Kässpätzle in der Schinkenstraße

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Ich hab’s getan – und schuld daran ist Günther Jauch. Er hatte in seiner letzten Millionärs-Sendung einen Kandidaten gefragt, wo er denn seine Frau kennen gelernt habe. Der antwortete: „Am Ballermann. Danach sind wir in die Schinkenstraße gegangen“. Ein Ortstermin.

Die Schinkenstraße ist eigentlich eine Gasse. Sie führt am „Ballermann 6“ vom Meer weg in Richtung Norden. Im Sommer soll dort die Post abgehen. Horden von Touristen vergnügen sich dort angeblich rund um die Uhr mit Komasaufen und Schlimmerem. Zu erkennen sind sie an Sangria-Eimern, aus denen meterlange Strohhalme ragen. So viel zum Klischee.

Die Wahrheit sieht anders aus: Es ist Winter auf Mallorca und der Sangria bleibt im Schrank. Kaum mehr als ein Dutzend Touristen haben sich während meiner Stippvisite hierher verirrt. Die Straße selbst ist von allem ein bisschen: Ein bisschen heruntergekommen, ein bisschen interessant, ein bisschen langweilig. Und auch ein kleines bisschen schön.

Es wachsen Palmen entlang der Schinkenstraße. Und hört man genau hin, kann man sogar das Rauschen des Meeres vernehmen. Vor allem aber hört man Schlager wie „Schöne Maid“ oder „Ein Bett im Kornfeld“. Auch heute. Die wenigen Läden, die geöffnet haben, heißen Bierkönig, Grillmeister oder Donnerbalken.

Der Schilderwald ist unübersichtlich und auch ziemlich daneben. Da zeigt ein Pfeil zum deutschen Arzt und ein anderer, unmittelbar darunter, zur „Grand Prix Fahrschule“. Und dann ist da noch der Hinweis auf eine Wechselstube. Dem Schild zufolge können dort immer noch DM umgetauscht werden. Wer’s glaubt, wird (bier)selig.

Die Erotikschuppen sind geschlossen. Keine rothaarige Lola läuft mir über den Weg und auch keine Blondine, die eigentlich ein Blonder ist. Nichts von alledem. Dafür gibt’s Würste in allen Variationen und Frühstück den ganzen Tag. Nur: Was macht man um diese Jahreszeit in der Schinkenstraße, wenn nicht gerade Frühstückszeit ist?

Zum Beispiel Kässpätzle essen. Die hatte ich schon weitaus schlechter. Allein dafür hat sich der Weg zur Schinkengasse gelohnt.

Peinlich? Nur ein bisschen. Aber keiner wird gezwungen, die Schinkengasse aufzusuchen. Wer’s trotzdem tut, mag entsetzt sein, vielleicht aber auch begeistert.

Mir fiel beim Anblick der Partymeile am Ballermann ein Graffito ein, das ich vor Jahren im Deutschen Klub von Winnipeg/Manitoba gesehen hatte: „Gott schütze mich vor Sturm und Wind und Deutschen, die im Ausland sind“.

Die Schinkengasse gehört nun mal zu Mallorca. Und Mallorca zu den schönsten Flecken der Welt.

>>> Hier gibt’s ein paar Eindrücke von der Schinkenstraße <<<

Forum für Mallorca-Liebhaber

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Na bitte, geht doch: Anders als viele andere Foren und Chatrooms, die ich kenne, gibt es auf Mallorca eine Internetplattform, die wirklich Sinn macht. Das Mallorca Forum wird von den Usern ganz offensichtlich nicht nur angenommen, sondern auch für seinen hohen Informationswert geschätzt.

Hier werden Tipps und Termine ausgetauscht, Reisevorschläge gemacht, Fotos und Blogs eingestellt, das Ganze unter den wachen Augen einer kleinen Riege von wohlwollenden Moderatoren. Alles scheint gut eingespielt. Schließlich gibt es die Community seit zehn Jahren. Inzwischen zählt sie Tausende von Nutzern.

Damit der User von Anfang an weiß, von wem der Tipp kommt, werden die Foristenlogo eingeteilt in „Newcomer“, „Insel-Freunde“, „Insel-Kenner“ und „Insel-Veteranen“. Eine Anmeldung im Forum ist erwünscht, aber nicht zwingend erforderlich. Wer die Registrierung scheut, kommt allerdings nicht in den vollen Genuss der Plattform. Nicht-Registrierte können dann zwar mitlesen, das Posten bleibt allerdings denen vorbehalten, die sich mit Nickname und Email-Adresse angemeldet haben.

In einigen der Foren, in denen ich mich bewege, werden nicht selten Unsinn und wirres Gedankengut verbreitet. Nicht so im Mallorca Forum. Wer hier postet, will weiter. Weiter kommen oder weiter geben. Auf jeden Fall weiter helfen.

Da wird nach Sprachkursen für Neu-Insulaner gefragt und nach Rezepten für Orangenmarmelade. Da werden Kniffe ausgetauscht, wie man wo am besten und kostengünstigsten seinen aus Deutschland mitgebrachten Wagen ummelden lassen kann.

Auch Ladenöffnungszeiten werden gepostet und Termine für regionale Feste. Kleinanzeigen, sofern sie nicht gewerblicher Natur sind, dürfen hier ebenso geschaltet werden wie Erlebnisberichte – alles kostenlos und ohne Zeichenbegrenzung. Selbst die besten Locations für Hobbyfotografen werden gelistet.

Wer sich auf dem Mallorca Forum umsehen möchte, oder vielleicht sogar registrieren – hier ist der Link zur Startseite: http://www.mallorca-forum.com

Mandelblüte auf Mallorca

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Wer um diese Jahreszeit nach Mallorca kommt, darf ein kleines Wunder erleben. Mitten im Winter blühen die Mandelbäume. Vor allem im Osten und Südwesten der Insel, aber auch in der Küstengegend um Sóller, stehen Tausende der Bäume  in voller Blüte.

Für mich begann die Mandelblüten-Saison gestern in der Gegend von Paguera und Santa Ponça, entlang der Costa de la Calma. Dort sind auch die meisten der Fotos entstanden.

Es gab Zeiten, da war der Mandelanbau für die Bewohner der Balearen (über)lebenswichtig. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Mallorca von einer Reblausplage heimgesucht, die den Weinanbau praktisch zum Stillstand brachte. Und weil die Mallorquiner nie um eine Lösung verlegen sind, wurden eben Mandelbäume angebaut.

Heute gibt es rund 7 Millionen von ihnen. Sie wachsen teilweise wild, werden aber auch auf großen Mandel-Plantagen gezüchtet. cakeDie Ernte der Früchte erfolgt im Hochsommer. Sie ist mühsam und langwierig. Unter den Bäumen werden Netze ausgebreitet. Dann werden die Bäume geschüttelt. Die locker sitzenden Früchte werden mit Stöcken abgeschlagen.

Rund 7000 Tonnen Mandeln werden jedes Jahr auf Mallorca geerntet. Die besten von ihnen werden zu Mandelöl verarbeitet, aber auch zu Mandelschokolade und Mandellikör.

Besonders beliebt ist der Mandelkuchen, der in keiner Bar, keinem Café fehlen darf. Die Krönung: Mit Mandeleis.

Die ganze Stadt eine Grillparty

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Böser Petrus: Die ganze Nacht lang schüttete es wie aus Kübeln, als die Bewohner von Palma ihre Stadt in eine riesige Grillstation verwandelten.

Doch die Palmesanos ließen sich ihren Spaß nicht nehmen. Mit Würstchen, Steaks und Spießen ausgestattet strömten sie zu den Feuerplätzen, die von der Stadtverwaltung aufgestellt worden waren.

Das Massengrillen hat auf Mallorca Tradition. Es ist Teil der Feierlichkeiten für den Schutzpatron von Palma, Sant Sebastià. Die größte Party gab’s auf der Plaza Major. Dort tanzten Junge und Alte mallorquinische Volkstänze zu den Klängen einer Folkloregruppe –  in brandgefährlicher Nähe zu den meterhohen Scheiterhaufen.

Mit einer Reihe von Open Air-Konzerten endete die Partynacht wie sie begonnen hatte: im Dauerregen.

Aber wie das auf Mallorca so ist: Am nächsten Morgen schien wieder die Sonne. Und wer genau hinguckte, konnte in ihr ein Augenzwinkern entdecken. So, als würde sie sagen: „Tschuldigung für letzte Nacht“.

>>>>  Ein kurzes Video dazu gibt’s hier  <<<

Nacht der Teufel: Palma brennt!

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Vergangene Nacht in Palma: Feuer spuckende Drachen. Von Flammen berauschte Dämonen. Als Teufel verkleidete Mallorquiner, die in brandgefährlicher Nähe zu den Zuschauern ein Funkenmeer versprühen: Der Correfoc zu Ehren des Schutzheiligen Sant Sebastià stellt alles in den Schatten, was ich bisher an Pyrotechnik erlebt habe.

Eine Nacht lang herrscht Ausnahmezustand. Die Verkaufsstände auf dem Blumenmarkt wurden entfernt. Selbst die Stühle und Bistrotische der Straßencafés werden vorübergehend in Sicherheit gebracht. Diese Nacht gehört den Wilden mit ihren Feuerwerfern. Tausende von Menschen bevölkern die Rambla, um Zeuge eines Spektakels zu werden, das seinesgleichen sucht.

Den Correfoc mit einem schnöden Feuerwerk zu vergleichen ist, als würde man einen Waldbrand einem gezündeten Streichholz gleichsetzen. Natürlich wissen die Palmesanos, welche Schäden die Flammenwerfer anrichten können. Die ganz Mutigen stellen sich deshalb den Brandkanonen in feuerfester Kleidung in den Weg. Der Correfoc ist nichts für Zaghafte.

In den meisten Ländern der Welt wäre so ein Event vermutlich allein schon aus Sicherheitsgründen undenkbar. Aber selbst die Großen und Mächtigen mussten bislang vor der Kraft des Feuers kapitulieren. Das Ansinnen der EU, den Correfoc zu untersagen, wurden von den stolzen Mallorquinern schlicht ignoriert. Ein weiterer Grund, die Insel und ihre Bewohner zu lieben.

Der Feuerlauf findet jedes Jahr zu Ehren von Sant Sebastià statt, dem Schutzpatron der mallorquinischen Hauptstadt. Im Jahr 1559, als Palma von der Pest  heimgesucht wurde, galt der Heilige Sebastian als Helfer in der Not.

>>>  Kurzes (Amateur-)Video vom Feuerlauf auf YouTube  <<<