Wunder dauern manchmal etwas länger: Zweieinhalb Stunden sieht der Reiseführer für die Wanderung von Deià über den Cami de Castelló nach Sóller vor. Doch den Weg durchs Paradies hat der Wandergott mit Steinen bepflastert.
Dass wir gestern mehr als fünf Stunden in diesem spektakulären Stück Natur unterwegs waren, lag an der Szenerie. Die ist nämlich dort, in der nordwestlichen Ecke von Mallorca, buchstäblich atemberaubend.
Mit dem Bus geht’s von Palma nach Deià. Von dort aus führen gepflasterte Pfade durch traumhaft schöne Landschaften. Im Auf-und-ab-Rhythmus, oft mit Meerblick, führt die Wanderung vorbei an Olivenhainen und an Gehöften, von denen besonders die Finca Son Mico zum Verweilen bei frisch gebackenem Orangenkuchen einlädt.
Kurz danach dann das Aha-Erlebnis der Wanderung schlechthin: Der Blick über die Capella de Castelló hinweg auf den noch immer schneebedeckten Puig Major.
Schließlich das Finale Grande: Steiniger Abstieg durch Orangen- und Zitronenhaine ins Tal nach Sóller.
Aber es muss ja nicht immer nur O-Saft sein: Zur Belohnung lässt man sich auf dem Kirchplatz des Städtchens dann gerne auch mal reinen Wein einschenken.

Wie heisst es nochmal, das weisse Zeugs auf dem Berg dahinten? Stimmt: Schnee. Lange nicht mehr gesehen. Eigentlich nichts Besonderes für einen Kanadier. Aber auf Mallorca? Hier scheint wirklich alles möglich.



Von Palma de Mallorca nach Leutkirch im Allgäu ist es, für kanadische Verhältnisse, nur ein Katzensprung. Kurz mit dem Flieger nach Stuttgart. Dann im Mietwagen über die Schwäbische Alb – und schon ist man da. Stellt sich nur die Frage: Warum verlässt ein Mensch von mäßiger Intelligenz das warme Palma, um mitten im Winter ein Wochenende im zugeschneiten Leutkirch zu verbringen?