit vorn. Die Jury war von seinem Auftritt begeistert, die Konkurrenz spielte und sang er mit einer beeindruckenden Leichtigkeit an die Wand.

Mathieu, Matt, Matthew oder auch Ogen, wie er sich nennt, ging mit Cassian zur Schule, wir wohnten damals im selben Dorf, 40 Kilometer außerhalb von Montreal. Seine ersten Griffe auf der Gitarre brachte sich Matt in unserem Wintergarten bei, ich erinnere mich noch genau. Auch daran, wie er bei Wind und Wetter, Gitarre auf den Rücken geschnallt, mit dem Fahrrad von Hudson in das Städtchen Dorion fuhr, um Gitarrenunterricht zu nehmen.

Schon bald gab es nichts mehr, was diesen sympathischen Kerl stoppen könnte.

Erst kamen kleinere Gigs in lokalen Bars, dann wurden die Säle größer. Es folgten die Vorstellung seiner ersten CD.

Dass Mathieu, aufgewachsen im kanadischen Hudson, gerade durch Ägypten reiste, als ihn das gewaltige Medienecho seines Fernsehauftritts erreichte, passt zu ihm. Sein Traum, erzählte er mir neulich noch, sei es, seine beiden Leidenschaften  unter einen Hut zu bringen: Musik und Reisen.

Bald könnte er es geschafft haben. Irgendwo am Horizont wartet seine erste Welttournee auf den netten Bub vom Dorf.